Der Kreislauf der Banalität.

Manchmal muss ich sogar lachen. So richtig laut, mit Mund offen und Kopf zurück. Einfach nur aufgrund der Banalität des Lebens. Weil wir uns Sorgen machen, um Dinge, die es manchmal einfach nicht verdienen, dass man sich darum sorgt. Weil wir um etwas kämpfen, was wir manchmal insgeheim gar nicht haben wollen. Weil wir Angst haben, etwas zu verlieren, was wir wohl noch nie hatten. Ja. Manchmal, da lache ich. Und niemand versteht mich in meinen kleinen humangetränkten Späßchen.

Eigentlich ist das Ganze ja etwas ganz Besonderes. Überall hört man nur, dass die Stufe vom pubertierenden quengelnden Weltschmerzteenager zum ach so großartigen Erwachsenen das Wichtigste sei. Ich will nicht. Will nicht Herrn Alltag und Frau Routine täglich routiniert die Hand schütteln. Darüber sprach ich schon, und vielleicht ist das auch nur ein sehr spätpubertärer Traum. Was für mich aber immens wichtiger als all das ist, ist etwas ganz Anderes: Eine der wichtigsten Stufen in unserem Leben ist jene, auf der wir bemerken, dass sich nicht die ganze Welt um einen dreht. Dass man nicht einzigartig ist, auf gewisse Art und Weise natürlich schon, aber gefangen in dieser Suppe aus überdurchschnittlich durchschnittlicher Menschheit. Wo jeder seine Sorgen, Ängste, Nöte, Hoffnungen, Träume hat. Sobald wir bemerken, dass wir nicht allein auf dieser Welt ist, ist einem selbst (und natürlich der Welt selbst) ein großer Dienst getan.

Und wie ich es kürzlich erst in einem meiner siebentausendfünfundvierzig Tweets schrieb: „Wir haben verlernt, unernst zu sein. (Daran scheitert die Welt, jawoll!)“ [X] So ist es, liebe Leute. Und es geht nicht nur darum, der Welt unernst gegenüber zu treten. Vor allem muss man unernst gegenüber sich selbst sein. Das verhilft viel zu oft zu einem Lächeln, zu einem optimistischen Kichern. Und manchmal, da macht man es laut, mit offenen Mund und Kopf nach hinten. Nur um wieder bei der Banalität des Lebens angekommen zu sein.

photocredits: Katie Tegtmeyer | flickr

As we know it.

Und mit der Versuchung gebar die menschliche Seele auch die Sucht nach Zerstörung. Nichts war mehr sicher und alles verlor an Wert. Sekundenbruchteile später war die Welt anders und beinahe schon tot.

Es ist dunkel und die beschrittenen Pfade werden auch nicht mehr beleuchtet von all den Straßenlaternen, die oftmals die letzten Lichtquellen der Nacht bildeten. Zu spät ist es und langsam lehnt er sich auf das Geländer der Brücke, welche über den kleinen Bach führt. Ein kleiner, manchmal sanft, hier reißerisch fliesender Bach, mit all seinen Fischen und Steinen. Es knarzt. Irgendwo, im nahegelegenen Wald brechen mehrere Äste, man hört geschwindes Huschen über den laubigen Boden.

Da steht er nun, spät nachts, allein unterwegs. Und ständig macht er sich nur Gedanken. Über Gott und … nein. Halt. Er machte sich keine Gedanken über Gott. Gott sei so seltsam und morbide, in der erlernten Form so unglaubwürdig und geisteskrank. Er dachte die ganze Zeit nur über die Welt nach. Die Welt, wie er sie kannte, die Welt, wie sie war. Und wie sie möglicherweise mal sein würde. Aber gerade das machte ihm Angst. Denn er sah keine Zukunft für diese im Weltall schwebende Kugel. Wir würden uns schon zerstören.

Tausende sichtbare Sterne über ihm, manchmal auch noch das Blinken eines querenden Flugzeuges. Wir würden nicht sterben aufgrund eines überdimensionalen Himmelskörpers, der von irgendeinem Planeten heruntersplitterte. Selbst die Atomkraft würde uns nicht auslöschen. Das alles waren viel zu reale, viel zu sichtbare Möglichkeiten der Auslöschung der Erde. Wir würden anders sterben. Anders. Falls wir nicht schon längst tot durch die Gassen wankten, da war er sich sicher.

Woher hatte er die Vorahnung. Oder war all dies nur ein Traum. Es ist so real, die Kälte des Herbstes bohrt sich durch sein kurzärmeliges T-Shirt hindurch. Durch das Reiben der einen Hand wärmte er seinen schon leicht kühlen Oberarm. Es sind die Menschen, die an Wert verlieren. Wer zählt denn schon noch all die Toten, die aufgrund globaler Dummheit in einem Meer aus Kugelhagel oder Hungersnot sterben. Die aufgrund widriger Umstände sich irgendwann eine Überdosis Heroin setzen und die an einem Seil hängend so ihrem Leben ein Ende setzen wollten. Man berichtet nicht darüber, weil man doch alles schon kennt. 

Er atmet die feuchte, von Nebel benetzte, Nachluft ein. Er hatte Angst. Vor sich selbst, zu einem großen Teil. Wohin mag der Weg uns führen. Es sind so banale Dinge, die uns bedrücken, Trivialitäten des Alltags. Und in der Schlacht in Einkaufszentren vergessen wir nur all zu oft diese Dinge, die vielleicht auch nur das Leben ein kleines bisschen verbessen würden. Von Respekt spricht er, und Würde, von Anstand und Pietät. Von Niveau und. Ach, er hatte es schon vergessen. Es war zu spät. Die Welt liegt brach und wird zermalmt von den Menschen mit ihrem lieblosen Umgang mit allem. Den Menschen gibt es ja nur mehr im Extrem. 

Und so marschiert er zurück zu diesem Fenster, aus welchem er vor ungefähr einer Stunde gestiegen ist, und bedauert alles zutiefst. Die Nacht, noch immer dunkel, spinnt ihr schwarzes Netz weiter und weiter. Man habe. Man habe es sich einfach nicht anders verdient. Jedem das Seine. Und für uns das Ende.