Rêves.

Als ich aufwache, bemerke ich, dass ich mich in einem Traum befinde.

Gedanken nach eineinhalb Stunden Film. La Science de Rêves. Die Wissenschaft der Träume. Langsam überkommt mich der Eindruck, dass der Film noch tiefsinniger zu sein scheint, als man es schon beim ersten Mal ansehen vermutet. Ein großartiger Streifen, gewohnt beeindruckende Arbeit eines Michel Gondry. Leichtes Verwundern über das Ende, den Cliffhanger ohne Auflösung, den Gedankensalat nach einem Buchstabensalat, den man erst, Szene für Szene, Buchstabe für Buchstabe sortieren muss.

Ich bin es mir schon Leid, stets von Träumen zu reden. Nein, nicht diese Tag-/Nachtträume. Die Träume, die das weitere Leben bestimmen sollen. Es sind keine Träume. Es sind fixe Pläne und weiche ich oder das Leben auch nur minimal davon ab, ohne mich zuvor davon in Kenntnis zu setzen, stehe ich vor unvollendeten Tatsachen und der Unmöglichkeit so weiterzuarbeiten. Dann kommt alles in diese Box, die alle Ideen sammelt. Vielleicht werden sie irgendwann einmal wieder aufgegriffen, wenn die Zeit bereit und ich etwas erfahrener bin. Ich habe Träume. Ja, sie hören sich utopisch an, aber sie sind zu meistern. Mit Enthusiasmus und Engagement. Aber das sind eben Träume, hinter die man ein Häkchen machen kann. Und dann sind sie so gut wie erledigt.

Nein, heute möchte ich von Träumen schreiben, die nicht so einfach erledigt sind.

Hi, and welcome back to another episode of „Télévision Educative“. Tonight, I’ll show you how dreams are prepared. People think it’s a very simple and easy process but it’s a bit more complicated than that. As you can see, a very delicate combination of complex ingredients is the key. First, we put in some random thoughts. And then, we add a little bit of reminiscences of the day… mixed with some memories from the past.

That’s for two people. Love, friendships, relationships… and all those „ships“, together with songs you heard during the day, things you saw, and also, uh… personal… Okay, I think it’s one.

Stéphane in The Science of Sleep

Meinen ersten Kuss erlebte ich im Traum. Von einem wunderschönen blonden Mädchen. Ich habe sie nie in meinem ganzen Leben gesehen. Ihre Schönheit und ihr Auftreten, ihre inneren wie auch ihre äußeren Werte sind vielleicht das, was ich die ganze Zeit suche. Interessante Umstände unseres Aufeinandertreffens. Der Moment. Das Aufwachen. Mit einem Lächeln. Einem Lächeln, wie ich es an einem Morgen sonst nie gewohnt bin. Freude über das Geschehene, Überlegen für ein Wiedersehen, Realisieren der Realität, Ernüchterung. Und der ständige Gedanke an sie. Und Stunde für Stunde, Tag für Tag und jetzt schon Jahre für Jahre sind nur mehr Umrisse erkennbar.

Aufarbeitung des Vortages. Manchmal schweißgebadet aufwachen, aus der Traumwelt entweichen, die mir eine Welt vorstellte, die so surreal und doch so möglich wäre. Extremsituationen. Und ich mittendrin, im Alltag des Grauens, meinem Leben in Angst. Ebenfalls wieder lange darüber nachdenken und erst durch das Schreiben oder Reden wieder zur Fassung kommen. Sexuelle Träume mit (weiblichen) Freunden haben, und anschließend aufwachen, sich fragen, wie es dazu kommen konnte. Warum diese Person in solch einem Traum auftaucht. Manchmal nicht begreifen, manchmal schon.

An manchen aufeinanderfolgenden Tagen überhaupt keine Erinnerung. Man träumt ja jede Nacht. Aber mir fehlt am nächsten Morgen die Erinnerung. Und ist sie einmal da, verblasst sie unglaublich schnell. Und auf eine Verarbeitung des Geschehenen warten, hoffen, dass der Traum die Antwort auf dem Tablett serviert. Und hoffen, dass Menschen, die man verloren hat, egal auf welche Art und Weise, sich noch einmal melden. Und irgendwann, wenn man es am Wenigsten erwartet, klopft diese Person an. Meldet sich und beruhigt.

Träume haben die Macht, die Psyche des Menschen in all seinen Grundfesten zu erschüttern. Sie tragen einen durchs Leben. Geben dem darauffolgenden Tag genug Gedanken von der vorhergegangenen Nacht. Lassen einem spüren, wie es ist, wie es sein könnte. Und manchmal spürt man auch die Wärme von Menschen, die Liebe zu diesen, die Freude darüber, sie wieder einmal zu sehen.

In dreams, emotions are overwhelming.

Stéphane

Ich würde nie von mir verlangen, selbst in meinen Träumen mitzubestimmen, wie sie verlaufen sollen. Da lasse ich der Eingebung und dem Gefühl, den Gedanken und dem Leben freie Hand. Sie sollen entscheiden, mit was sie mich konfrontieren. Sollen überlegen, womit sie mich fertigmachen, und wie sie mich wieder aufbauen. Ich liebe Träume. Träume. Und Sterne.

5 Gedanken zu „Rêves.“

  1. Ich fand den Film ja nur so là là. Obwohl ich Gondry und auch Madame Gainsbourg sehr schätze. Der Film hatte mir zu viele Längen und gab vor, eine Tiefe zu haben, die ihm letztendlich doch fehlte. Dein Beitrag hier gab mir mehr. Viel mehr! Danke (mal wieder) dafür. Schön, dass Du uns in Dein schlaues Köpfchen schauen lässt.

  2. Meiner Meinung nach ist Vergiss mein nicht! immer noch besser als dieser Film jetzt. Aber er hat mich mit vielen Fragen zurückgelassen, hat mich nachdenken lassen, und ich hätte gar nicht aufhören können, ihn mir anzukucken, obwohl ich schon sehr müde war. Mir hat er also sehr gut gefallen.

    Und, schlau? Ähm. Ich nehm das mal so hin. 😀

  3. Zu „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ hab ich ein sehr gespaltenes Verhältnis. Keine Ahnung, ob ich mich da konstruktiv drüber äussern kann und will. Diese Charlie Kaufman-Drehbücher kranken alle an demselben Kardinalsfehler.

  4. Schlechte bzw. keine Charakterzeichnung. Seine Drehbücher haben meist drei oder vier gute (bzw. originelle) Ideen, auf denen alles aufbaut, die Figuren selbst aber haben keine Substanz. Deshalb halten die Filme meist auch nur ein einziges Angucken stand und wirken beim zweiten Mal eher dröge, sperrig oder langweilig. Bei „Being John Malkovich“ war das besonders offensichtlich, bei „Eternal Sunshine…“ haben’s Carey und Winslet rausgehauen, aber das Problem bleibt dennoch. Die Kaufman-Drehbücher wären phantastische Kurzfilme, aber abendfüllendes Material bieten sie nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert