Wir schreiben „heute“ und es ist das Ende eines nicht begonnenen Fehlstarts.

(via  brownpauflickr)

Wir schreiben „heute“ und es ist das Ende eines nicht begonnenen Fehlstarts. Wir wiegen uns in der Glückseligkeit des einen unverwüstlichen, unserer Freundschaft. Und ich stehe da, zünde mir eine Zigarette an und versuche ganz bewusst neben dir aus dem Fenster zu sehen und es gelingt mir nicht. „Muss ich etwas dazu sagen.“ Nein, muss ich nicht. Und doch möchte ich dir Worte an den Kopf werfen, die dir eigentlich nicht gehören, und im Grunde nur die Idiotie dieses Moments passend zusammenfassen. Wo ist nur der Fehler in diesem Gerüst aus ungewagten Gedanken?

Eigentlich wollte ich gerade versuchen, die Stille in meinem Zimmer und in dieser Stadt auch in meinen Körper fließen zu lassen, als du mich anriefst und ich sprachlos wurde, und du in Tränen aufgelöst von dem Ende sprachst und dass plötzlich jemand schwul geworden ist und. Und ich selbst war überrollt von dieser Nachricht, als du mir zwei Mal wiederholt und unter Tränen sagtest, dass du mich liebst. Und ich, mit all meinem Mut und all meiner sonst gut versteckten Spontanität antworte nur mit einem „Versuchen wir’s mal.“ Und in Gedanken passt das Ganze und es könnte schön werden. Und die Nacht bleibt noch lange, weil du dich deiner Tränen entleert hast und das Handy noch genug Akku hat.

„Versuchen wir’s mal.“ So einfach ausgesprochen. Und auf das „Und, wie fühlst du dich jetzt?“ konnte ich sogar wenige Minuten später nur antworten: „Ich weiß es nicht.“ Und auf ein „Und, liebst du sie eigentlich?“ kam nur ein Nachdenken. Es ist furchtbar, in diesem Exempel des Theoretischen gefangen zu sein, denn Gedanken bahnen sich den Weg und Gedanken sind nicht gut. Aber dann die Worte „Ich finde es gut, dass ihr es probiert. Denn damit gebt ihr dem Ganzen wenigstens eine Chance.“ und ich, der mit dem Nicken nicht mehr nachkommt.

Und dann das erste Aufeinandertreffen, Theorie trifft Praxis und bleibt doch in Ersterem stecken. Denn es ist nichts und du bist zu feige, darauf zu hoffen, dass etwas entsteht. Du willst es nicht versuchen, weil du keinen Sinn darin siehst. Und ich frage mich ernsthaft, ob das nun reif oder einfach nur kindisch ist. Da stehen wir, ich ziehe an einer zweiten Zigarette, nehme nach und nach einen weiteren Schluck dieses irgendwie alkoholhaltigen Getränks und überlege mir einfach nur, wie ich cool genug wirken kann. Es ist nichts da und das ist scheiße weil ich ein „wunderbare Freund“ wäre, aber es nicht bin. Und ja, das weiß ich, das bin ich mir Tag für Tag bewusst. Und doch frage ich mich, woher dies alles kommt.

Und es ist besser, dass du es mir jetzt sagst, bevor all das begonnen hat und mir nicht nach einigen Wochen erklärt hättest, was schon zu Beginn nicht war. Denn du willst mir ja nicht weh tun, und das hättest du, wenn nicht jetzt das hier passiert wäre. Und ich denke mir, ganz leise in mich hinein: „Sag mal, weißt du eigentlich, dass du mir jetzt damit wahrscheinlich mehr wehgetan hast, mit deinem Nicht-Versuchen, als mit jedem Scheitern es jemals passiert wäre. Und vielleicht übertreibe ich nur, und das, weil ich noch immer etwas angepisst bin.

Und dieses „Fuck. Das gibts nicht. Lass dich halt nicht verarschen, hat auch keinen Sinn“ und wieder mal mein kaum zu stoppendes inneres Nicken. Und auch wenn jetzt bei dir und auch bei mir nichts an Gefühlen da war, was man näher zuordnen konnte, so bin ich mir jetzt einhundertprozentig bewusst, dass mir alle nachkommenden Gefühle von dir für mich egal sein werden. Ein weiteres Mal wird das hier nicht geschehen und mit diesem einen Mal hast du dir wohl auf ewig diese Chance vertan. Und vielleicht, so hoffe ich zumindest, kotzt dich dieser Gedanke des „Nie mehr eine Chance haben“ genauso an, wie mich dieser Gedanke des „Nicht einmal versucht haben können“.

