
Gedanken nach einem Tag wie diesem.
Die Wärme der Nacht umhüllt die Wiesen und Wälder um mich herum. Ich, geschützt in meinen vier Mauern meines Zuhauses, in dem ich mich mit jedem Tag und jedem Streit weniger wohlfühle. Die Tränen eines eineinhalbjährigen kleinen Jungen, der mit der vollkommenen Erkältung seines kleinen Körpers leben muss. Ich, in der Versuchung, ihn mit meiner Mutter alleine zu lassen. Die Welt da draußen ruft mich, ich, mit Kopfhörern und Bonnie Sommerville bewaffnet, will mich so lange wie möglich in dem Schutz meiner Einsamkeit weiterleben.
Dieser Tag hat einem neunzehnjährigen Jungen mit Fernweh wieder einmal gezeigt, wie unwichtig der Begriff Familie ist. Familie ist nicht gleich Eltern und Geschwister und Großeltern und Tante. Familie sind die Personen, zu denen man eine innige Verbindung hat. Und das sind, mit Verlaub, zurzeit nur meine Eltern und mein Neffe. Und selbst mit meinem Papa kann ich kaum über Weltbewegendes sprechen. Dass meine Mutter den Frust der Welt auf ihren Schultern trägt, hinterlässt mich in Sorge um ihre Psyche. So lange kann man das nicht aushalten.
Dieser Tag hat mir wieder einmal gezeigt, wie unterschiedlich diese Charaktere in einer „Familie“ sind. Dass meine Schwester eigentlich nichts mit uns gemein hat, lässt meine Mutter trotzdem fragen, was sie bei ihrer Erziehung falsch gemacht hat. Ich kann es ihr nicht sagen. Es muss irgendetwas gewesen sein. Dass man es jetzt sowieso nicht mehr rückgängig machen kann, ist leider Fakt aber ebenso auch noch nicht Grund zum Aufgeben. Aber ich kann sowieso meiner Mutter nicht sagen, wie sie mit meiner Schwester umgehen soll. Ich habe keine Ahnung von bedinungsloser Liebe von Mutter zu Kind.
Dieser Tag hat einem neunzehnjährigen Jungen wieder einmal gezeigt, wie schön die Zeit mit Freunden ist. Wie schön, selbst die Zeit alleine zuhause ist. Die Einsamkeit, die Melancholie, die Zwei-, Drei-, oder Dreizehnsamkeit, der Spaß. Alles hat seinen Reiz. Aber von Streit und Kreischen und psychopatischen Ausbrüchen meiner Schwester geweckt zu werden, das gehört sicherlich nicht zu den reizvollen Dingen meines Lebens. Dass mein Leben beschissen ist, ist wohl Fakt. Aber natürlich gibt es auch ein Leben zwischen den beschissenen Facetten.
Die Wärme der Sonne, wenn sie durch den Wald, auf diese windige Straße voller Laub fällt. Der Weg ins Ungewisse, ins Helle, Erleuchtete. Das Neue. Die Dunkelheit zurücklassen. Die Dunkelheit, die Vergangenheit. Die Jugend. Die Kindheit. Mit all ihren wunderbaren Momenten, mit all ihren beschissenen Facetten. Mit allem.
Einfach mal wieder alles neu. Entweder mit den Beatles „The Long And Winding Road“ oder mit Bonnie Sommerville und der „Winding Road“. Oder einfach dem gesamten Garden State Soundtrack.

Winding Road ist ein wundervoller Song.
Ich hatte heute Besuch meiner Familie. Es tat gut. War wichtig.
Noch vor ein paar Wochen war ich mir über den Begriff Familie im Unklaren – ich denke aber es geht in die richtige Richtung.