Now. At Last.

Liebe

Während meiner gezwungen einsamen Stunden, versuche ich mich immer abzulenken. Von meinem Leben ablenken. Das ist mein Wunsch. Ich lese Bücher. Sehe fern. Oder laufe mit Ohrtstöpseln durchs Leben. Und immer wieder komme ich auf mein Leben zurück. In einigen Songs stecken so viele Erinnerungen. Die TV-Anstalten senden wohl nur mehr anspruchslose, aber wunderschön kitschige Liebesfilme. Und selbst Houllebecq schreibt manchmal auch von Zärtlichkeiten. Und dann fühle ich mich noch einsamer. Dann scheine ich wirklich am Höhepunkt (oder Tiefpunkt, wie man es eben sehen will) meiner Einsamkeit angelangt zu sein.

Und wenn ich es dann endlich mal wieder einsehe, dass es keinen Sinn macht, mich von meinem Leben abzulenken, lege ich mich meistens in mein Bett, oder lehne mich neuerdings auch im Zug zurück. Und denke einfach mal nach. Frage mich, warum ich hier so alleine bin. In einem Zug voller Menschen. Viele in meinem Alter. Einige, öfter auch Mädchen nehmen immer mal wieder Blickkontakt mit mir auf. Ich auch manchmal mit ihnen. Aber warum sitze ich einfach nur hier, und frage mich, warum es jetzt so ist, wie es ist. Warum es nicht anders sein könnte. Versinke in einem Sumpf. Nur ich, meine Vergangenheit und mein Leben. Erinnere mich an meine Verliebtheiten. Erinnere mich an Zärtlichkeiten. An Küsse. An Sex. An das Gefühl, wenn die Hand einer Frau über deinen Körper streicht. Das Gefühl, Haut an Haut in einem Bett zu liegen. Und dann, nach einem letzten Kuss am Nacken einschläft. Während einem die ganze Zeit das Herz pocht. An solche Gefühle denke ich.

Und ich sehne mich nach ihnen. Ich denke an meine Verliebtheiten. Und an die wirkliche Liebe. An das tiefe Gefühl innen drin. Denke an all die Erinnerungen. Die Tage, an denen wir die Sterne beobachtet haben. Die Tage, an denen wir stritten. Die Tage, an denen wir uns küssten. Und die Tage, an denen wir uns nicht sahen. An unsere Tage. Ich würde alles wieder in Kauf nehmen. Nicht mit ihr. Aber wäre ich wieder in einer Beziehung, ich würde es wahrscheinlich wieder zu lassen. Dass der Schmerz an mir hängen bleibt, die Gedanken in meinem Kopf rotieren und ich zuhause in meinem Zweifel versinke. Ich würde es wieder tun. Für all die Zärtlichkeiten, für diese Gefühle, für die Küsse. Und für die Gewissheit, dass es Liebe sein könnte. Unbändige Liebe. Ich betone, dass es diese Liebe nur sein könnte. Ganz sicher ist man sich ja erst, wenn man es spürt. Ganz tief drinnen. Ganz tief.

Ich sehne mich danach. Obwohl ich weiß, dass man noch nie etwas erzwingen konnte. Außer eben früher, als man als Frau einfach verheiratet wurde. Ob daraus eine Liebe oder eine Unterdrückung entstand, war dann eben die alles entscheidende Frage. Meistens, denke ich, nicht. Ich kann mich nicht auf die Suche nach einer Frau für mich machen. Sie steht metaphorisch gesprochen, irgendwann vor meiner Tür. Ohne Vorwarnung. Schon klar. Aber ich will ja auch nicht warten, bis es klingelt. Soll ich in die Welt hinausgehen? Dort warten? Wenn das so leicht wäre. Es tut viel oft einfach viel zu weh, all die Paare zu sehen. Im Freundeskreis. Im Heimatort. Im Zug. Im Leben. Und ein einziger, so scheint es, sitzt nachts alleine zuhause. Teilt sich sein Bett mit einer Bettdecke, sonst niemanden. Das tut manchmal weh. Und zeigt mir mal wieder meine Einsamkeit.

Was also tun? Erinnerungen aufrecht erhalten. Hoffen. Warten. Wünschen. Tagebuch schreiben. Lesen. Fernsehen. Musik hören? Now, at last, fühle ich mich immer noch einsam. Sehne mich. Es hilft also alles nichts.


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Ein Gedanke zu „Now. At Last.“

  1. ‚Die TV-Anstalten senden wohl nur mehr anspruchslose, aber wunderschön kitschige Liebesfilme.‘
    Bei mir nicht. Ich suche die ganze Fernsehzeitung ab, weil ich sowas irgendwie mal wieder bräuchte. Und alles, was läuft, sind Actionfilme oder blöde Sci-Fi-Filme.

    Na ja. Zum eigentlichen Thema kann ich wenig sagen, weil das Einzige, was mir einfällt, sowas wäre wie ‚Abwarten, sie kommt schon irgendwann‘, aber leider bist du so weit ja auch schon… Aber: Eine Beziehung ist auch nicht alles… Zu Single-Zeiten kommt es einem wohl so vor, als wären alle Probleme automatisch gelöst, wenn man eben nicht mehr alleine ist. Leider geht der Rest des Lebens dann trotzdem weiter…

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