The Stories I Write

Hallo. Mein Name ist Dominik. Und ich habe ein Problem. Ich blogge.

Es hat bei mir lange gedauert, bis ich in den Genuss des World Wide Web gekommen bin. Erst vor vier Jahren war der regelmäßige Gang ins Internet für mich zur Möglichkeit der Flucht aus dieser Welt geworden. Und schon davor hatte ich dieses Problem. Ich schrieb. Tagebuch. Texte. Bücher. Geschichten. Schon damals war schreiben für mich etwas … Befreiendes. Schon damals offenbarte ich in den Texten meine Gedanken, meine Gefühle und meine Ängste. Nicht mit dieser sprachlichen Sicherheit wie heute, nicht mit denselben Worten, wie ich sie heute wähle. Aber ich schrieb.

Manchmal wundere ich mich, wie infantil meine geschriebene Sprache vor fünf oder sechs Jahren war. Mein Tagebuch sollte eigentlich mein Leben beinhalten. Und doch waren es nur gefüllte Seiten voll idiotischem Liebeskummer. Und ich schrieb so selten in diese kleinen Büchlein, dass die eine Liebe schon wieder vergessen war, und der neue Kummer sich auf ein anderes Mädchen bezog. Wenn ich jetzt darin lese, wundere ich mich kaum, warum … naja … früher alles so kompliziert war.

Doch ich entwickelte mich weiter. Die Texte wurden beinahe – ich möchte jetzt nicht sagen reifer – aber zumindest für mein Alter passender. Und dann begab es sich einfach zu der Zeit, dass mein Computer sich endlich mit dem Internet vertrug. Und mein Weg in die schier unendlichen Weiten des Netzes begann. Schnell hatte ich schräge Selbstbau-Homepages. Nur um mich selbst zu präsentieren. All das war für mich damals so kompliziert, nie und nimmer hätte ich viele Texte online stellen können. Und so lebte ich dahin, mit mehr als einem halben Dutzend verstaubten just4ikarus-Pages. Bis ich auf diesen einen Trend aufmerksam gemacht wurde. Bloggen nannten sie das im Fernsehen. Und im Internet schrieb auch jede größere Nachrichten- oder Informationsseite über diesen Hype. Online-Tagebuch nannten sie es. Und somit begann das, von dem ich mich jetzt nicht mehr losreißen kann.

Begonnen habe ich auf Blogigo. Ein einziger Eintrag. Doch als ich Blogger/Blogspot kennenlernte, zeigte er mir die Leichtigkeit des Seins. Und wie leicht es ist, wirklich ein Online-Tagebuch zu führen. Und so begann ich zu schreiben. Über mein Leben. Meine Lieben. Meine Ängste. Meine Gefühle. Meinen Schmerz. Und alle wussten sie davon. Die Meisten sagten mir sofort, dass sie dieser Art von Offenbarung für die gesamte Menschheit nichts abgewinnen können. Fragten mir, warum ich das nötig habe. Warum ich mit diesen Gedanken, diesen Problemen nicht zu meinen Freunden kommen könnte. Ich konnte es einfach nicht. Und ich kann es immer noch nicht. Ich kann über meine Gefühle nur sehr schwer reden. Selbst wenn ich Vertrauen zu jemandem habe, habe ich doch diese Angst, irgendetwas Falsches zu sagen. Und bei einem Gespräch auf verbaler Basis habe ich immer vor einer Sache Angst. Der Antwort. Nichts lässt mich öfter schweigen, als diese Angst.

Hier im Internet ist das nicht so. Hier schreibe ich. Veröffentliche es. Und vielleicht, dann und wann, bekomme ich einen Kommentar. Oder die Leute da draußen, sie reden mich auf diesen oder jenen Text an. Die Meinungen meiner Freunde sind immer noch gleich, wenn nicht sogar noch kritikfreudiger. Nachdem es zwei meiner Freundinnen einmal selbst versucht haben, und bemerkt haben, dass es nichts für sie ist, erfreuen sie sich immer mehr an einer Kritik an dem ganzen Blogging-System. Ohne überhaupt zu verstehen, wie wichtig mir das ganze ist.

Keiner meiner Freunde schreibt so gerne wie ich. Und ich bin auch anders als meine Freunde. In jedem Punkt. Und deswegen ist mir jedwede Kritik von ihnen einfach nur egal. Sie werden mich nie verstehen können. Sie werden nie erfahren, was das einfach für ein befriedigendes Gefühl ist, wenn man sein Online-Tagebuch hier führt, und so viele Menschen es lesen. Wenn man sein Leben mit so vielen Menschen teilt.

Nun ja, nach ca. 140 Einträgen bei Blogspot wechselte ich, aus Design-Gründen, zu WordPress. Und dort führe ich seit Ende Dezember meinen neuen Blog. 222 Einträge sind es mit dem heutigen Tag. Und ich sage es auch, ich werde es nicht aufgeben. Nicht heute. Nicht in den nächsten Tagen und Wochen. Das Bloggen und das Schreiben im Allgemeinen begleiten mich jeden Tag. Auch wenn ich weiß, dass auch hier viele nicht Freunde von Blogs sind: Ich wette mit euch, dass ihr trotzdem in verschiedenen Blogs liest. Einfach aus purem Interesse. So wie es meine Freunde tun. „Bloggen ist einfach nur doof.“, sagen sie. Und doch kennen sie jeden einzelnen Text von mir. Mir mag es recht sein. Ich schreibe den Blog nicht für sie. Nicht für euch. Sondern für mich.

