And the rain.

Und der Regen. Wie er nun schon seit Tagen hier herunter träufelt und die vor Kurzem im Zuge eines Wahnes frisch geputzten Fenster unnötig befeuchtet. Du gehst mir nicht aus dem Kopf, weißt du. Und du bist nicht alleine dort. Ich höre nicht auf zu denken, und denke so unglaublich verdammt viel.

Und manchmal stelle ich mir auch immer wieder vor, was passieren, wird, wenn wir uns das nächste Mal sehen würden. Was ich dabei anziehen würde, ob ich mir vorher noch Zigaretten kaufen würde, und ob ich noch irgendetwas mit meinen Haaren machen würde. Ich weiß es bis heute nicht.

Und natürlich überlege ich auch, was ich zu dir sagen würde. Meine Zunge stolpert über die perfekten Worte für genau diesen Moment, doch ich verliere mich in Ungereimtheiten. Störe mich am Kopfchaos und schweige einfach so verdammt bescheuert weiter, obwohl doch alles so furchtbar schön durchgeplant ist.

Es wird nicht klappen und wahrscheinlich soll es auch gar nicht klappen. Vielleicht hängt doch viel zu viel Nichts an dieser ganzen Sache. Ein großer Batzen Dummheit natürlich inbegriffen. Und draußen regnet es immer noch. Seit Tagen nun schon. Das Zimmer ist dunkel, die Zigaretten griffbereit. Wahrscheinlich die beste Zeit, um sich Gedanken zu machen. Wahrscheinlich die schlimmste Zeit für mich.

Foto: silent shot | flickr

Ich deine Schlaflosigkeit. Du meine Kopfschmerzen.

Und ich will deine Schlaflosigkeit sein und du meine Kopfschmerzen. Wir beide wären so emsig und unbändig, dass wir wohl schnell schon an uns verzweifeln würden. Verzweifeln, oder beginnen mit all diesen neuen Bedingungen und unseren veränderten Umständen zurecht zu kommen.

Du solltest über mich fluchen, mich verfluchen. ‚Du zerstörst mein Leben!‘ sollst du rufen und hilfesuchend um dich blicken und du schwörst dir, dass … wenn du mich jemals in die Hände kriegst. Und ich werde dich bekämpfen. Mit Kopfschmerztabletten, die aufgrund ihrer Dauerhaftigkeit mehr und mehr an Wirkung verlieren und auf stärkeres Zeug umsteige um dich endlich aus meinem Kopf zu kriegen. Vergeblich.

Und wir werden uns verfolgen, uns zermartern, der Hass wird stetig steigen und irgendwann vergessen wir uns. Wir vergessen uns, du deine Schlaflosigkeit, ich meine Kopfschmerzen. Wir erinnern uns nicht mehr an uns und werden verrückt, weil all das hier kaum Anlass zu irgendetwas Anderem bietet.

Und wenn ich von diesem kalten, eisernen und windigen Platz am Bahnsteig aufstehen würde, und entgegen aller Warnungen á la „Vorsicht auf Bahngleis 6: Zug fährt durch“ einfach mal unvorsichtig wäre. Und du dir mit deinem Auto einen unfairen Kampf gegen einen Baum lieferst. Dann wären wir verschwunden und schließlich vereint. Wären vereint, schmerzlos, schlaflos, schwerelos.

Und? Was hältst du von meinem Plan?

Lieb‘ mich frei.

Lieb‘. Lieb‘ mich frei. Frei von all den gewohnten Konventionen. Von all den besserwisserischen Fehlakkorden. Lass uns spüren, wie es ist, so furchtbar anders zu sein. Lass unsere Gefühle uns leiten, hinein in die Freiheit. Keine Sucht nach Eifer, keinen Neid nach Liebe. Kein Kuss unter Zwang und kein Sex als Versöhnung.

