First Day Of My Life

Wer, verdammt noch mal, bist du eigentlich?

Jetzt sitze ich hier. Höre mir „Why Does It Always Rain On Me“ von Travis an. Ein toller Song. Warum regnet es eigentlich so oft auf mich. Und solche harten, verletzenden Tropfen. Das ist doch nicht der Regen, der mich zu Boden wirft, mir Schmerzen zufügt, und auf mich hereinprasselt. Ist er nicht. Nein. „Das … mein lieber Herr, ist das Leben.“

Ach so, das Leben. Ich wusste ja, es würde irgendwann einmal kommen. Würde kommen, würde mich begleiten. Würde mich einholen, wenn ich davon wegzulaufen versuche. Würde mir ins Ohr schreien, nur um lauter zu sein, als alles andere, was ich gerade im Kopf habe. Warum bestimmt das Leben eigentlich mein … ähm. Leben? Nennen wir es „Sein“. Warum bestimmt das Leben mein Sein. „Weil es das wahre Leben ist, mein lieber Herr.“

Das wahre Leben. Pfft. Und höre auf, mich ständig „mein lieber Herr“ zu nennen. Ich kenn dich nicht. Möchte auch nicht unbedingt Bekanntschaft mit dir machen. Also was mischt du dich überhaupt ein. Ach, du kennst mich? Woher denn? Wer bist du überhaupt. Das wahre Leben, das ich nicht lache. Wenn das wahre Leben so ist, wie es manchmal wirklich ist, dann bevorzuge ich den Tod. Du lachst? Ja, der Tod wäre mir in manchen Situationen lieber. Wenn die Liebe einen brennenden, und auch noch vergifteten Pfeil durch mein gebrochenes Herz rammt. Oder all die Träume über mir einstürzen. Mhm, da scheint mir der Tod doch besser. Da interessiert mich all das nicht mehr. Du lachst immer noch, glaubst du mir nicht? Nein? Ach, der Tod ist auch nicht gerade schön, meinst du. Du bist dumm. Wenn ich das so sagen darf. Du kennst ihn ja gar nicht, den Tod. Oder bist du vielleicht schon tot. Und warum redest du dann mit mir? Du lachst schon wieder. Ach, vergiss mich.

Was machst du überhaupt hier? Das ist das Haus meiner Eltern. Das ist hier der Tisch meiner Eltern. Ich bin zwar alleine zuhause, aber … was machst du hier. Wer hat dich reingelassen? Ach, du bist schon die ganze Zeit da. Wie lange? Was? Neunzehn Jahre schon. Du spinnst. Ich halte dich nicht aus. Was redest du nur für Unsinn. Kannst du bitte gehen? Nein? Okay, ich will mich gerade nicht streiten mit dir. Bleibe noch. Aber nur bis meine Eltern wieder nach Hause kommen. Ach, die kommen nicht so bald. Woher weißt du das? Und woher kennst du meine Eltern. Verdammt, wer bist du.

Du wiederholst dich. Sag doch nicht immer „das wahre Leben“. „Das wahre Leben“, „Das wahre Leben“, „Das wahre Leben“. Hör auf. Verdammt. Lass mich hier jetzt schreiben. Woran ich schreibe? Was geht das dich an? An dem wahren Leben schreibe ich. Du lachst. Warum lachst du. Ich frage dich jetzt ernsthaft, warum du lachst. Du hörst auf. Blickst mir in die Augen. Ich sehe, im Schatten der Welt einen Teil von dir. Auch nur deine Augen. Schöne Augen hast du. Du wirkst ernst, angespannt. „Warum ich lache, meinst du? Weil du noch so wenig vom wahren Leben mitbekommen hast. Du bist behütet, beschützt. Du brauchst keine Angst vor irgendetwas haben. Du brauchst nur Angst vor dem Tod haben.“ Wieso vor dem Tod? Ich verstehe dich nicht. Wieso muss ich Angst vor dem Tod haben. Und nicht Angst vor dem Sterben.

„Der Tod ist die Konsequenz“. Ach so. Ich verstehe nicht. Du redest wirres Zeugs, denke ich mir. Und ich fühle, wie du spürst, was ich denke. „Der Tod ist die Konsequenz“, wiederholst du dich. „Du fürchtest dich doch auch nicht vor dem Autofahren. Sondern vor dem Autounfall. Du fürchtest dich nicht vor einer Zigarette. Du fürchtest dich vor Lungenkrebs.“ So meinst du das also. Ich scheine dich zu verstehen. Es sind immer die Konsequenzen, die einem Angst machen. Du machst mir Angst. Ist das nun die Konsequenz dieses Gesprächs? Ach, du verwirrst mich. Ich rede schon genauso kervehrt wie du.

