Liebe.

Wohnen

Meine Hand um ihre Hüfte gelegt. Aus der Ferne das Feuerwerk beobachten. Das erste Quartal.

Wie stellt man sich den schönsten Jahreswechsel vor? In den Armen des Menschen, den man liebt, oder? Ich zumindest sehe alles als schön an, wenn man es mit wundervollen Personen erleben kann. Den ersten Jänner dieses Jahres begann ich, in der Wiese stehend, mit ihr. Alles schien so großartig, so einzigartig. Das musste doch einfach ein wundervolles Jahr werden, dachte ich mir. Es hätte eben nicht besser starten können. Ich spüre immer noch dieses Gefühl, als alle Blicke auf den Himmel gerichtet waren. Und zwischen den Sternen und den vereinzelten Wolken Feuerwerksraketen explodierten.

Dass ich nun im letzten Teil meiner Schulkarriere stehen würde, wurde mir erst durch den Stress bewusst, mit welchem ich konfrontiert wurde. Dass sie sich dann auch noch auf eine Trennung einigte und irgendwann einmal mir davon erzählte, schien ich, mit nichts mehr zurecht zu kommen. Dass schon damals Liebe kurzzeitig in Wut umschlug, fiel mir erst kürzlich wieder auf. Heftige Einträge hier und all das. Ich hatte mächtigen Kummer und wusste einfach nicht, warum das Ganze. Warum es vorbei sein sollte.

Und irgendwann kamen die Gefühle wieder zurück. Ich nannte es von da an „Gefühlsflashback“. Manchmal kurzzeitig, und manchmal auch für lange Zeit. Dass zwei oder drei Wochen plötzlich wieder alles perfekt schien, und sie alles bereute und hoffte, alles besser zu machen, ließ auch mich wieder strahlen. Von nun an sollte alles besser werden. Nun würde auch sie richtig viel in diese Beziehung investieren.

Doch es wurde nicht so, wie wir es uns erhofften. Wie ich es mir erhofften. Dass jemand keinen Mumm hat, oder einfach nur ein Darmausgang ist, stelle ich jetzt mal einfach so in den Raum. Aber anfangs schien doch wirklich alles wieder zu passen. Schulisch wurde ich extrem gefordert. Die Noten sahen alle ganz anders aus, als ich sie mir immer erträumte. Probleme in Mathe, Französisch, Biologie, Chemie. Und ich wusste einfach nicht, wie ich das alles noch lernen sollte. Doch an die Matura war noch gar nicht zu denken. Dazu hatte man ja noch drei Monate Zeit.

Am Ende dieser ersten drei Monate habe ich sogar mit meinem ersten Buchprojekt angefangen. Und bis zu diesem Zeitpunkt insgesamt sechzehn Kapitel fertiggestellt.

Lied des Quartals: Nobody’s Girl – Ryan Adams.
Buch des Quartals: Jugend ohne Gott – Ödön von Horvath.

Was von diesen drei Monaten bleiben: Viele Erfahrungen. Gedanken. Und die Frage, ob nicht alles besser geworden wäre, hätte man das Ende eingesehen. Dieses Quartal steht unter dem Überbegriff „Liebe“. Weil das eigentlich das Haupterlebte in diesen drei Monaten war. Viel mehr möchte ich sowieso hier nicht mehr darüber kommentieren. Würde wohl entweder zu melancholisch oder zu brutal werden. Schon gut.

// Jahresrückblick 2007. Teil 1. Jänner, Februar, März.

Hier Sein.

Ja, ich weiß. Die Sorglosigkeit der Tage wird nie mehr so sein. Es ist alles anders und doch fühle ich mich wohl.

„Wie in guten alten Tagen.“, meinte Stefan, als wir während unserers Aufstieges mit dem Schlitten mal wieder eine Rauchpause machten. „Vollkommen sorglos. Absolut unbekümmert.“ „Wie in guten alten Tagen“, wiederholte er sich. Ich musste nicken. Es fühlte sich an, trotz der Kälte und dem Schnee und dem Schweiß wie der Sommer, den ich geliebt habe, und der mich lieben lernte. Wunderbare Tage, einige der schönsten meines Lebens. Und ich gerade erst mal siebzehn Jahre alt.

Alte Tage. Immer wieder rotieren diese Worte in meinem Kopf. Und was hält uns jetzt auf? Es war doch einzig und allein die Schule, die uns die Welt sorglos erscheinen ließ. Jetzt machen wir Zivildienst, oder Studieren schon. Warum nicht gute neue Tage. An mir soll’s nicht liegen. Ich wäre bereit, habe Zeit und Lust. Und habe einfach nur Verlangen nach diesem Gefühl vollkommener Unbekümmertheit.

Und trotzdem wird das Leben anders. Das ist es doch schon. Der Tod eines so sehr geliebten Menschen kann nicht einfach so vorübergehen. Dass man sagt, es ist geschehen, was soll man machen. Schön ist das Leben und ich mag mich auch. Nein. Das geht nicht einfach so vorüber. Es ist vielmehr eine Herausforderung. Und das Lernen, Momente im Leben viel mehr zu genießen. Man weiß nie wann es vorüber ist. Weiß nicht, ob solche Momente in ähnlicher Zusammensetzung wieder auftauchen.