Wir wären so furchtbar anders, viel zu ungewohnt, für all die andern. Sie würden wanken und nicht wissen, sich fragen, ob das Liebe ist. Weil es ohne all dem abläuft, ohne Dramen und dem Drang, dem unbändigen Wunsch nach irritierender Perfektion.  Wir würden vor uns hin lieben, in uns hinein lieben, aus uns heraus. Und. Es würde genügen

Frei von all den Ratschlägen, die die Wannabes in ihre Bücher schreiben. Über die Liebe, die für die meisten nur ein Nichts ist. Für uns wäre es anders, es wäre Etwas. Unser Etwas, an seiner Einzigartigkeit kaum zu überbieten. Ein Hauch von der Zweisamkeit, die so wenig verspüren. Ein Tropfen heißer Stein auf all ihren Häuptern.

Wir würden leben können, ohne uns. Wir würden atmen können, wären frei, wenn du einmal nicht da bist oder ich. Und wären damit so unpassend anders als all unsere Freunde, die nicht von sich lassen können. Und dabei mehr und mehr von sich und von ihrem „wir“ zerstören. Und drauf einschlagen, bis von all dem nur mehr ein Häufchen Elend übrig bleibt und wir wären immer noch hier.

Wären erst am Anfang der Geschichte und würden uns keine Gedanken machen über den Punkt am Ende, über die Pointe zum Schluss. Würden hineinstolpern in all unsere Leben, würden lächelnd vorbeiziehen und uns in den Armen liegen. Würden warten, liegen, Sterne schaun‘. Wären hier und wären jetzt. Nur wir. Vollkommen frei.

Kommst du mit?

Foto: *_Abhi_* | fllickr

Von schlechten Enden. (Die Trilogie)

Von schlechten Enden (Teil 1)

Schon mal von einem halbwegs guten Film in den letzten 10 Minuten maßlos enttäuscht worden? So sehr, dass man im Nachhinein beinahe den ganzen Film irgendwie total verflucht und den Drehbuchautor verdammen und den Continuity-Aufpasser eine Ohrfeige geben möchte? Weil das Ende nichts mit Kontinuität zu tun hat, sondern aber sowas von gar nicht hierher passt und dem Film alles (ja, ich sage: ALLES) nimmt. So geschehen bei Remember Me. (>)

Aber die Leute stehen drauf. Man mag es sehen, wie man will. Mir ist aber immer noch ein Coming-of-Age-Geniestreich wie Garden State, der so wunderbar unvorhersehbar vorhersehbar ist, lieber. Oder diese sogenannten Mindfuck-Filmchen wie das Masterpiece Die üblichen Verdächigen (da fuckt man mir 10 Minuten vor Schluss meine Mind, und dann 5 Minuten vorher noch einmal). Aber nicht so ein aufgesetztes Tragikface, dass dem Film den gesamten Charme stiehlt. (Und ja. Ich kann mich ernsthaft über so etwas ärgern.)

Von schlechten Enden (Teil 2)

Ich glaube ja, das bin nur ich. Nur ich bin so, dass ich mit der fortschreitenden Entwicklung meines Ichs unfähiger werde, Dinge zu beenden. Gefühle zum Beispiel. Oder maßlos uninteressanter Konversationen. Oder im Sand verlaufene Gehversuche. Oder zerstörte Freundschaften. Oder auch Bekanntschaften, die wir stets wie Freunde aussehen lassen.

Freunde haben Freunde und wenn Freunde Freunde mitnehmen, werden sie zwangsläufig zu besseren Bekannten, manchmal auch wiederum zu Freunden. Aber nicht, weil man für sie <pathos>sterben würde</pathos>, nein. Nur, weil man sie ungefähr genauso oft sieht, wie man eben Freunde nunmal sieht. Und trotzdem spürt man innen drinnen dieses unabdingbare Ding namens Abneigung. Ist das hart? Freund zu spielen? So lange, bis man sich aus dem Weg geht? Bis man sich aus den Augen verliert?

Und was, wenn es sich wirklich um einen Freund, einen sehr wichtigen Freund, gehandelt hat? Und wenn da nichts mehr ist, wo früher übermäßig viel war. Wo man kaum noch Anhaltspunkte an die gemeinsame Zeit findet? Was, wenn man da nicht einfach sagen kann: ‚Hey! Du! Weißt du, du hast dich so verdammt in die falsche Richtung verändert, dass du mir schön langsam aber sowas von am Arsch vorbeigehst.‘ Warum geht das nicht? Ist es die Hoffnung auf Wiederauferstehung?

