Westbahnhof. 23.22 Uhr

Es ist 23.22 Uhr. Ein langer, harter Tag liegt hinter mir. Den ganzen Vormittag und den halben Nachmittag über arbeitete ich an einer Arbeit für die Fachhochschule. Irgendwann dazwischen setze ich mich in den Zug. Nach Wien. Lerne wieder einmal eine Fernsehsendung kennen, genieße das Leben. Mein Leben.

Und jetzt ist es 23.22. Der scheinbar letzte Zug nach St. Pölten. Eine letzte Zigarette bevor ich einsteigen möchte. Ein älterer Mann, sichtlich wankend, nähert sich mir, bittet mich um eine Zigarette. Ich bin da nicht so. Ich gebe eigentlich jedem eine Zigarette. Nur möchte ich dann meistens in Ruhe gelassen werden.

Er beginnt zu reden. Er sei „gerade erst aus dem Häfn“ gekommen. Aus dem Gefängnis also. Ich höre ihm zu, glaube ihm das Ganze auch. Er sieht kaputt aus. Fertig mit der Welt. Irgendwann, nachdem er mir noch zwei weitere Zigaretten abgeschnorrt hat, fragt er mich, ob ich ein Handy besitze. Wofür, war schließlich meine berechtigte Frage. „Die Rettung.“

Ich gebe ihm das Handy, seine nuschelnde, betrunkene Stimme erklärt den Leuten am anderen Ende von seinem Leid. Heroinabhängig, alkoholabhängig, nikotinabhängig. Heute hat er sich zur Abwechslung mal 80 prozentigen Rum injiziert. Er sei ja auf Entzug, auf hartem Entzug. Und jetzt bräuchte er die Rettung.

Das Gespräch ist beendet, ich nehme mein Handy wieder in Gewahrsam. Soll ich jetzt einsteigen? Nein. So gern ich das wohl tun würde, ich kann es nicht. Kann jetzt nicht einfach einsteigen und den Typen da draußen, in seinem grellgelben T-Shirt sitzen, stehen oder liegen lassen.

Wir setzen uns hin, wankenden Schrittes er vor mir, ich folge ihm. Hier warten wir auf die Rettung. Er fragt mich erneut und mehrmals um Zigaretten und schön langsam wird mir um den Restbestand meines Päckchens Leid. Aber nein. Natürlich gebe ich ihm sie.

Er wiederholt sich die ganze Zeit. Erzählt mir seine Geschichte immer und immer wieder. Manchmal mit ein paar neuen Informationen. Zuletzt hat er sich ins Koma gesoffen, für drei Wochen. War scheinbar deshalb auch im Gefängnis. Und von nun an beginnt er immer und immer zu sagen, dass es wohl das Gescheiteste wäre, er würde sich hier vor einen Zug werfen.

Weil er eh nutzlos sei. Ich verneine. Immer und immer wieder. Nein, du bist nicht nutzlos (wir duzen uns seit wir uns kennen). Niemand ist nutzlos. Nein, das machst du nicht. Ach, nein. Nicht heute und nicht jetzt. Wahrscheinlich hätte ich ihm, diesem Unbekannten, der mir seit 23.22 Uhr das Leben schwerer macht, als ich es mir kurzfristig erwartet habe, es nie verziehen, wenn er sich vor meinen Augen vor irgendeinen Zug geworfen hätte. Vielleicht ist das egoistisch. Aber egal.

Immer wieder erzählt er mir seine Geschichte und immer wieder meint er, dass die Sich-vor-den-Zug-Werf-Idee die Lösung für alles sei. Er hat scheinbar wegen dem Gefängnis seine Unterkunft verloren, und seinen Job. Ich wage zu behaupten, dass er den Job entweder sowieso schon länger nicht mehr hatte, und vielleicht nicht nur sein Gefängnisaufenthalt Grund dafür waren. Ihn brauche hier niemand, er ist nur unnütz.

Und ich beginne mich zu fragen. Vielleicht hat er Recht. Vielleicht nützt er hier niemanden mehr. Vielleicht hat er keine Eltern mehr, oder Eltern, die sich von ihm abgewendet haben. Vielleicht hat er keine Freunde mehr, oder Freunde, die nur aus bösem Schein und dem Sumpf aus Drogen entsprungen sind. Vielleicht sieht er keinen Sinn mehr in seinem Leben. Nein. Er sieht definitiv keinen Sinn mehr. Aber trotzdem dürfe er das nicht tun.

