Vom Leben Gelernt: Freunde Bleiben. Unbekannte Werden.

Geschlechterrollen

Wenn man in die Tagebücher der Welt blicken könnte, die Tagebücher jener pubertierenden, pickeligen Menschenverachter, die vor lauter Gefühlschaos und pingeligen Hormonhaushalt auf ihre Umwelt vergessen. Wenn man in diesen Tagebüchern lesen könnte, dann würde man wohl oft den Satz „Und dann sagte er // sie: „Aber hey. Lass uns Freunde bleiben“. Wetten? Warum ich das so genau weiß. Weil es in meinen Tagebüchern gestanden hätte, hätte ich nicht versucht, wie immer über meinen Gefühlen zu stehen um meine seelische Gebrochenheit publik zu machen. Warum ich jetzt von mir auf alle Jugendlichen schließe? Warum denn nicht. Und … weil es eben so ist.

Wisst ihr. Solche Sätze können einen soweit bringen, dass man einen ehrlichen Versuch startet, sich selbst zu hassen. Wenn ein Mädchen einem ins Gesicht sagt: Du bist für mich nur ein guter Freund. Oder Du bist wie ein Teddybär, einfach zum Knuddeln. Dann fragt man sich, warum man für alle nur der gute Freund ist. Für alle nur diese knopfäugige Teddy. Warum ist man für niemanden mehr. Warum empfindet ihr immer nur diese einen Gefühle? Warum empfinde ich immer so viel mehr. Fragen, die Philosophen und Schriftsteller beschäftigen. Ich versuche nie, mir eine Antwort zu suchen. Würde sie meiner Überzeugung widersprechen, würde ich sie erst gar nicht nah genug an mein Herz lassen.

Für mich war eine gute Freundschaft immer der Grund, mehr zu empfinden. Oder sagen wir … der Auslöser. Viele gute Freundinnen wissen gar nicht, dass ich einmal für kurze (und manchmal auch längere) Zeit in sie verknallt war. Ich werde es ihnen wohl auch nie sagen. Frühestens, wenn wir alle über 40 sind und uns zum Golf spielen und Brunchen treffen. Dann frühestens. Aber es ist einfach so verdammt schwer, neben einer Person zu sitzen, und zu wissen, dass man nur alleine diese Gefühle hat. Wenn man rein freundschaftlich seinen Kopf in ihren Schoß legt, sie dir rein freundschaftlich die Haare aus dem Gesicht streift, dich anlächelt. Und du doch so viel mehr empfindest. Man möchte es so gerne sagen. Hat Angst alles zu verlieren. Hat Angst vor eine Abfuhr. Hat einfach nur Angst. Man möchte sich ausreden, dass es sowieso keinen Sinn hätte. Und fragt sich dann trotzdem wieder, warum sie nicht dasselbe fühlt.

Jemandem Freundschaft zu geben, der Liebe will, ist wie, jemandem Brot anzubieten, der gerade am Verdursten ist!

Hat man es irgendwann einmal geschafft, seine Gefühle ausdrücken, dann kommen eben diese Sätze. „Aber komm, lass uns Freunde bleiben.“ Freunde bleiben. Was ist das nur für eine ausgelutschte Floskel. Freunde bleiben. Aus den Worten einer Frau, die ich vielleicht seit einem Monat kenne. Die ich zwar unglaublich gerne sehe, die ich zu lieben versucht habe. Und so eine Person spricht von Freunde bleiben? Kennt sie überhaupt eine wahre Freundschaft. Die entsteht nicht so schnell. Nicht so. Früher sagte ich immer. Ja. Mir ist es wichtig. Ich will dich nicht aus meinem Leben verlieren. Ohne darüber nachzudenken, wie viel … beziehungsweise, wie wenig mir diese Person eigentlich bedeutet. Jetzt im Nachhinein, nachdem ich sie wie viele „Freunde-bleiben-Freundschaften“ zerbrochen, oder zu „Samstag-Nacht-Wiedersehen-Küsschenlinks-Küsschenrechts-Smalltalk“-Bekanntschaften verkommen sind, muss ich den Revolverhelden recht geben. Scheiß auf Freunde bleiben. Das war wohl eines der vier Lieder, wo ich am meisten mitbrüllte. Mitschrie. Mitempfand.