Ich fühle mich sorglos. Ja, trotz allem. Weiß, dass noch nichts richtig verarbeitet ist. Aber ich scheine zu realisieren, schön langsam. Dass er nicht mehr kommt. Dass sie nicht mehr liebt. Ihn werde ich für immer lieben. Und sie. Hat ihre Chance vertan. Ich bin frei. Und liebe mein Leben. Ich habe mein Leben schon immer geliebt. Selbst wenn Texte von Suizid handelten, war das nur der Gedanke daran. Ich hätte viel zu viel zu verlieren. Vor allem meine Familie und meine Freunde. Menschen, die ich liebe. Und meine Träume. Viel zu kostbar.

Ich sehne mich nach meiner Zeit in Wien. Die nächstes Jahr, in zehn Monaten anfangen wird. Aber genieße jetzt auch noch die Zeit des Zvildienstes, freue mich auf den dreimonatigen Ferienjob. „Sag nicht, dass das ein sinnloser Tag ist. Einen Sinn hat jeder Tag.“, sagte sie immer zu mir, wenn ich mich über scheinbar sinnbefreite Tage ausließ. Jeder Tag hat einen Sinn. Das weiß ich nun. Ich bin unverliebt und fühle mich wohl in dieser Rolle. Bin kein unbedingt glücklicher Single. Aber auch keineswegs unglücklich. Froh über den beschissenen Abschluss einer teils wunderschönen, teils beschissenen Zeit.

Ich fühle mich wohl. Ich finde mich schön. Und bin froh. Froh, dass ich Menschen um mich habe. Menschen, die mich mögen, mich vielleicht sogar lieben. Menschen, die mit mir nachdenken, und mit denen ich grübeln kann. Menschen, die ebenso große Träume haben. Ich liebe das Leben und denke mir immer öfter. Eigentlich ist mein Leben sorglos. Eigentlich trage ich zwar eine verdammt schwere Last auf mir. Die Trauerverarbeitung. Und so weiter. Und doch hoffe ich nicht mehr auf einen so schönen Sommer wie damals. Ich bin bereit, ihn wieder so schön werden zu lassen. Ich helfe nach. Und werde all die Zeit, die nun noch folgt, wunderbar werden lassen. Eigentlich bin ich froh, einfach nur hier zu sein.

… Und Das Etwas Andere Weihnachten

Timi ist gerade erst ein halbes Jahr alt.

Als die Welt um ihn in Stress versinkt, er viele Menschen nur mehr selten sieht. Weihnachten würden es alle anderen nennen. Doch für Timi ist all das unverständlich. Das Fest der Geburt eines kleinen Kindes. Zu früh wäre es, um ihm alles zu erklären. Für ihn soll das
Weihnachtsfest eine Überraschung sein.

Alle finden sich ein, bei Timis Urgroßmutter. Wie jedes Jahr feiert die ganze Familie dieses Fest gemeinsam. Das Christkind hat auch einige Päckchen für Timi unter den Baum gelegt. Als endlich Bescherung stattfindet, leuchten seine Augen. Die vielen Kerzen, dieser wunderschöne Anblick. Irgendwie kann er alles noch nicht fassen. Und nachdem er sich eher mehr mit den Verpackungen als mit den Geschenken befasst hat, schläft er irgendwann ein. Schließt die Augen und verschläft den Rest des heiligen Abends.

Seine Familie, die Menschen, die er immer um sich hat und die ihn so sehr lieben, haben sich schon einiges für das nächste Weihnachtsfest
überlegt. Und haben gesagt, dass alles anders sein wird. Dass es ein viel schöneres Weihnachten ist, mit leuchtenden Kinderaugen und einer glücklichen Familie. Weit weg waren all diese belanglosen Weihnachtsfeste, an denen alles wie geplant, wie streng fixiert ablief.
Dieses Jahr würde Weihnachten anders werden, träumten sie.

Und dann hebt Timi plötzlich mit diesem, seinen Engel ab. Und findet den Weg zurück nicht mehr. Freut sich über seine Flügel und fliegt
herum. Er selbst ist ein Engel geworden. Nun ist er nicht mehr dieser lebendige, lebenslustige kleine Engel auf Erden. Er spielt nun im
Himmel. Und manchmal verliert er auch Gedanken, an all die Menschen, die ihn lieben.

Plötzlich steht das Weihnachtsfest wirklich vor der Tür. Seine Familie gibt zu, dass alles anders ist. Aber anders als gedacht. Zwei
leuchtende Augen fehlen. Ein Mensch fehlt. Weihnachten wird nicht so, wie es sich alle vorgestellt haben. Statt Lachen und Freude, werden Tränen erscheinen. Tränen, die mehr als begründet sind. Man feiert die Geburt eines kleinen Kindes. Und fühlt den Schmerz um den Verlust des eigenen. Nichts ist so, wie es sein sollte. Und doch ist es.

Und manchmal blickt Timi herab. Sieht diese, seine Menschen, wie der Stress an ihnen vorüberzieht. Sieht, wie traurig alle sind. Es gibt
sogar Momente, an denen er sich zurückwünscht. Und dann taucht er auch in den Träumen mit auf. Nur um seinen Lieben zu zeigen, dass es ihm gut geht. Ihnen hingegen geht es nicht gut. Und das Fest ist dieses Jahr wirklich anders. Anders als all die Jahre zuvor. Anders als gedacht.

Ich habe schon fast Angst vor heute. Schon fast. Angst.

Anders. Als Gedacht.

Alleine zuhause. Die Musik und die Dunkelheit. Ein wie der Dreck unter den Fingern ist auch sie hier. Die Melancholie.

Der Körper fühlt sich warm an. Fast unmerklich ging dieser Abend an mir vorüber. Dass meine Haare von heraufsprühendem Schnee durchnässt war, oder Kälte von unten in die Snowboardhose hineinkroch. Heute mal wieder. Elisabeth, Susanne, Stefan und Lukas gesehen. Spontanaktion mit Schlitten und Berg. Interessant kurvige Anreise, lange, beschwerlicher Weg bis zum Abfahrtspunkt. Und einige spektakuläre Stürze. Es war großartig, einzigartig, wunderbar. Ich habe diese Zeit, das gemütliche Zusammenhocken auf drei Schlitten, und die Rauchpausen und alles genossen. Die Unbeschwertheit der früheren Jahre unserer Freundschaft kehrten zurück. Für einen kurzen Moment. Der irgendwie lange anhält.

Kurz davor, der Weihnachtskaffee bei meiner Oma. Mit so vielen Verwandten, Menschen, die ich liebe und brauche. Die für mich da sind, wenn ich sie brauche. Und für die auch ich da wäre, wenn sie hilfefragend zu mir kommen würden. Spaß, und Sebastian. Dieser kleine Sonnenschein. Anfangs dachte ich, es wäre schwer, ihn so zu sehen. Ein Jahr älter als unser Timi. Doch schon wenige Tage nach dem Tod war das Spielen mit ihm eine schöne Zeit. Gute Ablenkung. Es ist doch alles irgendwie immer anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Es war schön, wieder einmal Manuela und Ernst zu sehen. Und die kleine Luisa im Bauch meiner Cousine. Auf die ich, sobald ich in Wien studieren werde, aufpassen werde. So oft es mir möglich ist.

Gestern der eher spontane nachgeschobene Besuch bei meiner anderen Großmutter, im Mühlviertel, einem der obersten Stückchen von Österreich. Mehr als eineinhalb Stunden Anfahrt. Es war wieder einmal schön, meine Oma zu sehen. Zu sehen, dass es ihr gut geht, und sie besser als beim letzten Mal aussieht. Verwirrt ist sie immer noch, aber der Kontakt zu ihr, die spärlichen Besuche, maximal drei Mal im Jahr, lassen mich immer mehr wünschen, mehr Zeit mit ihr verbracht zu haben. Früher, als sie noch woanders wohnte, als alles noch so anders war. Auch meine Tanten und meine Onkeln. Schön, wieder einmal diesen Hauch von Familie väterlicherseits zu spüren.

Und morgen die Bescherung bei meiner Oma mütterlicherseits. Schwer wird es werden. Anders. Anders als wir es uns noch vor zwei Monaten vorgestellt hatten. Ein Mensch wird fehlen. Er fehlt uns schon so lange Zeit, und gerade ein Fest wie dieses lässt vieles wieder aufflackern. Morgen wird sicher geweint. Das ist natürlich nicht schlimm. Nur eben anders, als wir alle es uns vorgestellt haben. Dieser Gedanke inspiriert mich übrigens auch gerade zu einer Geschichte. Die ich vielleicht heute, vielleicht morgen schreiben werde.

Jetzt sitze ich zuhause. Die nassen Schuhe, die kalte Hose ausgezogen, in meinen warmen Norweger-Pullover eingehüllt. Den Tönen von Ray LaMontagne und Remy Zero lauschend. Mit dieser sanften Musik und allem drum und dran sucht sie wieder den Weg in meinen Kopf. Im Herz ist sie irgendwie schon. Die Melancholie. Trotz des Spaßes und der Freude, die ich in den letzten Tagen erleben durfte. Immer wird es anders.

Es wird anders.
Immer.
Anders, als ich es mir vorgestellt habe.

Dry Your Eyes.

It Won’t Supposed To Be. Easy.

Mein linker Fuß folgt meinem rechten, und der Rechte meinem Linken. Und so bewege ich mich fort. Ziellos, wortlos, ratlos. Die Straßen sind überfüllt von der Leere, die die Dunkelheit in dieser Einöde mit sich zieht. Das Gras ist grau, der Bach rauscht schwarz, der Wind weht dunkelbraun. Ich bleibe stehen. Halte mich am Brückengeländer und spüre den kleinen Bach, der unter meinen Füßen, unter dieser Brücke unter mir hindurchfließt. Setze mich nieder. Der Asphalt ist eisig kalt. So wie die Luft und die Hand, die diese eine Zigarette, die letzte des Tages, hält.

Ich kotze hinein. In dieses fließende Gewässer. Welches scheinbar alles weit weg trägt. Irgendwann in diesen nahegelegenen Fluss mündet, der dann in den nächstgelegenen größeren Strom mündet, um dann irgendwann in dem großen braunen Fluss landet, der all das dann irgendwann einmal ins Schwarze Meer liefert. Kotze meine Gedanken heraus. Mir war schon wieder nach weinen zumute. Als über den letzten gemeinsamen Tag gesprochen wurde. Ich an diese warme, arme, sanfte Umarmung denken musste. Mit all den Schmerzen, die dieser kleine Körper durchstehen musste. Und wir und niemand anderer und die ganze Welt einfach nichts bemerkte. Den Tränen nahe und der Bewältigung doch so fern.

