
Nach geschätzten sechs Malen scheint gestern das Ende gekommen zu sein. Das Ende der Selbstfindung, das Ende der Selbstkritik. Das Ende meiner Therapie.
Das komische Gefühl am Anfang dieser Sitzung. Zwar wieder einmal pünktlichst angekommen, die Tür stand offen, einladende Einladung. Und das Platz nehmen, die kurze Stille. Worüber ich heute sprechen möchte? – Ich befürchte, dass mich nichts in letzter Zeit so bewegt hat, sich eingeprägt hat. Nur der glücklicherweise nicht schwere Unfall eines Freundes, und die überraschende Umarmung desjenigen zum Abschied. War ungewohnt, aber schön. Aber sonst bin ich nicht zum Leben gekommen. Habe mich unter der Arbeit geschützt, mich unter der Bettdecke verkrochen, um nichts von den Wetterumschwüngen und Lebensschwierigkeiten direkt mitzubekommen.
Sollen wir nun also heute diese vergangenen eineinhalb Monate, diese fünf oder sechs Sitzungen abschließen. Alles Revue passieren lassen und darüber nachdenken? Oder sollen wir nach einem Thema suchen. Es gibt immer etwas, schon klar. – Ähm. Abschließen, bitte. Immer noch ungutes Gefühl. Zurücklehnen, den Kopf auf die Rückwand der Couch legen. Nein, ich lag nicht völlig auf der Couch, wie aus all den Hollywood-Schinken, nein, ich saß. Stell dir vor.
Und so stellte ich mir die Wesen vor, die seit meiner Therapie zu mir gefunden habe, oder nach denen ich zu suchen begann. Emotionaler Ausdruck, in umfassender Art und Weise. Vertrauen. Realität. Akzeptanz. Ordnung. Geduld und Gelassenheit. Und die Selbstakzeptanz. Alle reichen sich die Arme, ich im Zentrum. Meine Vorstellung. Nach gefühlten drei Stunden, besser gesagt nach ca. vierzig Minuten das Zurückkommen in die Realität. Schwindelgefühl, etwas verschwommener Blick. Du warst in intensiver Trance, sagt meine Psychologin. Stimmt. Irgendwie war es so.
Das war es also. Das soll es also gewesen sein. Ich beendete diese Sitzung mit einem mulmigen Gefühl, Kribbeln im Bauch, Gedanken im Kopf. Ich würde am liebsten noch so weiter machen, und doch gibt es irgendwie nichts mehr. Wenn du wieder einmal kommen willst, melde dich. Die Verabschiedung, die Bezahlung. Kurz bevor sie wieder ins Haus geht noch die Frage. Ob sie mein Buchprojekt Volle Distanz. Näher zu dir lesen möchte, wenn es fortgeschrittener ist. Natürlich. Gut. Denn auf ihre Meinung lege ich irgendwie sehr großen Wert.

hey.. 5,6 Mal.. – das ist aber nicht lange.. oder? Wie empfindest Du das? Reicht das – warum nicht mehr Zeit für sich nehmen?
lg
also, natürlich kannst das nur Du wissen.. – wollte mich nicht einmischen oder so.. – erschien mir nur so kurz. Manchmal braucht die Seele ihre Zeit.
lg
Es war ja meine eigene Entscheidung. Weil ich irgendwie keinen Sinn in diesen Sitzungen mit diesen kurzen Abständen mehr hielt. Aber es war eben nun komisch, nun nicht jede Woche irgendetwas über mich zu erfahren und etwas hinzuzulernen. Liebe Grüße.