The Perfect Drug

Anfangs wünschte ich mir, du wärst perfekt. Würdest alles perfekt machen. Würdest perfekt sein. Nun bin ich dankbar, dass du es nicht bist.

Die erste große Liebe. Ein Erlebnis. Ein Kampf. Zumindest bei mir. Alles, was ich mir vorgestellt habe. Den ersten Kuss, das erste Mal. Alles war wunderschön. Doch es gab auch andere Momente. An denen ich mich fragte, was das alles überhaupt soll.

Als ich dich letzten Sommer plötzlich täglich sah, am See. Als du Teil meines Lebens wurdest. Sozusagen neben mir auf der Liegewiese eingezogen warst, sah ich dich an. Dein perfekter Körper. Deine schönen Haare. Dein wunderschönes Gesicht. Dein Lachen. Wie du mit mir sprachst. Du warst es, die in meinen Träumen herumspukte. Die in meinen Gedanken wild umher sprang. Die mir ein Lächeln auf die Lippen zaubern konnte, nur wenn ich an dich dachte. Ein Lächeln, wie es ehrlicher nicht sein hätte können. Ja, all das warst du.

Und dann war es soweit. Wir kamen zusammen. Schafften den Sprung in die Beziehung. Vielleicht hätten wir uns wirklich vorher noch etwas mehr kennen lernen sollen. Alles ging so schnell. Plötzlich warst du nicht mehr nur neben mir auf der Liegewiese. Du warst bei mir. Die ersten Tage verbrachten wir nur gemeinsam. Statt unnötig die Gedanken an uns zu verschwenden verbrachten wir einfach so viele Stunden miteinander. Und mehr und mehr verliebte ich mich in dich.

Ich hatte immer eine Vorstellung von einer perfekten Freundin. So viel sprach dafür, dass du jene sein würdest. Perfekt. Unglaublich. Ohne einen einzigen Fehler. Einfach eine Freundin, mit der man sich nie streiten würde. Wo man sich nie fragen würde, wieso das Ganze. Ich dachte, du würdest so eine Freundin sein.

Aber in den ersten sechs Monaten kam es fast monatlich zu größeren Auseinandersetzungen. Wir schienen immer wieder irgendetwas zu finden, was einen Streit wert gewesen wäre. Wir wollten uns ausreden. Wollten unsere Sorgen, unsere Bedenken, unsere Meinung einfach aus uns rauslassen. Das haben wir zumindest am Telefon gesagt. Als wir uns dann wieder sahen, freuten wir uns einfach nur, uns wieder zu sehen. All die Probleme schienen vergessen. Und doch führte das Aufstauen von all den Problemen in den sechs Monaten zu deiner Entscheidung, die Beziehung fürs Erste zu beenden.

Dann wusste ich. Du bist nicht perfekt. Du bist in keinster Weise perfekt. Und dafür danke ich dir. Danke, dass du nicht perfekt bist. Ich bin es doch auch nicht. Es gibt keine perfekte Freundin. Du liebst mich. Das ist die Hauptsache. Du liebst mich, wie mich noch kein Mädchen zuvor geliebt hat. Du schenkst mir Liebe, die mich am Leben hält. Die mir Halt gibt. Unsere Beziehung ist nicht perfekt. Aber warum danke ich dir? Weil ich mich deswegen immer frage: „Wieso das Ganze?“. Und dann denke ich nach. Denke nach. Mache mir so viele Gedanken über dich. Über uns. Und dann weiß ich es. Wegen dir. All das wegen dir. Weil ich dich liebe.

Liebe ist zwar so ein schweres Wort. Aber ich würde alle Energie in diese Beziehung investieren. Weil du nicht perfekt bist. Weil ich nicht perfekt bin. Niemand kann perfekt sein. Wir wollen es auch nicht. Lass uns einfach eine Beziehung führen, in der wir beide glücklich sind.

Nothing Ever Happens

The Needle Returns To The Start Of The Song. And We All Sing Along. Like Before.

Wir leben einfach so vor uns hin. Dinge passieren. Erfahrungen begegnen uns. Und irgendwann verschwinden sie auch wieder. Alles kommt, alles geht. Und würde morgen die Welt untergehen, übermorgen würden wir wieder dasselbe tun. Uns ist es egal, was passiert. Wir sind vielleicht geschockt von den Erlebnissen, schwören uns, es nie wieder so weit kommen zu lassen. Planen unser Leben um. Und doch kommt es wieder so. Denn es passiert nie etwas.

Der zweite Weltkrieg hat uns so viel gelehrt. Vernünftige Menschen sagen, wir dürfen es nicht mehr so weit kommen lassen. Denkende Menschen lassen es auch nicht mehr so weit kommen. Und dann gibt es zur Fußball-WM No-Go-Areas. Wo Menschen einfach nicht mehr sicher sind. Wo man um sein Leben Angst haben muss. Wir dachten, wir hätten gelernt. But The Needle Returns To The Start Of The Song. And We All Sing Along. Like Before.

Wir haben unglaubliche Möglichkeiten. Wir, ja wir, sind die die Zukunft der vorangegangenen Generationen. Wir können so viel besser machen. Wir könnten die Welt verändern. Kriege verhindern. Den alten Menschen zeigen, was Frieden ist. Und doch bleiben wir sitzen. Als Amerika der „Achse des Bösen“ den Krieg erklärt. Als Terroristen beider Seiten (Amerikaner und Islamisten) Zivilisten töten. Wir sind geschockt. Sehen uns immer und immer wieder die Bilder an. Wünschen uns, sie nie mehr sehen zu müssen. Doch wir sehen sie uns an. Immer und immer wieder. Nie mehr Krieg, wünschen wir uns. Aber wir bleiben sitzen. Stehen nicht auf. Erheben nicht unsere Stimme. And The Needle Returns To The Start Of The Song. And We All Sing Along. Like Before.

