Dies. Jens.

Die einzigen Überschneidung zwischen dem Dies- und dem Jenseits ist die Seele. Das habe ich mir heute im Bus gedacht. Im Diesseits ist sie eingepackt. In einen Körper. Der eine schöner, der andere nicht. Um Jenseits hingegen bleibt eben nur mehr diese Seele übrig. Und alle Verletzungen, die diese Seele ertragen musste, fast unheilbare Verletzungen, Verletzungen, die einen vielleicht sogar ins Jenseits getrieben haben, sind weg. So etwas denkt eben ein typischer Neunzehnjähriger auf der Heimreise von seinem Zivildienstjob.

Es ist ruhig. Erschreckend ruhig. Hier im Wohnzimmer. In diesem Zimmer, welches früher immer das Zentrum unseres Hauses war. Hier war immer etwas los. Hier wurde Lego gebaut, hier wurde televisioniert. Nachdem wir Kinder aufstanden gingen wir als erstes ins Wohnzimmer. Ich hingegen sitze hier jetzt ganz alleine. Meine Eltern sind schon wieder unterwegs. Nein, das soll jetzt in keinster Weise so rüberkommen, als wolle ich meine Eltern verbieten, außer Haus zu gehen. Aber dies ist wieder einmal ein Abend, an dem ich zuhause wäre. Ein Abend, an dem ich bis spät in die Nacht hier sitzen könnte, im Wohnzimmer. Ein Abend, an dem meine Mutter und ich hätten sprechen können. Über Gott und die Welt. Wie ich es eben an meiner Mutter so liebe. Aber sie sind nicht da. Und ich philosophiere über das Diesseits. Und höre „How To Disappear Completely“ von Radiohead. Manchmal würde ich mir das auch wünschen. Einfach zu verschwinden. Aber es wird einem nie so einfach gemacht. Immer wenn man glaubt, alles wäre perfekt, kommt von irgendwo eine Faust und schlägt einem mit voller Wucht auf die Nase. Man kann da noch froh sein, dass man nicht zu bluten anfängt.

Und diese Faust scheint mich heute Abend wieder getroffen zu haben. War ich gestern Abend und heute Vormittag noch gut gelaunt, durch das Treffen mit Elisabeth. So sitze ich jetzt hier und fühle mich wieder einmal einsam. Nein, es ist nicht, weil ich alleine zuhause bin. Ich war schon oft alleine zuhause. Aber seit kurzem gesellt sich immer wieder dieses Gefühl von Einsamkeit. Und ich hasse dieses Gefühl. Ein Gefühl, gegen das ich nie ankämpfen werde können. Nur irgendwann einmal zieht sich die Faust zurück und es wird wieder gut. Wenn auch vielleicht nur für kurze Zeit.

Die Gespräche gestern haben mich wieder nachdenken lassen. All die Erinnerungen, all das Wieder-In-Erinnerung-Holen von Gefühlen. Es ist schon ein geniales Gefühl, wenn man verliebt ist. Selbst die Zweifel an der Gegenseitigkeit sind schon cool. So etwas wünsche ich mir wieder. So etwas Schönes. Wünsche mir … ach. Verdammt. Wieso wünsche ich mir das. Wieso. Es hat doch keinen Sinn.

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Ein Gedanke zu „Dies. Jens.“

  1. Interessante Gedankengänge.
    Hm, für solche Stimmungslagen könnt ich (ob du es willst oder nicht) noch „Suicide Underground“ von Air empfehlen. Find ich auch sehr gut zum in Gedanken verschwinden, auch wenn’s anders ist, als Radiohead.

    Jaja, Radiohead. Wunderbare Sache.

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