Am Ende Der Liebe.

Bleibt ein leises Hoffen. Und die drei Worte, fest im Herz verschlossen.

Wie sehr wünsche ich mir, am Ende der Liebe angelangt zu sein. Jeden einzelnen Tag hoffe ich, endlich von dir loszukommen. Du gibst mir nichts. Schenkst mir keine Kraft. Raubst mir Energie. Es ist hart durchs Leben zu schreiten mit deinem Namen und deinem Gesicht in meinem Kopf. Schon zu Beziehungszeiten war ich jener, der 164 Proeznt von mir gab. Nur die restlichen 36 kamen von dir. Manchmal musste ich sogar noch mehr geben. Doch dieses Gefühl, welches eine Beziehung in einem aufkommen lässt, ist so wundervoll, dass man lange genug dazu bereit ist, viel mehr zu geben, als der andere verdient.

Vielleicht verdienst du mich nicht. Vielleicht verdiene ich dich nicht. Aber je älter die Tage werden, desto klarer scheint mir zu werden, dass auch das Warten keine Lösung ist. Wenn dir etwas an mir liegen würde, dann würdest du dich schon melden. Würdest dich melden, wenn du bei mir sein möchtest. Wenn du mir in dieser schweren Zeit beistehen möchtest. Dass du es nicht willst, zeigt mir ein weiteres Mal, wer du bist. Ich werde dich zwar nie begreifen können, aber schön langsam gebe ich es auch auf.

Ich erinnere mich noch an den Moment, als du irgendwann einmal diese drei Worte mir an den Kopf warfst. Einige Zeit, nachdem sie mir über die Lippen gerutscht waren. Meine schienen gezwungen, deine ehrlich. Ich weiß noch, wie wir bei dir in der Küche stehen, und ich dich total verwundert anblicke. Diese Worte hättest du nicht sagen sollen. Ich kann dir irgendwie nicht glauben, dass du mich jemals so richtig geliebt hast. Dass du mich geliebt hast, als die Schmetterlinge sich schon wieder verabschiedet haben. Als bei mir diese Propellerblätter in meinem Bauch weg waren, war Liebe da. Bei dir Rezession. Ich hätte es schon von Anfang an spüren müssen. Hätte viel früher auf mein Gehirn hören müssen, doch dagegen habe ich mich immer gewehrt, und werde es wohl auch noch lange Zeit tun. Ich bin ein Herzensmensch, werde geleitet durch das Herz, das rein nach Gefühl agiert.

Ich wünschte, ich wäre endlich am Ende der Liebe angekommen. Du bist es scheinbar schon. Ich möchte mal wieder einschlafen. Und wenn ich aufwache, soll ich dieses Lächeln auf meinem Gesicht finden. Und im Büro aus dem Fenster blicken, und still und leise meinen Tagträumen folgen. Weil ich einen Menschen kennengelernt habe, der mir geben kann, wonach ich mich verzehre. Zärtlichkeit, Wärme, Hoffnung, Zugehörigkeit, Sanftheit, Anmut, Grazie, Humor, Reife, einem Lächeln, Intelligenz und Liebe. Ohne den Versuch dich zu vergessen, beginne ich mehr und mehr, dich nicht als mögliche Freundin anzusehen. Nicht in der Liebe oder rein platonisch. Die Mail gestern sollte vieles klarstellen, und doch steckt sie voller Zweifel und fragender Ungewissheit. Ich will dich nicht mehr. Will nicht mehr Marionette meiner träumerischen Vorstellung sein, Spielzeug meines verrückten Herzens.

Hier bin ich. Am Ende der Liebe. Strecke noch einmal die Hand aus. Um alles noch einmal zu erfassen. Mit Remy Zero und Life in Rain. Und dann ziehe ich sie wieder ein. Ganz nah zu meinem Körper. Um jetzt einmal nur für mich da zu sein.

Zwischen Himmel Und Erde.


Wir können das, denn wir sind anders. Flüstert ein Engel in mein Ohr.

Für immer“, hast du zu mir gesagt. Ich habe gelächelt. Zu oft habe ich diese Worte aus dem Mund eines mir vertrauten Menschen gehört. Ich kann dir nicht vertrauen, nicht in dieser Angelegenheit. Vertrauen ist etwas so Wertvolles, als dass ich es so einfach herschenken könnte. Sage nicht Worte, die in wenigen Tagen, Wochen, Monaten, ihre Bedeutung verlieren. Für hoffentliche lange Zeit, wäre passend. Um die Hoffnung zu betonen, die einen oft lange zusammenhält, obwohl es sonst nichts Gemeinsames mehr gibt.