Es regnet. Sage ich dir. „Wo?“, fragst du mich. Hier, in meinem Herzen. Ja, ich erzähle dir von meinem Leben. Selbst wenn es nicht „das wahre Leben“ ist. Sein kann. Ich erzähle dir von meinen Gedanken, meiner Angst. Meinen Sorgen, meiner Liebe. Du hörst mir zu. Still hörst du zu. Und dann sagst du mir, als ich endlich mit meinen Gedanken fertig bin. „Na und? Du bist nicht der einzige Jugendliche der solche Probleme hat“. Und weißt du was? Ich hasse dich. Ich wollte mein Leid mit dir teilen. Wollte dich teilhaben lassen an meinem Leid. Und du … du sprichst nur von … den anderen? Mir geht es schlecht. Mich erschlagen diese riesigen Tropfen. Du lachst.

„Ich kenne dich“. Du? Mich? Nein, du kennst mich nicht. Niemand kennt mich. Woher solltest du mich kennen. Du lachst. Schon wieder lachst du. Ach, du denkst, die Leute kennen mich, wie ich Texte über mein Leben veröffentliche? Meinst du das wirklich. Du nickst. „Sie lernen dich von Text zu Text besser kennen.“ Meinst du. Du machst mir Angst. Ich mache mir Angst. Offenbare ich zu viel in meinen Texten frage ich dich. „Ich weiß es nicht“, sagst du. Ja, warum denn nicht? Du hast also noch nie meine Texte gelesen. Woher weißt du überhaupt davon. Ach, ich spreche auch von nichts anderem, meinst du. Ach, vergiss mich.

Was geht es dich überhaupt an, mein Leben? Wer bist du überhaupt, dass du dir die Freiheit nimmst, mit mir über mein Leben zu reden. Verschwinde. Ich werfe dich jetzt raus. Weg. Geh weg. Ich kann dich hier nicht mehr brauchen. Du weißt schon zu viel. Geh. Los. Komm. Steh auf. Ich begleite dich noch zur Tür. Ja, da … die Stiege hinunter. Ja. Sei leise, mein Neffe schläft. Da, zieh deine Schuhe an. Du hast keine Schuhe? Dann wird dir sicher kalt. Nimm dir meine. Sie passen dir. Das überrascht mich jetzt. Ich werfe dich jetzt hinaus ins wahre Leben. Öffne dir die Tür. Damit auch du diese Tropfen spüren kannst, auf deiner Haut. Willkommen im wahren Leben.

Und du lachst. Und gehst. Die Tür hinaus. Und im Licht der Straßenlaterne erblicke ich dich. Zum ersten Mal. Mit einem brennenden, vergifteten Pfeil im gebrochenen Herzen. Mit glühenden Tränen aus Angst, Sorge. Mit schmerzverzerrtem Gesicht. Mit einem Gesicht, aus dem so viel Lebenserfahrung spricht. Und mit diesen Augen. Meinen Augen. Und diese Nase. Das ist doch meine Nase. Das ist mein Gesicht. Ich taste an mir und vergleiche es mit deinen Gesichtszügen. Ja, das bin ich. Doch, nein … das kann ich nicht sein. Was sagst du? Wer bist du?

„Das wahre Leben“.

Ich lache.

Thank You, Mom

Mir fällt schon auf, dass ich dich, lieben Blog, stark vernachlässige. Lange Einträge mit Gefühl, jene, die auch bei NEON veröffentlicht werden, können zurzeit einfach nicht geschrieben werden. Viel zu sehr fehlt mir das Leben. Ich möchte keine Was-wäre-jetzt – Texte schreiben, in meinem Namen, über mich. All das muss mir selbst passiert sein. Sonst würde ich mich selbst belügen. So etwas kann ich hier nicht schreiben. Nicht in diesem Blog.

Dafür gibt es ja meinen Buch-Blog. The Places You Have Come To Fear The Most nimmt mehr und mehr Gestalt an. Heute habe ich die 10.000 Wörter-Grenze durchbrochen. Bei 63.000 Zeichen stehe ich gerade. Und schreibe jeden Tag weiter. Gestern habe ich es mir ausdrücken lassen. Die ersten 20 Seiten. Und meine Mutter hat es gelesen.