Und auf Facebook meinen Beziehungsstatus von „in einer Beziehung“ zu „Single“ geändert. Und auf Twitter meinen Unmut gepostet. Und meinen Eltern erklärt, warum all das eine beschissene Idee war. And the needle returns to the start of the song and we all sing along like before.

Das wars. [Ein Liebesbrief]

Hallo, du.

Ich würde ja jetzt gerne behaupten, dass sich dieser Brief hier in wenigen Sekunden von selbst auflösen wird. Oder dass er in Flammen aufgeht, und nur die Asche zurückbleibt. Doch das ist es nicht. Dieser Brief ist für die Ewigkeit, beziehungsweise so lange, wie du ihn aufbehalten willst. Vielleicht haben dir diese wenigen Zeilen schon gereicht, um an der ersten Ecke zu Knüllen zu beginnen. Aber warte. Das hier ist ein Liebesbrief.


(via seanmcgrath | Flickr)

Aber glaube es mir, ich werde dir nicht die Frage stellen, ob du mit mir gehen willst. Und du bekommst auch keine drei Antwortmöglichkeiten. Du brauchst dich nicht zu entscheiden. Lies den Brief einfach weiter, und du wirst einsehen, warum es zumindest einen Versuch wert ist. Am Besten, du setzt dich mit diesem Text in irgendeinen menschenleeren Raum und liest ihn dir selbst vor. Das wirkt besser, vor allem wenn nur der Schein einer Kerze Licht auf dieses Blatt fallen lässt. Aber lassen wir das. Ich wollte dir ja etwas sagen.

Weißt du, manchmal frage ich mich, was mit meinen Gefühlen los ist. Ich weiß noch ganz genau, wie es war, als wir uns das erste Mal sahen. Kennst du das Gefühl, wenn man glaubt, dass beim ersten Blickkontakt auch schon ein kleiner Funke übergesprungen ist? Genau das war es nicht. Ich fand dich hübsch und dein Lächeln mutete mir so ehrlich an, dass ich darauf vertrauen könnte. Aber unsere Wege trennten sich damals. Bevor wir uns überhaupt erst begegnen konnten. Dieser eine Abend dauerte noch lange und ich lernte wieder unzählige neue Menschen kennen, welche mich auch schon auf Facebook oder studiVZ geaddet haben. Internetbekanntschaften, die man zuallererst im Real-Life kennenlernt. Vielleicht kennst du das. Aber dich habe ich schnell vergessen. Vielleicht war es der Alkohol, oder die Rauchschwade, die in diesem einen Lokal immer verdächtiger nach unten sank. Oder diese frühe Morgenstunde, in der ich mich befand.

Als ich an diesem Morgen beinahe schon zu Mittag aufwachte, brummte mein Kopf. Und sofort – bitte frage mich nicht wieso – dachte ich an dich. Man könnte sagen, von Anfang an begann ich, dich mit dem Schmerz in meinem Kopf zu assoziieren. Ich hörte dein Lachen in meinen Ohren, obwohl letzte Nacht wohl ein Dutzend Menschen zwischen uns tuschelten. Es musste deines gewesen sein. Und das ist der Punkt. Von hier an begleitest du mich. Und nein, ich tagträumte nicht jeden Tag von dir, wobei mir die Kopfschmerzen womöglich Anlass dazu gegeben hätten. Aber es gab einfach diese Momente, an denen ich an dich dachte. Nur kurz huschtest du durch meine Gedanken, und mit der Zeit verschwamm auch die Erinnerung an dein Gesicht. Und an dein Lächeln.