Die Stadt, und alles hier liegt in den Scherben eines Regeneinsturzes. Der Himmel brach über uns herein und die Wassermassen strömten über unsere Wangen. „Hast du geweint?“, frage ich dich, als ich dir die Regentropfen aus den Augen wische. Salzig schmecken meine Finger nun. Nein, du hast nicht geweint. Hast dich nicht mal bewegt, als die Welt zusammenbrach. Hast nur deine Augen geschlossen und den Moment zu lieben gelernt.

Nicht ein Wort hat deine Lippen verlasse. Nicht einen Gedanken verschwendetest du an all die Probleme, die dein Leben ausmachen. Sorglos stehst du da. Vom Regen durchtränkt, zitternd vor Kälte, den rauhen Wind abprallend. Auch ich versuche, all das zu spüren, was dich gerade ausmacht. Strecke meine Arme von meinem Körper und schließe die Augen. Blicke in den wieder blau gewordenen Himmel. Unsere nasse Kleidung lässt uns sinken. In den Boden der Ernüchterung. Und doch öffnen wir die Augen nicht. Bis wir bis zum Hals in diesem Feld stecken. Wir uns nicht mehr bewegen können.

Dieser Fehler„, sagst du, „diesen Fehler machen wir nicht mehr. Leben wir doch nur alleine. Jeder für sich. Sodass keiner mehr versucht, so leben wie der andere. Um sich nicht weiter anzupassen. Um nicht auf das Trittbrett aufzuspringen. Um nicht gemeinsam einzusinken. Sonst könnte einer von uns den anderen aus diesem Sumpf herausziehen. Ich nicke nur, kann mich kaum bewegen, das Atmen bereitet Schmerzen. Doch plötzlich wandelt sich dieses Sumpfgebiet in ein stilles Gewässer um

Zu anderen Ufern machen wir uns auf, als wir uns treiben lassen. Egal wohin man blickt, man sieht nur dieses Wasser. Die Sonne, die sich darauf zu spiegeln versucht. Und all die Kreise, die durch die kleinen geworfenen Steinchen verursacht werden. Wir lassen uns treiben. Und es treibt jeder für sich. Auf ein Mal wird unsere Umgebung zu einem Fluss. Wir halten uns fest, und uns.

Unsere Liebe kann uns aber nicht mehr halten. Als der Wasserfall uns entzwei reißt. Ich versuche, dich zu erblicken, als ich aus unzähligen hunderten Metern in das darunterliegende Wasser abstürze. Doch du bist weg. Alles ist weg. Nur mehr der Himmel bleibt als stetiges Symbol stehen und lässt nun plötzlich alles blau erscheinen. In diesem schönen Azurblau, voll Sanftheit und Anmut.

Mit deinen Augen möchte ich nun sehen. Wo du jetzt stehst, ganz alleine. Jetzt lebst du ganz für dich alleine. Wir haben uns verloren. Sind nicht mal mehr existent füreinander. Du bist auf der anderen Seite des Wasserfalls. Auf der anderen Seite des Regenbogens. Ich sehe nach dir. Immer noch keine Spur von Leben auf deiner Seite. Nichts. Nur diese unzähligen gelben Lilien, die sich zu einem Meer aus Blumen versammeln.

Liebe mich, Leben„, brülle ich. Hinein in dieses Meer, mit den Wellen, die der Wind mit diesen Blüten schlägt. Neben mir baut sich ein kleines Gestrüpp aus lauter Dornen und giftigen Kräutern auf. Nichts kommt so, wie es kommen sollte. Man kann nicht damit rechnen. Mit nichts kann man rechnen.Und plötzlich stolpere ich und falle genau in … dieses Meer aus Gelb.

Ich vermiss dich, my dear‘, denke ich mir. Wo magst du nur sein. Sagtest du nicht, für immer. Und dann versuchtest du mich wegzustoßen. Du hast gelogen. Hast nicht gewusst, was du sagen solltest und sagtest einfach das, was man in Momenten wie diesen zu sagen hat. Ich richte mich auf, knie mich hin. Blicke in die Sonne und die Blätter des Ahornbaumes neben mir. Und suche mir Schatten.

Der größte Moment mag wohl schon vorbei sein. Alles scheint nun vorbei. Alles. Und doch geben diese Blumen mir ein Zeichen der Regeneration, der Wiedergeburt, dem Auferstehen aus dem Reich der Vergessenheit. Jedes Jahr zu Frühling wird die Natur wieder lebendig, Blumen sprießen, Gefühle leben. Vielleicht sollte ich mich auch darauf freuen. Sollte hoffen, dass es wieder wird, wie damals.