Wir können die Welt verändern. Können bei uns anfangen. Können etwas bewegen. Und doch bleiben wir sitzen. Es muss erst einer aufstehen, damit man sich anschließen kann. Nur einer muss aufstehen. Einer muss Kraft zeigen. Mut. Und Ausdauer. Ausdauer, bis ein zweiter sich zu ihm gesellt.

Aber wenn wir nichts machen. Wenn wir die Welt sich selbst zerstören lassen. Wenn wir bei Kriegen durch die Medien zusehen. Bei Terroranschlägen die Bilder immer und immer sehen. Zulassen, dass Neo-Nazis wieder so groß werden. Dann. Ja, dann, wird es bald zu spät sein. Entweder jetzt oder nie.

Dann könnten wir es schaffen. Könnten sagen: „Something Has Happened. We’ve Stopped The Needle. And Now We Sing Our Song.”The Needle Returns To The Start Of The Song. And We All Sing Along. Like Before.

Weil Es Liebe Ist

Der leuchtende Mond ließ die Zeit nicht vergehen. Wir saßen nur da. Du und ich.

Ich hoffe du kommst. Das waren meine Gedanken vor der Abfahrt. Der Abfahrt zu unserem Chorausflug. Ich hoffe du kommst. Nur wegen dir fahre ich mit. Mit dir möchte ich Zeit verbringen. Du bist es, warum ich überhaupt noch in den Chor gehe. Nur du. Und du kamst. Mit deinem wunderschönen braunen Haar. Mit deinen Augen voll Ehrlichkeit. Mit deinem Lächeln, als du mich erblicktest. Im selben Auto fahren wir. Du sitzt vorne. Ich hinten. Ich sehe dir zu. Lausche deinen Erzählungen. Drei Tage würden wir nun miteinander verbringen. Wir und ein Dutzend anderer Chormitglieder. Meine beste Freundin ist auch dabei. Und du. Überall bist du.

So oft suche ich die Nähe zu dir. Wir sitzen nebeneinander. Reden. Haben Spaß. Du bist bei mir. Ich bin bei dir. Ich fühle mich wohl. Und spüre die Liebe. Auch meine beste Freundin merkt es, wie ich dich ansehe. Spürt, wie sehr ich etwas für dich empfinde. Doch ich rede nicht mit ihr. Ich rede nur mit dir. Wir machen Ausflüge. Sind immer gemeinsam unterwegs. Du lächelst, als ich als einziger im Regen in den Teich springe.

Ich weiß es schon. Du hasst es, dass ich rauche. Doch du kommst mit. Am ersten Abend, als meine beste Freundin und ich eine rauchen gingen. Raus. Eher heimlich. Eigentlich war es ja verboten. Aber mir konnte das ja niemand verbieten. Aber du warst da. Ich fühlte mich unwohl, mit der Zigarette in meiner Hand. Und doch genoss ich auch hier jeden Zug. Denn du warst da. Hast uns nach draußen begleitet.

Am zweiten Tag gingen wir am Nachmittag auf einer Brücke über einem kleinen Bach. Du, ich, meine beste Freundin und eine weitere gute Freundin. Wir reden. Ich rauche wieder eine Zigarette. Du fragst mich, aus welchem Grund ich aufhören würde. Wenn ich eine Freundin hätte, die Nichtraucherin wäre, dann würde ich aufhören, habe ich gesagt. Und habe mich an diesen Satz gebunden. Gesagt ist gesagt. Und es ist auch schon fast versprochen.

Immer und immer war ich bei dir an diesem Abend. Um zehn Uhr abends gingen wir noch einmal nach draußen. Spazierten herum. Es begann zu regnen. Wir stellten uns unter, in dieser Kapelle. Es waren zwei kleine Bänke. Ich hätte mich neben dich sitzen können. Doch ich hatte Angst. Was, wenn all die Gefühle nun doch nicht da waren. Wenn nur ich etwas für dich empfinde. Du aber nichts für mich. Und so saßen wir. Sprachen über alles. Ich erkläre dir mein Leben. Warum ich so bin. Warum ich kiffe. Warum ich rauche. Warum ich Alkohol in überhöhter Dosis an manchen Abenden wirklich schön finde. Warum ich noch nie eine Freundin hatte. Warum ich so bin wie ich bin. Und du erzähltest mir auch aus deinem Leben. Es war etwas so schönes. Wir tauschten uns aus, obwohl wir eigentlich nur zwei von Millionen von Sternen waren. Es war schon dunkel geworden. Uns war das egal. Wir sprachen. Sprachen von uns, unserem Leben. Bis eine Taschenlampe uns ins Gesicht leuchtete. Es war halb 2. Man hat uns schon gesucht. Wir bekamen eine Standpauke. Doch es war uns egal. Dieser Moment. Da, in dieser Kapelle. Er hat uns so viel gegeben. Mir das Gefühl, dass die Gefühle richtig sind. Wir gingen in das Matratzenlager. Alle anderen schliefen schon. Nur nicht meine beste Freundin und die gute Freundin. Wir redeten. Tranken noch schnell einen Kakao. Legten uns ins Bett. Normalerweise lagen wir ja so: meine beste Freundin, ich, meine gute Freundin und du. Doch wir mussten noch so viel reden. Du kamst zu mir. Mit deinem Schlafsack im Gepäck. Wir redeten. Und redeten. Nachdem wir die anderen störten, legten wir uns zu dir rüber. Wir redeten. Lachten. Und fühlten uns einfach nur wohl. Und die ganze Zeit dachte ich mir, ich möchte dich so gern küssen. Und gleichzeitig dachte ich mir, das würde so viel zerstören. Den ganzen Tag. All das schöne. Und so küsste ich dich nicht. Wir schliefen ein. Drei-, viermal wachte ich auf. Und beobachtete dich beim Schlaf. So ist es also, das Gefühl, neben einer Frau einzuschlafen, und neben ihr aufzuwachen.

