
Die vier Zeiten des Jahres. Gestaffelt in wenigen Tagen.
Das Laub fliegt bis vor die Tür. Der Wind lässt Türen zittern. Von Sturm berichten sie, umgestürzte Bäume, abgehobene Dächer. Regen, sodass meine Jacke durchnässt ist, und mehr und mehr auf die Haare und meinen Körper übergeht. Durch den Wind erzeugte Kälte. Beinahe kommt mir das alles wie Herbst vor. Das Laub, der Wind, der Regen. Als wäre der Sommer erst vor kurzem gegangen, und der Winter auch noch fern.
Doch dort hinten sehe ich noch kleine Hügelchen. Angesammelter Schnee, fest zusammengedrückt. Manchmal kommen auch einige Schneeflocken vom Himmel, fallen auf den Boden und schmelzen unter der Belastung des minimal warmen Asphalts. Die Mütze ist noch immer in meiner Tasche, die Handschuhe noch griffbereit in meinem Zimmer. Die Schuhe wärmend, um für die aktuelle Jahreszeit vorbereitet zu sein. Den Winter, der stark an Kraft verloren hat, und möglicherweise in dieser Saison nicht mehr wirklich zurückkehren wird.
Am Grab krabbelt eine Pflanze heraus. Sieht aus wie eine Frühlingsblume, weiße Blüte, Knospen. Wächst und gedeiht, in saftig-schönen Grün. Als wären Frost und die zweimonatige Schneebelastung nichts gewesen, steht es nun stark. Zwischen all den Kerzen, Gestecken, toten Pflanzen. Diese kleine Blume wächst und wächst. Irgendwann wird die Blüte aufspringen und diese herrlich-weißen Blütenblätter zeigen sich der Öffentlichkeit. Um ihn anzukündigen. Den Frühling.
An manchen Tagen übersteigt das Thermometer auch schon mal die Fünfzehn-Grad-Grenze. Die Sonne scheint, schmilzt mehr und mehr die letzten Überreste des Schnees weg, und wärmt meinen Schreibtisch, meinen Körper und mich. Vor allem mich. Die Sonne, am wolkenlosen Himmel, dieser azurblau. Und mein Wunsch nach einem Kurzarmshirt und einer kurzen Hose. Und die Sehnsucht nach dem See und all dem. Der Sommer. Für einen kurzen Moment spüre ich die Vorboten des Sommers.
Wenn ich mich für zwei der vier Jahreszeiten entscheiden müsste, würde ich den Frühling, der für Neubeginn und all das steht, wählen und den Sommer. Weil er einfach der Sommer ist.