Bis an den Rand der Klippen wandere ich. Kurz vor der Kante schrecke ich zurück. Ich habe Höhenangst. Massive Höhenangst. Alleine der Blick hinunter erzeugt bei mir Schwindelgefühl und Übelkeit. Plötzlich spüre ich deine Hand. Sie greift mich an der Schulter und zieht mich zurück. Ich falle zurück, auf dem Rücken lande ich, ich sehe dich. Wo warst du, möchte ich dich fragen. Wer bist du, bleibt mir immer im Gedächtnis.

Am Ende der Liebe angekommen, lächelst du mich an. Alles soll wieder so sein, wie es früher war. Du möchtest wieder im Regen tanzen und das Leben leben. Das Leben, das du dir erwartet hast. Doch ich habe genug. Als ich vor dieser Klippe am Boden liege, schließe ich meine Augen. Ganz langsam. Um noch einen letzten Blick von dir erhaschen zu können. Deine Lippen berühren die meinen. Du versuchst mich wach zu küssen. Doch es ist zu spät. Die Augen sind geschlossen. Wir sind angekommen. Am Ende der Liebe.

//Zwischen Himmel Und Erde, Klee, 2006, Ministry O, Link 1

Break The Night.

… with colour.

Das Meer aus Dunkelheit vor mir, das Nichts dahinter. Ich wandere durch diese dunklen Gassen, durch diese unheimliche Gegend, die ich normalerweise mein Zuhause nenne. Hier die Brücke, die mich vor dem mitreißenden Wasser schützt. Eine Katze. Sie streicht über meine Füße, fast stolpere ich, ob ihrer unglaublichen Unfähigkeit.

Da, da hinten. Sehe ich eine Straßenlaterne. Ihr graues Licht wirft sie auf die Straße. In den hellsten Grautönen. Die Welt in den verschiedensten Schatten. Ich führe meine Hand vor mein Gesicht, um zu sehen, wie weit ich in dieser schwarz-grauen Nacht eigentlich sehe. Erst als ich die Wärme meiner Hände schon an meinem Gesicht spüre, schrecke ich zurück.

Ich kenne den Weg nach Hause. Kenne den Weg zurück ins Nichts. An das Ende der Welt und dem Anfang von allen. Kenne den Weg zum Tod und den Weg zurück. Ich kenne die Abkürzung und die längste Strecke für dieses Ziel. Doch ich sehe nichts. Will nichts sehen. Vielleicht sind meine Augen auch geschlossen, so dicht ist die Dunkelheit heute.

Langsam taste ich mich nach vorne. Der Strauch, der große Stein, die Silbertanne. Wie lange gehe ich eigentlich schon hier. Wie lange stehe ich eigentlich schon hier. Wie lange geht das noch so weiter. Alles ist dunkel. Und wo auch überall Licht hinfällt, es färbt sich nur in ein undurchdringliches grau.

Doch plötzlich erblicke ich dich. Du leuchtest. Im den schönsten Technicolor-Farben. Du durchbrichst die Dunkelheit, während du vor meinem Haus sitzt, auf dieser kleinen alten Gartenbank. Ich spüre die Wärme, die von dir ausgeht. Du hast die Macht, hast die Magie, die alles Leben besonders macht. Du bist einzigartig und der Beginn der Welt. Und ich schließe noch einmal die Augen, um erst richtig zu erfassen, was du für mich bist.

Als ich die Augen öffne, ist es wieder dunkel. Du bist weg. Ohne Vorwarnung. Genauso wie du gekommen bist.

You Make Me. Happy.

Der Gedanke daran.

Ich habe schon lange nicht mehr von der Zeit geschrieben, die wir miteinander verlebten. Diese wunderbare, einzigartige, mich prägende Zeit. Die aus mir einen anderen Menschen machte. Ich reifte an dir und wuchs über mich hinaus. Diese Zeit. Mit dir. Diese neun Monate. Nein, es hat keinen Sinn, die Vergangenheit immer wieder aufzurollen.

Das hast du selbst einmal gesagt. Als ich immer und immer wieder von meiner „Besten Zeit“ sprach. Von diesem einen Sommer. Ich wollte, dass jeder Sommer so werden sollte. Der Inbegriff des Lebens. So wunderbar, der tägliche Kontakt mit Freunden, Grillen, der See. Alles war auf dem Höhepunkt der Zeit. Doch die Zeit ging vorüber. So wie unsere Zeit. Sie ist vorüber.

You leave me laughing without crying,
There’s no use denying,
For many times I’ve tried,
Love has never felt as good.

Du machst mich glücklich. Der Gedanke daran. Der Gedanke daran, dass es dich gibt. Irgendwo da draußen. Dass du immer irgendwie da bist, auch wenn sich unsere Wege irgendwie getrennt haben. Obwohl ich es nie so wollte, es wurde einfach so. Vielleicht mit deinen Bemühungen. „Ich warte“, schrieb ich immer. Ich warte. Warte ich. Ich lebe vor mich hin. Verarbeite das Leben. Und weiß einfach, dass es dich gibt.

Keinen Kuss spüre ich mehr von dir, deinen Geruch habe ich vergessen. Dein an mir erzeugtes Lächeln habe ich verlernt. Deine Berührungen fehlen. Und doch hat sich Liebe noch nie so gut angefühlt. Noch nie. Ich weiß, dass du es nicht weißt. Nichts weißt du. Und doch weiß ich, was ich fühle.

Und ich bin endlich wieder über dieses Stadium des „Nicht-Fühlens“ hinweg. Ich fühle dich. Fühle mich. Fühle. Nie hat es sich so angefühlt. Vielleicht wird die Zukunft Wege bringen, die ich mit Freude beschreiten werde. Dieses „One Way“-Schild neben mir. Ich kenne es. Es gibt kein Umkehren. Kein „Zeit zurückdrehen“. Kein Vergangenheits-Nachweinen. Wozu auch.

Irgendwie wird doch alles wieder. Irgendwie. Mit oder ohne dir. Aber der Gedanke an dich lässt mich leben. Durch dich habe ich zu lieben gelernt. Durch dich schien ich es wieder verlernt zu haben. Aber ich habe es perfektioniert. Passend für mich. Wer, was oder wo du bist, ist mir egal. Die neun Monate, die wir als Paar durch die Straßen gingen, waren schön. Das Leben vor mir, wird es ebenso.

I Want You To Notice.

… when I’m not around.

Der unerwartete Schuss. Das Zusammenbrechen eines Menschen. Der Schnitt. Und der Krimi ist zu Ende. Obwohl die dicke Frau noch singt. Kurzer, nichts aussagender Abspann. Und die Welt erhebt sich.

„Der Mond.“ Ich lächle. „Siehst du den Mond.“ Mit der Hand streiche ich über den Himmel. „Und all die Sterne.“ Ich lächle weiter. „Unsere Sterne. Der da, siehst du, das ist unser Stern“. Und mit der Spitze des Zeigefingers spiele ich mich mit unserem Stern. Ich spüre die Kälte der Nacht, die eisige Wärme des Asphalts, spüre den kühlen Wind und die sanfte Brise, welche vom kleinen Bächlein heraufweht. Die Nacht über mir. Die Dunkelheit umhüllt meinen bebenden, zitternden Körper.

„Ist dir kalt?“, frage ich dich, während ich mich mit der dicken Decke zudecke und mir einen bequemen Platz in meinem Bett aussuche. „Du könntest ein Stück meiner Decke haben, ich friere nicht so schnell.“ Halb abgedeckt, stelle ich noch den Wecker, schalte das Licht aus. Das Tagebuch lasse ich heute liegen. Nicht alle Tage bist du da. Nicht alle Tage.

„Fahre ich dir zu schnell?“ Langsam reduziere ich meine Geschwindigkeit. Halte mich an die vorgeschriebenen Geschwindigkeitsbeschränkungen. „Aber jetzt fahre ich schon richtig gut, oder?“ Ich lächle. Du warst die erste, die neben mir sitzen durfte, als ich gerade erst den Führerschein geschafft hatte. „Wo willst du hin? So wie immer?“ Ich nicke selbstüberzeugt.

„Was möchtest du heute essen? Ich lade dich ein.“ Du bekommst dasselbe wie ich. „Schmeckt es?“ Ich lache, ich erinnere mich noch an den einen Abend, als ich so grässlich gekocht habe, und du hast lange Zeit gar nichts gesagt. Nur um mich nicht traurig zu machen. Nur um mich nicht. Nur.

„Wie geht es dir?“ Doch du bist nicht da. Warst die ganze Zeit nicht da. Schon lange Zeit warst du nicht mehr da. Hast nicht in die Sterne gesehen. Nicht in meinem Bett geschlafen. Bist nicht mit mir Auto gefahren und hast nicht mit mir gegessen. Du lebst dein eigenes Leben. Weg bist du. Nicht da. Die ganze Zeit schon.

„Ist dir kalt?“ Ich lächle. Ja, mir ist kalt. Schon die ganze Zeit. Seit du nicht mehr da bist, nicht mehr Teil meines Lebens bist, sondern nur mehr Teil meiner Gedanken. Seit du begonnen hast, dein eigenes Leben zu leben, ein Leben, in dem ich scheinbar keinen Platz mehr habe. Oder kaum noch genügend. Ich möchte, dass du endlich mal bemerkst, dass ich nicht mehr da bin. Möchte, dass du mich anrufst, um mich endlich mal wieder zu sehen. Um endlich mal wieder von mir zu hören. Um zu sehen, dass ich lebe. Du musst dich nur einmal melden. Die Fragen habe schon ich.

Amour, Imagination. Et Rêve.

Bitte, lenk mich ab. Und teil mit mir. Das was schon war. Und was wir sehen.

Die Liebe. Mittelpunkt des Universums. Mittelpunkt der Welt. Mittelpunkt des Lebens und der erste und wahrscheinlich auch der letzte Gedanke. Das innerste Gefühl vollkommener Zufriedenheit. Die Ausgeglichenheit des Herzens. Die Symbiose zweier Menschen. Liebe ist so etwas Sinnloses, so etwas Schmerzhaftes. Etwas so Wunderschönes, so Einzigartiges.

Deine Hand fährt über mein Gesicht. Streicht mir die Haare weg. Sanft. Mit Grazie und dem nötigen Abstand, um deine Nähe zu spüren. Es regnet. Regnet seit Tagen. Heute auch. Der Boden ist ganz nass. Schön, dass du nun bei mir bist. Schön, dass wir diesen Moment jetzt haben. Nur für uns.

Die Fantasie. Stell dir vor, es ist Krieg. Und keiner geht hin. Stellt dir vor, es ist Leben, und keiner erlebt es. Stell dir vor, es ist Liebe, und keiner spürt es. Stell dir vor, es ist Tod, und keiner weint. Momente der Einsamkeit und gleichzeitig auch Momente allergrößter Fantasie. Die Vorstellung von Einzigartigkeit und der Versuch, Dinge zu sehen, die nicht sind. Sie ermöglicht uns erst, das Leben als lebenswert zu empfinden.

Du liegst auf meinem Körper. Auf meinem Bauch. Auch mein Bauch ist nass. Es regnet. Regnet seit Tagen. Immer mehr Leute beobachten uns auf dem Weg zu ihren Leben, zu ihren Lieben. Nur wenige bleiben stehen. Ich spüre deine Hand schon wieder, wie sie mir über die Lippen streichen. Über die Wange.

Der Traum. Hochschrecken, schweißgebadet. Angst, vor dem Vergangenen und Angst vor der Zukunft, vor dem Wiedereinschlafen. Aufwachen, Minuten oder gar Stunden brauchen, um zu realisieren, dass das Geträumte eben nur ein Traum war. Nur ein Teil der nächtlichen Fantasie. Der Tagesaufarbeitung im Schlafstadium. Der Traum, Utopie einer Zielsetzung. Sanftheit der Fantasie, manchmal erreichbar, manchmal unerreichbar. Manchmal einfach nur. Der Traum.

Du küsst mich. Deine Lippen berühren die meinen. Ich spüre die Tränen, wie sie von deinen Augen auf meine Wangen fallen. Ich fühle, wie sie dich wegzerren. Wie sie versuchen, dich zu beruhigen. Dir zu sagen, das man nichts mehr tun kann. Wie sie versuchen, alles aus dem wissenschaftlichen Blickwinkel zu erklären. Ich spüre, wie sie mich in diesen Plastiksarg legen. Der Aufprall auf das Auto und auf die Straße war wohl zu stark. Mein Kopf ist zertrümmert, mein Gehirn zerstört, meine Erinnerung tot. Eine Blutlache ziert noch den Asphalt.

Es regnet.
Regnet seit Tagen.

Die Nacht Dreht. Sich. Um Dich.

Siehst du. Der Mond hat sich ein Fernglas gebaut.

Die Sonne ist gesunken. Der Tag scheint am Ende angekommen zu sein. Außer Puste, völlig fertig. Er braucht jetzt wohl Zeit zum Regenerieren, würden Tagmenschen jetzt sagen. Doch der Tag geht erst jetzt los. Erst jetzt ist die Zeit für die schönsten Momente. Die Dunkelheit und die Nacht, diese beiden lassen einen fliegen, und die Sterne berühren.