Dann war der Tag gekommen, um die Heimreise anzutreten. Du saßest nun auch hinten, hinten neben mir. Und zuhause angekommen kam der Zeit des Abschiedes. Ich ging auf dich zu. Wollte dich küssen. Wollte … dich mein ganzes Leben lang in den Arm nehmen. Du kamst zu mir. Umarmtest mich. Es war wunderschön.

Eine Woche später kamen wir zusammen. Sechs Monate waren wir zusammen. Dann kam die Trennung. Ein Monat später beschlossen wir, es wieder zu versuchen. Bauen gerade wieder eine funktionierende Beziehung auf. Ich bin reifer geworden. Im August hatte ich zu rauchen aufgehört, wegen meinem Versprechen, im Dezember fing ich wieder an. Wegen einem Streit. Bis jetzt tat ich es. Nun rauche ich nicht mehr, aus eigener Überzeugung. Ich kiffe nicht mehr. Aus eigener Überzeugung. Und ich habe einen Weg gefunden, dich zu lieben, ohne mich in kompletter Selbstaufgabe zu verlieren.

Aber diese drei Tage, ich werde sie nie vergessen. Du und ich. Wir waren zumindest für diesen Moment in der Kapelle eins.

Führe Mich Sanft

Nimm mich an meiner Hand. Führe mich. Führe mich, wohin du willst. Du hast die Macht über mich. Aber pass auf … ich zerbreche viel zu leicht

Hier hast du mich. Ich gebe mich dir hin. Lege mein Leben dir dar. Lege meinen Körper in deine Hände. Ich bin dein. Mache, was auch immer du mit mir machen willst. Führe mich. Wohin du willst.

Du hast die Macht, mein Leben zu bereichern. Hast die Macht, mein Leben zu gestalten. Niemand anderer darf mich an der Hand nehmen. Du führst mich. Führst mich durch mein eigenes Leben.

Führe mich durch mein Leben. Lass jede einzelne Erinnerung die ich habe, eine Erinnerung mit dir sein. Lass es Frösche regnen, und zeige mir, wie hart die Tränen der Sonne auf einen fallen können. Führe mich durch ein Meer aus weißen Margeriten. Durch eine seichten, kalten Bach. Steh mit mir auf dieser einen Brücke. Führe mich zu einem Spiegel, und zeige mir, wer du bist. Zeige mir, wer ich bin.

Los, so nimm mich doch. Ich kann mich alleine kaum mehr selbst bewegen. Ich weiß doch nicht wohin. Und wohin sollte ich auch gehen, ohne dir. Komm, führe mich. Lebe du mein Leben. Du kannst dir aussuchen, wohin ich gehe. Wie dieser Weg, dieses Leben verläuft. Kalte Hände hast du. Komm ich wärm sie dir.

Wieso ziehst du die Hand weg? Was ist los? Möchtest du mich nicht führen? Was soll ich nur ohne dich? Wohin soll es nur gehen, ohne dir?

Du willst es nicht haben. Willst mein Leben nicht haben. Hast Angst. Angst, vor dieser Macht. Der Macht über mein Leben. Ich bin ein eigenständiger Mensch, erklärst du mir. Nicht du solltest mein Leben führen, sondern ich.

Warum plötzlich das? Ich versteh plötzlich kein Wort mehr aus deinem Mund. Wir sind doch ein Paar. Wir haben doch schon so viel erlebt. Wir wissen, wie sehr wir uns lieben. Warum hast du Angst? Ich lege mein Leben aus reinem Vertrauen in deine Hände.

Du lachst. Nein, nicht Vertrauen. Es ist Abhängigkeit, sagst du mir.

Ja, es scheint als wäre ich von dir abhängig. Du bist wie eine Sucht. Eine Sucht, die keine äußeren Spuren hinterlässt. Wenn ich dich sehe, hänge ich an deinen Augen. Wenn du redest, dann höre ich dir gespannt zu. Wenn du schläfst, sehe ich dir stundenlang zu. Wenn ich schlafe, träume ich von dir. Ja, ich bin abhängig. Nun gut, aber soll ich wirklich loskommen von dir? Es das nicht ein Schritt in Richtung Trennung, wenn ich aufhöre, ständig an dich zu denken. Wenn ich aufhöre, mir zu wünschen, dass du mich durch mein Leben führst.

Du schüttelst den Kopf. Ich weiß, du findest mich verrückt. Verstehst nicht meine Liebe zu dir. Ich verstehe sie schon. Du bist der wunderbarste Mensch, dem ich begegnet bin. Niemand ist so wie du. Du bist einzigartig.

Wenn du die Macht hättest, mein Leben zu bereichern, es zu gestalten, so hättest du auch die Macht, mein Leben zu zerstören, es in die völlig falsche Richtung zu ziehen, erklärst du mir. Du hast Recht. Eine solche Verantwortung könnte wohl niemand übernehmen. So lass uns unser Leben eigenständig weiterleben, schlägst du mir vor, und jeder übernimmt einen bestimmten Teil in diesem Leben. Du bekommst hier, hier in mein Herz, und in meinem Leben bekommst du den schönsten Platz. Du sollst nur immer hier sein. Immer. Der Rest meines Lebens soll mit dir sein.

