In Erinnerung.

Und du nimmst mir jetzt also auch den Menschen weg, zu dem ich eine so einzigartige, so innige, so wunderbare Beziehung habe. Du musst das größte Arschloch sein, Gott.

Meine Mutter und meine Schwester sitzen im Wohnzimmer und weinen. Ich kann nicht weinen. Ich habe noch keinen Tränenguss erlebt heute. Ich zittere nur seit mehr als einer Stunde, manchmal eine Träne. Mehr nicht. Ich möchte schreiben. Möchte meine Wut, meinen Zorn, meinen Hass in Worte fassen. So schwer es mir auch fällt.

Am 4. Juni 2006 erblickte Timothée Elias das Licht der Welt. Ein süßes kleines Baby. Mit vielen Haaren am Kopf, und seinen kleinen Händchen und Füßchen. Jeden Tag sah ich ihn, und liebte ihn vom ersten Tag an. Das wohl größte Geschenk, dass unsere Familie geschenkt bekommen hatte. Und er wuchs heran. Begann zu krabbeln. Irgendwann konnte er laufen, konnte Mama, Oma und Nein sagen. Er brachte Energie in dieses Haus. Er war der Sonnenschein. Er war der Lichtblick. So beschissen es mir auch ging, ein Lächeln von ihm, und meine Welt schien sorgenfrei zu sein. Heute, am 29. Oktober 2007 wachte er nicht mehr auf.

Ein Anruf meiner Mutter in meiner Zivildiensteinsatzstelle erreichte mich. Es ist etwas Schlimmes passiert. Ich habe ehrlich mit allem gerechnet. Aber nicht damit. Im Alter von einem Jahr und fünf Monaten stirbt ein Mensch, der noch so viel vor sich hatte. Ein Engel auf Erden, so kitschig es auch klingt, er war es. Sein Lächeln, seine Energie, den Spaß beim Spielen, den er hatte. Seine Liebe, sein Sein. Alles hat unsere Familie gebraucht. So zerstritten wir manchmal auch waren, Timi war unser Fixpunkt. Bei ihm waren wir alle die besten Menschen.

„Timi ist tot“. Ich beginne zu zittern, der Telefonhörer lässt sich nur mehr unfreiwillig in meiner Hand halten. „Er ist nicht mehr aufgewacht“. Ich möchte am liebsten weinen. Ich zittere. Melde mich vom Dienst ab und fahre mit dem Auto nach Hause. Die ganze Zeit „The Drugs Don’t Work“. All these talks of getting old. Du hättest alt werden sollen. So viele Pläne hatte ich mit dir. So viele Träume. Gestern nacht habe ich an dich gedacht. Heute morgen. Als du wahrscheinlich schon tot warst.

Und ich warte. Warte auf meine Tränen. Ich hasse es, wenn ich weinen möchte, aber ich nicht kann. Irgendwann kommt dieser Moment. An dem alle Dämme brechen. Ich hätte dir doch noch so vieles sagen wollen. Ich wollte so vieles mit dir teilen. Ich wäre der beste Onkel gewesen, den man sich nur wünschen kann. Ich hätte dir die Welt vor deinen Füßchen ausgebreitet. Wäre mit dir in hinaus gezogen. Und jetzt liegst du tot da. In irgendeinem Krankenhaus, wo festgestellt wird, woran du gestorben bist. Und ich kann nicht zu dir. Kann dich nicht ein letztes Mal drücken. Dir einen Kuss geben. Kann mit dir nie mehr die Katze fangen, und dir nie mehr Süßigkeiten zustecken. Alles was mir jetzt bleibt ist die Trauer und die Erinnerung an den besondersten Menschen, den es je gab.

Du warst das Beste was mir je passiert ist. Du warst ein Engel. Jetzt bist du es wieder. Ich liebe dich so sehr. Und ich habe dich verloren. Du bist weg. Aus meinem Leben. Mir bleiben nur die Gedanken an dich. Und all die wunderbaren Momente mit dir. Ich würde so gerne noch einmal mit dir kuscheln. Deinen Kopf an meiner Schulter spüren. Dein Lächeln sehen.

Du bist weg. Für immer. Ich liebe dich. Ich liebe dich so sehr. Du fehlst mir. In jedem Moment. Ich hasse die Welt. Hasse Gott. Hasse jeden, der dazu beigetragen hat, dass du jetzt nicht mehr da ist. Ich liebe dich. Verdammt. Ich liebe dich. Ruhe in Frieden, mein kleiner Timi. Ruhe in Frieden.

