
Der Rückzieher.
Was würde es uns nur alle gut tun, wenn wir sehen würden, warum wir so sind, wie wir sind. Warum wir zu anderen so sind, wie wir vorgeben zu sein. Wenn wir verstehen, warum wir uns manchmal anschreien, und warum wir andererseits miteinander Träume verwirklichen möchten. Warum der eine lästig ist, wenn er nach Hause kommt, und der andere das Sorgenfänger, der Traumfänger für Sorgen ist. Was würde es uns nur gut tun. Einmal darüber zu reden, wie es wäre, Familie zu leben.
Heute, von 18 Uhr bis 20 Uhr, wäre der Termin gewesen. Es haben alle irgendwie zugesagt. Ich habe es ihnen vor einer Woche gesagt, und dann nicht mehr davon gesprochen. Viele Gedanken habe ich mir darüber gemacht. Wie es sein wird. Wer überrascht, wer erschrocken, wer desillusioniert sein wird. Und irgendwie hatte ich auch Angst. Angst vor der Wahrheit. Und Angst vor dem Erkennen jener.
Gestern der Streit mit meinem Vater, das Ausarten von hineingefressenen Frustmomenten. Heute der Anruf meiner Schwester, dass sie mit sehr starken Kopfschmerzen in ihrem Berufs-Ausbildungskurs sitzt. Denken, dass mein Vater sowieso nach dem Tag, dem Vorfall gestern, nicht mitkommen würde. Meiner Schwester sagen, dass sie sich lieber ins Bett legen soll, ich würde das schon auf nächste Woche verschieben. Fünfzehn Minuten später der Anruf meines Vaters. Wann das denn heute wäre. Es ist heute nicht. Meine Antwort.
Okay, es gibt einen guten Grund, warum wir es verschoben haben. Die Kopfschmerzen meiner Schwester. Aber trotzdem scheint genauso meine Angst mitzuspielen, die das Ganze lieber schnell verschiebt, als dass sie nach anderen Lösungsvorschlägen sucht. Und es hat mich überrascht. Nach allem, was ich meinen Vater genannt habe, fragt er mich heute doch glatt, wann denn die Familientherapie sei. Irgendetwas muss ihm also daran liegen. Irgendetwas. Mehr, als ich wahrscheinlich erkennen kann. So werde ich heute in eine normale Therapiesitzung gehen. Werde über mich reden. Und über alles mögliche. So wie immer. Unser Familienschrottplatz rotiert hingegen noch eine Woche weiter. Ohne die klitzekleinste Veränderung.

manche menschen mögen es als feige bezeichnen… aber was, wenn die zeit einfach noch nicht hundertprozentig dafür reif war. nächste woche ist vielleicht sehr viel besser.
Während der Therapiesitung, meiner eigenen höchstpersönlich, haben wir einmal beschlossen, eine Familiensitzung auf Eis zu legen. Weil sich wahrscheinlich wir alle vier etwas Unterschiedliches erwarten. Ich das Hinbiegen der Familie, meine Eltern die gemeinsame Trauerverarbeitung. Meine Schwester wahrscheinlich auch. Und so werde ich mir erst Mal meiner Rolle in der Familie bewusst.
gute idee. vielleicht is die zeit einfach noch nicht gekommen.