Von schlechten Enden (Teil 3)

Und was? Was auch immer. Einen Abschluss, einen Punkt, ein so verdammtes, zerstörendes und verstörendes Ende zu sehen, ist manchmal echt nicht leicht. Oder ist es das überhaupt irgendwann einmal. Aber kann ein Ende wirklich so verdammt lange dauern? Oder klammert man sich ganz einfach irgendwo daran fest, selbst wenn tausende neue Anfänge dir anbieten, dich festzuhalten und zu tragen und zu helfen. Und du Idiot lehnt ständig dankend ab. Ist es das?

Du verstörst mit deinen Worten, mit deinen Taten, deinem Ich. Du. Ziehst große Kreise, atmest tief ein und erkennst immer und immer mal wieder wie dumm doch all das hier anmuten muss. Aus purer Dummheit heraus. Was auch immer.

Fotos: (2) alicepopkorn und (3) Scarleth White

Gänseblümchen.

„Sie liebt mich. Sie liebt mich nicht. Sie liebt mich. Sie liebt mich nicht.“

Die Wiese sieht wundervoll grün aus, jetzt, wo sie den womöglich letzten Schnee für die kommenden acht Monate in sich aufgesogen hat und nun genüsslich in der Frühlingssonne chillt. Und ich darauf mit meinem Buddhatuch, das als letzte große Erinnerung an das Festival far, far away übrig geblieben ist.

„Sie liebt mich. Sie liebt mich nicht. Sie liebt mich. Sie liebt mich nicht.“

Ich bin nicht der Typ für Frühlingsgefühle, wisst ihr. Einerseits aus reiner Erfahrung, andererseits aus der daraus resultierenden Enttäuschung. Und weil wenn, ich ja sowieso diese Gefühle das ganze Jahr über verspüren möchte. Aber vor allem sind es andere Verpflichtungen, die mich nicht ruhen lassen, Dinge, die den Schlafrhythmus fahrlässig einschränken wollen. Und den Kopf overloaden. Also. Frühling. Komm‘ schon.

„Sie liebt mich. Sie liebt mich nicht. Sie liebt mich. Sie liebt mich nicht.“

Komm‘ schon. Zeig‘ mir deine Pärchen. Jene, die vielleicht gerade erst die große Schmetterlingszeit durchmachen, die lächelnd und händchenhaltend herumschwirren. Oder jene, die aufgrund des schönen Wetters ihre Liebe wieder entdeckt haben, die sehen auch lustig aus. Man könnte neidisch werden, findet ihr nicht. Das wievielte Gänseblümchen ist das hier eigentlich?

„Sie liebt mich nicht. Sie liebt mich nicht. Sie liebt mich nicht. Sie liebt mich nicht.“

Und The Shins stolpern hastig via iPod durch meinen Kopf und geben den Wolken die passenden Formen und ich streiche langsam über das junge Gras, rieche den Frühling (mhm, den kann man ernsthaft riechen!) und frage mich immer und immer wieder, was mit mir los ist. Nicht erst jetzt. Schon seit Tagen. Ohne mir je eine Antwort geben zu können.

„Sie liebt mich nicht. Ich liebe sie nicht. Ich liebe mich nicht.“

Looking forward. Die Tage. Ruhe. Ich. Ich. Ich. Ich. Nur ich. Nichts Anderes hier, das mich weiter kaputt machen könnte. Nur ich, der sich vielleicht mal wieder seinen Problemen stellen sollte. Der wieder einmal back to the roots kommen sollte. Um vielleicht irgendwann wieder lieben zu können. Und nicht in der Theorie stecken zu bleiben, weil der Gedanke an die Praxis Angst erzeugt. Verletzbarkeit. Fehler.

„Liebe? Liebe? Liebe! WTF!“

Foto: Peter Heilmann | flickr

Endless Endings.

„Und ich weiß nicht, was ich jetzt tun soll.“

Und das nach ellenlangen Erklärungen, warum die Beziehung schon vor Wochen, oder gar Monaten tot ist oder zumindest in einem komatösen Schlaf, oder beinahe so wie der Zustand zwischen dem Schlucken der Überdosis Schlafpillen und dem Nicht-mehr-Aufwachen sei.