Kotze meine Gefühle hinein. Ich bin auf diesem Weg der Entwicklung, vom Kind zum erwachsenen Kind soweit vorangeschritten, dass ich wieder gelernt habe, Gefühle zu zeigen. Ich zeige sie nicht jedem und doch offenbare ich sie der Welt. Ich weine im Stillen und erzähle hunderten Menschen jeden Tag davon. Ich bin wütend und kann es nur kurz wirklich zeigen, bis die Worte Überhand von mir nehmen. Aber ich kotze diese Gefühle in den Bach um all das Überflüssige herauszulassen. Ich versuche nichts mehr zu unterdrücken. ich denke mir ständig, sollten sie kommen, die Tränen, oder die Wut, oder der Schmerz. Ich würde sie herauslassen. Aber irgendwo in meinem Körper, meinem Gehirn, blocke ich das Ganze ab.

Kotze mein Leben heraus. Um es mit dem nächsten Atemzug wieder einzusagen. Einmal die frische Luft erlebt. Die Realität, die Kälte zu spüren. Um zu fühlen, dass es hier draußen auch nicht viel wärmer ist, als in diesem stämmigen Körper, der mich hüllt. Eiskalt ist es. Kotze all das heraus, und wische mir den ganzen Mist von meinen Mundwinkeln in meine Ärmeln. Stehe auf und rauche diese Zigarette zu Ende. Gehe den Weg weiter. Hin zu ersten Kreuzung. Mich zu entscheiden war noch nie meine Stärke. Gäbe es von allem nur eines, nur eine Richtung, nur eine Wurst, nur ein Getränk, wüsste ich, was ich nehmen müsste. Doch jetzt stehe ich vor einer Entscheidung, die so schwer fällt, dass ich immer das Abwegigste auswähle. Um nicht aufzufallen.

Gehe in diese Richtung los. Beginne zu laufen. Komme aus der Puste. Bis ich irgendwann durch dieses Stechen im Oberkörper zusammenbreche, und einfach nicht mehr kann. Laufe davon, vor allem, und stehe dann an einem Punkt an dem es nur mehr ein Zurück gibt. Um mich der Welt zu stellen. Und irgendwann werde ich vielleicht auch in der Lage sein, dass ich meinen Gefühlen vollkommen freien Lauf lasse. Dass die Tränen einfach kommen. Und irgendwann gehen. „Dry Your Eyes.“, wünscht sich meine innere Stimme. „Bald“, antworte ich, „bald!“

So Close Your. Eyes.

So schlagen also Gefühle um. Von Liebe zu Wut. Von Zuneigung zu Zorn.

Es fühlt sich so falsch an. Ich sitze hier, und meine Gedanken werden verziert von Aggression und Vorwürfen. Nicht gegen mich. Die Zeit habe ich hinter mir. Oder sie ist einfach kurz verschwunden, ohne sich zu verabschieden. Und wird irgendwann einmal wieder auftauchen und mich überraschen. Aber so ist es. Ich habe mir einiges auferlegt. Habe Träume mit Fäusten bekämpft, der Realität den Mittelfinger gezeigt und doch habe ich mich mit ihr vereinigt. Habe begriffen, dass das Leben nicht so ist, wie ich es mir gerne wünschte.

Nichts ist so, wie man es sich wünscht. Alles entwickelt sich in eigenen Bahnen und zeigt wieder einmal, wie unberechenbar das Leben ist. Ich sitze hier, gähne, weil ich die letzte Nacht sehr schlecht geschlafen habe. Wundere mich über die schöne Musik, die aus meinen Lautsprechern erklingt. Und frage mich, was die Welt wohl da draußen so treibt, während ich in diesem leicht geheizten Zimmer herumhänge und Worte aneinanderreihe.

Was mich jetzt erwartet? Kummerstimmung oder Weinphasen? Vielleicht. Aber nicht deswegen. Etwas viel Schlimmeres ist passiert. Das war nur der entgültige Punkt hinter einem viel zu langen Satz von mir. Du bist mir egal. Obwohl du noch in meinen Gedanken auftauchst. Es heißt zwar, dass vergessen nicht möglich ist, wenn die Gedanken noch voll damit sind. Aber ich möchte dich vergessen. Möchte unsere gemeinsame Zeit vergessen.

Könnte ich die Zeit zurückdrehen. Könnte ich, würde vieles anders werden. Könnte ich die Zeit zurückdrehen, hätte ich unglaubliche Macht. Über mein Leben. Es wäre wunderbar, und doch bräuchte ich das Wissen von heute, um in der Welt von gestern weiter zu bestehen. Dass du bei vielen Gedanken vor einiger Zeit noch an erster Stelle warst, vergesse ich schön langsam. Dass du nur für mich da warst, weil es die Umstände irgendwie von dir verlangten, werde ich dir aber nie verzeihen. Du hast mir damit nicht geholfen. Wolltest wieder urteilen und dein „Wissen“ mit mir teilen. Du weißt gar nichts. Weißt doch nicht einmal, wer du bist.

Und so sitze ich hier. Und ärgere mich darüber. Ein weiteres Mal geschrieben zu haben, in dem das du eben du bist. Nimm es nicht zu Ernst. Wenn du es überhaupt lest. Wenn du dir überhaupt die Mühe machst. Der heutige Tag endet mit einem Eintrag, mit demselben Titel, mit dem dieser Blog begonnen hat. Sieh es als Zeichen. Leb Wohl. Und fick dich. Zurzeit wäre es mir am Liebsten, ich würde dich nie wieder sehen. //Schließ mal deine Augen. Und überlege. Nur ein kleines bisschen Überlegen würde manchmal nicht schaden. Und Mut. Ja. Mut wäre auch nicht schlecht.

