
Looking above.
Der Asphalt wärmt. Es ist mitten im Sommer. Wir liegen auf diese einen dunkelblauen Decke, eingewickelt in unsere Pullover und Jacken. Rund um uns herum ist es dunkel, das Rauschen des Baches durchbricht die Stille. „Siehst du den großen Wagen? Dort!“ „Ja, ich seh ihn.“ Den Blick gemeinsam senkrecht nach oben lenken. „Und das“, sage ich, „ist unser Stern. Siehst du? Und wenn du einmal zuhause bist, und an mich denken möchtest, dann kannst du dich auf den Balkon sitzen und unseren Stern suchen. Du weißt schon.“ Sie lächelt und kuschelt sich näher an mich. Die Sterne.
Jetzt bleibe ich liegen. Schaue immer noch gegen den Himmel. Der Himmel, er leuchtet. Und dort sind sie alle. Alle Menschen, die mir etwas bedeutet haben. Und die mir auch jetzt noch etwas bedeuten. Verewigt in Sternen. Ich strecke die Hand aus. Mit dem Zeigefinger möchte ich einen von euch berühren. Um eins mit dir zu werden. Und irgendetwas kitzelt mich an der Spitze des Fingers. Ich zucke zurück. Und irgendwie fühle ich, dass ihr mir noch nie so nah wart wie jetzt. Obwohl es kräftig abgekühlt hat. Ich fühle mich warm. Geborgen. Obwohl ich Angst im Dunkeln habe. Ich fühle mich sicher. Bei euch. Und für genau solche Momente lohnt es sich, in meine Haut zu schlüpfen.
the places you’ve come to fear the most // erstes buchprojekt
Sterne haben eine ungewöhnliche Macht. Blickt man zu ihnen hoch, verliert man langsam den Halt. Muss sich irgendwo fest halten, um nicht umzufallen. Weil sie plötzlich das Endliche unendlich machen. Sie zeigen, wie sinnlos Zeitmessung ist. Schon vor Jahrtausenden gestorben, leuchten sie noch immer. Der Strahl erreicht erst jetzt uns. Wie oft schon saß ich auf der Fensterbank, blickte hinaus. Und konnte minutenlang nur in dieses Meer aus leuchtenden Pünktchen sehen.
Sterne haben für mich eine Bedeutung. Mir scheint, als wäre das der Platz, an dem man alle Menschen, die nicht gerade um einen herum sind, erreichen kann. Menschen, die verstorben sind, aus dem Leben verschwunden oder einfach nicht da. Dort oben, am Himmelsfirst finden sie sich. Sind immer erreichbar. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Ich bin beunruhigt, wenn Wolken versuchen sich davor zu schieben, oder wenn die Nacht einfach sternenklar ist.
Manchmal verglühen sie auch. Und sind weg. Weg aus der Erinnerung, weg aus der unzähligen Schar. Weil sie es vielleicht nicht verdient haben. Aber Menschen, gegen die ich keine Abneigung habe, von denen ich einfach nur Abstand wünsche, bleiben dort. Um irgendwann wieder einmal heller zu leuchten oder als Sternschnuppe zu enden.
Sterne sind für mich in jeder Beziehung eine wunderbare Sache. Ich könnte mit jemanden stundenlang hinaufblicken, ohne ein Wort zu sprechen. Nur betrachten und warten. Und das Leben, die Wolken und alles vorbeiziehen lassen. Die Sterne bleiben. Zumindest für eine beachtliche Zeit. Danke, dass es euch gibt, liebe Leuchtkörper da oben. Vielen Dank.