‚Schluss machen. Die Sache beenden. Das Buch schließen. Die Postkarte abschicken. Das wars. Lass‘ es sein. Es hat, wie du ja schon ausführlich erklärt hast, keinen Sinn mehr. Jetzt tust du nur noch dir und deinem Partner, aber vor allem dir weh. Du kannst dir vieles einreden, kannst so tun, als wäre alles pipifein, nur um irgendwann mit einer außergewöhnlich stärkeren Wucht zu kapieren, dass es eben doch nicht so ist.‘

„Hm. Ich weiß auch nicht. Probier‘ es weiter. Vielleicht wird’s ja wieder.“

Und das passiert meistens, wenn man schon seit Jahren sein Bett an manchen Abenden mit dieser einen Person teilt. Wenn man vielleicht sogar schon auf Hochzeiten von Verwandten mit ihr war. Wenn man eigentlich vor allem nur mehr mit ihr in Verbindung gebracht wird. Aus euch zweien eine (vollkommen unpassende und durch und durch verschrobene, autonome) Zweisamkeit geworden ist. Dann will man nicht die Wahrheit hören. Dann will man sie zuallererst selbst einmal erfahren. Will selbst erkennen, dass es keinen Sinn macht (aber sowas von keinen) sich noch einmal in die Sache zu stürzen. Auch wenn alle Freunde es schon Wochen, Monate vorher bemerkten. Manchmal dauert es länger, aber irgendwann kapiert man es und dann wagt man sich auch über den mutigen Schritt, die Verbindung zu kappen.

Und wahrscheinlich liegt es auch an der Angst. Der Angst vor dem Zurück. Vor dem Aufwachen, vollkommen alleine, vor dem Darauf-angesprochen-Werden, vor dem fehlenden Sex. Und da ist man mal einfach zu feig, auf all das zu verzichten. Nimmt dafür das Weiterleben einer kaputten Beziehung in Kauf. Und widerspricht somit all meinen Grundsätzen meiner Theorie des perfekten Moments. Ab einer gewissen Zeitspanne fällt sie aber vielleicht sowieso automatisch flach. Ich weiß es nicht.

Jedenfalls tut diese  mutlose Überbrückung kurzzeitiger Endzeitstimmung niemanden gut. Und man kann sich sicher sein. Irgendwann kommt es zum Showdown. Zum brachial-komischen und in der Magengegend schmerzenden Showdown. Und ja. Dann macht man eindeutig mehr kaputt, als man es eigentlich wollte. Aber hey.

Die Inakzeptanz des Momentwechsels

You know what? I’m done being single, I’m not good at it. Look, obviously you can’t tell a woman you just met that you love her, but it sucks that you can’t.

Ich habe ja schon ausgiebig darüber sinniert, dass das „Ich liebe dich“ viel zu sehr überbewertet und glorifiziert wird, und das – der Wahrheit viel mehr entsprechende – „Ich brauche dich“ noch sehr, sehr selten den Weg in unseren Sprachgebrauch gefunden hat.

Weiters gibt es ja meine Theorie des perfekten Moments. Dass man selbst  für einen kurzen Moment, nennen wir es Tag, Woche, vielleicht sogar Monat, einen Menschen aus ganzem Herzen lieben kannst. Vom tiefsten Grund deiner Sammlung an Gefühlsregungen. Weil man den Menschen zu diesem Zeitpunkt liebt, weil man ihn braucht und weil man manchmal sogar selbst gebraucht wird. Und nur für diesen Moment. Für diese kurze Dauer deines, ihres Lebens ist es genau das. Das, was den Moment perfekt, die Liebe außergewöhnlich, die Zeit erinnerungswürdig macht. Ja, ich mag meine Theorie des perfekten Moments. Wirklich.

No it’s not… You were right. There’s no off switch… God, I wish there was an off switch!

Und dann stolpere ich selbst über die Inakzeptanz des Momentwechsels. Dass  alles abbricht, und alles neu beginnt. Warum das Ganze? For what? Um wieder einmal die falschen Worte, das falsche Lächeln, die falschen Bewegungen zu sagen, zeigen, machen? Um wieder und tausendmal die falsche Entscheidung zu treffen? Um neue Momente nicht mehr zuzulassen? Um mich nur mitunter unglücklicher zu machen? Ich verneige mich vor mir. Wegen dieser unglaublich banal anmutenden Idiotie des aktuellen Seins.