The Sun Also Sets.

Alles geht unter. Irgendwann. Und irgendwie.

Es ist schon ein ganz besonderes Gefühl, hier zu sitzen, und ihr zuzusehen, wie sie sich langsam sinken lässt. Sie ist wunderschön und gibt mir Wärme, die ich manchmal gar nicht verdient habe. Sie hüllt mich ein und lässt mich nicht mehr los. Und ich bleibe sitzen, bin erstaunt ob ihres Anblickes. Eine Schönheit, so einzigartig und so großartig.

Doch immer kleiner wird sie. Langsam taucht sie in den See ein. Nur ein ganz kleines bisschen und der See gleicht sich ihr an. Das ergibt ein schönes Bild. Ihr müsst das einmal gesehen haben. Davon kann ich nur träumen. So bewegend, berührend und einzigaritg ist das ganze Hier. Ich lächle. Je weiter sie in den See eintaucht, desto mehr fange ich an zu lächeln.

Und desto dunkler wird es um mich. Ich tauche ein in einen ganz außergewöhnlichen Farbton. Und doch wird es immer dunkler. Zuerst ein kleine Grauschleier. Und ich fühle mich immer einsamer. Je weiter sie nach unten sinkt. Wo ist sie hin. Die mich den ganzen Tag begleitet. In meinen Gedanken, wenn ich aus dem Fenster sehe und aus der Tür trete. Wo ist sie hin. Ich dachte, sie hätte mir versprochen, immer für mich da zu sein.

Doch sie ist weg. Ein für alle Mal. Alles ist zu Ende. Und doch wird sie in zehn oder zwölf Stunden wieder auftauchen. Wird mich einnehmen. Wird mich wärmen. Die Sonne, sie kommt immer wieder. Das ganz andere Dinge endlich gegangen sind, tut gut. Nun lasse ich die Wärme besser an mich heran. Lasse es auch einmal regnen, ohne zu fragen, was ich denn falsch gemacht habe. Aber am Schönsten ist es, wenn die Sonne da ist. Nur ich und die Sonne. Die Welt um mich herum, und all die Menschen, die nur leere Worte faseln, sie sind mir egal. Lasst mich hier liegen. Lasst mich frieren und lasst mir eine Erkältung einfangen. In einigen Stunden wird sie schon wieder da sein.

//Ich liebe Fixpunkte. Die Sonne z.B. Das Dinge zu Ende gehen, tut manchmal aber auch richtig gut. Es ist gut, einen Abschluss zu haben. Zu wissen, dass das Ende nicht naht. Sondern,dass es da ist. [Keine Texte Über Liebe. Mit ihr als Hauptcharakter. Sie ist nicht ganz aus meinem Leben verschwunden. Manchmal werde ich noch an sie denken. Aber ich werde anders fühlen. Werde ich fühlen?]

All The Things I’ve Got.

All the things you I need.

Mit einem festen Druck auf die Stirn beginnen. Mit langsamen, festen Bewegungen den Träger meines Wissens leicht massieren. Dabei den ungewaschenen Haaren immer näher kommen. Auf meinen aufgerissenen Lippen herumkauen und mit der anderen Hand über mein unrasiertes Kinn streichen. Leicht genervte Gesichtszüge erkennen lassen. Den Blick zu ungeduldig wirkenden Augen verringern. Das Jucken in den Winkeln versuche ich mal zu ignorieren.

Von außen fällt Licht herein in dieses abgedunkelte Zimmer. Es prallt ab. Zuerst auf das in der Einfahrt geparkte Auto meines Vaters. Und dann tastet es sich langsam bis zu einem meiner vier Fenster vor. Das erste Links, wenn man es von meiner Tür aus betrachtet. Das Einzige ohne Gardinen. Mir Gedanken machend. Das ist jetzt also das Ende. Mhm. Es fühlt sich anders an. Ich fühle mich befreiter. Fühle mich anders. Fühle ich mich gut?

Ich fühle. Das ist schon mal ein gutes Zeichen. Und nein, ich habe mich nicht schon wieder verliebt, in eine Person, die schöne große Augen hat, und ein bezauberndes Lächeln. Nein. Und nein, ich warte auch nicht. Viel zu lange habe ich schon gewartet. Von all meinen Verliebtheiten habe ich fast drei Viertel gewartet. Gehofft. Dass alles besser wird. Gefühle und Gedanken auch für das Gegenüber das werden, was sie für mich sind. Wahre Gefühle. Liebe. Erst jetzt fällt es mir so gut auf, dass das alles schon einmal war. Schon einmal, zweimal, nein, dreimal. Dreimal vor ihr war ich ernsthaft verliebt. Immer wieder diese Rückfälle, das Warten und Hoffen und der Bruch. Hier ist er also. Der Bruch. Der Murenabgang, der den Weg, der uns verbindet, versperrt. Vielleicht wird er irgendwann weg sein. Aber bis dahin ist alles anders.