Der Gedanke daran, hat mich beunruhigt. Dass meine Mama das Buch liest, bevor es fertig ist. Es geht halt doch auch irgendwie um mich, und um meine Umgebung. Doch sie hat damit begonnen, und konnte nicht mehr aufhören. Ihr gefällt mein Schreibstil. Und dieses Gespräch, über dieses Buch, hat mich geehrt. Über dieses Gespräch freue ich mich.

Danke, Mama.

the places you have come to fear the most

Winter Sommer

Sehnsucht. Verderben. Angst. Liebe. Und Träume

Ich sehe dich an. Sehe dich an, und spüre die Liebe und Sehnsucht nach dir.
Ich denke an unsere Vergangenheit. Denke an das Verderben der Liebe.
Ich glaube an die Sehnsucht. Und fühle Angst vor dem Verderben.
Ich hoffe so viel. Ich hoffe, und dass die Sehnsucht das Verderben übersteht.
Ich halte es nicht mehr aus, dass mich die Sehnsucht nach Liebe so fesselt.
Ich fürchte mich. Fürchte mich vor der Liebe zum Verderben.
Ich halte mich fest. Hald mich fest an der Angst und der Liebe.
Ich traue ihm nicht. Ihm, dem Verderben der Sehnsucht.
Ich kenne es. Kenne wie schnell Liebe in Angst umschlägt.
Ich liebe sie. Die Sehnsucht der Angst.
Ich verlasse mich auf ihn. Auf das Verderben der Angst.
Ich ängstige mich. Ängstige mich vor der Angst vor der Sehnsucht.

Ich bin nur über eines froh: dass es etwas gibt, das über allem steht.
Ich träume von Sehnsucht.
Ich träume von Verderben.
Ich träume von Liebe.
Ich träume von Angst.

Brace Yourself

Ich glaubte dich zu kennen. Ich glaubte, Teil von dir zu sein. Ich glaubte, dass du ich, und ich du wären. Doch weißt überhaupt du, wer du eigentlich bist?

Ich kenne dich schon so lange. Erinnere mich noch zwar nicht mehr an deine ersten Jahre. Doch ich erinnere mich an die Zeit, als du noch ohne Sorge warst. An die Zeit, in denen du träumen konntest. In der Träume wahr wurden. Als du an das Christkind geglaubt hattest. Und deine Eltern die Größten, die Besten waren. Du noch Respekt vor ihnen hattest. Als die Hierachie noch klar erkennbar war. Als du das Nesthäkchen warst. Als … ja, als noch alles gut war.

Doch auch du wurdest älter. Wurdest größer. Und du glaubtest, du wärst so viel reifer, so viel gescheiter, so … viel besser als all die anderen. Du wärst etwas besonderes. Klar, jeder Mensch auf dieser Welt ist besonders. Ist einzigartig. Auch du. Aber du bist nicht der Mittelpunkt des Universums. Bist nur einer unter 6.702.246.513 Menschen auf dieser Welt (Stand 15:59 Uhr). Du bist nur einer unter Milliarden. Es muss dich nicht jeder kennen. Es muss dich nicht jeder mögen. Und es mag dich auch sicher nicht jeder, der dich kennt.

Aber du versuchst krampfhaft, dich in den Mittelpunkt zu stellen. Um erkannt zu werden. Um geliebt zu werden. Doch du polarisierst. Du machst es mir so schwer, dich zu mögen. In manchen Momenten hasse ich dich einfach nur. Würde dich am liebsten in einen Schrank sperren und den Schlüssel wegwerfen. Würde mich am liebsten umdrehen und weggehen, nur um dich nie wieder zu sehen. Doch wir hängen zusammen. Wir können nicht ohne uns. Ich kann nicht mit dir.

Warum bist du so? In manchen Momenten erkenne ich dich gar nicht mehr. Du kommst mir vor wie ein Phantom. Wie ein Geist. Verfolgst mich. Und ich komme nicht los von dir. Lass mich so leben, wie ich es möchte. Lass mich handeln. Lass mir meine Träume. Lass mir meine Ängste. Versuche nicht, aus mir einen anderen Menschen zu machen. Ich möchte noch nicht erwachsen sein. Und ich möchte auch kein Kind mehr sein. Ich möchte so ein Zwischending sein. Verantwortungsbewusst und kindisch. Kindlich und erwachsen. Spaßvogel und ernstzunehmender Mensch. All das möchte ich sein. Aber du lässt mich nicht. Du verlangst von mir, dass ich so lebe wie du. Oder zumindest, dass ich akzeptiere, dass du so lebst.