Aber du hast Recht. Es ist eine Sucht.
Ich muss versuchen,
selbst zu leben.

All I Want

Alles, was ich möchte, ist die Möglichkeit, meine Persönlichkeit mit meinem Auftreten zu verbinden. Ein schwerer Weg. Aber es ist … all i want.

Ich liebe meine Gedanken. Am liebsten würde ich sie ständig aufschreiben. Würde Geschichten schreiben, ohne Ende. Würde nie mehr zu denken aufhören. Ich liebe die Sprache meiner Gedanken. Den Sinn meiner Gedanken.

Ich hasse mein Gesicht. Hasse meine Augen. Meine Stirn. Hasse mein rundes Gesicht. Meine Ohren. Hasse meine unreine Haut. Hasse den viel zu stark wachsenden Bart. Hasse die Haare, die mir ins Gesicht hängen. Mir den Blick versperren. Auf all die tollen Sachen hier, auf der Welt.

Ich liebe meine Träume. Liebe meine Vorstellungen von meinem zukünftigen Leben. Liebe mein Leben. Ich liebe selbst all die Dinge, die mein Leben etwas schwieriger machen, als es meine Träume mir voraussagen.

Ich hasse meine Oberarme. Hasse mein Bindegewebe, das dort leicht eingerissen ist, dort, wo die Arme in die Schulter münden. Hasse meine trockene Haut auf meinen Händen. Hasse meine Fingernägel. Meinen Daumen.

Ich liebe meine Freunde. Wie sie mir zuhören, wie gerne ich ihnen zuhöre. Liebe, mit ihnen am See zu liegen. Liebe den Humor, den wir untereinander haben. Liebe das Leben mit ihnen.

Ich hasse meine Beine. Meine zu großen Oberschenkel. Meine hässlichen Füße. Ich hasse die Art, wie ich mich fortbewege. Hasse jede einzelne Zehe. Hasse mein Knie.

Ich liebe meine Familie. Liebe meine Mutter, so, wie sie mich liebt. Bedingungslos. Versuche meinen Vater zu lieben. Und ich bin leider gezwungen, meine Schwester zumindest zu mögen. Auch sie ist teil meines Lebens.

Ich hasse meinen Bauch. Ich bin viel zu dick. Ich hasse jedes Kilo über dem Normalgewicht. Hasse meinen Bauchnabel. Hasse meinen Rücken. Hasse meinen gesamten Körper.

Ich liebe den Schmerz, den Schmerz, der mein Leben zu einem „wahren Leben“ macht. Liebe die Ängste, die mir die Gänsehaut auf meinen verhassten Körper zaubert. Liebe die Kälte, die mich frieren lässt. Die Nacht, die mich nicht sehen lässt.

Ich hasse mich.

Ich liebe das Leben.

Secretly

Wir reden über alles. Scheinen unser Leben gegenseitig in und auswendig zu wissen. Aber es gibt ein Geheimnis, welches du nie erfahren wirst.

Wenn wir in der Schule sitzen, wir sehen uns immer wieder an, während der Stunde. Wenn wir etwas sagen, dann warten wir auf die Reaktion des anderen. Lachst du, dann ist das Experiment geglückt. Du lächelst. Es hat funktioniert. Du siehst mich kurz an. Siehst dann wieder nach vorne. Ich sehe dich noch länger an. Viel zu lange.

Die Pause. Endlich hat es geläutet. Wir wandern durch unsere Schule. Frisch renoviert genießen wir vor allem unseren neuen Pausenhof. Sitzen dort draußen, an dieser einen Glaswand. Du legst dich mit deinem Kopf in meinen Schoß. Du siehst zu mir hoch. Mit deinen schönen Augen. Ich sehe zu dir hinunter. Tief hinein in dieses riesige schwarze Loch, das mich in seinen Bann zu ziehen versucht. Ich schließe kurz die Augen. Blicke auf. Das Loch ist weg. Du bist noch da. Du fängst an zu reden. Ich lausche dir. Werfe auch immer mal wieder ein paar Wortfetzen in die Konversation. Aber ich möchte nicht mich reden hören. Ich lausche deinen Worten. Deiner Stimme. Du sprichst. Und ich höre dir zu. Egal was du sagst, ich höre dir zu.

Noch mal eine Pause. Wir sitzen hinten in unserer Klasse. Auf der Couch. Lauschen der Musik aus dem Radio. Dein Duft. Er … ist so gut. Ich versuche ihn in mich aufzusaugen. Setz dich fest, hier in meinem Nasenflügel. Sodass ich immer eine kleinen Portion persönlichen Duft von dir in meiner Nase mittrage. Du bemerkst es gar nicht, wie ich an deinen Haaren rieche. Und während ich dir diese eine Strähne aus dem Gesicht wische, würde ich der gerne durch dein ganzes Haar fahren.

Wenn wir uns in Stille begegnen, wenn wir beide nichts sagen, dann fühle ich mich dir so nah. Und sobald einer von uns zu sprechen beginnt, fühle ich mich so nutzlos. Du bist so … intelligent. So einzigartig. Und ich? Ich sehe dich einfach nur gerne an. Verliere mich in deinen Augen. Genieße deinen Duft.