Sein Leben wegwerfen. Ist es banal, bei einem Leben wie dem seinen, immer noch für eine Kehrtwende zu hoffen? Für einen Weg zurück zum „normalen“ Leben. Ohne Drogen, hartem Entzug, intravenösem Alkohol oder was auch immer? Ich weiß es nicht.

Irgendwann, nach 15 Minuten ungefähr kommen die zwei  Rettungsleute den langen Bahnsteig 5 vorgeschritten. Ich möchte auf sie zugehen, ihnen erklären, was los ist, und sie gehen nur vorbei. Lassen sich kaum auf Gespräche ein, wirken unfreundlich. Und nehmen ihn mit, bringen ihn in irgendein verdammtes Krankenhaus, das ihm wieder einmal kurrzzeitig helfen wird, oder es zumindest versucht, dass er mal wieder klar sieht.

Mein Herz schlägt von den Zehenspitzen bis zu den Ohren. Er winkt mir noch einmal zu, während er beginnt, den Rettungsleuten zum ersten Mal von seiner Geschichte zu erzählen. Sie werden ihm nicht zuhören, das weiß ich. Sie werden ihn einfach nur in einem Krankenhaus abliefern, das ist ihre Aufgabe. Und irgendwie fühlt es sich gut an, dass ich, für diese 15 Minuten bei ihm sein konnte, ihm zuhörte und immer und immer wieder beschwichtigte, dass es nicht richtig sei, wenn er sich vor einen Zug werfe

Ich kenne nun seine Geschichte und glaube, dass ich sie auch nicht sehr schnell vergessen werde. „Du bist noch einer dieser Menschen, die helfen. Die für einen da sind.“ hat er einmal zu mir gesagt. „Das ist doch normal. Das macht man eben so.“, sagte ich. Ohne zu bemerken, dass hinter uns ständig unzählige Leute vorbeigingen, die sich angewidert abwendeten. Klar. Ich hätte das auch getan, wäre ich ihm nach der ersten Zigarette entkommen. Jetzt bin ich froh, dass ich das nicht bin.

Und während er womöglich immer noch träumt, sich vor einen Zug zu werfen um all dem Elend ein Ende zu setzen,  träume ich für ihn weiter. Träume, dass alles wieder gut wird. So utopisch der Traum auch wirken mag. Es wäre eine Zumutung, wenn man nicht davon träumen würde.

Foto: David Leggett | flickr

Und weißt du.

Manchmal, da suche ich so einen gewissen besonderen Ort. Einen Ort, den nur ich kenne. Und du. Wo wir hingehen könnten, ich mit dir an meiner Hand, durch die Nacht, alleine. Gemeinsam.

Und dann würden wir uns dort hinsetzen, unsere Jacken würden wir hinlegen, zwischen dem Boden und uns, damit wir nicht frieren, in dieser Nacht, mit all den Sternen und dem Mond, der irgendwo hinter dem Baum zu verschwinden versucht.

Und ich hätte deine Hand bis jetzt noch nicht losgelassen und begonnen, deine Augen zu suchen. Um dir mit geringer Berührung unendlich nahe zu sein. Du würdest mich ansehen und wir würden lächeln. Bis ich auf die Stille zu warten beginnen würde.

Und dann würde ich es dir sagen. Was ich fühle. Was du für mich bist. Warum du. Und wer ich denn überhaupt bin. Ich würde all das sagen, was mir seit Tagen und Wochen, ja, nun schon seit Monaten herumschwirrt. Was ich nicht zu sagen wagte, weil es nicht der richtige Ort war.

Was ich nicht zu sagen wagte, weil wir nicht allein waren. Weil ich es dir persönlich sagen möchte. Am Liebsten würde ich dir ja eine Mail schreiben, eine lange SMS oder gar einen Brief. In dieser Form kann ich mit Worten am Besten umgehen. Aber nein. Ich würde es dir persönlich sagen. Um die volle Bombastität der Reaktion abzubekommen.

Und weißt du. Manchmal. Ja. Manchmal ärgere ich mich darüber den Großteil meines Lebens im Konjunktiv 2 zu erleben.

Foto: maic2010 | flickr

And the rain.

Und der Regen. Wie er nun schon seit Tagen hier herunter träufelt und die vor Kurzem im Zuge eines Wahnes frisch geputzten Fenster unnötig befeuchtet. Du gehst mir nicht aus dem Kopf, weißt du. Und du bist nicht alleine dort. Ich höre nicht auf zu denken, und denke so unglaublich verdammt viel.