Ich liege hier. Blicke aus dem Fenster, und erschrecke vor den hellen Strahlen, die mich treffen. Beim Nachbarn brennt noch Licht, Autos fahren auch noch. Die kaputten Gardinen helfen nun also auch nichts. Und so setze ich mich auf die Fensterbank, blicke in den immer noch schwarzen Himmel. Sehe die Sterne, die Inseln aller Verstorbenen und die Gedanken aller Gedenkenden. Ich strecke meine Hand aus, doch die Fensterscheibe lässt sie wieder ruhen. Nicht weit bin ich gekommen, mit meinem Wunsch, den Himmel zu berühren.

„Das hier ist unser Stern, siehst du?“, habe ich dir gesagt und auf den Stern über uns gezeigt. Ich weiß nicht, was an ihm so besonders ist, doch jedes Mal wenn ich meine Blicke über den Nachthimmel schweifen lasse, fällt mir unser Stern sofort auf. Wie sollte ich ihn auch vergessen. Plage ich mich doch schon viel zu lange mit dem Versuch, ein Leben ohne dir führen zu können.

Du weißt nicht, wie oft ich hier sitze. Wie oft ich den Himmel berühren möchte, wie oft ich diesen einen Stern vom Himmel holen würde, um ihn zu mir ins Bett zu legen. Um dich immer um mich herum zu haben. Jede einzelne Nacht, dreht sich nur um dich. Jeder letzte Gedanke vor dem Wegdösen ist dir gewidmet. Und so hasse ich das Gefühl, wenn die Sonne mich am nächsten Morgen die Nase kitzelt. Um mir zu zeigen. Die Nacht ist vorbei. Deine Nacht ist vorbei. Alles ist vorbei und doch kommt es immer wieder. Ob nun in der rationalen Wirklichkeit, oder in den Gedanken. Irgendwie kommt alles wieder. Man kommt einfach nicht los.

Für euch beide.

If This Mirror. Could Only Talk.

Dinge, die aus meinem Kopf einfach nicht raus wollen.

Ich spüre ihn, den Druck, der auf mir lastet. Er ist oft schwer, oft eine fast untragbare Last, doch man schafft es eben doch immer. Es ist ja nicht so, als träge man die ganze Welt auf seinen Schultern. Den Weltschmerz haben andere verdient. Das nennt man doch einfach nur Leben. Leben eben.

Aber von innen nach außen. Der Druck, den meine Gehirnhülle verspürt. Das Stechen hinten am Kopf. Als würden Nadeln meinen Kopf durchbohren. Und würde man sie dann anschließend herausziehen, würden aus den kleinen Löchern, die zurückblieben, ein dünner Strang voller belastender Gedanken herausfließen. Leuchtend weiß, durchsichtig dünn. Und mein Kopf und mit ihm ich, wir würden schweben, weil sich alles so leicht und einfach anspürt. Als wäre das Leben nie ein Problem gewesen. Nie.

Doch ich habe keine Nadel. Und selbst wenn ich eine hätte, würde das Ganze an Selbstverstümmelung erinnern. Ich habe ja keine Ahnung. Keine Ahnung. Man ist ja nur. Schon gut. Und so bekämpfe ich mich mit Schmerztabletten. Fünfhundertmilligramm starke Schmerzdämmung. Bekämpfe mich und meine Gedanken. Bekämpfe den Druck.

Nicht der Weltschmerz findet sich in meinem Kopf wieder. Nein, nicht der Weltschmerz. Nur meine Probleme. Nur meine. Doch mein Problem ist es eben, dass ich mir viel zu viele Gedanken mache. Immer mal kommt alles wieder hoch. Nur schwer kann ich mit allem umgehen, und glaube trotzdem, fest im Leben zu stehen. Ich stehe nicht im Leben. Nicht mit einem Fuß. Überhaupt nicht. Ich möchte fliegen. So hoch es nur geht. Der Sonne entgegen. Möchte die Wärme spüren. Möchte das Leben verlassen.

Und du siehst mich an. Mit dem gleichen Blick, der mich normalerweise immer schmückt. Sag mir doch, was ich sagen soll. Sage es mir. Wie geht es dir, und deinen Kopfschmerzen. Wie geht es mir. Sage es mir. Was glaubst du überhaupt, wer du bist. Du bist doch auch nur Teil meiner Gedanken. Ein Hirngespinst, der Mr. Hyde in meinem Kopf. Das personifizierte Übel. Mein Spiegelbild. Sage es mir.

Bad Day.

Alles begann mit diesem Menschen im Straßengraben.  Leiche würde man wohl dazu sagen. Und doch würde dieses Wort nie zeigen, wer er war. Ein Straßenverkehrstoter mehr für die Statistik. Einer weniger auf der Totenliste.