Irgendwann sind wir uns dann schließlich begegnet. Du hast mich angesprochen, wir haben uns gemeinsam diese Zigarette geteilt. Und das war auch dieser eine Abend, an dem du das erste Mal für mich lachtest. Aber du kennst die Geschichte, ich weiß. Und da ich schon oft genug Menschen kennengelernt habe, die beim Flirt mit der nächstbesten Person die Tragödie der vergangenen Liebe zu erzählen pflegen, überspringe ich das. Ich bin wohl nicht der Einzige, welcher von diesem Palaver entgültig genug hat. Der Vorteil einer vergangenen Liebe ist, dass sie vergangen ist. Vielleicht ist sie noch ein fixer Bestandteil im Kopf oder vielleicht sogar im Herzen, aber es muss doch nicht die ganze Welt etwas davon erfahren.

Worüber ich eigentlich mit dir sprechen wollte, ist die Tatsache, dass ich mich in dich verliebt habe. Es passierte nicht Hals über Kopf, es war eher eine Herzsache. Und möglicherweise auch Schicksal, auf welches ich normalerweise nur selten vertraue. Wir haben uns kennengelernt. Und ich dich lieben.

Wie soll ich jetzt nun anfangen. Hm. Glaubst du eigentlich an die große Liebe? Die „endgültige“ Liebe? Wo man sich trifft, sich verliebt und dann miteinander stirbt. Dazwischen eine Zeitspanne von, sagen wir, mindestens vierzig Jahren. Soll es das gewesen sein? Manchmal träume auch ich davon, aber es ist eben doch schon viel mehr Utopie, als ich mir einzugestehen getraue. Vielleicht wirst du einmal eine große Liebe. Vielleicht bleiben wir auf längere Zeit ein Paar. Man kann ja nie wissen. Aber ich möchte dich nicht zu sehr einengen. Ich will dich nicht nur für mich beanspruchen, wie es Freunde von mir mit ihren Partnerinnen und Partnern machen. Ich möchte dich leben lassen, so wie du bist. Nur möchte ich auch ein Teil von deinem Leben werden.

[Wir müssen nicht hüpfend durch ein Blumenfeld hüpfen oder gemeinsam aus einem Eisbecher löffeln.] Ich möchte dich manchmal einfach nur umarmen. Mal für ein paar Sekunden. Und ich möchte meinen Kopf in deinen Schoß legen können, wenn wir uns den Sternenhimmel ansehen und ich dir zum unzähligsten Mal den Großen Wagen zeige. Ich möchte dir meine Probleme erzählen können und würde mir wünschen, dass du mir zuhörst. Ich möchte gerne mit dir einschlafen, meine Hand um deinen Bauch gelegt. Ich möchte mit dir zum Ufer unseres Sees gehen, und einen ganzen Tag nur unsere Beine im Wasser baumeln lassen. Ich möchte Geschichten über dich schreiben und dir Gedichte widmen. Ich möchte mit dir streiten, wenn wir uns endlich mal irgendwo uneinig sind. Ich möchte weinen, wenn dir danach zumute ist. Ich möchte dich festhalten, wenn du zu fallen gedenkst. Ich möchte dich meine Freundin nennen. Und ich würde wohl auch etwas mit dir prahlen.

Du sollst dein eigenes Leben führen, und ich würde auch nicht für dich leben. Aber wir könnten unsere gemeinsame Zeit einzigartig werden lassen. Und hab keine Angst. Ich würde auch nicht sagen, dass ich dich für immer lieben werde. Die Ewigkeit ist ein viel zu langer Zeitraum, als dass ich mich jetzt schon festlegen würde. Lassen wir uns doch überraschen.

Aber jetzt kannst du wahrscheinlich irgendwie erkennen, was du von mir erwarten würdest. Es wäre doch zumindest einen Versuch wert, findest du nicht? Wir müssen nicht erfolgreich sein, es kann auch gerne ein Bruchlandung werden, für uns beide. Aber erst wenn wir hart auf dem Boden gelandet sind, können wir behaupten, dass wir es versucht haben. Man kann nicht immer erfolgreich sein, das weiß ich. Wir müssten es nur versuchen, um es der Welt zu zeigen. Dass die Liebe meist nicht ewig weilt, aber man sich auch nur eine kurze Zeitspanne zu einer der Schönsten des ganzen Lebens werden lassen kann. Komm! Lass es uns versuchen.

Und das war er nun. Nicht mein erster Liebesbrief, aber vielleicht mein ehrlichster. Vielleicht hast du verstanden, was ich dir sagen wollte. Und sollte ich dir auch nur einen kleinen Hauch deines Lächelns auf deine Lippen gezaubert haben, dann hat dieser Brief schon seinen Auftrag erledigt. Jetzt kannst du ganz einfach zu Knüllen beginnen (bzw. es fortsetzen). Das war es von meiner Seite. Jetzt bist du dran.