Und manchmal stelle ich mir auch immer wieder vor, was passieren, wird, wenn wir uns das nächste Mal sehen würden. Was ich dabei anziehen würde, ob ich mir vorher noch Zigaretten kaufen würde, und ob ich noch irgendetwas mit meinen Haaren machen würde. Ich weiß es bis heute nicht.

Und natürlich überlege ich auch, was ich zu dir sagen würde. Meine Zunge stolpert über die perfekten Worte für genau diesen Moment, doch ich verliere mich in Ungereimtheiten. Störe mich am Kopfchaos und schweige einfach so verdammt bescheuert weiter, obwohl doch alles so furchtbar schön durchgeplant ist.

Es wird nicht klappen und wahrscheinlich soll es auch gar nicht klappen. Vielleicht hängt doch viel zu viel Nichts an dieser ganzen Sache. Ein großer Batzen Dummheit natürlich inbegriffen. Und draußen regnet es immer noch. Seit Tagen nun schon. Das Zimmer ist dunkel, die Zigaretten griffbereit. Wahrscheinlich die beste Zeit, um sich Gedanken zu machen. Wahrscheinlich die schlimmste Zeit für mich.

Foto: silent shot | flickr

Ich deine Schlaflosigkeit. Du meine Kopfschmerzen.

Und ich will deine Schlaflosigkeit sein und du meine Kopfschmerzen. Wir beide wären so emsig und unbändig, dass wir wohl schnell schon an uns verzweifeln würden. Verzweifeln, oder beginnen mit all diesen neuen Bedingungen und unseren veränderten Umständen zurecht zu kommen.

Du solltest über mich fluchen, mich verfluchen. ‚Du zerstörst mein Leben!‘ sollst du rufen und hilfesuchend um dich blicken und du schwörst dir, dass … wenn du mich jemals in die Hände kriegst. Und ich werde dich bekämpfen. Mit Kopfschmerztabletten, die aufgrund ihrer Dauerhaftigkeit mehr und mehr an Wirkung verlieren und auf stärkeres Zeug umsteige um dich endlich aus meinem Kopf zu kriegen. Vergeblich.

Und wir werden uns verfolgen, uns zermartern, der Hass wird stetig steigen und irgendwann vergessen wir uns. Wir vergessen uns, du deine Schlaflosigkeit, ich meine Kopfschmerzen. Wir erinnern uns nicht mehr an uns und werden verrückt, weil all das hier kaum Anlass zu irgendetwas Anderem bietet.

Und wenn ich von diesem kalten, eisernen und windigen Platz am Bahnsteig aufstehen würde, und entgegen aller Warnungen á la „Vorsicht auf Bahngleis 6: Zug fährt durch“ einfach mal unvorsichtig wäre. Und du dir mit deinem Auto einen unfairen Kampf gegen einen Baum lieferst. Dann wären wir verschwunden und schließlich vereint. Wären vereint, schmerzlos, schlaflos, schwerelos.

Und? Was hältst du von meinem Plan?

Endlich unewig.

Und ich wollte dir noch „Auf Wiedersehen“ nachrufen, doch … es war nur ein Zwinkern, ein Fussel im Auge, ein Versuch die Welt auch nur annähernd zu verstehen und du warst weg. Nicht mal eine Sekunde oder was weiß ich. Du warst ganz einfach weg, verschwunden aus dieser Welt, hängengeblieben nur in Worten, in Bildern, Erinnerungen. In mir.

Ich versuche zu halten, zu verstehen, zu akzeptieren. Versuche stehen zu bleiben, Halt zu suchen, doch die Zeit, sie ruft. Lässt nicht warten, schiebt an, keine Worte der Beruhigung, keine Spur der Ruhe. Alles rotiert und pulsiert und manövriert mich weiter hinein in diesen Moloch aus Welt und ihr und ich und du.

Sie nahmen uns alles, unsere Vergangenheit und das Jetzt. Und natürlich das wohl Schmerzhafteste: Unsere Zukunft. Alles, was wir erträumten, alle Gedanken, die wir wie eine Tonvase am drehenden Teller zu formen versuchten, alles war verschwunden. Aufgesogen von diesen schwammigen Erinnerungen an unsere schwammige Zweisamkeit und der Idee, dass es für immer so bleiben sollte. Für immer und auf ewig.

Ich hasse die Ewigkeit und das langsame Voranschreiten. Von all dem Neuen, auf das sich das Warten wohl kaum lohnen würde. Wir waren vereint in der Unendlichkeit, für immer zu zweit, kein Raum zwischen uns, nur wir. Deine Wärme und meine Achtsamkeit und nur wir und nur das. Nur das und nichts Anderes. Nur das.

