
Die leichtschwüle Luft dieses spät einkehrenden Sommers drückt uns beinahe zu Boden, als wir, Hand in Hand, die Finger ineinander verkettet, verbunden, den von Straßenlaternen gesäumten Weg entlangschlendern. Wir haben uns den Sonnenuntergang angesehen, haben Stunden damit verbracht, uns zu unterhalten, und am beinahe überfluteten Steg die Enten am See und die Wolken am Himmel zu inspizieren.
Diese zwei, drei Biere, dieser Wein, diese unzähligen Zigaretten. Und die Gespräche, die manchmal vor Tiefsinnigkeit nur so trieften, die Philosophie Marke Hausverstand hervorhob und uns all zu oft nur klüger erscheinen ließ, als wir es in Wahrheit sind. Und im Gegensatz dazu all die lustigen Anekdoten aus unserer beiden Leben, und die Momente, in denen wir uns vor Lachen kaum mehr einkriegen konnten. Und manchmal, wenn der Himmel gerade keine guten Wolken zu bieten hatte, und die Enten alle scheinbar auf Tauchstation waren, haben wir uns in die Augen gesehen. Nur kurz, aber eben doch.
Gleich sind wir zuhause. Nur noch einmal in diese Straße einbiegen und die Treppe hinauf. Und dann würden wir uns verabschieden und uns vielleicht noch zuwinken und dann in unsere beiden Wohnungen gehen, noch die Zähne putzen und dann ins Bett sinken, leicht beduselt, und mit einem Lächeln und Gedanken an uns einschlafen.
Du lässt meine Hand los, kramst nach dem Schlüssel, öffnest die Tür. Ich trete ein und im Eingangsbereich verketten wir uns wieder in dieselben Gespräche, die es verursachten, dass wir hier nun stehen, mitten in der Nacht. Und plötzlich ist es mir nicht mehr egal und plötzlich möchte ich dich einfach nur küssen. Küssen für diesen Moment und küssen, rein des Küssens wegen. Weil der Tag mit dir so schön, der Abend eine Offenbarung war. Und weil du mir gerade eben vielleicht doch etwas mehr bedeutest, als das, was du für mich bist.
In Wahrheit bist du ja doch nichts. Nichts, als eine Unbekannte, eine flüchtige Bekannte. In Wahrheit ist das, was uns verbunden hat und uns gerade in diesem Moment verbindet unser beider Verlangen und die Vorstellung und die kaum durchdachte Idee. Und irgendwann höre ich schließlich auf, über Trivialitäten zu reden und wir winken uns eben nicht zu. Umarmen uns und irgendwann berühren sich schließlich unsere Lippen.
Als wir uns lösen können, meinst du nur: „Komm. Komm mit. Komm, schlaf bei mir.“ Und es ist mir egal und ich folge dir. Folge dir in deine Wohnung und wir küssen uns, und halten uns an den Händen, verketten unsere Finger wieder. Spüren uns und berühren uns und schlafen irgendwann, kurz vor Sonnenaufgang ein, meine Hand um dich gelegt.
Sie strahlt in dein Zimmer und dein Vorhang hält nur wenig von der morgentlichen Sonne zurück. Ich bin munter und höre dich atmen, sehe dir zu, während du noch schläfst. Denke nach und bin plötzlich froh, gestern irgendwie gedankenlos gewesen zu sein. Und bin froh, dass all das, für diesen Moment gestern, genau das Richtige war. Genau das, was es sein sollte, und genau das, was mir gut tat. Und jetzt? Ich habe keine Ahnung, meine Liebe. Keine verdammte Ahnung.
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Gemocht?![]()
Foto: just4ikarus | flickr