[Und ja. Ich bin unfähig, abschließende Worte zu finden. Ein „Bye“ ist zu englisch, ein „Hab dich lieb“ zu teenisch, ein „In Liebe“ zu dramatisch und ein „Liebe Grüße“ zu unpersönlich. Vielleicht belasse ich es dabei und sage einfach und abschließend …]

Das wars.

Finished: 3:39 Uhr, 29. Jänner 2009
Eine Inspiration: hoch21 mit
Das hier ist ein Liebesbrief. Ich will es lieber gleich schreiben, falls Du es nicht bereits ahnst.

Auch auf: NEON.de, jetzt.de und Ci-Jou


Download MP3 [10,9 MB]

[11:54 min] [Aufnahmedatum: 26. Februar 2009]

Song: So Finally A Love Song (Demo) von Paul Goodwin

Ein weiterer Versuch.

Der Zug rattert unruhig in die tiefe Nacht hinein. Es ist dunkel geworden, überraschend schnell. Als er die Augen das letzte Mal schloss, war der Himmel noch von einem sanften Pastellton, etwas violett, gesäumt und in der Stille dieser Zeit hatte er den seit langem benötigten Schlaf bekommen. Erst jetzt schreckte er hoch, aufgeweckt vom Bremsen des Zuges. Er schien zum Stillstand gekommen zu sein, aber er kann es nicht wirklich erkennen. Irgendwo, in der Pampa, im Niemandsland zwischen zwei Orten. Kein Licht leuchtet da irgendwo in der Ferne. Dichte Dunkelheit umhüllt den Zug. Plötzlich beginnen die anderen Mitreisenden aus ihrer Stille oder ihren Gesprächen gerissen zu werden. Auch sie haben bemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt.

‚Bitte entschuldigen sie diesen unplanmäßigen Stopp. Aufgrund eines Personenschadens wird sich unsere Weiterreise etwas verzögern.’

Das Getuschel verliert an Intensität, und irgendwann hat wohl auch der letzte Mensch bemerkt, was der Schaffner meinte. „Entschuldigung?“ Irgendjemand beginnt wieder leise mit jemandem zu sprechen. Es dauert, bis Noah merkt, dass jemand gerade ihn etwas fragen möchte. Er dreht sich um (bis jetzt blickte er wie gespannt aus dem Fenster, hinein in die Dunkelheit und das Spiegelbild der vor ihm sitzenden Personen) und erblickt, am Platz neben sich, eine junge Frau. „Ähm, ja?“ – „Warum glaubst du, dass sich hier jemand vor den Zug geworfen hat. Hier, in dieser Gegend.“ Sie fragt frei heraus, und sieht es als selbstverständlich an, mit einer wildfremden Person gerade mithilfe dieses sehr außergewöhnlichen Themas eine Konversation zu beginnen. Er muss kurz lächeln und blickt sie an. „Ich glaube es war Angst. Die Angst vor der-“ – „Der Dunkelheit.“ Er sieht sie, nun zum ersten Mal richtig, an. Das war genau sein Gedanke. Auch wenn die Diagnose der Angst mehr als lächerlich wirkt in Anbetracht der Tatsachen, die Menschen einen Selbstmord begehen lassen, irgendetwas scheint die beiden zu verbinden. Ein Mal, in der Grundschule während einiger Projekttage gingen Noahs Klasse nachts spazieren, mit Taschenlampen. Und mitten im Wald sollten sie nun für kurze Zeit jedwedes Licht abschalten. In diesem Moment bemerkte er zum ersten Mal diese Angst vor der Dunkelheit, vor dem Alleinsein, vor der Hilflosigkeit. Deshalb kam er auch jetzt zuallererst auf diesen Gedanken, nachdem er zuvor minutenlang die Dunkelheit nach Lichtquellen absuchte.

Er nickt. Der Zug steht immer noch und die ersten Menschen werden unruhig. Schimpfen auf diese verdammte Bundesbahn und dass sie wahrscheinlich den Anschlusszug am nächsten Bahnhof versäumen würden. Noah blickt langsam wieder aus dem Fenster, hinein in die Dunkelheit.