You’re not the one for me.

Ist es das? Diese utopische Suche nach the one? Bin ich wirklich so freaky-awesome-begriffsstutzig? The one kennt keine Theorie des perfekten Moments. Sie kennt kein inflationär gebrauchtes „Ich liebe dich„, oder gar ein „Ich brauche dich“ für Lebensabschnittspartner. Nein. Das bin ich nicht. Oder etwa doch?

Ich weiß es nicht und sehe weiter. Wisst ihr, manchmal, da fühle ich mich ernsthaft etwas gestört. Derzeit zeigt alles auf dieses 30. Juni 2010. Und vielleicht kann ich mich erst dann wieder richtig ernstnehmen. Das ist dumm. Ich weiß. Ich bin mir über die Tragweite des Ichs nach dem Erreichen meiner Ziele bewusst, ihr wahrscheinlich noch nicht. Trotzdem ist es eine Utopie, die mich anspornt. Um die Einfachheit der Vergangenheit wieder zu entfachen. Um mich wieder etwas mehr selbst zu akzeptieren. Es ist verrückt, ich weiß. Aber jetzt sehe ich einfach mal, was sich in den kommenden Monaten so ergibt. Vielleicht mehr, als ich aktuell vermuten mag.

Zitate: How I Met Your Mother (Staffel 1, Episode 1, 2 und 4)
Foto: http://howimetyourmothersource.tumblr.com/

Habe ich mich verirrt?

Du bist ausgestiegen, ich hab‘ dich aussteigen lassen. Wollte dich eigentlich noch behalten, ihn behalten, den Moment. Doch mit dem Knall der zugeschlagenen Autotür weiß ich, dass es vorbei ist. Er vorbei ist. Du drehst dich noch einmal um, dein Blick? Ein Rätsel, wie immer. So oft. Gehst weiter,  zu deinem Haus, deiner Tür, gehst hinein, ich fahre heim.

Fahre los, gebe Gas, ganz langsam. Ich krame in meinen Taschen, suche nach meinen Zigaretten, nach nur einer von ihnen und stecke sie mir in den Mund. Es raschelt und als ich das Feuerzeug gefunden habe und das Fenster leicht geöffnet, erhellt das Licht einer kleinen Flamme den ansonsten lichtscheuen Raum meines Autos. Es ist heiß hier, ist es nicht? Ich gebe Gas, verlasse deine Straße, deinen Ort, deine Stadt. Gebe Gas und vergesse zu bremsen, gebe Gas und vergesse. Zu lenken. Ich kenne den Weg. Kenne den Weg schon genauso gut, wie ich glaube, dich zu kennen. Habe ich mich verirrt?

Lichthupe. Ständig werde ich geblendet. Immer diese Leute, die wohl überall den vollen Überblick behalten wollen und trotzdem so blind und so. Menschlich? Ich möchte bremsen, stehen bleiben, hier in diesem Auto, auf dieser Straße, in diesem Tunnel. Seit wann bin ich im Tunnel? Habe ich irgendetwas versäumt? Es rattert.  Die vorperforierte Mittellinie schubst mich zurück auf meine Seite. Ich wische mir den Schlaf aus meinen Augen und ziehe beständig an dieser Zigarette, und sie wird nicht weniger, und ich werf‘ sie nicht weg. Das leichte Glimmen, es spiegelt sich in der Windschutzscheibe. Du bist nicht mehr da.

Nicht mehr da. Nur ich allein. Auf dieser Straße, in diesem Tunnel, mit diesem Auto. Du hättest mich nicht allein lassen sollen. Hättest mich nicht enttäuschen sollen. Du hättest mir vielleicht nicht gerade heute alles erzählen sollen. Mir erklären, das nichts mehr Sinn macht und wir keine Zukunft haben. Vielleicht hättest du einfach noch etwas warten sollen. Mit der Wahrheit und der Faust und meiner Magengrube. Vielleicht hättest du damit warten müssen …

Sprühende Funken. Ich bin kurz weggenickt und habe die Leitplanke gestreicht, ich reiße herum, bekomme mit der neu gewonnenen Wachheit das Auto gerade noch unter Kontrolle. Es ist spät hier. Eine Träne, ihr Weg, meine Wange. Es ist wohl soweit.

