Anders. Als Gedacht.

Alleine zuhause. Die Musik und die Dunkelheit. Ein wie der Dreck unter den Fingern ist auch sie hier. Die Melancholie.

Der Körper fühlt sich warm an. Fast unmerklich ging dieser Abend an mir vorüber. Dass meine Haare von heraufsprühendem Schnee durchnässt war, oder Kälte von unten in die Snowboardhose hineinkroch. Heute mal wieder. Elisabeth, Susanne, Stefan und Lukas gesehen. Spontanaktion mit Schlitten und Berg. Interessant kurvige Anreise, lange, beschwerlicher Weg bis zum Abfahrtspunkt. Und einige spektakuläre Stürze. Es war großartig, einzigartig, wunderbar. Ich habe diese Zeit, das gemütliche Zusammenhocken auf drei Schlitten, und die Rauchpausen und alles genossen. Die Unbeschwertheit der früheren Jahre unserer Freundschaft kehrten zurück. Für einen kurzen Moment. Der irgendwie lange anhält.

Kurz davor, der Weihnachtskaffee bei meiner Oma. Mit so vielen Verwandten, Menschen, die ich liebe und brauche. Die für mich da sind, wenn ich sie brauche. Und für die auch ich da wäre, wenn sie hilfefragend zu mir kommen würden. Spaß, und Sebastian. Dieser kleine Sonnenschein. Anfangs dachte ich, es wäre schwer, ihn so zu sehen. Ein Jahr älter als unser Timi. Doch schon wenige Tage nach dem Tod war das Spielen mit ihm eine schöne Zeit. Gute Ablenkung. Es ist doch alles irgendwie immer anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Es war schön, wieder einmal Manuela und Ernst zu sehen. Und die kleine Luisa im Bauch meiner Cousine. Auf die ich, sobald ich in Wien studieren werde, aufpassen werde. So oft es mir möglich ist.

Gestern der eher spontane nachgeschobene Besuch bei meiner anderen Großmutter, im Mühlviertel, einem der obersten Stückchen von Österreich. Mehr als eineinhalb Stunden Anfahrt. Es war wieder einmal schön, meine Oma zu sehen. Zu sehen, dass es ihr gut geht, und sie besser als beim letzten Mal aussieht. Verwirrt ist sie immer noch, aber der Kontakt zu ihr, die spärlichen Besuche, maximal drei Mal im Jahr, lassen mich immer mehr wünschen, mehr Zeit mit ihr verbracht zu haben. Früher, als sie noch woanders wohnte, als alles noch so anders war. Auch meine Tanten und meine Onkeln. Schön, wieder einmal diesen Hauch von Familie väterlicherseits zu spüren.

Und morgen die Bescherung bei meiner Oma mütterlicherseits. Schwer wird es werden. Anders. Anders als wir es uns noch vor zwei Monaten vorgestellt hatten. Ein Mensch wird fehlen. Er fehlt uns schon so lange Zeit, und gerade ein Fest wie dieses lässt vieles wieder aufflackern. Morgen wird sicher geweint. Das ist natürlich nicht schlimm. Nur eben anders, als wir alle es uns vorgestellt haben. Dieser Gedanke inspiriert mich übrigens auch gerade zu einer Geschichte. Die ich vielleicht heute, vielleicht morgen schreiben werde.

Jetzt sitze ich zuhause. Die nassen Schuhe, die kalte Hose ausgezogen, in meinen warmen Norweger-Pullover eingehüllt. Den Tönen von Ray LaMontagne und Remy Zero lauschend. Mit dieser sanften Musik und allem drum und dran sucht sie wieder den Weg in meinen Kopf. Im Herz ist sie irgendwie schon. Die Melancholie. Trotz des Spaßes und der Freude, die ich in den letzten Tagen erleben durfte. Immer wird es anders.

Es wird anders.
Immer.
Anders, als ich es mir vorgestellt habe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert