With My Head. In My Hand.

Erwachsen werden

Ich schließe die Augen. Warte. Warte lange. Minuten, Stunden. Bis ich sie wieder öffne. Und wenn ich dann um mich blicke, bemerke ich. Du fehlst. Warum ich die Augen nicht wieder schließe. Nicht versuche, der Welt mit geschlossenen Augen zu begegnen.

Erinnerungen. Erinnerungen. Erinnerungen. Und die Axt die die Erinnerungen von der Gegenwart spaltet. Das Wachrütteln. Der Versuch zu verstehen, der Versuch zu akzeptieren. Aufgeben, das Leben als fair anzusehen. Und doch wieder jeden Tag einen Moment finden, in dem man denkt, dass so etwas nicht passieren kann. Dass du jetzt gleich bei der Tür hereingestürzt kommst. Bis man den Kopf schüttelt und der Realität Einzug gewährt.

Und wenn man dann am Morgen das Leben wieder spürt, in sich. Und überall die Erinnerungen an dich. Dann versucht man natürlich, die Augen wieder zu schließen, um aus diesem Traum aufzuwachen. Um mit diesem Verschließen der Augen vor der Gegenwart, die Vergangenheit und die Zukunft zu beeinflussen. Doch es bringt nichts. Irgendwann muss man die Augen wieder öffnen. Irgendwann spürt man wieder den Wecker, der sich in die Gehörgänge bohrt, oder ein Auto, das in die Einfahrt vorfährt. Und die Augen sind offen. Und man bemerkt, dass es niemandem etwas bringt. Dass man sich nicht verschließen kann.

Man kann nicht akzeptieren, dass du so früh hast gehen müssen. Aber es kommt einem fast so vor, als könnte man irgendwie akzeptieren, dass du nicht mehr kommen wirst. Und um über deinen Weg trauern zu können oder den Schmerz für dich zu fühlen, muss man sich der Welt stellen. Mit all ihren Kinderwägen und Kleinkindern, die ein Lächeln und einen Sonnenschein in sich tragen. Und mich mit jeder Haarsträhne, oder mit jedem Lächeln, mit dem Gang oder mit der Hose an dich erinnern. Ich bin lange genug stark gewesen. So gut es ging, und so banal wie es klingt.

Und so kommt die Routine. Und das Ablenken. Und das Wiedereintauchen in die Welt, die du so sehr verschönert hast. Du hast uns alle verändert, als du lebtest. Und du hast uns selbst jetzt, nach deinem Abschied reifen lassen. Die Welt hast du für uns verändert. Und mit dieser Welt, mit dieser Veränderung, dass du einfach nicht mehr kommst, müssen wir zu schreiten beginnen. Müssen neue Wege gehen. Müssen vielleicht auch wieder mal an unsere Grenzen stoßen. Und auch manchmal wieder neu anfangen. Und es wird nicht mehr. Es wird nicht mehr so wie es einmal war. Nie mehr. Jede Veränderung hat Einflüsse auf das Morgen. Nur das Gestern. Das Gestern bleibt unverändert. Und lässt uns wohl auch in Zukunft immer wieder zurückfallen. Immer mal wieder.

Man wird auch heute wieder die Augen schließen. Und wird sie erst wieder morgen öffnen. Und wenn man sie dann öffnet, wird man sich vielleicht in einer neuen Welt finden, durch die kleine Veränderung, die man selbst gemacht hat, um das Leben schöner zu gestalten. Es reicht nicht, nur um dich zu weinen. Wir haben die Macht und die Kraft dazu, eine Welt zu gestalten, wie du sie dir verdient hast.

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