Und ich lasse es mir nicht nehmen. Wer will, kann man ganzes Leben erfahren. Ich habe kein Gefühl von Scham, wenn es um geschriebene Gefühle geht. Ich schreibe so vieles und veröffentliche so vieles. Es ist doch einfach nur schön, in ein oder zwei Jahren zurückblickend durch die ganzen Blogs zu klicken. Zu sehen wie mein Leben war. Um zu vergleichen mit dem Leben, wie es jetzt ist.

Dann beginne ich noch einmal: Guten Tag. Mein Name ist Dominik. Und ich habe ein Problem. Ich habe viel zu wenig Zeit zum Bloggen.

By The Way

Du wirst es nie verstehen. Und ich werde es nie aufgeben können.

Dieses Schreiben hier. Das „Von-der-Seele-schreiben“. All meine Gedanken. All meine Gefühle. Ich kann sie niemandem richtig sagen. Meinen Freunden nicht. Dir nicht einmal. Und viele Gefühle werden mir manchmal erst bewusst, wenn ich zu schreiben beginne. Es ist so schwer. Mit all den Gefühlen im Bauch. Wir sehen uns nicht. Telefonieren. Und ich kann sie dir einfach nicht sagen. Kann dir nicht sagen, dass du mich verdammt noch mal küssen sollst, zum Abschied. Einen langen, gefühlvollen Kuss. Dass ich es so, wie es ist, nicht mehr lange aushalte. Dass meine Krankheiten, meine Matura, und all das um mich rum schon so sehr an mir zehren, dass nicht auch du mich jedes Mal vor eine solche Aufgabe stellen brauchst. Ich will auf dich auf keinen Fall verzichten. Kann es wahrscheinlich auch nicht. Aber es hilft mir nichts, wenn ich immer und immer wieder versuche, dir zu zeigen, wie sehr ich dich liebe. Und du zeigst nichts. Damit zerstörst du mich, ganz langsam, von innen. Und ich werde schon zerstört. Jetzt ist einmal nur die Matura wichtig. Sie geht vorüber. Bald ist sie vorbei. Ich habe diese Krämpfe, diese Schmerzen. Werde sie mit ärztlicher Behandlung bekämpfen. Aber du. Was soll ich nur mit dir machen. Vielleicht bist du sogar die schwerste Aufgabe. Alles andere geht vorbei. Soll sogar vorbei gehen. Ich bin froh, wenn die Schule und die Krankheiten vorüber sind. Aber dich will ich länger haben. Du weißt schon … nicht besitzen, ich möchte dich bei mir haben. Aber dann gib mir verdammt noch einmal das Gefühl, dass ich geliebt werde. Lasse mich nicht um deine Liebe kämpfen. Und habe doch keine Angst vor unseren Treffen. Wir müssen reden. Ich weiß. Aber ich werde still sein. Ich kann nur schreiben. Meine Gefühle kann ich nur hier schreiben. Ich kann sie nicht sagen. Du weißt das. Also fange du an zu reden. Und sage es mir einfach. Wie viel ich dir bedeute. Ob du mich liebst. Wie das alles mit uns weitergehen soll. Und dann werde ich dir sagen, ob du in meinem Leben, in meinem neuen Leben, nach Matura und nach Bekämpfung der Krankheiten noch einen Platz haben wirst.

Disarm

Na los. Töte mich, verdammt noch mal.

Bringe mich um. Nimm dieses verdammte Messer und steche auf mich ein. Ich habe es verdient. Nimm mir das Leben, wenn ich schon nicht mutig genug bin, es mir selbst zu nehmen. Los, stich mir in mein Herz, damit das schöne Blut aus meinem Körper fließen kann. Manchmal in Strömen, manchmal auch nur ganz langsam. Los. Tu es. Wenn du es nicht tust, bin ich genötigt so weiterzuleben. Nimm dieses riesige Küchenmesser in deine Hand. In deine schöne, weiche Hand. Hebe deinen Arm. Deinen zierlichen kleinen Arm. Und dann sieh auf meinen Körper und versenke dieses Messer in mir. Und noch einmal. Ziehe es heraus. Und steche wieder hinein. Immer und immer wieder. Noch einmal. Ich spüre noch etwas. Nimm mir die letzten Anzeichen von Gefühl von mir. Mache mich leer. Töte mich, bis ich wirklich tot bin. Ich will nicht langsam sterben. Töte mich jetzt. Sofort. Nimm jeden Schmerz, jeden Gedanken, jede Angst von mir weg. Töte mich sanft. Du, mit deinen wunderschönen Augen. Und am besten ist, du schleifst das Messer noch einmal nach. Es ist nicht mehr scharf. Für mich bitte nur das schärfste Messer. Nicht irgendeines. Das Schärfste. Und mit dem musst du auf mich einstechen. Musst mich töten. Musst mich ausschalte. Oder schneide mir doch die Kehle durch. Und kurzer Schnitt, eine kurze Blutfontäne und ich bin tot. Aber ich bitte dich, so lasse mich doch sterben. Wir können es doch wie einen Unfall aussehen lassen. Dich betrifft keine Schuld. Du wärst kein Mörder. Du hättest mir nur geholfen. Geholfen, auszureißen. So bitte ich dich noch einmal, mache es. Komme meiner Bitte nach. Töte mich, wie du es am besten kannst. Denn ich möchte jetzt sterben. Denn jeden Tag, oder jede Begegnung mit dir als einen neuen Tod zu erkennen, und fast verblutend wieder zuhause anzukommen, das tötet mich leider nur viel zu langsam. Und versorgt mich mit so viel Schmerz. Wenn ich in deine Augen sehe und du aber nicht in meine. Wenn du immer von Angst sprichst. Töte mich. Aber vollführe nicht dein Werk zu Ende, so wie du es bereits angefangen hast. Ich möchte sterben. Aber nicht so. Nicht mit so viel Schmerz. Ich möchte nichts mehr fühlen. Und doch, wenn ich weiß, dass ich hier liege, und du über mir kniest, mit dem Messer in der Hand, und ich in deine Augen sehe. Dann weiß ich, wer du bist. Und ich das letzte, was ich in meinem Leben haben werde, sind Schmetterlinge im Bauch. Gedanken im Kopf. Und das Gefühl das man Liebe nennt.