Ich habe jemand Besseren verdient, als dich. Denke ich mir die ganze Zeit. Überlege. Es gibt so viel mehr Menschen, die eine größere Fähigkeit haben, zu lieben als du. Ich frage mich, ob du überhaupt diese Fähigkeit hast. Ich atme diesen Duft ein. Aus meinem Zimmer. Als würde hier irgendetwas vermodern. Höchstwahrscheinlich ist das auch der Fall. Was mich immer noch zum Schmunzeln bringt, ist deine Aussage: „Ich mag deine Freunde nicht.“. Du hast es nie so wortwörtlich gesagt, es ist sicher kein O-Ton. Aber oft genug hast du mir genau das gesagt. Das Problem: Du hast dich nicht bemüht. Nie hast du dich bemüht. Du wolltest meine Freunde nicht nett finden. Wie so oft. Hast du dich nicht bemüht.

Das hier klingt wie ein weinerlicher Prozess der Abnabelung. Es ist aber viel eher eines der vielen Revue-passieren-lassen-Stadien. Du wirst mir jetzt auch noch immer in meinen Gedanken unterkommen. Aber nicht als die Person die ich bedingungslos liebe. Ich will mir nicht weiter weh tun. Aber es fühlt sich anders an. Es fühlt sich an, wie diese warme Musik. Mit dem zittrigen Cello im Hintergrund. Die Flasche neben mir, nein, kein Alkohol, nur geschmackverzerrtes Mineralwasser, leert sich von Minute zu Minute. Das Lied wiederholt sich zum fünfzehnten Mal. Ich reibe mir die Augen, so müde bin ich. Wie schon jeden Tag in den letzten drei Wochen. Das Bett neben mir, aber die fehlende Motivation vor mir.

Wo war er, der Neubeginn. Nach all den Jahren der Schule. Nichts wurde neu. Alles blieb beim Alten. Erst jetzt fühlt es sich richtig an. Zum ersten Mal seit langem spüre ich einen Schritt nach vorne. Ein Fortschritt auf dem Hundertmeter-Rückwärtslauf. Und mein Kopf fällt langsam zurück. Ich gähne. Viel zu lange und vulgär. Und so tippt mir die Dunkelheit mal wieder auf die Schulter. Freundschlaftlich begrüße ich sie. Aber hey, würdest du jetzt wohl sagen. Was ist schon Freundschaft.

Am Ende Der Liebe.

Bleibt ein leises Hoffen. Und die drei Worte, fest im Herz verschlossen.

Wie sehr wünsche ich mir, am Ende der Liebe angelangt zu sein. Jeden einzelnen Tag hoffe ich, endlich von dir loszukommen. Du gibst mir nichts. Schenkst mir keine Kraft. Raubst mir Energie. Es ist hart durchs Leben zu schreiten mit deinem Namen und deinem Gesicht in meinem Kopf. Schon zu Beziehungszeiten war ich jener, der 164 Proeznt von mir gab. Nur die restlichen 36 kamen von dir. Manchmal musste ich sogar noch mehr geben. Doch dieses Gefühl, welches eine Beziehung in einem aufkommen lässt, ist so wundervoll, dass man lange genug dazu bereit ist, viel mehr zu geben, als der andere verdient.

Vielleicht verdienst du mich nicht. Vielleicht verdiene ich dich nicht. Aber je älter die Tage werden, desto klarer scheint mir zu werden, dass auch das Warten keine Lösung ist. Wenn dir etwas an mir liegen würde, dann würdest du dich schon melden. Würdest dich melden, wenn du bei mir sein möchtest. Wenn du mir in dieser schweren Zeit beistehen möchtest. Dass du es nicht willst, zeigt mir ein weiteres Mal, wer du bist. Ich werde dich zwar nie begreifen können, aber schön langsam gebe ich es auch auf.

Ich erinnere mich noch an den Moment, als du irgendwann einmal diese drei Worte mir an den Kopf warfst. Einige Zeit, nachdem sie mir über die Lippen gerutscht waren. Meine schienen gezwungen, deine ehrlich. Ich weiß noch, wie wir bei dir in der Küche stehen, und ich dich total verwundert anblicke. Diese Worte hättest du nicht sagen sollen. Ich kann dir irgendwie nicht glauben, dass du mich jemals so richtig geliebt hast. Dass du mich geliebt hast, als die Schmetterlinge sich schon wieder verabschiedet haben. Als bei mir diese Propellerblätter in meinem Bauch weg waren, war Liebe da. Bei dir Rezession. Ich hätte es schon von Anfang an spüren müssen. Hätte viel früher auf mein Gehirn hören müssen, doch dagegen habe ich mich immer gewehrt, und werde es wohl auch noch lange Zeit tun. Ich bin ein Herzensmensch, werde geleitet durch das Herz, das rein nach Gefühl agiert.

Ich wünschte, ich wäre endlich am Ende der Liebe angekommen. Du bist es scheinbar schon. Ich möchte mal wieder einschlafen. Und wenn ich aufwache, soll ich dieses Lächeln auf meinem Gesicht finden. Und im Büro aus dem Fenster blicken, und still und leise meinen Tagträumen folgen. Weil ich einen Menschen kennengelernt habe, der mir geben kann, wonach ich mich verzehre. Zärtlichkeit, Wärme, Hoffnung, Zugehörigkeit, Sanftheit, Anmut, Grazie, Humor, Reife, einem Lächeln, Intelligenz und Liebe. Ohne den Versuch dich zu vergessen, beginne ich mehr und mehr, dich nicht als mögliche Freundin anzusehen. Nicht in der Liebe oder rein platonisch. Die Mail gestern sollte vieles klarstellen, und doch steckt sie voller Zweifel und fragender Ungewissheit. Ich will dich nicht mehr. Will nicht mehr Marionette meiner träumerischen Vorstellung sein, Spielzeug meines verrückten Herzens.

