Geschwisterschweigen.

Manchmal wird in meiner aktuellen Trotzigkeit gerne vor allem eine Prise Spätpubertät gesehen. Das ist falsch. Überhaupt werde ich sehr oft sehr falsch eingeschätzt, und deshalb überlasse ich es mir seit Wochen und Monaten eigentlich nur mir selbst, mich einschätzen zu dürfen. Und um das auch nur ansatzweise vorzeigen zu können, muss ich natürlich meilenweit ausholen.

Ein aktuelles Thema ist das Stillschweigen zwischen meiner Schwester und mir. Mir und meiner Schwester. Seit dem 25. Dezember 2009 habe ich kein Wort mehr mit ihr geredet. Manche werden sagen, das sei ja noch nicht lange. Ist wohl auch wahr. Aber dazu später mehr. Erst heute habe ich wieder einmal in einem sehr, sehr langen Telefonat mit meiner Mama erläutert, warum ich das mache, und warum ich nicht daran denke, aufzuhören. Weil meine Schwester nicht das ist, was ich mir von ihr erwarte. Sie ist nicht die große Schwester, die sich um mich kümmert, die große Schwester, mit der ich über alles reden kann, sie ist auch nicht ein Mensch, auf den man sich 100 oder zumindest zweiprozentig verlassen kann. Sie ist meistens nur nett, wenn sie etwas braucht. Und Minuten, Stunden später ist sie es nicht mehr.

Und das läuft nun schon seit Jahren so. Ich bin vielleicht trotzig, und habe diese leicht pubertäre Art der Konfrontation, das krampfhafte Schweigen, ausgewählt, weil ich mir einfach nicht mehr zu helfen weiß. Familie bedeutet mir unglaublich viel, und ich weiß, dass ich zurzeit durch diesen nonverbalen Streit ein kleines Zerwürfnis hineinbringe. Aber ich will nicht mehr. Ist es blöd, dies zu sagen? Ich will nicht mehr! Verdammt! Nicht einmal ein Wort der Begrüßung oder des Abschiedes ist sie mir wert! Kein Hallo und kein Tschüss. Nicht einmal ein „Leck mich!“ hätte ich für sie übrig. Nicht einmal ein Blick. Nichts. Mehr.

Es ist traurig, ich weiß. Traurig, dass es soweit kommen musste. Traurig, dass sie es nicht einsieht. Sie lebt unbehelligt weiter, ist nicht einmal interessiert, auch nur ansatzweise etwas an ihr zu ändern. So wie immer. Dass ich in der letzten Woche drei Tage hintereinander von ihr geträumt habe, wird sie wohl nie erfahren. Dass ich mir eine friedliche Koexistenz wünsche, wohl auch nicht. Und dass ich irgendwann einmal glaubte, wir könnten sogar Freunde werden, sowieso.

Bin ich also trotzig? Klar. Pubertär? Maybe.  Hilft es mir? Ich weiß es nicht. Ich zumindest schätze mich so ein, dass ich das noch einige Zeit durchziehen werde. Ich habe keine Lust mehr auf-, mehr nachzugeben. Ich wurde von ihr schon viel zu oft enttäuscht. Jetzt ist sie mal damit dran.

9 Gedanken zu „Geschwisterschweigen.“

  1. Kann ich gut verstehen – hier zwar mit dem großen Bruder, ansonsten kann ich es aber gut nachvollziehen. Es wird sich nur noch gemeldet, wenn er etwas benötigt, und auch ich habe einfach jetzt mal losgelassen. Von mir kommt nichts mehr und wir leben eben einfach aneinander vorbei. Schade ist es natürlich immer – besonders, weil man eben nur diesen einen Bruder (in meinem Fall) hat und insgeheim hoffe ich auch, dass sich das irgendwann noch einmal ändert.