In manchen Momenten hasse ich dich. Dann schreie ich auch meine ganze Seele raus, wenn irgendein emotionsgeladener Song in meiner Playlist auftaucht. In diesen Momenten möchte ich dich schlagen. Dich verprügeln. All meine Wut, die ich auf dich habe, herauslassen. Aber das schaffe ich dann nie. Ich schaffe es nicht, dich zu verletzen. Dazu bin ich viel zu selbstverliebt. Wenn ich dir wehtun würde, würde es mir Schmerz zufügen. Und das mache ich sicher nicht. Ich brauche nicht leiden, für deine Taten. Obwohl ich es schon so lange tue.

Lass mich doch einfach nur mal so leben. Mische dich nicht ein. Gib mir Freiraum. Dränge dich nicht so in den Vordergrund. Weiche mir aus. Denn ich weiche dir aus. Auch wenn du für mich lebensnotwendig bist. Ohne dich geht es einfach nicht. Genauso wenig wie du ohne mich existieren könntest. Ich kann zu dir nicht sagen: Vergiss mich. Geh mir aus den Weg. Es geht nicht. Wir sind siamesische Zwillinge. Ein Bund wie Dumm und Dümmer. Dick und Doof. Mann und Frau. Ich kann dich nicht vergessen, dir nicht aus dem Weg gehen Und du auch nicht.

Wir können nur versuchen, in Symbiose miteinander zu leben. Und du weißt doch, was Symbiose heißt … das Zusammenwirken von mehreren Faktoren, die sich vielfach gegenseitig begünstigen. So wird es zumindest auf Wiktionary erklärt. Versuchen wir es. Würde ich dich aufgeben, würde ich auch mich aufgeben. Du hast auch Vorteile, natürlich. Doch wenn ich an dich denke, fällt mir kein einziger ein. Aber ja, versuchen wir es. Vielleicht schaffen wir es. Vielleicht schaffe ich es, dich zu mögen.

Dich.
Die andere Hälfte meines verückt-gespaltenen Ichs.

Hold On

Desinteresse umkreist dein Gefühlsleben. Gefühllosigkeit umkreist deine Gedanken. Gedankenleere umkreist dein Leben. Lethargisches Leben umkreist dein Ich. Und du? Du bist desinteressiert.

Laut WikiPedia ist Lethargie eine Bewusstseinsstörung, die mit Schläfrigkeit und Erhöhung der Reizschwelle einhergeht. Irgendwie kommt es mir so vor, wie wenn das auf dich zutreffen würde. Du bist unmotiviert. Bist gestern um vier Uhr von der Schule nach Hause gekommen. Hast kurz gegessen. Und dann geschlafen. Von sechs Uhr … bis sechs Uhr. Volle zwölf Stunden. Und selbst jetzt bist du noch müde. Hast keine Möglichkeit, dich für den Abend zu motivieren. Möchtest am liebsten nur noch schlafen. Möchtest träumen.

Träume begleiten dich seit kurzem ständig. Ob kreativ chaotische Träume über einen Roman auf einem Gummi-Ringerl und du auf Platz Eins der Charts, oder reale, heftige Träume wie der Abschied von all den Leuten aus deiner Klasse, nach dem Abi. Mit Tränen und vielen Gedanken nach dem Munterwerden. Du freust dich stets auf die nächsten Träume. Auf die Erlebnisse während der Nacht …

Du hast noch zwei Monate Schule. Und kommst dann in den Stress mit dem Abitur. Du solltest noch so viel tun. Du musst noch so viel tun. Und trotzdem freust du dich immer viel mehr, wenn die Schule vorbei ist. Wenn du dann frei hast. Wenn du dein Leben leben kannst, wie du es willst. Wenn du alles genießen kannst. Wenn du am See liegen kannst. Doch viel zu oft kommst du so spät nach Hause, dass dich gar nichts mehr freut.

Bekommst du eigentlich irgendwann einmal etwas richtig auf die Reihe? Hast Probleme in der Schule. Hast Probleme in der Familie. Nur mit deinen Freunden läuft alles problemlos? Alles? Nicht ganz. Aber das wird schon wieder … Ja, du bist seit kurzem um einiges reizbarer. Streitest mit deiner Schwester, beschimpfst deine Mutter, musst dich zurückhalten, dass du nicht schon wieder einen großen Streit mit deinem Vater hast. Verstehst weniger Spaß. Nimmst dich vielleicht viel zu ernst. Glaubst, du hast immer recht.