Ich schwinge mich auf mein Mofa rauf, fast jeden Nachmittag. Fahre zu dir. Liege bei dir im Bett. Wir reden, über so viel. Lauschen der Musik, die aus deinem CD-Player herauskommt. Chilled In The Sun heißt diese CD. Und so fühle ich mich. Mit dir am Strand. Wir beide in einer Hängematte. In Hawaii. Doch du bist noch hier. Hier in Österreich. Du lebst in der Realität. Im Hier und Jetzt.

Und selbst wenn wir uns vor lauter Träumen vor der Realität zu verstecken versuchen, du holst mich immer wieder zurück. Wenn ich dir schon so nahe bin, dass ich deine Lippen berühren konnte, drehst du dich immer weg von mir. Wahrscheinlich weißt du gar nicht, wie gern ich dich küssen würde. Woher sollst du es denn auch wissen. Ich lasse mir ja nichts anmerken. Nur, wenn wir gemeinsam auf diesen kleinen, geheimnisvollen Berg liegen, ich würde so gerne noch näher zu dir rücken. Würde so gerne deine Hand nehmen, und mit dir liegen bleiben, bis unsere Welt zerbricht. Es dunkel ist. Doch irgendwann sagst du, lass uns gehen. Und manchmal nimmst du auch noch andere Freunde mit. Wir sind eigentlich viel zu oft nicht allein.

Spürst du es denn, dass ich dir so nahe sein möchte? So nahe, wie dein Ex-Freund dir war. Du hast mir so viel über ihn erzählt. Bis vor kurzem wart ihr ja noch zusammen. Ich habe dich in einer Beziehung erlebt, habe deinen Erzählungen eifersüchtig gelauscht. Habe die Trennung mitbekommen, habe dich getröstet. Mit so vielem im Hinterstübchen meines Gehirns. Warum willst du mich nur als besten Freund? Warum wollen mich eigentlich alle nur als besten Freund? Kann ich so gut zuhören? Gebe ich so gute Ratschläge in Beziehungsthemen? Ich, gerade ich, der noch nie eine Beziehung hatte.

Ich mag das nicht. Das Gefühl „best friend for everyone“. Ich fühle mich so sinnlos. Meine beste Freundin, du wirst für mich so viel mehr, als „nur“ beste Freundin. Wenn ich dich sehe, lächle ich. Wenn ich mit dir telefoniere, strahle ich. Wenn ich an dich denke, hüpft mein Herz.

Aber ich bin so unehrlich zu dir. Die ganze Zeit lüge ich dich an. Wenn du mich fragst, wie es mir geht? Gut geht es mir, sage ich dann immer. Mir geht es nicht gut, ohne dir. Du fragst mich, ob ich dich hübsch finde. Ich sage ja. Das stimmt nicht. Du bist wunderschön. Du fragst mich, ob ich gerade verliebt bin. Ich verneine. Ich lüge. Ich liebe dich.

Aber du wirst all das nie erfahren. Viel zu sehr versuche ich, unsere Freundschaft nicht aufs Spiel zu setzen. Uns liegt doch beide etwas daran. Vielleicht sind die Gefühle auch auf beiden Seiten. Aber ich traue mich nicht, dich zu fragen. Bin zu schüchtern. Ich verliere so viel Zeit, dich im Geheimen zu lieben. Ich möchte es dir zeigen. Zeigen, dass es mich gibt. Dass ich als „Beziehungspartner“ ebenfalls zur Auswahl stehe. Doch du siehst mich nicht. Ich bin nur dein bester Freund. Mehr willst du nicht.

Und daran zerbreche ich. Verliere mich an der Sehnsucht, mehr von dir zu bekommen. Mehr Liebe, mehr Nähe, mehr Zuneigung. Und unsere Freundschaft zerbricht daran. So, wie sie vielleicht zerbrochen wäre, wenn ich mich nur getraut hätte. Wenn wir es versucht hätten.

Ich widme diesen Text allen Menschen, allen besten Freundinnen, in die ich verliebt war. Und denen ich es nicht gesagt habe. Wenn du dich jetzt nicht angesprochen fühlst, dann weißt du es einfach bis heute noch nicht. Ich widme es auch jenen, denen ich es gesagt habe, und die mich aber als „nur“ als besten Freund wollten. Und auch dir, mit der ich es versucht habe. Aber selbst nie genau wusste, was mir wichtiger ist. Die Liebe oder die Freundschaft. Ich hätte mich schlussendlich für die Liebe entschieden. Jetzt führen wir eine Freundschaft. Immer noch einzigartig. Toll. Und Hauptsache eins: platonisch. Und jetzt kann ich dir vor allem auch mal etwas aus meinem Beziehungsleben erzählen. Danke du, du, die einzige, bei der es auf beiden Seiten Gefühle gab. Und du, fällt dir eines auf? Niemand andere ist in meinem Kreis der allerbesten Freunde geblieben. Außer du. Dass muss wahre Freundschaft sein, meinst du nicht?

First Day Of My Life

Wer, verdammt noch mal, bist du eigentlich?

Jetzt sitze ich hier. Höre mir „Why Does It Always Rain On Me“ von Travis an. Ein toller Song. Warum regnet es eigentlich so oft auf mich. Und solche harten, verletzenden Tropfen. Das ist doch nicht der Regen, der mich zu Boden wirft, mir Schmerzen zufügt, und auf mich hereinprasselt. Ist er nicht. Nein. „Das … mein lieber Herr, ist das Leben.“

Ach so, das Leben. Ich wusste ja, es würde irgendwann einmal kommen. Würde kommen, würde mich begleiten. Würde mich einholen, wenn ich davon wegzulaufen versuche. Würde mir ins Ohr schreien, nur um lauter zu sein, als alles andere, was ich gerade im Kopf habe. Warum bestimmt das Leben eigentlich mein … ähm. Leben? Nennen wir es „Sein“. Warum bestimmt das Leben mein Sein. „Weil es das wahre Leben ist, mein lieber Herr.“

Das wahre Leben. Pfft. Und höre auf, mich ständig „mein lieber Herr“ zu nennen. Ich kenn dich nicht. Möchte auch nicht unbedingt Bekanntschaft mit dir machen. Also was mischt du dich überhaupt ein. Ach, du kennst mich? Woher denn? Wer bist du überhaupt. Das wahre Leben, das ich nicht lache. Wenn das wahre Leben so ist, wie es manchmal wirklich ist, dann bevorzuge ich den Tod. Du lachst? Ja, der Tod wäre mir in manchen Situationen lieber. Wenn die Liebe einen brennenden, und auch noch vergifteten Pfeil durch mein gebrochenes Herz rammt. Oder all die Träume über mir einstürzen. Mhm, da scheint mir der Tod doch besser. Da interessiert mich all das nicht mehr. Du lachst immer noch, glaubst du mir nicht? Nein? Ach, der Tod ist auch nicht gerade schön, meinst du. Du bist dumm. Wenn ich das so sagen darf. Du kennst ihn ja gar nicht, den Tod. Oder bist du vielleicht schon tot. Und warum redest du dann mit mir? Du lachst schon wieder. Ach, vergiss mich.

Was machst du überhaupt hier? Das ist das Haus meiner Eltern. Das ist hier der Tisch meiner Eltern. Ich bin zwar alleine zuhause, aber … was machst du hier. Wer hat dich reingelassen? Ach, du bist schon die ganze Zeit da. Wie lange? Was? Neunzehn Jahre schon. Du spinnst. Ich halte dich nicht aus. Was redest du nur für Unsinn. Kannst du bitte gehen? Nein? Okay, ich will mich gerade nicht streiten mit dir. Bleibe noch. Aber nur bis meine Eltern wieder nach Hause kommen. Ach, die kommen nicht so bald. Woher weißt du das? Und woher kennst du meine Eltern. Verdammt, wer bist du.

Du wiederholst dich. Sag doch nicht immer „das wahre Leben“. „Das wahre Leben“, „Das wahre Leben“, „Das wahre Leben“. Hör auf. Verdammt. Lass mich hier jetzt schreiben. Woran ich schreibe? Was geht das dich an? An dem wahren Leben schreibe ich. Du lachst. Warum lachst du. Ich frage dich jetzt ernsthaft, warum du lachst. Du hörst auf. Blickst mir in die Augen. Ich sehe, im Schatten der Welt einen Teil von dir. Auch nur deine Augen. Schöne Augen hast du. Du wirkst ernst, angespannt. „Warum ich lache, meinst du? Weil du noch so wenig vom wahren Leben mitbekommen hast. Du bist behütet, beschützt. Du brauchst keine Angst vor irgendetwas haben. Du brauchst nur Angst vor dem Tod haben.“ Wieso vor dem Tod? Ich verstehe dich nicht. Wieso muss ich Angst vor dem Tod haben. Und nicht Angst vor dem Sterben.

„Der Tod ist die Konsequenz“. Ach so. Ich verstehe nicht. Du redest wirres Zeugs, denke ich mir. Und ich fühle, wie du spürst, was ich denke. „Der Tod ist die Konsequenz“, wiederholst du dich. „Du fürchtest dich doch auch nicht vor dem Autofahren. Sondern vor dem Autounfall. Du fürchtest dich nicht vor einer Zigarette. Du fürchtest dich vor Lungenkrebs.“ So meinst du das also. Ich scheine dich zu verstehen. Es sind immer die Konsequenzen, die einem Angst machen. Du machst mir Angst. Ist das nun die Konsequenz dieses Gesprächs? Ach, du verwirrst mich. Ich rede schon genauso kervehrt wie du.

Es regnet. Sage ich dir. „Wo?“, fragst du mich. Hier, in meinem Herzen. Ja, ich erzähle dir von meinem Leben. Selbst wenn es nicht „das wahre Leben“ ist. Sein kann. Ich erzähle dir von meinen Gedanken, meiner Angst. Meinen Sorgen, meiner Liebe. Du hörst mir zu. Still hörst du zu. Und dann sagst du mir, als ich endlich mit meinen Gedanken fertig bin. „Na und? Du bist nicht der einzige Jugendliche der solche Probleme hat“. Und weißt du was? Ich hasse dich. Ich wollte mein Leid mit dir teilen. Wollte dich teilhaben lassen an meinem Leid. Und du … du sprichst nur von … den anderen? Mir geht es schlecht. Mich erschlagen diese riesigen Tropfen. Du lachst.

„Ich kenne dich“. Du? Mich? Nein, du kennst mich nicht. Niemand kennt mich. Woher solltest du mich kennen. Du lachst. Schon wieder lachst du. Ach, du denkst, die Leute kennen mich, wie ich Texte über mein Leben veröffentliche? Meinst du das wirklich. Du nickst. „Sie lernen dich von Text zu Text besser kennen.“ Meinst du. Du machst mir Angst. Ich mache mir Angst. Offenbare ich zu viel in meinen Texten frage ich dich. „Ich weiß es nicht“, sagst du. Ja, warum denn nicht? Du hast also noch nie meine Texte gelesen. Woher weißt du überhaupt davon. Ach, ich spreche auch von nichts anderem, meinst du. Ach, vergiss mich.

Was geht es dich überhaupt an, mein Leben? Wer bist du überhaupt, dass du dir die Freiheit nimmst, mit mir über mein Leben zu reden. Verschwinde. Ich werfe dich jetzt raus. Weg. Geh weg. Ich kann dich hier nicht mehr brauchen. Du weißt schon zu viel. Geh. Los. Komm. Steh auf. Ich begleite dich noch zur Tür. Ja, da … die Stiege hinunter. Ja. Sei leise, mein Neffe schläft. Da, zieh deine Schuhe an. Du hast keine Schuhe? Dann wird dir sicher kalt. Nimm dir meine. Sie passen dir. Das überrascht mich jetzt. Ich werfe dich jetzt hinaus ins wahre Leben. Öffne dir die Tür. Damit auch du diese Tropfen spüren kannst, auf deiner Haut. Willkommen im wahren Leben.

Und du lachst. Und gehst. Die Tür hinaus. Und im Licht der Straßenlaterne erblicke ich dich. Zum ersten Mal. Mit einem brennenden, vergifteten Pfeil im gebrochenen Herzen. Mit glühenden Tränen aus Angst, Sorge. Mit schmerzverzerrtem Gesicht. Mit einem Gesicht, aus dem so viel Lebenserfahrung spricht. Und mit diesen Augen. Meinen Augen. Und diese Nase. Das ist doch meine Nase. Das ist mein Gesicht. Ich taste an mir und vergleiche es mit deinen Gesichtszügen. Ja, das bin ich. Doch, nein … das kann ich nicht sein. Was sagst du? Wer bist du?

„Das wahre Leben“.

Ich lache.

Across The Universe

So oft denke ich mir, was wäre wenn. Wenn dieser eine Tag anders verlaufen wäre. Wenn es kein Happy End gegeben hätte. Aber es gab eines. Und doch ist alles anders.

Ich vergoss Tränen, als du mit mir Schluss gemacht hast. So lange Zeit wollte ich dich nicht sehen, nicht hören. Aber dann habe ich mich wieder angerufen. Habe fr dich und mich Mauern eingerissen. Habe es wieder geschafft, mit dir zu reden, ohne daran denken zu müssen, was passiert ist.

Dann war dieser eine Tag. An dem wir es ehrlich versuchten, „nur“ Freunde zu sein. Uns über alles unterhielten. Scherzten. Lachten. Und ich fühlte mich doch einsam. Und erinnert an so viele Erinnerungen an dich. Mit dir. Endlich batest du mich in dein Zimmer. Wir redeten. Lagen nebeneinander im Bett. Du schaltest plötzlich das Licht aus, als ich dir durch dein schönes Haar streiche. Wir bleiben lange so liegen. Unbewusst kommen wir uns immer näher. Und küssen uns. Ein Kuss wie ihn kein Film schöner hätte zeigen können. Typisches Coming-of-Age Movie.

Alles schien wieder perfekt. Wir versprachen uns, beide etwas in diese Beziehung zu stecken. Dir traten Tränen aus den Augen. Aus Erleichterung scheinbar. Aus Angst, denke ich mir. Du wusstest nicht, was die Zukunft bringen würde. Ob es wieder so sein würde.

Ich bin gerade in meinem letzten Schuljahr. Eine Schularbeit jagt die nächste, ein Test den anderen. Ich hatte echt keine Zeit für dich. Leider. Nur vier Mal haben wir uns seitdem gesehen. Meist nur kurz. Nicht zu lange. Du warst auch oft unter Zeitdruck. Und es war so komisch zwischen uns. So anders. So, wie wir es uns geschworen haben, es nie wieder so weit kommen zu lassen.

Wir saßen uns gegenüber, hatten uns nichts zu sagen. Lagen nebeneinander, redeten über jeden Schrott. Der verliebte Blick von dir, dein nachdenklicher Blick, mit diesen wunderschönen Augen. Er fehlt mir. Du weigertest dich oft, mich zu küssen. Verwehrtest mir Zärtlichkeit. Du sagtest, es wäre nicht so einfach, wenn wir uns längere Zeit nicht sehen, dass es einfach so weitergeht. Dass wir uns einfach küssen. Zärtlichkeiten austauschen.

Aber ich denke, dass gehört dazu. Zum Verliebt-Sein. Zum Zusammen-Sein. Früher waren wir eins, zwei Personen verschmolzen zu einer Einheit. Doch jetzt, wenn wir im Bett liegen, sind wir zwei grundverschiedene Menschen. Ich der Typ, der vor allem durchs Schreiben, durch Bloggen meine Gefühle ausdrücken kann. Du, die ihre Gefühle vor allem durch Sprechen von sich gibt. Du erwartest so oft antworten von mir. Aber ich finde nie die richtigen Worte. Bleibe lieber still. Und höre deiner Stimme zu.

Wir sind von dem „Ich liebe dich“ vor dem Beziehungsende wieder zurückgekommen zum „Hab dich lieb“. Beides so … gezwungen. Ich liebe dich. Ich weiß es. Und doch sorgen mich die Zweifel, ob du jetzt wirklich mehr in diese Beziehung steckst.

Ich möchte dich doch nur küssen, damit wir uns näher sind. Damit ich deine Nähe spüre. Doch diese gefühlsvollen Küsse. Es gibt sie nicht mehr. Ich erinnere mich noch an den einen Streit. Wo ich nach Hause gehen wollte. Um drei Uhr früh. Du begannst zu weinen, um Sorge um mich. Dein so schönes Gesicht wurde gefüllt von den Tränen, die die Angst um mich zeigten. Ich fühlte mich so schlecht. Als ich dann ging, dir versprach, mir ein Taxi zu nehmen, ranntest du zu mir, zogst mich zurück. Und küsste mich. Das ist ein Kuss, den ich nie vergessen werde. Deine von den Tränen feuchten Lippen. Wie sie sich an die meinen schmiegten.