„Du?“
– „Ja.“
„Mein Name ist übrigens Emilie. Ich hoffe, ich habe dich vorhin nicht zu sehr überrascht. Ich habe nur gesehen, dass du aufgewacht bist, und …“
– „Ich bin Noah. Und das war schon okay. Ich bin froh…-“
„Dass ich dich angesprochen habe?“

Sie lacht etwas auf. Aber so Unrecht hat sie mit dieser Vermutung gar nicht. Einen Gesprächspartner auf einer Zugfahrt zu haben, kommt Noah gerade gelegen. Es nervt ihn jedes Mal, wenn er diese Reise antreten muss, und als einer von ungefähr fünfhundert Menschen in einem der Waggons sitzt und schlussendlich nur auf die Ankunft des Zuges in der Endstation wartet.

„Und wohin fährst du?“
– „Ich bin auf der Heimreise. Dieses Wochenende verbringe ich wieder einmal bei meiner Familie.“
„Studierst du etwa auch in Wien?“
– „Mhm.“

Er weiß bis jetzt noch nicht, wie lange sie wohl neben ihm sitzen würde. Die nächste Haltestelle war vielleicht eine halbe Stunde entfernt, aber der Zug machte auch keine Anstalten, sich in den nächsten Minuten zu bewegen. Während sie ihre Blicke im Waggon schweifen lässt, mustert er zum ersten Mal bewusst ihr Gesicht. Diese makellosen Formen. Dieses schöne Haar. Emilie hatte irgendetwas, eine außergewöhnliche Ausstrahlung und wie er jetzt schon bemerkt hatte, war sie auch noch überaus selbstbewusst und freundlich. Ihr Blick kehrt zurück und plötzlich sehen sich die beiden in die Augen. Sie lächeln und setzten die Konversation fort, während sie sich auf den Sitzplätzen einander weiter zuwenden.

„Du. Du bist schön.“

Für den kurzen Moment dieses Augenblicks ist Noah von seinen Worten selbst überrascht und wendet seinen Blick langsam ab. Was für ein dummer Satz war ihm hier nur über die Lippen gekommen. Diese junge Frau, er kennt sie jetzt erst seit zehn oder fünfzehn Minuten und dann das. Aber sie lächelt nur und meint: „Dankeschön.“

„Ich fahre übrigens bis Sankt Valentin.“, fügt sie hinzu. Etwas traurig blickt er auf den Sitz vor ihm. Es würde nicht mehr lange dauern, bis sie an ihrem Zielbahnhof angekommen war, und dann würde er sie wahrscheinlich nie mehr wieder sehen. Doch er ahnt nicht, wie viel Zeit den Beiden noch bleiben würde.

„Ein Personenschaden. Was für ein dämlicher Begriff“, entkommt er langsam dem beinahe peinlichen Schweigen, in das sie geraten sind. „Das klingt so schrecklich trivial. Durch diesen Ausdruck vergisst man beinahe, dass sich hier ein Mensch möglicherweise aus vollstem Bewusstsein vor diesen Zug hier geworfen hat.“ Sie nickt.

„Hast du eigentlich jemals daran gedacht?“
„An Selbstmord?“ Er blickt Emilie fragend an.
„Mhm.“
„Klar -.“

Seine Stimme wird plötzlich leise, als er den Satz zu Ende spricht. „Wer hat das denn noch nicht?“. „Stimmt.“ Sie nickt, und die beiden denken wohl gerade wieder an diesen Menschen dort draußen, wahrscheinlich tödlich verletzt, noch einige hundert Meter mitgeschleift von diesem Koloss von Zug.

Das hier ist ein weiterer Beginn meines Buchprojektes. Ich stehe zurzeit. Irgendwo im Nirgendwo. Gefällt euch dieser Beginn besser als der andere? Nachdem ich von der Schreibweise des Herrn Kluun (Mitten ins Gesicht und Ohne Sie) begeistert bin, und ich kein Mensch der großen Umschreibungen bin (die Landschaft ist ja mal sowas von uninteressant), gefällt mir dieses, dialoglastige Dingens um einiges besser als mein sogenannter „zweiter Versuch“, welcher in Wahrheit wahrscheinlich nur mein erster war. Ich bitte um Reaktionen.