My So Called Life

Ich habe viel nachgedacht. Und du hast oft angeläutet. Hast stundenlang geklopft, an meiner Tür. Jetzt ist es wohl Zeit, dir zu öffnen.

Du bist durchnässt. Warum hast du auch keine Jacke angezogen. Du frierst. Ich gebe dir ein Handtuch, zum Abtrocknen. Du nimmst es. Trocknest dir dein Haare ab. Dein T-Shirt. Deine Hose. Du bist also … das „wahre Leben“. Mit einem brennenden, vergifteten Pfeil im gebrochenen Herzen. Mit glühenden Tränen aus Angst, Sorge. Mit schmerzverzerrtem Gesicht. Mit einem Gesicht, aus dem so viel Lebenserfahrung spricht. Du siehst noch genauso aus, wie an dem Tag, an dem ich dich aus meinem Haus geworfen habe. Du lässt dich wohl wirklich nicht abschütteln. Wie ein kleiner Dackel standest du immer hinter mir, ich musste Acht geben, dir nicht auf die Füße zu treten.

„Wie geht es dir denn?“, fragst du mich. Schon gut. Danke der Nachfrage. Aber ich verstehe nicht, warum bist du immer noch da. Warum hast du nie nachgegeben. Warum bist du nie nach Hause gegangen, als ich dir die Türe nicht öffnen wollte. Du bist standhaft. Hast Durchhaltevermögen. Ich hätte schon längst aufgegeben. Also, warum hast du das gemacht. „Weil du mich brauchst“. Ach so, ich brauche dich also. Schon jetzt hasse ich deine Hochnäsigkeit schon wieder. Am liebsten würde ich dich schon wieder rauswerfen. Doch jetzt bist du schon einmal hier.

Ich wusste, dass du auch heute kommen würdest. Ich habe mein Zimmer aufgeräumt. Wir sitzen gemeinsam auf der Chill-Matratze am Boden. Ich sehe dich an. Lange. Dich beunruhigt das gar nicht. Es erscheint mir, als würdest du es eigentlich erwarten, dass ich dich mustern werde. Ich habe Angst vor dir. Deine Augen. Sie sehen so schrecklich aus. Dir geht es schlecht, sage ich dir. „Warum“, fragst du mich. Ich sehe es dir an. Ich sehe es doch an deinen Augen. Deine Augen spiegeln so viel Angst, so viel Schmerz wieder. Du lächelst. „Nein, ich bin glücklich.“

Das erscheint mir gerade etwas schräg. So sieht man aus, wenn man glücklich ist. So möchte ich doch nicht einmal aussehen, wenn mir das schrecklichste widerfahren wäre. Ich bin oft glücklich, und normalerweise lächele ich. Und denke nichts anderes und bin einfach nur glücklich. „Auch du siehst so aus, wenn du glücklich bist.“, erklärst du mir. Ich lache. Nein, das glaube ich dir nicht. Wovor sollte ich denn Angst haben, wer sollte mir Schmerz zufügen, wenn ich glücklich bin. Du erklärst es mir. An einem Beispiel. Du nennst die Liebe. Ach, wenn du nur wüsstest, wie Liebe zurzeit für mich aussieht. Du erklärst mir, dass, wenn ich glücklich bin, wenn ich neben „ihr“ liege, dass genau das in meinen Augen zu sehen ist. Ich hätte Angst, sie zu verlieren. Hätte Zweifel, am Schicksal. Würde mich fragen, ob „sie“ mich wirklich liebt. Würde mir ausmalen, wie es ist, wenn es vorbei ist. Und ich denke an den Schmerz. Den Schmerz, den ich spüren würde. Und während du mir das so ausgiebig erklärst, ist plötzlich dieser Schmerz da. Ich habe Angst. Angst vor dir. „Warum“, fragst du mich. Weil du Recht hast. Du weißt alles über mich. „Ich weiß nicht alles über dich. Ich weiß zwar schon einiges, aber nicht alles. Ich weiß, wie du lebst. Und ich möchte dir zeigen, wie ich lebe.“ Wie ich lebe.