Die menschenleere Bundesstraße verlassen, durchs Ortsgebiet eiern und mit lauter Musik, mit Brüllen, mit Schreien, mit Stille, Piano, Gitarre. Und Tränen. Die Wahrheit scheint akzeptiert.

Nicht schon immer.

Jetzt fahre ich schon 21 Jahre
in diesem verdammten Kreisverkehr
und finde einfach nicht
diese eine, verschissene, richtige Ausfahrt
.

Ein Drittel des Tages verschlafen, ein Drittel des Tages gedöst, ein Drittel des Tages gesurft. Mein Valentinstag 2010. 2009. 2008. Ich halte mich nicht mehr aus, habe eine solche Wut gegen mich im Bauch. Möchte über allem stehen und weiß es, dass es nicht funktionieren wird und kann und vielleicht auch soll. Wenn man nach 3 Jahren (ungewolltem) [verdammten] Singleleben immer noch einen umgedrehten Magen hat, wenn man von knutschenden Pärchen umgeben ist. Vor lauter Neid. Vor lauter Selbstmitleid.

Ich bin. Und das ist wirklich etwas, was ich einerseits nicht verstehe, und andererseits auch gerne verheimliche, seit 3 Jahren Single. Habe vor zweieinhallb Jahren das letzte Mal eine Frau geküsst. Und das wars. Seither jage ich den falschen Lieben hinterher, werde enttäuscht, enttäuschte selbst. Deshalb suche ich seit Monaten nach einem Buckel, einer Riesenwarze auf meiner Nase, überprüfe ob ich eh kein Holzbein habe, und versuche stets, zu eruieren, ob mein Humor noch gesellschaftsfähig ist. Und nein. Ich habe keinen Buckel, keine Riesenwarze, kein Holzbein und bin lustig. Vielleicht bin ich einfach nur …

… einfach nur in dieser einen beschissenen langandauernden furchtbaren verdammten … ja, nennen wir es … Phase. Und leider habe ich mich zu tief mit dieser Phase eingelassen. Habe vergessen, wieder aufzutauchen, Luft zu holen. Es hat lange gedauert, bis ich mich auch nur wieder irgendwie in Richtung Normal gewendet habe. Und dann wieder das. Die Angst vor allem. Keine Ahnung. Wut gegen sich selbst aufgrund des all zu sehr fehlenden Mutes. Ich denke an Abbruch, weil schon zuviel verloren. Da hat man einmal die Erfahrung und wünscht sich, nun alles besser zu machen. Und macht dieselben und noch viele neue Fehler und möchte aufgeben. Hat es denn Sinn?Und dann denkt man wieder nach, wie einfach all das damals war. Wie perfekt abgestimmt und wie wunderschön. Man denkt daran, obwohl man das eigentlich vor mehr als einem Jahr wirklich aufgehört hat. Und so wird alles größer. Alles. Die Probleme, der Unmut. Ihr wisst schon.

Sehe Bilder von mir. Von früher. Und möchte umkehren. Pause. Rewind. Stop. Play. Und diesmal richtig. Möchte zurück, kann es aber nicht. Fühle mich so von ganzem Herzen außergewöhnlich beschissen. Und kann einfach nicht anders.

Nichts mehr mit Heimweh nach Liebeskummer. Nichts mehr mit ‚glücklicher Single‘. Nichts. Eher das Aufbauen neuer Dinge. Neuer Ziele. Und wie schon wieder so oft angekündigt. Veränderung. Und der Kampf. Das Erreichen dieser Ziele. Weil sie mir wieder Mut geben. Mir die Anerkennung verschaffen, auf die ich schon so lange vergebens hoffe. Meine Anerkennung. Gewicht verlieren, Buch schreiben. Kurz gesagt.

Und ja. Ich packe es professioneller an. Werde in Kürze beginnen, mit einem Freund in St. Pölten ein Fitnessstudio zu besuchen. Stelle die Ernährung um. (Eines hatten wir ja schon des Öfteren. Aber nun … ganz neu: Mit Bewegung!)