Was mir aufgefallen ist: Es gibt so etwas wie „Freunde bleiben“. Aber ich kann bestätigen, dass es von mir kommen muss, damit es funktionieren kann. Und es ist sowieso komplett unrealistisch zu sagen, dass nach einer Beziehung, oder einem beziehungsähnlichem Ding sofort eine rein platonische Freundschaft möglich ist. Was ich brauche ist Abstand. Schmerzvollen, gefühlsstarken Abstand. Mit all den verweinten Nächten. All der traurigen Musik. Und all dem Selbsthass und dem versuchten Hass gegen die andere Person. Und ein Abstand voll Unverständnis und unausgesprochene Dinge.

Bei der einen Person, scheiterte die Freundschaft fast daran, dass ich den eigentlich unfreiwilligen Abstand als eine Wohltat betitelte. Zwei Monate oder sogar drei heftigster Streit. Mit fehlenden Worten. Vollem Missverständnis. Und Tränen aus Wut und Trauer. Aber irgendwann hat auch sie eingesehen, dass Freunde bleiben auch geht. Und vor allem wegen diesem Abstand. Die andere Person kannte ich vorher viel zu wenig, aber ich wusste schon, dass sie mir wichtig werden würde. Sie hat mir dieses eine Monat unserer „Beziehung“ zu einer der schönsten Monate meines Lebens gemacht. Ich weiß nicht warum. Diese Tage, diese Erinnerungen. Sie haben etwas Magisches. Und durch unseren rein geografisch auffallend hohen Abstand war es uns anschließend eigentlich immer nur am Wochenende möglich uns zu sehen. Nehmen wir dann also die Arbeitswoche als Abstand her. Dieser Abstand hat anfangs nicht gereicht. Gefühlsflashback. Der Versuch zu verkuppeln. Nur um die Gefühle abzutöten. Einbildungen. Und doch. Heute darf ich sie immer noch zu einer meiner besten und vor allem wichtigsten Freunde zählen.

Madame Nummer 3. Meine erste Beziehung. Ich habe schon viel zu oft darüber geschrieben. Wir hatten Abstand. Kamen wieder zusammen. Es zerbrach. Ich hörte auf mein Gehirn. Und wieder hatten wir Abstand. Dann und wann, stets langsam nahmen wir wieder Kontakt auf. Und auch sie ist nun ein wichtiger, rein platonischer Teil meines Lebens. Die Liebe zwischen zwei Freunden ist etwas Großartiges. Und auch etwas Einzigartiges.

Was ich also früher immer falsch gemacht habe? Ich glaubte, Unzählige Beste und gute Freunde zu haben. Mit der Zeit, und meinen Wochen oder Monaten der langsamen Veränderung hat sich auch mein Freundeskreis dezimiert. Wenn das nächste Mal eine Frau zu mir sagt: „Aber hey, wir könnten doch Freunde bleiben.“, dann sag ich ihr: „Bleiben? Wir müssen erstmal sehen dass wir überhaupt Freunde werden. Und dafür brauche ich Abstand. Meine Gefühle gehen noch in die falsche Richtung. Nimm es mir nicht übel, wenn ich jetzt einfach gehe. Ich melde mich, wenn ich bereit bin. Okay?“. Und dann werde ich mich umdrehen und vielleicht singe ich auch „Und … Scheiß auf Freunde bleiben.“

So sind wir

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2 Gedanken zu „Vom Leben Gelernt: Freunde Bleiben. Unbekannte Werden.“