Ich weiß nicht, was mich dazu bewogen hat, einfach mal loszugehen. Normalerweise bin ich ja nicht der naturverbundene Typ. Früher kombinierte ich stets das Rauchen mit dem nötigen Frische-Luft-Schnappen. Doch an diesem einen kalten Abend, heute, packte ich mich warm ein. Die dickste Winterjacke, meinem Lieblingsschal, eine Mütze.

Als ich aus der Tür trete, spüre ich die Kälte. Der weiße, langsam aufsteigende Atem wird nachgezogen. Und ich folge dem scheinbar vorgetretenen Weg, setzte neue Spuren in den Schnee und spaziere ohne überhaupt ein Ziel zu wissen, in die Welt hinein. Irgendwann würde ich wohl schon an einen Zaun, eine Mauer kommen, und dann würde ich wissen, dass es Zeit dafür ist, umzukehren.

Vor mir liegen Spuren, die schon seit Tagen nicht mehr berührt worden sind. Zwei oder drei Zentimeter neuer Schnee liegen darauf. Als es plötzlich steil bergab geht, halte ich mich an den eisigen Ästen des in der Nähe liegenden Haselnussstrauches fest, langsam rutsche ich weiter ab, bis ich endlich wieder Halt habe. Irgendwo, in der Ferne, höre ich das Geräusch von Autos. Das hier würde man wohl wirklich Natur nennen. Es ist so schön ruhig. So … Ich wende. Gehe Richtung Straße. Wieder Spuren, denen ich folgen kann. Die Bremsgeräusche, das Knistern, wenn Reifen über eisigen Brocken auf der Straße brettern.

Plötzlich hören die Spuren vor mir auf. An einer Stelle scheint jemand abgerutscht zu sein. Nur der abnehmende Mond und die wenigen Straßenlaternen schenken der Nacht ihr Licht. Plötzlich stupse ich mit meinem Fuß gegen etwas Undefinierbares, scheinbar auch ein Eisbrocken. Doch nach genauerer Betrachtung stelle ich fest, dass dies hier kein Eisbrocken ist. Kein gewöhnlicher. Das hier ist ein Mensch. Ein Mensch, der schon viel zu lange hier sitzt.

Auf einmal beginne ich zu schwitzen, fange zu zittern an und meine Knie werden weicher, als dass sie mich halten könnten. Ich sinke zusammen. Mit meinem Handy setze ich den Notruf ab, so wie man es eben gelernt hat. Doch sie brauchen nicht mit Blaulicht und Sirene kommen. Es ist schon längst zu spät. Wie lange mag er schon hier liegen. Wie lange schon. Sie würden gleich da sein, sagte mir die Frau am Telefon. Ich lege es in den Schnee. Sehe mir diese Person noch einmal an. Fühle, nur um die entgültige Sicherheit zu  haben, den Puls. Nichts. Kein Atem, der sichtbar aufsteicht, kein Herzschlag. Nichts mehr. Alles ist zu spät.

Was kann ich für diesen Menschen noch tun. Ich kenne ihn nicht, wurde nur durch Zufall in sein Schicksal involviert. Wer war er. Warum. Warum das Ganze? Und einfach, um ihm zu zeigen, dass er nicht alleine hier warten muss, nehme ich seine Hand. Zu lange schon lag er hier, einsam und verlassen. Zum Sterben verdonnert. Nun sollen wenigstens diese zehn Minuten die unseren Sein. Seine Hand ist eisig. Ich versuche sie zu wärmen, doch es hat keinen Sinn. Bis zum Eintreffen der Einsatzfahrzeuge, der Polizei und der Rettung, bleibe ich an seiner Seite. Habe mich ebenso wie er in den Schnee gelegt. In den Himmel geblickt. Irgendwann hat es dann auch einmal begonnen, riesige Flocken zu schneien. Kälter ist es geworden.

Als auch die Rettungskräfte seinen Tod festgestellt haben, werde ich noch von der Polizei vernommen. Erzähle ihnen alles. Sie glauben mir, scheint es. Als sie fragen, ob sie mich nach Hause bringen sollen, verneine ich. Ich weiß, dass sie anschließend darauf bestehen werden, wegen meines psychischen Schocks oder so. Und dann werde ich einsteigen. Den Kopf an das Auotfenster gelehnt, der Blick hinaus. Riesige Schneeflocken. Auf wie viele weitere Menschen in Straßengräben wird heute noch Schnee fallen. Die Dunkelheit verfolgt uns, und als ich vor meinem Haus aussteige, bedanke ich mich noch bei meinen Chauffeuren. Der Tag ist eigentlich schon längst zu Ende.