19 Gedanken zu „In Erinnerung.“

  1. hey, du… wauns irgendwos gibt, wos ma da guads doa kau, möd di bitte… egal wos…
    ma kaun si oafoch ned vorstöhn, wos ihr olle grod durchmochts.
    vü kroft und mei aufrichtiges beileid.

  2. hey dominik!!!

    wie gehts da???

    bist eh wieder guat retour kema???

    aufrichtiges beileid.

    falls du wem zum reden brauchst du weist wo du dich melden kannst

    ganz liebe grüße

    alex

  3. Pingback: 2-Blog » Trauer
  4. Mein aufrichtiges Beileid.

    Einen geliebten Menschen zu verlieren, ist immer schwer. Noch schwerer lässt sich die Trauer in Worte fassen. Nimm dir all die Zeit, die du brauchst. Ich hoffe, du hast jemanden, der bei dir ist und dir hilft, Abschied zu nehmen.

  5. Ich kann mich da nur anschließen:
    Mein Beileid, ich fühle mit Dir und Deiner Familie, einen geliebten Menschen zu verlieren ist immer eine furchtbare Sache.

    Es tut mir sehr leid.
    Hannah

  6. Ich bin fest der Meinung dass dieser kleine Engel von Gott so sehr geliebt wurde. Das dieser Ihn unbedingt bei sich haben wollte. Die Frage warum sollte man sich nicht stellen.

    Mein Herzliches Beileid.

  7. Vielleicht liest Du mal rein, hörst Dir den Song an. Mehr weiß ich nicht zu sagen …

    Judy Collins – Wings Of Angels

    Wings of angels tears of saints
    Prayers and promises won’t bring you back
    Come to me in dreams again
    Wings of angels tears of saints

    I lost you on a winter’s day
    In that cold city far away
    A city by a river deep
    With promises you could not keep
    A place where you had gone to try
    A place where you had longed to fly
    A city smiling when you cried
    A city sleeping when you died

    Wings of angels tears of saints
    Prayers and promises won’t bring you back
    Come to me in dreams again
    Wings of angels tears of saints

    In that cathedral by the hill
    We stood and smiled in happier days
    The fields along the river’s edge
    You fished and traveled hungrily
    Your light burned in that sunny sky
    Your voice above the water rang
    I’d give it up give all I have
    For one more chance to hear you sing

    Wings of angels tears of saints
    Prayers and promises won’t bring you back
    Come to me in dreams again
    Wings of angels tears of saints

    Child of thunder in the dark child whose voice was like a lark
    Child whose spirits lifted hearts child of many beauties

    When the birds flock to the south
    When the wind calls to the north
    You are in the falling snow
    You are beauty going forth
    You are heat and you are light
    Sun above the mountain’s peak
    I would give the sun and moon
    Once more just to hear you speak

    Wings of angels tears of saints
    Prayers and promises won’t bring you back
    Come to me in dreams again
    Wings of angels tears of saints

    Prayers and Promises

  8. oh mann… ich hab gerade mehr als einmal geschluckt 🙁

    nachdem ich das gelesen habe, wird mir erst so richtig klar wie belanglos meine eigenen problemchen zur zeit doch sind.

    wenn ein junger mensch von uns gehen muss, dessen leben noch gar nicht richtig begonnen hat, sollte man sich am besten nicht zu sehr mit der „warum“-frage quälen. ich glaube daran geht man sonst kaputt.
    bevor ich aber versuche, das unerklärbare in worte zu fassen, wünsche ich euch allen viel kraft und gute freunde, die euch in dieser schwierigen zeit hilfreich zur seite stehen, denn nichts ist schlimmer als mit seinem leid alleine zu sein.

  9. erst bin ich nur über dein stöckchen von gestern gestolpert. nun lese ich mehr über dich und wie du dich im moment fühlst. es ist immer wahnsinnig schwer, jemanden einfach sein tiefstes beileid zu sagen. das, was du erlebst und schreibst, rührt mich und ich empfinde tiefe trauer. ich wünsche dir und deinen lieben die kraft, die ihr braucht, diesen wahnsinn des schicksals durchzustehen.

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