Wie ich lebe. Diese Worte klingen in meinem Kopf. „Nein, du lebst noch nicht“. Ich blicke dich an. Meine Stirn wird kalt, ich bekomme eine Gänsehaut. Und ich habe Angst. Und habe Zweifel an dem, was du sagst. Was gibt dir das Recht, dies zu sagen. „Weil ich es weiß.“. Was verstehst du denn überhaupt unter dem Begriff „leben“. Und während ich dich das frage, weiß ich schon, was du antworten wirst. „Das kann ich nicht erklären. Dass musst du selbst erleben“. Ich lache. Er-leben. Schon gut.

Aber was hast du, was ich nicht habe. „Ich habe schon ein bisschen gelebt.“ Siehst du deshalb so aus. Mit diesen Tränen. Diesem schmerzverzerrten Gesicht. „Ja.“ Das ist also der Grund. Dann will ich doch gar nicht leben. Du schüttelst langsam den Kopf. Ich weiß, du willst es mir erklären. „Kennst du Dorian Gray?“ Ja, es ist mein Lieblingsbuch. „Dein Lieblingsbuch. Und die hast bist jetzt noch nichts gelernt?“ Gelernt. Nein. „Jede Handlung die du in deinem Leben, während du lebst, machst, wird Auswirkungen haben. Es wird dich verändern. Doch bis jetzt lässt du es noch nicht zu. Du handelst nicht, lebst nicht, nur um dich selbst nicht zu verändern. Nur um keine Auswirkungen erkennen zu müssen.“ Du hast Recht, schon wieder. Ich stimme dir zu.

Du lächelst. Es überrascht dich, dass ich heute so friedlich bin. Dass ich so einsichtig bin. Ja, ich weiß, ich habe mich verändert. Ich denke viel nach. Und ich möchte ich nicht mehr der Vollidiot sein. Möchte leben.

„Da bist du ja an mir an der richtigen Person“ Ich verstehe dich nicht. „Weißt du es nicht mehr, ich bin es, das wahre Leben.“ Ich lächele. Und du nimmst mich an der Hand. Und führst mich aus meinem Zimmer hinaus. Raus auf die Straße, wir gehen über die Brücke, über den kleinen Bach. Und wir machen uns auf den Weg. Ich beginne also zu leben. Und ich mag dich, wahres Leben. Du bist mir symphatisch.

Junimond

Es ist vorbei, bye, bye. Junimond. Es ist vorbei.

Sag mal weinst du? Nein, aber es ist mir wirklich nach Weinen zumute. Jetzt, als ich sehe, dass all die vermeintliche Liebe verflogen ist. Dass sie mich nicht mehr liebt. Dass sie jetzt neben einem meiner besten Freunde sitzt, mit ihm flirtet, die ganze Zeit mit ihm verbringt. Ja, ich hasse ihn. Für all das.

Und sie hasse ich auch. Was fällt ihr ein. Jeder wusste doch, dass wir zwei schon so lange eine Beziehung führen. Und du sitzt jetzt einfach neben ihm, während wir anderen alle gemeinsam einsam auf unseren Bus warten.

Wie du ihn nur ansiehst. Mit diesen Augen. Und jetzt. Jetzt hör ich dein Lachen. Dieses so schöne Lachen. Ich höre es. Und ich hasse nun auch den Bus. Er soll doch endlich kommen. Die Leute blicken mich schon an, und fragen sich sicher, wie ich wohl reagieren würde.

Aber ich werde nichts tun. Was soll ich denn schon tun? Ich. Dieser kleine mickrige Junge. Schüchtern. Und immer im Mittelpunkt stehend. Lustig. Und dann zeitweise wiederum so uncool. Was soll denn ich schon tun. Ich will doch einfach nur, dass dieser blöde Bus kommt. Er uns abholt, und wir endlich wieder zuhause sind. In unserer Herberge.

Ja, ihr habt euren Spaß, nicht nur ihr zwei, auch all die anderen. Ihr habt euren Spaß hier. In dieser uns unbekannten Gegend. Alles ist toll. Doch ich weine leise Tränen, still in mich hinein. Warum denn nur? Warum macht sie das. Warum nur er. Er, der sich mein Freund nennen will. Jetzt sehe ich ihn an, und schon sehe ich all die Dinge, die ich an ihm hasse. Und sie … nein, sie kann ich nicht hassen. Es ist irgendetwas zwischen uns, das uns schon so lange zusammengehalten hat.

Doch es scheint trotzdem vorbei zu sein. Da kommt er. Der Bus. Dieser beschissene Bus, der mich hier einfach unter dieser Regenwolke hat stehen lassen, inmitten all des Sonnenscheins. Hier bist du also. Schnell steige ich ein. Ich setze mich möglichst weit weg. Weg von diesen Menschen. Die eine, die ich immer meine Freundin nannte, und der andere, der sich mein Freund nennen durfte. Vergesst mich. Und ihr alle hier, vergesst mich. Ich bin zu nichts zu gebrauchen. Nicht jetzt. Lasst mich in Ruh. Spricht mich nicht an.

Endlich kommen wir an. Immer und immer wieder habe ich sie ansehen müssen, wie sie nebeneinander sitzen, wie du lachst, wie er lacht. Ich hasse seinen Lacher. Aber dich …

Die Menschen strömen aus dem Bus. Ich bewege mich ganz langsam, nehme meinen Rucksack und steige aus ihm aus. Ich hasse dieses Wetter. Diese Woche. Ich hasse alles. Ich will doch einfach nur alleine sein. Alleine in diesem Zimmer. Ihr wollt alle noch baden gehen, in diesem kleinen Pool unserer Herberge. Ja, habt ihr nur euren Spaß. Ich will ihn nicht haben. Ich habe etwas anderes zu tun.

Und so hole ich mir den Schlüssel, gehe in das dritte Stockwerk, stehe vor der Tür, in der sechs Leute für eine Woche wohnen. Ich sperre auf. Niemand drinnen. Schon klar. Und ich drehe den Radio auf. Lege mich ins Bett.

„Es ist vorbei, bye, bye … Junimond. Es ist vorbei, bye, bye“. Als ich diese Zeilen höre, dieses neue Lied von Echt, ziehe ich mich unter meine Bettdecke zurück, und weine einige wenige Tränen in den Polster. Das Lied läuft sich zu Ende. Und ich möchte am liebsten in Selbstmitleid versinken. Sofern ich es noch nicht bin. Doch es klopft.

Jetzt kommen sie, meine Zimmerkameraden. Mit nassen Haaren, völlig happy. Wo ich denn war, fragen sie mich. Ach, mir ging es nicht so gut, sagte ich ihnen. Auch er lag in meinem Zimmer. Er. Dieser Arsch. Ich rede kein Wort über dieses Thema mit ihm. Mit niemanden. Ich lasse es mir nicht ankennen. Wen interessiert denn das schon?

Du hast mich nie wieder so angesehen, wie du es schon einmal tatest. Es wurde nie wieder das, was es einmal war. Jetzt sehe ich dich auch nicht mehr wieder. All das geschah im Sommer 2000. Im Juni. Schulwoche in einem kleinen Ort. Ich war zwölf, du auch. Wir waren eine so genannte Sandkastenliebe. Lagen schon nebeneinander im Gitterbett. Wuchsen miteinander auf, da du die Nachbarin meiner Oma warst. Wir haben so viel erlebt. Haben eine so lange gemeinsame Vergangenheit. Und du warst meine erste Liebe. Selbst wenn man das schon Liebe nennen kann.

Wir haben uns nie geküsst. Haben nie etwas Beziehungsähnliches gemacht. Schon klar, wir waren zwölf. Und doch waren diese Liebe zu dir, diese Abfuhr und dieser Liebeskummer etwas, das mich mein bisheriges Leben verfolgt hat. Du hast es irgendwie verändert. Ich wäre nicht die Person, die ich heute bin, wärst du nicht gewesen. Wär das nicht gewesen.

Und immer noch, wenn unser Radio den Song „Junimond“ spielt, sing ich noch mit. „Es ist vorbei, bye, bye, Junimond“ … ich liebe dieses Lied. Und scheinbar ist dieses Lied das einzige, was mir aus diesem Jahr geblieben ist. Dich sehe ich kaum mehr, und wenn, dann wissen wir nicht was wir reden sollen. Und er. Er war wahrscheinlich noch nie ein richtiger Freund von mir. Auch ihn habe ich aus dem Blick verloren.

Was mir bleibt ist die Erinnerung. An den Stadtrundgang, an das Schwimmbad. An dieses Warten auf den Bus. Und an den Abschlussabend. Mit den Bomfunk MCs, mit Otto Waalkes und mit dir. Dir und ihm.

Doch … es ist vorbei, bye, bye, Junimond.

Where Did It All Go Wrong

Habe ich dich nicht schon längst verloren?

Dich. Meine Selbstachtung. Hast du dich nicht schon vor so langer Zeit von mir abgewendet. Mir den Rücken zugekehrt, und bist davongelaufen. Das kann ich mir schon gut vorstellen. Wenn ich meine Selbstachtung wäre, dann würde ich vor einem Menschen wie mir genauso wie du wegrennen. Aber du bist doch überraschend lange geblieben. Warum eigentlich?

Dich zu verlieren, es war hart. Aber ich habe diesen Verlust mir selbst zuzuschreiben. Ich habe das Verlieren voranschreiten lassen. Habe es gefördert. Habe nichts dagegen getan. Ich habe meine Rollen weiter gespielt. Ohne an dich zu denken, liebe Selbstachtung.

Immer mehr habe ich dich zerstört. Habe ich mich zerstört. Ich habe mich zwar zu einem wunderbaren Schauspieler entwickelt, ich kann wirklich jede Rolle spielen. Doch ich bin kein Freund mehr von dir. Du hast sicher bessere Freunde. Ich habe dich vernachlässigt. Habe dich keines Blickes mehr gewidmet. Nur um in meinen Rollen voll aufzugehen.

Ich habe mich geändert. Habe mich um hundertachtzig Grad gedreht. Habe mich selbst aufgegeben. Und dich. Du wirst wohl nie wieder kommen. Und wenn, dann muss ich um dein Vertrauen kämpfen.