  1. Es gibt eine Erklärung… sie stammt zwar von Frauen-flachlegen-als-Sport-Macho-Arschlöchern, ist aber trotzdem einleuchtend… und zwar… muss ich eben den Link finden ;)… ok, gefunden, aber er geht nicht. Also muss ich mich dran erinnern… *denk* Mh ja. Frauen halten dich für einen tollen Freund, vertrauen dir ihre Probleme an etc., du verliebst dich in sie. Und zwar (angeblich) immer nur so rum. Denn: Was machen Frauen mit ihren Freundinnen? Genau – sie reden. Also: Mit wem man redet, das muss ne Freundin sein. Was machen Männer mit ihren Freunden? Pokern, Fußball gucken, saufen, was auch immer, auf jeden Fall nicht reden. Für sie gilt also: Mit wem man pokert, das kann keine potentielle Freundin sein, das ist ein Kumpel. Aber dieser Teil ist ja für dich irrelevant… Also ja. Das ist eine mögliche Erklärung, die total auf Klischees basiert und von einem Macho-Arschloch stammt. Aber egal. Allerdings solltest du, selbst wenn es so ist, trotzdem das machen, was du willst, und wenn es reden ist. Finde ich. Aber du sicher auch… ich wollts bloß erwähnt haben. 😉
    Achso, falls du dich zufällig doch für Wie-krieg-ich-eine-Frau-am-schnellsten-rum-Techniken interessierst und der Link irgendwann wieder geht: diasandfriends.com -> ist doch zumindest irgendwie interessant^^

  2. äh.. ja, darf ich den letzten satz einfach mal so wiedergeben? beim nächsten Mal wenn er das sagt. na, den Einen satz… ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich und Er, ob wir das jemals schon so gesagt haben… Aber es stimmt. ICh für meinen Teil kann normale Freundschaft einfach grad noch nicht. Ich versuch es zwar immer wieder, doch da ist für mich noch so viel mehr da. Verdammt, aber er checkt es auch gar nicht. Das heißt, er weiß es zwar, ich mein, dass ich nen Stand auf ihn hab, das hab ich ihm am letzten Abend auf Abschlussklassenreise im Rausch erzählt. Unter Pinienbäumen, die ausgesehen haben wie Brokkoli und wir haben uns gegenseitig im Haar rumgewühlt und es war wunderschön, vollmond und der Ganze scheiß— bis dann so Typen aus amstetten daherkamen und unsere traute Zweisamkeit einfach so, völlig rücksichtslos zerstörten…. Naja… #also eigentlich hat das alles noch viel schlimmer gemacht. Konnte nicht mehr normal mit ihm. Und dann war ich so froh, dass doch die Freundschaft wieder da war. Dass er endlich angerufen hat. zusammen am inn Bier trinken. Herrlich, bis ewig in die Nacht, im Bushäuserl sitzen, die Katze von dem Werbeplakat mit Edding bemalen….
    Endlich, verdammt noch mal. Ja, die Freundschaft ´WAR wieder da. und ich auf dem Besten wege, endlich so ganz langsam– stück für stück– von ihm loszukommen. Aber es ging zu weit. Wir wollten das Österreich.-Ticket ausnutzen, sind zusammen losgefahren, ein freund von ihm und meine kleine schwester im gepäck. gut, am wallersee wars noch schön, total lustig, total entspannt… alles easy.
    Nächste Station wien. an irgendsonem Spielplatz am Haus des Meeres. Vier Liter WEißwein waren wohl zu viel für zwei personen. für meinen schwester und ihn. mir gings nicht so gut, der kollege von ihm wollte auch nicht viel trinken. und selbst wenn ich auf dem besten wege dazu war IHN nurmehr als Freund zu sehen, Warum in Gottes Namen tat es dann so verdammt weh, als ER einfach meine schwester geküsst hat. seit zwei Tagen gekannt. im Vollrausch. Mann, das war echt so übel, wo er doch so was von genau gewusst hat, dass ich danebn sitz und Ich, ja ich, nen stand auf ihn hab. Er hats gewusst, verdammt noch mal. sowas vergisst man doch nicht. im hinterstübchen weiß mans noch. er ist doch sonst so intelligent.
    Jedenfalls, das gute an der sache: ich hatte erst mal genug von ihm, die nase gestrichen voll. doch jetzt, jetzt kommt es schön langsam schon wieder. verdammt, es ist noch immer nicht vorbei. warum kann man so ein scheiß gefühl nich einfach abstellen??? es wird zeit, dass ich nach salzburg geh. neue leute. dringend. gesucht. Ob er mich dort mal besuchen wird? Rein freundschaftlich?! Ich würds mir echt wünschen, gesagt hat er es jedenfalls schon mal. und zwar nüchtern. Oder würd ich ihm dann mit deinem letzten satz meine wohnungstür vor der nase zuknallen?

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