Hier bin ich. Am Ende der Liebe. Strecke noch einmal die Hand aus. Um alles noch einmal zu erfassen. Mit Remy Zero und Life in Rain. Und dann ziehe ich sie wieder ein. Ganz nah zu meinem Körper. Um jetzt einmal nur für mich da zu sein.

When It All Comes Crashing Down.



Leave the broken hearted with their pain.

Eine Telefonat, mehr nicht. Eines pro Woche. Vielleicht auch zwei. Mehr nicht. Mehr als diesen Kontakt lässt irgendeiner von uns beiden nicht zu. Und jedes Mal, beziehungsweise fast jedes Mal, enden sie so, wie sie nicht enden sollten. Dass irgendjemand wütend den Hörer aufs Telefon schlägt. Das war früher nicht so, und deswegen frage ich mich, was alles anders geworden ist.

Du bist älter geworden, ich auch. Ich habe mit vielen Dingen abgeschlossen, habe einen weitere Tür zum nächsten Abschnitt in meinem Leben geöffnet. Habe maturiert, die Schule somit beendet und bin nun Teil des Zivildienstprogrammes. Irgendwann, im nächsten Oktober, werde ich dann nach Wien ziehen. Nicht mal mehr jedes Wochenende nach Hause kommen. Mein Leben durchläuft einen heftigen Wechsel. Alles wird anders sein, und doch hoffe ich, dass es schön wird. Ich träume von diesem Abschnitt. Träume, wie toll die Zeit als Student sein wird. Ich, in meinem Metier. Von welchem ich schon als Vierzehnjähriger gesprochen habe. Und auf jenem Weg habe ich in den letzten Jahren einige Fortschritte erzielt. Endlich. Meine Träume scheinen sich mit der gehörigen Arbeit zu verwirklichen. Ich könnte nicht glücklicher sein.>

Ich kann nicht glücklicher sein. Mein Neffe ist gestorben. Du weißt das. Warst bei seiner Taufe dabei, warst bei seinem Begräbnis. Du hast ihn von meinen Freunden am öftesten gesehen. Mein Neffe ist tot. Timi, der Sonnenschein, der mich zum Lächeln brachte, als die Welt zu zerbrechen schien. Als du mit mir zum ersten Mal Schluss gemacht hast, Anfang des Jahres. Er war der Erste, nach diesem Gespräch. Der Erste, den ich gesehen habe. Und er machte die Welt irgendwie wieder zu einem schönen lebenswerten Platz. Dass du mir dann, zu meiner Rede, sagtest, sie sei zu bedrückend, hat mich irgendwie geschockt. Okay, man kann nicht überall einer Meinung sein. Man kann nicht überall sagen: Gut gemacht. Aber ich habe diesen Text am Montag, an dem Tag, an welchem Timi gestorben ist, geschrieben. Soll ich da himmelhochjauchzend von seinem Tod und seiner Auferstehung predigen. Du hast es vielleicht schon akzeptiert und realisiert. Aber ich wünsche niemanden, vor einem Meer aus Tränen, bekannten und unbekannten Gesichtern stehen zu müssen, um die innersten Worte, die einem eingefallen sind, vorzutragen. Worte an einen toten Menschen, der für dich der Mittelpunkt des Universums war.

Warum ich dir die vielen Worte schreibe. Weil du mich plagst. Überall verfolgst du mich. Täglich denke ich tausende Male an dich, träume von dir, schreibe über dich. Nein, ich bin noch nicht über dich hinweggekommen. Nein, selbst jetzt nicht, mehr als sieben Monate nach dem Split-Up. Am 4. Mai sagten wir unsere Beziehung Good Bye. Doch ich konnte nie „Leb Wohl“ sagen. Ich konnte nie richtig damit umgehen. Konnte nicht realisieren, konnte nicht akzeptieren. Irgendwann wieder einmal diese Gefühls-Flashbacks. Der Versuch der Ablenkung. Der Frust. Der Kummer. Ich habe jeden einzelnen Tag für dich Liebe empfunden. Habe an dich gedacht, und das Bild von dir, in meinen Gedanken, hat mir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Fühle dich nun betroffen, überrascht und desillusioniert. Schön und gut.

Nein, ich rede hier nicht von Beziehung und alledem. Das hatten wir schon. Schön war es. Jeder einzelne Tag war schön. Hat mich geprägt und mich gelehrt. Und so knapp nach diesem tragischen Todesfall denke ich, dass ich noch nicht dazu in der Lage bin. Du sowieso nicht. Das hast du mir schon so manches Mal erklärt. Du nicht. Mir fehlt einfach so viel, was für mich die schönsten Momente mit dir waren. Das Miteinandereinschlafen und Aufwachen. Wenn du mir Haare aus dem Gesicht strichst. Oder wenn du mit deinem Kopf auf meinem Bauch lagst und einfach nur lachtest. Solche Dinge fehlen mir.