  2. hmm, also zum einen:
    ja, es hilft manchmal zu schweigen, wenn es wirklich nicht mehr anders geht… ich hab das selber voriges jahr mit gemacht und im endeffekt ist was gutes dabei rausgekommen und somit ja – du hast jedes recht dazu wenn dir danach ist, genauso, wie ich diese vorwürfe mit dem spätpubertären nachvollziehen kann… sind scheinbar argumentationsmöglichkeiten für jegliche kritik von kindern, etc.

    das einzige, womit ich in deinem beitrag ein, nennen wir es mal, problem hatte ist dieses: sie ist keine große schwester, sie ist nicht so da, wie sie sollte… hmm… sie ist nicht das, was DU dir von ihr erwartest, sie ist nicht die, die sich um MICH kümmert, nicht die, die für MICH da ist –> hat sie diese verpflichtung wirklich? muss sie wirklich diese rolle übernehmen? ich weiß schon, dass die vorstellung davon ganz toll ist, dieses familiäre zusammenhaltdings, in dem jeder für den anderen da ist, etc. aber, ich find diese sätze, so wie du das geschrieben hast auch irgendwie bedenklich… deine eltern, ja, die sollten hundertprozentig für dich da sein, die sollten sich immer um dich kümmern – ob man das von geschwistern wirklich erwarten darf/kann, da bin ich mir nicht so sicher! es ist schwierig eine große schwester zu sein, die immer für alle da ist, die immer zuhört, die immer versucht, diese großeschwesterrolle voll und ganz auszufüllen – es ist schwierig und beschissen teilweise, aber jeder gibt das was er kann und will und man sollte nicht von jemanden VERLANGEN da sein zu müssen, etc…

    hach gott, ich kommentier mich hier vom 100sten ins 1000ste – vielleicht verstehst du, was ich sagen will 😉

    lg mj

    1. Okay. Entweder ich habe etwas falsch formuliert, oder du hast etwas falsch verstanden. Ich möchte sie nicht in die „Große-Schwester-Rolle“ schubsen. (Ich wollte nur darauf hinweisen, das sie älter ist als ich). Ich möchte sie in die Geschwisterrolle quetschen, und da wäre es egal, ob sie nun jünger oder älter ist als ich.

      Und ja. Ich erwarte von mir, dass sie MICH fragt, wie es mir geht. Ich will, dass sie sich in den entscheidenden Momenten für MICH einsetzt. Das ist keine Sache von Geschwistern, dass ist der natürliche Wunsch, von einem Menschen, mit dem man aufgewachsen ist, so behandelt zu werden. Ich habe das wirklich all die Jahre für sie gemacht. Habe mir Sorgen gemacht, um SIE, wenn es ihr schlecht ging, und wurde mit abweisenden Kommentaren konfrontiert.

      Wir sind zwei Geschwister, zweieinhalb Jahre auseinander. Ich habe nie von ihr verlangt, immer für mich da zu sein. Aber zumindest etwas Interesse an mir zeigen. Nicht nur Häme, nicht nur blöde Kommentare. Nicht nur sinnlose Phrasen, die sie mir an den Kopf wirft.

      Vielleicht ist es auch einfach nur, dass ich mir von ihr einen kleinen Hauch von Respekt wünsche. (So viel Respekt, wie ich ihn mir selbst von einem Unbekannten erwarten dürfte)

      1. okay gut, das is natürlich was anderes! verstehe! wünsche dir, dass ihr das irgendwann hin kriegts… bei mir hat das jahrelang gedauert und irgendwann war der punkt da, als ich sie wirklich brauchte und dann war meine schwester plötzlich da und ist sie heute immer noch. sie ist zwar oft nicht soooo da, wie ich mir das erwarte, aber ich weiß dass sie da ist und das ist ein wirklich gutes gefühl!

        von dem her, ich hoffe dein schweigen bringt etwas, ich hoffe dass veränderung eintritt und immer schön stark bleiben, ja?

          1. nope leider… mit schreien erreicht man leider viel zu wenig, obwohl wir das doch alle am besten könnten…

  3. durch verschiedene konflikte in familiärer hinsicht, etc. kann ich nur sagen, dass schweigen manchmal einfach nur besser ist als irgendwas sonst.
    ich hab keine ahnung, ob ich eine gute schwester bin für meine zwei giftkröten, aber ich hoffe es.
    ich wünsche dir, dass deine schwester sich ihrer rolle als schwester bewusster wird.

  4. leider kann man sich ja die familie bzw. familienmitglieder nicht aussuchen.
    ich kann nachvollziehen das du durch das falsche verhalten deiner schwester verletzt und gekränkt bist. trotzdem denke ich eigentlich das schweigen nichts bringt.
    vielleicht wäre ein ernstes gespräch mit ihr besser?!
    ich wünsche dir auf jedenfall das sich die situation zwischen euch bald bessert und ihr wieder normal miteinander umgehen könnt. (und vorallem das deine schwester ihre fehler einsieht)

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