Und das Buch? Ja, verdammt. Ich arbeite daran, ihr seht, ich komme weiter. Mache mir ständig Gedanken. Habe mir das Ziel gesteckt: Juni 2010. 30. Juni. Muss es erreichen, weil (wie ich hier schon mehrmals schrieb) Herzblut dranklebt. Weil alles dranhängt. Alles, ohne Übertreibung.

Und vielleicht bin ich erst nach dem Erreichen dieser Ziele wieder bereit, zu mir zu stehen. Mutig zu sein. Über meinen Schatten zu springen.

Vielleicht bin ich erst dann wieder im Stande, frohen Mutes einen Fuß vor den anderen zu setzen. Vielleicht klappt es erst dann wieder, und ist wieder zu spät für das eine, aber eine Möglichkeit für so viel anderes. Vielleicht sollte ich einfach nur Nichts  tun und mich verdammt noch mal diese 4 Monate voll und ganz auf mich konzentrieren. Weil ich muss und es brauche und mir das Resultat schließlich verdient habe.

Alles andere würde – verdammt noch  mal – sowas von weh tun. Und nein. Das will ich. Nicht schon wieder. Nicht schon immer.

Alle Fotos: just4ikarus | flickr | 2008

Heimweh nach Liebeskummer.


Klopfklopf.

Nein. Nicht jetzt. Die Decke wird noch einmal bis zur Stirn hochgezogen. Erghpf. Ich bin unausstehlich um diese Uhrzeit, dass sollte ja nun schon hinlänglich bekannt sein. „Hm?“, krächze ich. Verdammt, alles nur Einbildung. Oder vielleicht die letzte Szene meines Traumes.

Ich drücke noch einmal fest die Augen zu, versuche  wieder einzuschlafen. Doch es will und will nicht funktionieren. Der Tag hat jetzt also vollkommen ohne meiner Einwilligung begonnen. Der Decke wird weggeschubst, der falsche Fuß zum Aufstehen benutzt, die herumliegenden Kleidungsstücke zur Bedeckung nackter Stellen in Verwendung genommen. Ein herzhaftes Arrrhmpf um meinen Unmut auszudrücken und schon krieche ich auf allen Zweien die Treppe hoch.

Und doch. Es geht mir gut. Denn aus irgendeinem unerkenntlichen Grund habe ich es wieder einmal. ohne wenig Überredungsgabe geschafft, mich als glücklichen Single dastehen zu lassen. Der ich zwar in so manchen Momenten nicht bin. Aber was bleibt, ist die Aufregung, die Interesse, die Spannung, die Überraschung. Bei jedem neuen Kennenlernen, bei jedem Lächeln von so manchen Menschen.

Und auch wenn da niemand ist, mit dem ich gemeinsam die Decke bis zur Stirn hochziehen kann, und auch niemand, der mit mir den falschen Fuß erwischt und die Kleidungsstücke nach „Du“ und „Ich“ aussortiert. Und auch wenn kein Kuss mich in den Schlaf zaubert und mich eher ein Klopfklopf, als in das Gesicht eines geliebten Menschen zu blicken.

Und auch wenn die letzte Liebe, jene, die vom tiefen Grund meines Herzens schon so lange Zeit zurückliegt, und selbst der letzte Kuss schon Teil der Geschichtsbücher sein müsste. Und selbst wenn ich so manches Mal enttäuscht wurde, und alles irgendwie falsch auslegte. Und enttäuscht wurde. So viele Male enttäuscht. Und ich mir eigentlich sicher bin, dass gerade ich so etwas nicht verdiene. Und mich wahrscheinlich doch nur jeder falsch betrachtet. Und glaubt, etwas zu kennen, was nicht ist.

Und selbst dann. Bin ich ein glücklicher Single. Irgendwie. Teilnahmslos schlurfen meine Füße unter meinem Körper nach, Tür auf, hinein ins Wohnzimmer, auf die Couch. Fernseher an. Ein abschließendes Hmmmmpf zum Abschied und schon erhält der Tag seine wohlverdiente erste Pause.

photocredits: Betsssssy | flickr