Du fehlst mir. Willst du mir nicht wieder helfen. Mir zur Seite stehen, in der Zeit, in der ich dich am meisten benötige. Doch ich steh hier allein. Zwar allein unter Freunden. Und doch allein. Allein mit meinen Liebesproblemen, meinen Problemen in der Familie, meinen Problemen in der Schule. Mit all den Problemen meines noch so jungen Lebens. Du könntest mir so gut helfen. Aber ich versteh dich. Du brauchst Abstand.

Aber die Zeit ist vorbei. Ich kann ich selbst sein. Ich will sogar ich selbst sein. Ich achte mich. Und muss nicht der Klassenclown sein, den jeder von mir verlangt. Die Schule ist übrigens bald vorbei. Für immer. Und dann kann ich von neuem anfangen. Kann all meine Rollen ablegen.

Und vielleicht kann ich dich wieder zurückerobern. Dich. Meine Selbstachtung.

The Worst Day Since Yesterday

Gestern habe ich es schon wieder gemacht

Gestern
habe ich es
schon wieder
gemacht. Habe
darüber nachgedacht
was ich wohl tun würde
wenn es kein morgen gäbe
und jetzt stehe ich hier, hier
im Heute. Und ich weiß, dass
zumindest gestern die Zweifel
unbegründet waren. Dieses Heute
Ist doch schon wieder das Gestern
von Morgen. Am besten ist, ich mache
mir einfach keine solchen Gedanken mehr.
Ich muss doch einfach nur lernen, im Hier und
Jetzt zu leben. Im Heute. Die Vergangenheit ist
einmal unwichtig. Und die Zukunft ist sowieso unergründbar
und doch mache ich mir viel zu oft diese Gedanken
frage mich, was sein wird. Oder was gewesen
wäre, wenn die Vergangenheit anders
verlaufen wäre. Aber sie ist es nicht.
Alles ist so gekommen, wie es
vorherbestimmt war. Wie es
das Schicksal für mich wollte.
Gibt es jenes überhaupt.
Das Schicksal. Oder
ist das alles nur eine
interessante Ausrede
um sich über das
düstere Morgen und
das Vergangene
keine Gedanken
mehr machen
zu müssen.
Ist es?

The Perfect Drug

Anfangs wünschte ich mir, du wärst perfekt. Würdest alles perfekt machen. Würdest perfekt sein. Nun bin ich dankbar, dass du es nicht bist.

Die erste große Liebe. Ein Erlebnis. Ein Kampf. Zumindest bei mir. Alles, was ich mir vorgestellt habe. Den ersten Kuss, das erste Mal. Alles war wunderschön. Doch es gab auch andere Momente. An denen ich mich fragte, was das alles überhaupt soll.

Als ich dich letzten Sommer plötzlich täglich sah, am See. Als du Teil meines Lebens wurdest. Sozusagen neben mir auf der Liegewiese eingezogen warst, sah ich dich an. Dein perfekter Körper. Deine schönen Haare. Dein wunderschönes Gesicht. Dein Lachen. Wie du mit mir sprachst. Du warst es, die in meinen Träumen herumspukte. Die in meinen Gedanken wild umher sprang. Die mir ein Lächeln auf die Lippen zaubern konnte, nur wenn ich an dich dachte. Ein Lächeln, wie es ehrlicher nicht sein hätte können. Ja, all das warst du.

Und dann war es soweit. Wir kamen zusammen. Schafften den Sprung in die Beziehung. Vielleicht hätten wir uns wirklich vorher noch etwas mehr kennen lernen sollen. Alles ging so schnell. Plötzlich warst du nicht mehr nur neben mir auf der Liegewiese. Du warst bei mir. Die ersten Tage verbrachten wir nur gemeinsam. Statt unnötig die Gedanken an uns zu verschwenden verbrachten wir einfach so viele Stunden miteinander. Und mehr und mehr verliebte ich mich in dich.

Ich hatte immer eine Vorstellung von einer perfekten Freundin. So viel sprach dafür, dass du jene sein würdest. Perfekt. Unglaublich. Ohne einen einzigen Fehler. Einfach eine Freundin, mit der man sich nie streiten würde. Wo man sich nie fragen würde, wieso das Ganze. Ich dachte, du würdest so eine Freundin sein.

Aber in den ersten sechs Monaten kam es fast monatlich zu größeren Auseinandersetzungen. Wir schienen immer wieder irgendetwas zu finden, was einen Streit wert gewesen wäre. Wir wollten uns ausreden. Wollten unsere Sorgen, unsere Bedenken, unsere Meinung einfach aus uns rauslassen. Das haben wir zumindest am Telefon gesagt. Als wir uns dann wieder sahen, freuten wir uns einfach nur, uns wieder zu sehen. All die Probleme schienen vergessen. Und doch führte das Aufstauen von all den Problemen in den sechs Monaten zu deiner Entscheidung, die Beziehung fürs Erste zu beenden.

Dann wusste ich. Du bist nicht perfekt. Du bist in keinster Weise perfekt. Und dafür danke ich dir. Danke, dass du nicht perfekt bist. Ich bin es doch auch nicht. Es gibt keine perfekte Freundin. Du liebst mich. Das ist die Hauptsache. Du liebst mich, wie mich noch kein Mädchen zuvor geliebt hat. Du schenkst mir Liebe, die mich am Leben hält. Die mir Halt gibt. Unsere Beziehung ist nicht perfekt. Aber warum danke ich dir? Weil ich mich deswegen immer frage: „Wieso das Ganze?“. Und dann denke ich nach. Denke nach. Mache mir so viele Gedanken über dich. Über uns. Und dann weiß ich es. Wegen dir. All das wegen dir. Weil ich dich liebe.

Liebe ist zwar so ein schweres Wort. Aber ich würde alle Energie in diese Beziehung investieren. Weil du nicht perfekt bist. Weil ich nicht perfekt bin. Niemand kann perfekt sein. Wir wollen es auch nicht. Lass uns einfach eine Beziehung führen, in der wir beide glücklich sind.

All I Want

Alles, was ich möchte, ist die Möglichkeit, meine Persönlichkeit mit meinem Auftreten zu verbinden. Ein schwerer Weg. Aber es ist … all i want.

Ich liebe meine Gedanken. Am liebsten würde ich sie ständig aufschreiben. Würde Geschichten schreiben, ohne Ende. Würde nie mehr zu denken aufhören. Ich liebe die Sprache meiner Gedanken. Den Sinn meiner Gedanken.

Ich hasse mein Gesicht. Hasse meine Augen. Meine Stirn. Hasse mein rundes Gesicht. Meine Ohren. Hasse meine unreine Haut. Hasse den viel zu stark wachsenden Bart. Hasse die Haare, die mir ins Gesicht hängen. Mir den Blick versperren. Auf all die tollen Sachen hier, auf der Welt.

Ich liebe meine Träume. Liebe meine Vorstellungen von meinem zukünftigen Leben. Liebe mein Leben. Ich liebe selbst all die Dinge, die mein Leben etwas schwieriger machen, als es meine Träume mir voraussagen.

Ich hasse meine Oberarme. Hasse mein Bindegewebe, das dort leicht eingerissen ist, dort, wo die Arme in die Schulter münden. Hasse meine trockene Haut auf meinen Händen. Hasse meine Fingernägel. Meinen Daumen.

Ich liebe meine Freunde. Wie sie mir zuhören, wie gerne ich ihnen zuhöre. Liebe, mit ihnen am See zu liegen. Liebe den Humor, den wir untereinander haben. Liebe das Leben mit ihnen.

Ich hasse meine Beine. Meine zu großen Oberschenkel. Meine hässlichen Füße. Ich hasse die Art, wie ich mich fortbewege. Hasse jede einzelne Zehe. Hasse mein Knie.

Ich liebe meine Familie. Liebe meine Mutter, so, wie sie mich liebt. Bedingungslos. Versuche meinen Vater zu lieben. Und ich bin leider gezwungen, meine Schwester zumindest zu mögen. Auch sie ist teil meines Lebens.

Ich hasse meinen Bauch. Ich bin viel zu dick. Ich hasse jedes Kilo über dem Normalgewicht. Hasse meinen Bauchnabel. Hasse meinen Rücken. Hasse meinen gesamten Körper.

Ich liebe den Schmerz, den Schmerz, der mein Leben zu einem „wahren Leben“ macht. Liebe die Ängste, die mir die Gänsehaut auf meinen verhassten Körper zaubert. Liebe die Kälte, die mich frieren lässt. Die Nacht, die mich nicht sehen lässt.

Ich hasse mich.

Ich liebe das Leben.

Secretly

Wir reden über alles. Scheinen unser Leben gegenseitig in und auswendig zu wissen. Aber es gibt ein Geheimnis, welches du nie erfahren wirst.

Wenn wir in der Schule sitzen, wir sehen uns immer wieder an, während der Stunde. Wenn wir etwas sagen, dann warten wir auf die Reaktion des anderen. Lachst du, dann ist das Experiment geglückt. Du lächelst. Es hat funktioniert. Du siehst mich kurz an. Siehst dann wieder nach vorne. Ich sehe dich noch länger an. Viel zu lange.

Die Pause. Endlich hat es geläutet. Wir wandern durch unsere Schule. Frisch renoviert genießen wir vor allem unseren neuen Pausenhof. Sitzen dort draußen, an dieser einen Glaswand. Du legst dich mit deinem Kopf in meinen Schoß. Du siehst zu mir hoch. Mit deinen schönen Augen. Ich sehe zu dir hinunter. Tief hinein in dieses riesige schwarze Loch, das mich in seinen Bann zu ziehen versucht. Ich schließe kurz die Augen. Blicke auf. Das Loch ist weg. Du bist noch da. Du fängst an zu reden. Ich lausche dir. Werfe auch immer mal wieder ein paar Wortfetzen in die Konversation. Aber ich möchte nicht mich reden hören. Ich lausche deinen Worten. Deiner Stimme. Du sprichst. Und ich höre dir zu. Egal was du sagst, ich höre dir zu.

Noch mal eine Pause. Wir sitzen hinten in unserer Klasse. Auf der Couch. Lauschen der Musik aus dem Radio. Dein Duft. Er … ist so gut. Ich versuche ihn in mich aufzusaugen. Setz dich fest, hier in meinem Nasenflügel. Sodass ich immer eine kleinen Portion persönlichen Duft von dir in meiner Nase mittrage. Du bemerkst es gar nicht, wie ich an deinen Haaren rieche. Und während ich dir diese eine Strähne aus dem Gesicht wische, würde ich der gerne durch dein ganzes Haar fahren.