Aber die Unendlichkeit ist endlich, die Ewigkeit unewig. Das wir wurde zu einem ich und das wurde anders. Ganz anders als ich es mir jemals vorgestellt habe, es jemals wagte. Du fehlst.

Einseitiges Glück, du.

Es sind manchmal nur die ganz kleinen Dinge, die einen nachdenken lassen, über die Unsinnigkeit mancher Sinnigkeiten. Wenn Überraschungen eintreten und in Momenten des Entzückens daraus resultierend ein leichtes Lächeln sichtbar wird. Aber es bleibt oft nicht lange so. Nicht wirklich.

Glück. Erfolg. Oder was auch immer. Alles in diesem Metier ist sowas von beschissen blauäugig und banal prekär. Denn … ist es euch schon mal aufgefallen? Jedes, jedes verdammte Mal, wenn ein Schauer von Glück oder Erfolg es schafft, eine passende Pointe auf all die vernachlässigungswürdigen, dürftigen vergangenen Tage und Wochen zu basteln, kommt jemand und stößt dieses Schloss um. Dieses Luftschloss, welches zuvor nicht mal annähernd nach Luft aussah.

Ist es wirklich so, dass man mit jedem Glück, mit jedem Erfolg, welcher einem ganz persönlich, alleine widerfährt, irgendjemanden da draußen enttäuscht? Wenn ich so zurückdenke, an Glücksmomente. Ja. Es ist wohl wirklich so.

Aber muss man deshalb darauf verzichten? Muss man deshalb eingeschüchtert sein, sich fragen, ob man das überhaupt verdient hat, und ob das jetzt nun so gut ist, wie es ist? Nein. Man sollte Arschloch sein, und seinen Ego-Trip durchziehen. Ich bin nicht so der Profi darin, egoistisch zu sein. Selbst wenn das nur bedeuten würde, dass ich mein Glück ganz einfach nur genießen würde. Ich schaff‘ das nicht.

Überhaupt fehlt mir irgendwie das Arschloch-Gen. Ich enttäusche Menschen nicht aufgrund tiefliegender Arschlöchigkeit, sondern aus angeborener Unfähigkeit. Unfähigkeit, abzuschätzen. Unfähigkeit, meinen Wünschen, meinen Vorstellungen Gestalt annehmen zu lassen.

Aber nur, weil dieses Glück so furchtbar einseitig ist, und die Enttäuschungen der anderen an mir nagen wie Biber an frischem Holz, will ich darauf nicht verzichten. Wär‘ ja auch verdammt blöd, nicht wahr?

Foto: elward-photography | flickr

Von schlechten Enden. (Die Trilogie)

Von schlechten Enden (Teil 1)

Schon mal von einem halbwegs guten Film in den letzten 10 Minuten maßlos enttäuscht worden? So sehr, dass man im Nachhinein beinahe den ganzen Film irgendwie total verflucht und den Drehbuchautor verdammen und den Continuity-Aufpasser eine Ohrfeige geben möchte? Weil das Ende nichts mit Kontinuität zu tun hat, sondern aber sowas von gar nicht hierher passt und dem Film alles (ja, ich sage: ALLES) nimmt. So geschehen bei Remember Me. (>)

Aber die Leute stehen drauf. Man mag es sehen, wie man will. Mir ist aber immer noch ein Coming-of-Age-Geniestreich wie Garden State, der so wunderbar unvorhersehbar vorhersehbar ist, lieber. Oder diese sogenannten Mindfuck-Filmchen wie das Masterpiece Die üblichen Verdächigen (da fuckt man mir 10 Minuten vor Schluss meine Mind, und dann 5 Minuten vorher noch einmal). Aber nicht so ein aufgesetztes Tragikface, dass dem Film den gesamten Charme stiehlt. (Und ja. Ich kann mich ernsthaft über so etwas ärgern.)

Von schlechten Enden (Teil 2)

Ich glaube ja, das bin nur ich. Nur ich bin so, dass ich mit der fortschreitenden Entwicklung meines Ichs unfähiger werde, Dinge zu beenden. Gefühle zum Beispiel. Oder maßlos uninteressanter Konversationen. Oder im Sand verlaufene Gehversuche. Oder zerstörte Freundschaften. Oder auch Bekanntschaften, die wir stets wie Freunde aussehen lassen.