Die Zweifel, die mich jetzt plagen, sie sind vielleicht begründet. Ich frage mich, ob du mich liebst. Ob du mich so liebst, wie du es vor dem Beziehungsende getan hast. Und ich habe Angst, dass du mir deine Liebe einfach nicht mehr zeigen kannst. Weil ich dir gezeigt habe, wie ich sein kann. Als ich dich zu hassen versuchte. Dich zu vergessen versuchte. Verdammt, ich liebe dich. Und ich möchte es dir zeigen. Möchte dich küssen. Dich in den Arm nehmen.

Über das, so nah sein, und sich doch so fern von dir fühlen, darüber haben wir gestern gesprochen. Du sprachst mit mir über meine scheinbare Sucht nach Küssen. Du sprachst davon, dass ich mir vielleicht mehr erwartete, als du mir geben möchtest. Aber ich möchte dich doch nur küssen. Wenn wir uns so lange nicht sehen, sehne ich mich nach einem Kuss von dir. Nach Zärtlichkeiten von dir. Ich kenne doch so viele Pärchen, sie sind grundverschieden zu uns. Sie können sich küssen. Und bei ihnen scheint die Liebe in gleichem Maße auf beiden Seiten vorhanden. Ich fühle mich hier irgendwie alleine. Wenn ich um jeden Kuss betteln muss. Wenn ich betteln muss, um dir nah zu sein.

Du hast Recht. Es kann nicht so weitergehen wie es war. Denn deswegen ist sie ja zerbrochen. Unsere Beziehung. Wir müssen einfach versuchen, füreinander da zu sein. Ich habe viel nachgedacht, über Liebe, vor allem auch während ich mein Buch schreibe. Ich wünschte du wärst meine Emily. Die sich meiner Probleme annimmt. Die mich in den Arm nimmt, wenn ich Sorgen habe. Die mir durchs Haar streicht, wenn ich in ihrem Schoß liege, und aus meinem Leben erzähle.

Versuche es einfach, mich wieder etwas zu lieben. Mich so zu lieben, dass du bereit bist, mir Küsse zu schenken. Mir die Liebe zu schenken, die ich verdiene. Denn ich liebe dich. Trotz allem, trotz all der Probleme, die wir seit diesem einen Kuss in Trance haben. Ich liebe dich, über die Grenzen des Universums hinaus. Und wenn du es einfach nicht mehr schaffst, mich zu lieben, sage es mir. Ich werde es dieses eine Mal verstehen.

Thank You, Mom

Mir fällt schon auf, dass ich dich, lieben Blog, stark vernachlässige. Lange Einträge mit Gefühl, jene, die auch bei NEON veröffentlicht werden, können zurzeit einfach nicht geschrieben werden. Viel zu sehr fehlt mir das Leben. Ich möchte keine Was-wäre-jetzt – Texte schreiben, in meinem Namen, über mich. All das muss mir selbst passiert sein. Sonst würde ich mich selbst belügen. So etwas kann ich hier nicht schreiben. Nicht in diesem Blog.

Dafür gibt es ja meinen Buch-Blog. The Places You Have Come To Fear The Most nimmt mehr und mehr Gestalt an. Heute habe ich die 10.000 Wörter-Grenze durchbrochen. Bei 63.000 Zeichen stehe ich gerade. Und schreibe jeden Tag weiter. Gestern habe ich es mir ausdrücken lassen. Die ersten 20 Seiten. Und meine Mutter hat es gelesen.

Der Gedanke daran, hat mich beunruhigt. Dass meine Mama das Buch liest, bevor es fertig ist. Es geht halt doch auch irgendwie um mich, und um meine Umgebung. Doch sie hat damit begonnen, und konnte nicht mehr aufhören. Ihr gefällt mein Schreibstil. Und dieses Gespräch, über dieses Buch, hat mich geehrt. Über dieses Gespräch freue ich mich.

Danke, Mama.

the places you have come to fear the most

Winter Sommer

Sehnsucht. Verderben. Angst. Liebe. Und Träume

Ich sehe dich an. Sehe dich an, und spüre die Liebe und Sehnsucht nach dir.
Ich denke an unsere Vergangenheit. Denke an das Verderben der Liebe.
Ich glaube an die Sehnsucht. Und fühle Angst vor dem Verderben.
Ich hoffe so viel. Ich hoffe, und dass die Sehnsucht das Verderben übersteht.
Ich halte es nicht mehr aus, dass mich die Sehnsucht nach Liebe so fesselt.
Ich fürchte mich. Fürchte mich vor der Liebe zum Verderben.
Ich halte mich fest. Hald mich fest an der Angst und der Liebe.
Ich traue ihm nicht. Ihm, dem Verderben der Sehnsucht.
Ich kenne es. Kenne wie schnell Liebe in Angst umschlägt.
Ich liebe sie. Die Sehnsucht der Angst.
Ich verlasse mich auf ihn. Auf das Verderben der Angst.
Ich ängstige mich. Ängstige mich vor der Angst vor der Sehnsucht.

Ich bin nur über eines froh: dass es etwas gibt, das über allem steht.
Ich träume von Sehnsucht.
Ich träume von Verderben.
Ich träume von Liebe.
Ich träume von Angst.