Du bedeutest mir so viel. Frage mich nicht warum. Ich weiß es nicht. Du traust mir Dinge zu, die ich nie tun würde. Ich habe etwas Anstand, und auch Intelligenz habe ich einiges bekommen. Dass du dann irgendwie sekundenlange Stille während des Telefonates aufkommen lässt, nur weil ich ein Späßchen gemacht habe, ist doch schon irgendwie sehr … ähm … kindisch. Ich dachte immer, du kennst mich besser. Und jedes Mal denke ich mir, warum rufe ich dich überhaupt immer wieder an. Und wenn ich das nächste Mal deine Telefonnummer wähle, wünsche ich mir, dass du mich jetzt endlich besser kennst. Und ich werde bitterlich enttäuscht. So oft rufe ich dich an, oder schreibe dir eine SMS, ob du Zeit hättest. Ob du mit mir etwas unternehmen möchtest. Ob du mit mir ins Kino fährst. Es ist das letzte uneingelöste Versprechen, das ich dir je gegeben habe. Und wenn ich dir versprechen müsste, mich nie mehr bei dir zu melden, würde ich es tun, nur um dich nicht zu enttäuschen.

Doch ich scheine dich immer wieder zu enttäuschen. Aus unbegreiflichen Gründen. Dein kindliches Gemüt schlägt schnell um. Du bist manchmal anstandsloser und unintelligenter als du es von mir glaubst. Vielleicht sollte man sich oft an der eigenen Nase packen. Ich habe es schon gemacht, und werde es immer wieder tun. Ich traue mich schon lange nicht mehr, so schnell über jemanden zu urteilen. Nein, ich kenne dich nicht. Kenne keinen einzigen Mikroben deines Wesens. Du bist ein so einzigartiges Wesen. Im positiven, wie im negativen Sinne.

Nie hast du Zeit für mich. Weichst mir aus. Versuchst „realen“ Kontakt zu blockieren. Telefonieren, schön und gut. Aber sich wirklich sehen. Das magst du nicht. Jedes Mal wenn ich zur Rahel, oder zur Sarah, oder zur Elisabeth fahre, fahre ich ganz langsam an deinem Haus vorbei und sehe nach, ob du vielleicht davor stehst. Noch nie bist du davor gestanden, doch ich sehe immer wieder nach.

Was ich dir mit dieser viel zu langen E-Mail sagen möchte. Ich könnte dir zum Beispiel sagen, dass du mir etwas bedeutest, dass ich nicht richtig schlafen kann, weil ich daran denke, ob du überhaupt noch eine Freundschaft oder mehr haben möchtest. Und dass ich lieber in das eisklate Gewässer der Erde springen würde, bevor für mich ein „Was-wäre-wenn“ im Raum unbeantwortet hängen bleiben würde. Und deswegen würde ich einfach noch mal beide Augen zudrücken und in eine ungewisse – gemeinsame – Zukunft springen, um zu wissen, dass es sicher nicht funktioniert. Ich würde einfach lieber zweimal denselben Fehler machen, als mit einem bescheuerten „Was-wäre-Wenn“ zu leben.

Oder ich könnte auch sagen, dass ich dich vermisse. Dein Lachen. Dein Gesicht. Deine Augen. Dass mir so viel an dir liegt. Und ich einfach todtraurig darüber bin, dass es gerade so ist, wie es ist. Du fehlst. Jeder zweite Eintrag auf meinem Blog hat in irgendeiner Art und Weise mit dir zu tun. Oder ich denke zumindest an dich, wenn ich ihn schreibe. All der Kummer und das Leid und alles verschafft mir vielleicht auch die nötige Kreativität, die ich eben jetzt gerade in meinem Blog an den Tag bringe. Alles könnte schön werden. Wenn ich dich aus meinen Gedanken verbannen könnte. Aber ich möchte dich nicht vergessen. Möchte nicht diese eine Seite des Buches schließen und sagen, das war ein schönes Kapitel, aber es ist vorüber. Ich habe mir einmal vorgenommen, dass ich warte. Bis du dich selbst entwickelt hast, oder wie du es eben nanntest. Bis du wieder bereit für eine Beziehung bist. Vielleicht dauert es noch lange. Ich weiß es nicht. Aber ich habe auch nicht die Energie dafür, irgendetwas anderes zu tun. Ich bin viel zu ausgelaugt, psychisch an irgendeinem schwierigen Punkt. Und deswegen ist das Warten die beste Möglichkeit, mit einem Wunschtraum zu leben.

Vielleicht sagst du dir jetzt, fast am Ende dieser E-Mail, dass ich wieder einmal so viel Sinnloses geschrieben habe. Wie ich es auch in meinem Blog mache. Ja, vielleicht ist es sinnlos. Aber es ist für mich ein Versuch, dir vieles klar zu machen. Du brauchst mir nicht zurückschreiben. Brauchst nie mehr mit mir reden. Brauchst mich nie mehr ansehen und mich in deiner Biografie auch nur erwähnen. Aber wenn nur ein Fünkchen Wahrheit in diesem Text steckt, würde ich mich gerne über eine Nachricht freuen. Für mich ist diese Mal eine Art, um dir alles zu sagen, was mir auf dem Herzen liegt. Warum ich nie meine wahren Gefühle und Gedanken nach Timis Tod dir sagen konnte? Weil durch deinen Anblick meine Gefühle und Gedanken für dich sich mehr und mehr nach vorne reihten. Es hätte nicht so enden sollen. Es soll nicht so enden. Und sollte es dennoch so enden, so gib mir bitte Bescheid.

Mit einer festen Umarmung im Gedanken
und Einigem zum Nachdenken

Dominik

//Eine E-Mail. An sie.