Es sind immer dieser Zufälle. Die einen so etwas erleben lassen. Die einen mögen es Gottes Fügung nennen, die anderen Schicksal, wieder andere Pech. Ich denke, es hat ihm gut getan. Diese zehn oder fünfzehn Minuten, als ich ihm die Hand gehalten habe. Nur um zu zeigen. Du bist nicht alleine. Niemand soll alleine sein. Und doch sind es viel zu viele. Immer diese Zufälle. Einer mehr oder weniger. Was solls.

Und als ich endlich mein Bett gefunden habe, und die Augen schließe, lassen mich die Gedanken nicht ruhen. Ich spüre immer noch die eisige Kälte seiner Hand. Einige Zeit vergeht, aber je mehr ich mir darüber Gedanken mache, desto wärmer wird plötzlich die Erinnerung daran. Bis ich mir sicher bin. Da, wo er jetzt ist, geht es ihm gut. Und ich schließe die Augen.

Single Sucht. Longplayer.

Man wandert durch die Welt, immer mit der Musik im Kopf. Warum soll sie nicht auch mal für eine schöne Metapher herhalten? Ich, 19, Single sucht. Longplayer.

Wenn man in diesem einen Plattenladen steht, umgeben von Tausenden von Plastikhüllen und Metallstreifen zur Diebstahlsicherung. Die Top-40 der Singlecharts. Die Top-20 der LPs. Seit fast sieben Monaten befindet sich ein gewisser Herr Ikarus auf Platz Eins der Singlecharts. Und es scheint sich auch nichts daran zu verändern. Er bleibt seinem Stil treu, wiederholt sich immer mal wieder. Manchmal erholt er sich auch einfach. Eigentlich müsste er froh sein, dort, ganz oben in den Single-Charts. Diese Rangliste, nein, nicht der beliebtesten, sondern der längsten Singles.

Was hat dieser Typ, dass er sich so lange an der Spitze halten kann? Er singt doch nur von Gefühl, voller Pathos und gequält-versuchter Tiefsinnigkeit. Gab es denn nie jemand, der versuchte, ihn von da oben runter zu holen? Doch, doch. Gab es. Wenn man die Bravo aufmerksam liest, weiß man, dass es da schon solche Menschen gab. Er aber immer wieder seinen Gefühlen nachgab, und diesem Menschen in seinem Herzen alle Aufmerksamkeit und jedes Gefühl widmen möchte.

Er wird wohl noch einige Zeit dort droben bleiben. Wird sich mit seinen Worten selbstbemitleiden. Und niemand kann etwas dagegen tun. Gekauft wird er ja trotzdem. Weil es nicht nur ihm so geht. Der Erfolg ist ihm vergönnt, doch das Wichtigste erhält er nicht. Er wartet übrigens noch darauf. Bis er auf einem passenden Longplayer landet. Er liebt Longplayer. Sie sind großartig.

Ganz oben bei den LP-Charts finden sich Sampler. Für jeden etwas. Davon hatte er noch nie etwas gehalten. Er möchte nie auf einem solchen Sampler, auf einer Compilation drauf sein. Das hat nichts. Keinen Stil. Er macht nicht alles für Geld. Viel, aber nicht alles. Er liebt diese einzigartigen Longplayer. Die einen fesseln und nicht mehr loslassen. Die man ansieht und man denkt sich, das passt. Eine Symbiose aus zwei Teilen. Der Musik und der Stimme. Zwei Wesen, in ein so wunderbares Gemeinsames verpackt. So einen Longplayer will er auch schaffen. Auf einem solchen Longplayer will er auch Teil davon sein.

Doch leider ist er dazu noch nicht im Stande. Er hatte es schon einmal geschafft. Für kurze Zeit. War auf einem LP, der wunderbar war und sich gut verkaufte. Seither hat er es zwar manchmal versucht. Doch nie wollte es auch nur annähernd so schöne Musik werden, wie damals. Und deswegen wartet er. Vielleicht gibt es ein Comeback. Ein wirklich entgültiges Split-Up. Doch er will einfach nicht auf irgendeinem Longplayer drauf sein. Nein. Nicht er.

Und so ist er ganz oben. Auf dem Olymp der Musik. Vielleicht ein One-Hit-Wonder. Oder auch das Wunderkind der postapokalyptischen Musikszene. Alles in allem ist dieser Ikarus eines. Eine gespaltene Persönlichkeit. Lebensfroher Mensch, todtraurig. Lustiger Haudegen, melancholisch. Überzeugt von sich selbst, zweifelnd. Genießt seine Musik. Und wenn ihr wieder einmal in einem Musikladen seid, haltet Ausschau nach den Neuerscheinungen der LPs. Vielleicht gibt’s da was Neues.