Freunde haben Freunde und wenn Freunde Freunde mitnehmen, werden sie zwangsläufig zu besseren Bekannten, manchmal auch wiederum zu Freunden. Aber nicht, weil man für sie <pathos>sterben würde</pathos>, nein. Nur, weil man sie ungefähr genauso oft sieht, wie man eben Freunde nunmal sieht. Und trotzdem spürt man innen drinnen dieses unabdingbare Ding namens Abneigung. Ist das hart? Freund zu spielen? So lange, bis man sich aus dem Weg geht? Bis man sich aus den Augen verliert?

Und was, wenn es sich wirklich um einen Freund, einen sehr wichtigen Freund, gehandelt hat? Und wenn da nichts mehr ist, wo früher übermäßig viel war. Wo man kaum noch Anhaltspunkte an die gemeinsame Zeit findet? Was, wenn man da nicht einfach sagen kann: ‚Hey! Du! Weißt du, du hast dich so verdammt in die falsche Richtung verändert, dass du mir schön langsam aber sowas von am Arsch vorbeigehst.‘ Warum geht das nicht? Ist es die Hoffnung auf Wiederauferstehung?

Von schlechten Enden (Teil 3)

Und was? Was auch immer. Einen Abschluss, einen Punkt, ein so verdammtes, zerstörendes und verstörendes Ende zu sehen, ist manchmal echt nicht leicht. Oder ist es das überhaupt irgendwann einmal. Aber kann ein Ende wirklich so verdammt lange dauern? Oder klammert man sich ganz einfach irgendwo daran fest, selbst wenn tausende neue Anfänge dir anbieten, dich festzuhalten und zu tragen und zu helfen. Und du Idiot lehnt ständig dankend ab. Ist es das?

Du verstörst mit deinen Worten, mit deinen Taten, deinem Ich. Du. Ziehst große Kreise, atmest tief ein und erkennst immer und immer mal wieder wie dumm doch all das hier anmuten muss. Aus purer Dummheit heraus. Was auch immer.

Fotos: (2) alicepopkorn und (3) Scarleth White

Endless Endings.

„Und ich weiß nicht, was ich jetzt tun soll.“

Und das nach ellenlangen Erklärungen, warum die Beziehung schon vor Wochen, oder gar Monaten tot ist oder zumindest in einem komatösen Schlaf, oder beinahe so wie der Zustand zwischen dem Schlucken der Überdosis Schlafpillen und dem Nicht-mehr-Aufwachen sei.

‚Schluss machen. Die Sache beenden. Das Buch schließen. Die Postkarte abschicken. Das wars. Lass‘ es sein. Es hat, wie du ja schon ausführlich erklärt hast, keinen Sinn mehr. Jetzt tust du nur noch dir und deinem Partner, aber vor allem dir weh. Du kannst dir vieles einreden, kannst so tun, als wäre alles pipifein, nur um irgendwann mit einer außergewöhnlich stärkeren Wucht zu kapieren, dass es eben doch nicht so ist.‘

„Hm. Ich weiß auch nicht. Probier‘ es weiter. Vielleicht wird’s ja wieder.“

Und das passiert meistens, wenn man schon seit Jahren sein Bett an manchen Abenden mit dieser einen Person teilt. Wenn man vielleicht sogar schon auf Hochzeiten von Verwandten mit ihr war. Wenn man eigentlich vor allem nur mehr mit ihr in Verbindung gebracht wird. Aus euch zweien eine (vollkommen unpassende und durch und durch verschrobene, autonome) Zweisamkeit geworden ist. Dann will man nicht die Wahrheit hören. Dann will man sie zuallererst selbst einmal erfahren. Will selbst erkennen, dass es keinen Sinn macht (aber sowas von keinen) sich noch einmal in die Sache zu stürzen. Auch wenn alle Freunde es schon Wochen, Monate vorher bemerkten. Manchmal dauert es länger, aber irgendwann kapiert man es und dann wagt man sich auch über den mutigen Schritt, die Verbindung zu kappen.

Und wahrscheinlich liegt es auch an der Angst. Der Angst vor dem Zurück. Vor dem Aufwachen, vollkommen alleine, vor dem Darauf-angesprochen-Werden, vor dem fehlenden Sex. Und da ist man mal einfach zu feig, auf all das zu verzichten. Nimmt dafür das Weiterleben einer kaputten Beziehung in Kauf. Und widerspricht somit all meinen Grundsätzen meiner Theorie des perfekten Moments. Ab einer gewissen Zeitspanne fällt sie aber vielleicht sowieso automatisch flach. Ich weiß es nicht.