Wenn wir uns in Stille begegnen, wenn wir beide nichts sagen, dann fühle ich mich dir so nah. Und sobald einer von uns zu sprechen beginnt, fühle ich mich so nutzlos. Du bist so … intelligent. So einzigartig. Und ich? Ich sehe dich einfach nur gerne an. Verliere mich in deinen Augen. Genieße deinen Duft.

Ich schwinge mich auf mein Mofa rauf, fast jeden Nachmittag. Fahre zu dir. Liege bei dir im Bett. Wir reden, über so viel. Lauschen der Musik, die aus deinem CD-Player herauskommt. Chilled In The Sun heißt diese CD. Und so fühle ich mich. Mit dir am Strand. Wir beide in einer Hängematte. In Hawaii. Doch du bist noch hier. Hier in Österreich. Du lebst in der Realität. Im Hier und Jetzt.

Und selbst wenn wir uns vor lauter Träumen vor der Realität zu verstecken versuchen, du holst mich immer wieder zurück. Wenn ich dir schon so nahe bin, dass ich deine Lippen berühren konnte, drehst du dich immer weg von mir. Wahrscheinlich weißt du gar nicht, wie gern ich dich küssen würde. Woher sollst du es denn auch wissen. Ich lasse mir ja nichts anmerken. Nur, wenn wir gemeinsam auf diesen kleinen, geheimnisvollen Berg liegen, ich würde so gerne noch näher zu dir rücken. Würde so gerne deine Hand nehmen, und mit dir liegen bleiben, bis unsere Welt zerbricht. Es dunkel ist. Doch irgendwann sagst du, lass uns gehen. Und manchmal nimmst du auch noch andere Freunde mit. Wir sind eigentlich viel zu oft nicht allein.

Spürst du es denn, dass ich dir so nahe sein möchte? So nahe, wie dein Ex-Freund dir war. Du hast mir so viel über ihn erzählt. Bis vor kurzem wart ihr ja noch zusammen. Ich habe dich in einer Beziehung erlebt, habe deinen Erzählungen eifersüchtig gelauscht. Habe die Trennung mitbekommen, habe dich getröstet. Mit so vielem im Hinterstübchen meines Gehirns. Warum willst du mich nur als besten Freund? Warum wollen mich eigentlich alle nur als besten Freund? Kann ich so gut zuhören? Gebe ich so gute Ratschläge in Beziehungsthemen? Ich, gerade ich, der noch nie eine Beziehung hatte.

Ich mag das nicht. Das Gefühl „best friend for everyone“. Ich fühle mich so sinnlos. Meine beste Freundin, du wirst für mich so viel mehr, als „nur“ beste Freundin. Wenn ich dich sehe, lächle ich. Wenn ich mit dir telefoniere, strahle ich. Wenn ich an dich denke, hüpft mein Herz.

Aber ich bin so unehrlich zu dir. Die ganze Zeit lüge ich dich an. Wenn du mich fragst, wie es mir geht? Gut geht es mir, sage ich dann immer. Mir geht es nicht gut, ohne dir. Du fragst mich, ob ich dich hübsch finde. Ich sage ja. Das stimmt nicht. Du bist wunderschön. Du fragst mich, ob ich gerade verliebt bin. Ich verneine. Ich lüge. Ich liebe dich.

Aber du wirst all das nie erfahren. Viel zu sehr versuche ich, unsere Freundschaft nicht aufs Spiel zu setzen. Uns liegt doch beide etwas daran. Vielleicht sind die Gefühle auch auf beiden Seiten. Aber ich traue mich nicht, dich zu fragen. Bin zu schüchtern. Ich verliere so viel Zeit, dich im Geheimen zu lieben. Ich möchte es dir zeigen. Zeigen, dass es mich gibt. Dass ich als „Beziehungspartner“ ebenfalls zur Auswahl stehe. Doch du siehst mich nicht. Ich bin nur dein bester Freund. Mehr willst du nicht.

Und daran zerbreche ich. Verliere mich an der Sehnsucht, mehr von dir zu bekommen. Mehr Liebe, mehr Nähe, mehr Zuneigung. Und unsere Freundschaft zerbricht daran. So, wie sie vielleicht zerbrochen wäre, wenn ich mich nur getraut hätte. Wenn wir es versucht hätten.

Ich widme diesen Text allen Menschen, allen besten Freundinnen, in die ich verliebt war. Und denen ich es nicht gesagt habe. Wenn du dich jetzt nicht angesprochen fühlst, dann weißt du es einfach bis heute noch nicht. Ich widme es auch jenen, denen ich es gesagt habe, und die mich aber als „nur“ als besten Freund wollten. Und auch dir, mit der ich es versucht habe. Aber selbst nie genau wusste, was mir wichtiger ist. Die Liebe oder die Freundschaft. Ich hätte mich schlussendlich für die Liebe entschieden. Jetzt führen wir eine Freundschaft. Immer noch einzigartig. Toll. Und Hauptsache eins: platonisch. Und jetzt kann ich dir vor allem auch mal etwas aus meinem Beziehungsleben erzählen. Danke du, du, die einzige, bei der es auf beiden Seiten Gefühle gab. Und du, fällt dir eines auf? Niemand andere ist in meinem Kreis der allerbesten Freunde geblieben. Außer du. Dass muss wahre Freundschaft sein, meinst du nicht?