Du selbst hast einmal gesagt, du hörst auf, zu träumen. Jetzt versuchst du, deine Träume zu leben. Sie zu erfüllen. Und? Was machst du? Nichts. Lässt alles auf dich zukommen. Hoffst. Träumst. Wünschst. Man, du Vollidiot, mach was aus deinem Leben, aus deiner Jugend. Aus dem Hier und Jetzt. Willst du sterben, ohne erfahren zu haben, wie es ist, zu leben?

Ich habe gerade nachgedacht. Ich weiß was dir gefehlt hat. Ich weiß warum du so … lethargisch bist. Du hast keinen Kaffee getrnunken. Du bist von deiner Sucht weggekommen. Hast aber dadurch in deinem Leben eingebüßt. Trink wieder einen Kaffee. Komme der Sucht nach. Trink soviel du nötig hast, nur um zeigen zu können, das du lebst. Du lebst. Ja genau.

Verdammt, man … streng dich an. Glaub an dich. Zieh das durch, was du vorhast. Du schaffst das. Und auch jene, die davon wissen, glauben an dich. Vertrau auf dich. Denke dir, es ist möglich. Zeige es allen. Zeige es dir selbst. Los, du schaffst das.

Das Problem: du glaubst ja nicht mal selbst an dich. Du Idiot. Lass dir einmal von niemanden etwas sagen. Komme mit dir ins Reine. Sieh einmal in den Spiegel und sage dir: das bist du. Du bist toll. Du hast deine Fehler. Doch das ist es eben: es sind deine Fehler. Versuche nicht perfekt zu sein … das schafft sowieso niemand. Und verlange auch von niemandem, es zu sein. Auch nicht von deiner Freundin. Sei froh was du hast. Und genieße es.

Ich sage es dir noch einmal: hör auf zu träumen. Beginne zu handeln. Träume sind schön und gut. Aber mache etwas dafür, dass sie endlich Wirklichkeit werden. Mache es jetzt, oder vergeude von jetzt an dein weiteres Leben. Entscheide dich. Du hast nicht mehr so lange Zeit.

In meinem nächsten Eintrag möchte ich endlich etwas Positives über dich schreiben. Möchte dich loben. Möchte mit dir zufrieden sein. Möchte sehen, wie du in den Spiegel siehst und dir sagst: Ich bin toll. Ich halte es nicht mehr aus, wie du mit deinem Leben umgehst. Wie du mit meinem Leben umgehst. Wie ich mit meinem Leben umgehe.

A Whisper

 

Du hast mich enttäuscht. Ich wollte dich hassen. Ich wollte dich nie mehr wieder sehen. Ich wollte nie wieder etwas von dir hören. Aber ich schaffe es noch nicht einmal, dich nicht mehr zu lieben

TEXT: DOMINIK LEITNER, www.neon.de

210 Tage. 5040 Stunden. 302400 Minuten. 18144000 Sekunden. 57 % eines ganzen Jahres. Ungefähr 3 Prozent meines ganzen Lebens. So lange hast du es mit mir ausgehalten. So lange habe ich es mit dir ausgehalten. So lange habe ich dich unendlich geliebt. So lange Zeit war ich dein. So lange waren wir eins. Bis eben diese Zeit vorüber war. Dann war es vorbei.

Ich wünschte mir, dass es dir schlecht geht. Ich wünschte mir, dich nie mehr sehen zu müssen. Ich wünschte mir, nicht um dich weinen zu müssen. Ich wünschte … ach, ich wünschte mir so viel. Ich wünschte mir auch, dich hassen zu können. Aber ich schaffe das alles nicht. Ich schaffe so vieles nicht, was ich mir vorgenommen habe.

Ich habe mir vorgenommen, dich nie mehr gehen zu lassen. Dich nie schlecht zu behandeln. Dich zu umsorgen. Für dich zu leben. Aber du hast all das zerstört. Du warst es, die mit all dem Schluss gemacht hat. Mit mir Schluss gemacht hat. Du warst diejenige, die sich getraut hatte, unter eine komplett verkehrt verlaufende Rechnung einen Schlussstrich zu ziehen. Du hast es gewagt. Hast es realisiert. Aber lasse mich bitte die Rechnung zusammenrechnen …

Unser erster, schüchternder Kuss, am See. Unser verliebtes Umherrennen. Unser gemeinsames Ausloten der elterlichen Grenzen. Unsere Erfahrungen. Unsere Streitigkeiten. Unsere Liebe. Unsere Zweifel. Unsere Träume. Unsere Realität. Unsere sechs Monate voll Zweisamkeit, Liebe, versuchte Ehrlichkeit und verdammtem Rollenspiel. Du glaubtest nie, du selbst sein zu können. Ich glaubte, nur bei dir ich selbst sein zu können. Unsere Telefonate. Unsere gemeinsam verlorenen Tränen. Unser Lachen. Unser Zusammenkommen. Unsere Trennung.

