
Das Kissen ganz fest in mein Gesicht gedrückt. Ich ringe nach Luft. Und irgendwann kann ich nicht mehr und lasse das Kissen aus, mein Kopf rollt auf die Seite und ich atme wieder weiter. So wie immer.
Mein Stift ruht wieder. Wenige Worte habe ich bis jetzt erst zustande gebracht. Und alle wurden verziert von wütenden und besorgten Strichen. Auf meinem Block findet sich nur eine unleserliche Schmiererei. Die Wörter sind verdeckt. Keinen ganzen Satz bekomme ich auf die Reihe, keiner geraden Linie kann ich folgen. Wütend auf mich und auf alles andere werfe ich den Stift quer durch das ganze Zimmer, bis er gegen ein Kästchen knallt, zerbricht und die blaue Tinte sich über den Boden ergießt. Doch anstatt es sofort wegzuwischen, werfe ich auch gleich den Block hinterher. Schlage meinen Kopf in das Kissen. Drehe ihn irgendwann zur Seite. Und an dieser Stelle, an der das Auge auf die Federn der Gans treffen, bildet sich ein kleiner nasser Fleck.
In die Decke wickle ich mich ein. Mir ist kalt. Ich habe Fieber. Mein Immunsystem spielt verrückt, es wurden wohl die falschen Abwehrkräfte aktiviert als ich dieses minderwertige Getränk jeden Tag trank. Und so nehme ich die Fernbedienung in die Hand und verlasse mich drei Stunden lang auf seichte, total uninteressante Einheitskost. Ich habe zirka vier Filme begonnen zu sehen, habe mir sechs Sendungen reingezogen und bin trotzdem noch so leer wie zuvor. Meinem Handy geht schön langsam der Akku aus. Und nichts erreicht mich.
Wie lange haben wir uns schon nicht mehr gehört? Mehr als eine Woche, wenn meine Erinnerung stimmt. Länger als die Ewigkeit, will sie mir weißmachen. Ich habe mich nicht gemeldet, so von wegen Stress und schlussendlich wegen Krankheit. Habe dich nicht angerufen. Habe nichts unternommen. Genauso wie du. Was solls denke ich mir und dann fällt mir wieder ein, dass ich eigentlich so oft daran denke, dass ich es einfach nicht lassen kann. Kann meine Gedanken nicht von dir abwenden. Neben all den Gedanken, die ich irgendwie brauche, um mit allem zurecht zu kommen. Beziehungsweise um immer mehr in einer Traumwelt zu versinken.
Millimeter für Millimeter, Tausendstel Sekunde um Tausendstel Sekunde. Die Welt setzt ihren gewohnten Gang fort. Hast du an mich gedacht. Hast du jemals mitbekommen, wie es mir geht? Selbst Menschen, die sich zuvor nur selten gemeldet haben, fragen nun, wie es mir geht. Und du, die so viele Monate Teil des Wirs waren, fragt nicht. Ich fühle mich leer. Die Decke wärmt nicht. Mir ist eisig kalt und ich zittere.
Selbst der Tee, diese Kirsche und was weiß ich Kombination, bringt meinen Kreislauf nicht wirklich auf Vordermann. Nein. Es bleibt so wie es ist. Und während ich kurz die Augen schließe, träume ich wieder die verrücktesten Sachen; und wenn ich wieder aufwache, denke ich wieder daran. Und ich würde mir wünschen, du würdest dich melden. Würde mir wünschen, du wärst da.
Und langsam stehe ich auf. Mein Genick, meine Beine, meine Hände. Alles tut weh. Ich bücke mich um den Block. Die Tinte hat sich mehrere Seiten tief hineingebohrt, und während ich durch das Karierte, von Blau getränkte blättere erscheint mir, vielleicht auch nur in meiner Vorstellung dieser Fleck auf Seite Sieben wie ein Herz. Alle Zettel davor reiße ich heraus. Hier soll es beginnen. Das soll es sein. Und während ich mir einen neuen Stift suche und mich an den Tisch setze, frisst sich der blaue Fleck immer weiter in das jetzige Deckblatt hinein. Als würde es alles einvernehmen und nichts unversehrt zurücklassen.
Zu zittern beginnen. Und den Stift wieder fallen lassen. Und mir für immer und ewig schwören: Keine Texte über Liebe mehr. Langsam hebe ich den Stift wieder auf. Und beginne zu schreiben. Dutzende Male dein Name. Hunderte Erinnerungen. Bis ich wieder einmal erkenne, dass es nicht geht. Vielleicht irgendwann. Nicht jetzt. Dich zu vergessen. Dich nicht als das anzusehen, was du nicht bist.

keine texte mehr über die liebe zu schreiben wird dir mit großer wahrscheinlichkeit nicht gelingen. vielleicht in den nächsten tagen, wochen, monaten,… aber nicht für immer. sie ist ein ständiger wegbegleiter, in verschiedenen ausführungen. man schreibt doch auch irgendwie darüber, wenn man über freundschaften schreibt. es ist nur eine andere form.
und ich finde deine texte sehr schön!
aber mach dich nicht fertig, es wird eines tages jemand kommen wo es 100% passt und dann wirst du über alles glücklich sein! dieser gedanke hält jedenfalls mich am leben!
Das beinhaltet ja der letzte Absatz. Sich schwören, nie mehr einen Text über Liebe zu schreiben. Und doch wieder zu schreiben beginnen. …
Und vielen Dank.
natürlich beginnt man wieder über die liebe zu schreiben… was soll man denn sonst tun… manchmal glaubt man einfach, dass es die liebe nicht mehr gibt… dass sie generell tot is und dass es für dich nicht mehr passend wird, aber trotzdem… es haut ja doch wieder alles irgendwann hin. es wird immer irgendwann richtig passen… vielleicht nicht sofort zu 100 prozent… aber zumindest zu 96 und dann war es die gesamte mistige durststrecke wert.
mir würden 10 prozent reichen. oder 3. oder 1.
ja… aber es trifft dich einmal wirklich wie ein schlag… und wenn SIE auch mal wieder mehr zeit hat (und trotzdem… meiner ansicht nach: das is alles nur einteilungssache! und ihr argument war fehlerhaft und absolut nicht akzeptabel!!!), dann schauts wieder ganz anders aus… und dann… geh auf sie zu und sag ihr,
was sie dir bedeutet… dass du nicht richtig schlafen kannst, weil du nur an sie denken musst – ob sie deine freundschaft oder auch mehr mögen würde – und dass du lieber in das eiskälteste gewässer der erde springen würdest, bevor für dich ein „was-wäre-wenn“ im raum unbeantwortet hängen bliebe. und deswegen würdest du einfach noch mal beide augen zudrücken und in eine ungewisse – gemeinsame – zukunft springen, um zu wissen, dass es sicher nicht funktioniert. du würdest einfach lieber zweimal denselben fehler machen, als mit einem bescheuerten „was-wäre-wenn“ zu leben.
Ein Freund hat keine Zeit für Dich, ein Freund nimmt sich die Zeit. Bedingungslos, weil er es _will_. Das zu erwarten wäre fatal. Denn „Enttäuschung ist das Ergebnis falscher Erwartungen.“ (Andreas Tenzer).
Ich kann Dich dennoch verstehen. Nicht zuletzt, weil Du es einfach so schön schreibst, dass man ein sehr starkes Mitgefühl entwickelt und sich in einer bekannten Situation wiedererkennt. Schreibe weiter, schreibe Texte über. Liebe.