Jedenfalls tut diese  mutlose Überbrückung kurzzeitiger Endzeitstimmung niemanden gut. Und man kann sich sicher sein. Irgendwann kommt es zum Showdown. Zum brachial-komischen und in der Magengegend schmerzenden Showdown. Und ja. Dann macht man eindeutig mehr kaputt, als man es eigentlich wollte. Aber hey.

Leserlich.

Axolotl Roadkill
Helene Hegemann
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Drogen. Rausch. Sex. Schmerz

Strobo
Airen
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Drogen. Techno. Sex. Mut

Und im Zweifel für dich selbst
Elisabeth Rank
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Leben. Liebe. Ende. Anfang

I am Airen Man
Airen
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Drogen. Rausch. Mexico. Airen (27.03.2010)

Oh ja.
Ich lese wieder. Endlich.

Und nun ein Aufruf: Welche BloggerInnen oder Twitter-User kennt ihr, die einen Roman geschrieben haben? Ich würde sie alle gerne in einem Blogeintrag zusammenfassen. Beinahe so als Sammlung aller relevanten BloggerInnen-Werke. Ihr kennt jemanden? Dann bitte als Kommentar posten!

Die Inakzeptanz des Momentwechsels

You know what? I’m done being single, I’m not good at it. Look, obviously you can’t tell a woman you just met that you love her, but it sucks that you can’t.

Ich habe ja schon ausgiebig darüber sinniert, dass das „Ich liebe dich“ viel zu sehr überbewertet und glorifiziert wird, und das – der Wahrheit viel mehr entsprechende – „Ich brauche dich“ noch sehr, sehr selten den Weg in unseren Sprachgebrauch gefunden hat.

Weiters gibt es ja meine Theorie des perfekten Moments. Dass man selbst  für einen kurzen Moment, nennen wir es Tag, Woche, vielleicht sogar Monat, einen Menschen aus ganzem Herzen lieben kannst. Vom tiefsten Grund deiner Sammlung an Gefühlsregungen. Weil man den Menschen zu diesem Zeitpunkt liebt, weil man ihn braucht und weil man manchmal sogar selbst gebraucht wird. Und nur für diesen Moment. Für diese kurze Dauer deines, ihres Lebens ist es genau das. Das, was den Moment perfekt, die Liebe außergewöhnlich, die Zeit erinnerungswürdig macht. Ja, ich mag meine Theorie des perfekten Moments. Wirklich.

No it’s not… You were right. There’s no off switch… God, I wish there was an off switch!

Und dann stolpere ich selbst über die Inakzeptanz des Momentwechsels. Dass  alles abbricht, und alles neu beginnt. Warum das Ganze? For what? Um wieder einmal die falschen Worte, das falsche Lächeln, die falschen Bewegungen zu sagen, zeigen, machen? Um wieder und tausendmal die falsche Entscheidung zu treffen? Um neue Momente nicht mehr zuzulassen? Um mich nur mitunter unglücklicher zu machen? Ich verneige mich vor mir. Wegen dieser unglaublich banal anmutenden Idiotie des aktuellen Seins.

You’re not the one for me.

Ist es das? Diese utopische Suche nach the one? Bin ich wirklich so freaky-awesome-begriffsstutzig? The one kennt keine Theorie des perfekten Moments. Sie kennt kein inflationär gebrauchtes „Ich liebe dich„, oder gar ein „Ich brauche dich“ für Lebensabschnittspartner. Nein. Das bin ich nicht. Oder etwa doch?

Ich weiß es nicht und sehe weiter. Wisst ihr, manchmal, da fühle ich mich ernsthaft etwas gestört. Derzeit zeigt alles auf dieses 30. Juni 2010. Und vielleicht kann ich mich erst dann wieder richtig ernstnehmen. Das ist dumm. Ich weiß. Ich bin mir über die Tragweite des Ichs nach dem Erreichen meiner Ziele bewusst, ihr wahrscheinlich noch nicht. Trotzdem ist es eine Utopie, die mich anspornt. Um die Einfachheit der Vergangenheit wieder zu entfachen. Um mich wieder etwas mehr selbst zu akzeptieren. Es ist verrückt, ich weiß. Aber jetzt sehe ich einfach mal, was sich in den kommenden Monaten so ergibt. Vielleicht mehr, als ich aktuell vermuten mag.

Zitate: How I Met Your Mother (Staffel 1, Episode 1, 2 und 4)
Foto: http://howimetyourmothersource.tumblr.com/