Ergibt … nach … Adam Riese … Unsere Geschichte.

Ich wollte nie um dich weinen. Und selbst bei unserem Telefongespräch an jenem Sonntag kamen mir fast die Tränen. Okay, ich bin nah am Wasser gebaut, weine bei Philadelphia oder Garden State … aber diesmal war es anders. Ich wollte nicht weinen. Ich war nicht darauf gefasst. Genauso wie bei dem Lied „Fairytale Gone Bad“ oder „Chasing Cars“. Verdammt. Ich wollte nicht um dich weinen.

Hach, was habe ich gebloggt. Habe geschrieben, dass du längst vergessen bist. Dass ich bereit bin für neue Beziehungen. Dass ich mich von dir und dieser kleinen Trennung nicht unterkriegen lasse. Ich habe gesagt, ich verschwende keine unnötigen Gedanken mehr an dich. Keine unnötigen Worte. Keine unnötigen Tränen. Und doch habe ich immer an dich gedacht. Immer über dich geschrieben. Immer wegen dir geweint.

Ich war enttäuscht. Enttäuscht deswegen, da ich damit nicht gerechnet habe. Damit, dass du die Realität kapierst. Dass du mit dieser Realität nicht mehr umgehen kannst. Dass du dein Leben in die richtigen Bahnen kriegen möchtest. Und ich dich dabei behindere. Ich war bitterlichst enttäuscht. Überrascht. Überwältigt.

Meine Gefühle spielten verrückt. Ich glaubte, also, ich redete es mir ein, dass das Single-Leben so schön ist. Dass nichts besser sein könnte. Dass ich mich von sowas nicht unterkriegen lasse. Von Sowas … von 3 Prozent meines Lebens. Von meiner ersten großen Liebe. Von meinen ersten Gehversuchen im Paartanz. Ich wollte dich hassen. Und gleichzeitig wollte ich dich in die Arme schließen. Wollte dich küssen. Und wollte dich von mir wegstoßen. Wollte dich nicht mehr sehen. Hätte aber so gern etwas von dir gehört.

Jetzt weiß ich es … ich kann das ganze nicht einfach so vergessen. Jede Träne, die meine Augen verlässt, hat es verdient, beachtet zu werden. Jeder Gedanke an dich ist nicht umsonst. Du warst ein so wichtiger Teil meines Lebens. Und für … verhältnismäßig lange Zeit. Ich kann dich nicht einfach so vergessen. Ich kann nicht alles einstellen. Nur weil es scheinbar „vorbei“ ist. Vielleicht ist unsere Beziehung vorbei. Aber die formale Trennung geht um einiges leichter, als die Trennung im Geiste. Mir ist schon klar, dass wir nicht mehr ein Paar sind. Aber ich würde trotzdem keinen Tag überstehen, ohne an unsere gemeinsame Vergangenheit zu denken. Ohne „Linger“, „Goodnight Hollywood Blvd“ oder „Hier kommt Alex“ zu hören.

Ich möchte dich gar nicht mehr vergessen. Du warst ein Bestandteil meines Lebens. Du wirst ein Bestandteil meiner Geschichte bleiben. Und vielleicht schaffen wir es auch, dass wir Freunde werden.

Hey Girl

Vielleicht kenne ich dich zu wenig. Höchswahrscheinlich kenne ich dich zu wenig. Vielleicht hatte ich auch einfach keine Möglichkeit, dich besser kennenzulernen. Vielleicht hast du es einfach nicht zugelassen. Aber ich will dir nicht auch das vorwerfen. Vielleicht war es auch meine Schuld, dass ich dich nach sechs Monaten immer noch so wenig kenne.

Morgen bekommst du deine Dinge, die ich noch von dir habe. Lass dir mit meinen Dingen ruhig Zeit, gib sie mir, wenn wir uns gezwungenermaßen wieder über den Weg laufen. Samstag wahrscheinlich.