Halt.

Du weißt, ich denke viel zu gerne nach. Zerlege alle Erlebnisse, alle Ängste und alle Gefahren in ihre Einzelgedanken. Was, wenn irgendwann einmal unsere Liebe aufhört? Wenn uns der Zug nicht mehr reicht? Wenn wir uns noch näher kommen wollen, und zumindest von meiner Seite würde ich das gerne. Was, wenn irgendwann einmal etwas passiert, womit keine rechnen konnte? Liebe ist unberechenbar, ich glaube, das weißt du, Emily. Ich will dich nicht verlieren, aber irgendwie erscheint es mir, als würde ich dich bei jedem Abschied, bei jedem Halt in deiner Ausstiegsstelle ein weiteres Stück verlieren. Nur um ein weiteres Stück von dir wieder zu erhalten, wenn wir uns fünf oder zwei Tage später wieder sehen.

[aus: Volle Distanz. Näher zu dir. Kapitel 12 „Annäherung“]

Nicht Ewig.

Nein, für immer ist nicht ewig.

Ich habe mich gut gefühlt, als ich dir das Päckchen übergab. Als du es auspacktest, warst du in keinster Weise überrascht. Es hat dich gefreut und ich fühlte mich wohl dabei. Ich habe dir an diesem einen Tag meine Liebe geschenkt. Zum ersten Mal spürte auch ich diese Liebe. Du hast sie mir ebenso geschenkt. Wir fühlten uns wohl an diesem Tag. Und auch all das Darauffolgende war so wunderbar einzigartig, dass Worte nichts auch nur annähernd beschreiben können.

Jetzt ist es vorbei. Schon seit beinahe einem Jahr. Als auch ich einsah, dass eine Zukunft aussichtlos ist und dass du mir nur mehr weiter weh tun würdest, ohne es wirklich zu bemerken. Ich habe den Schlussstrich gezogen, den Schlussstrich in meinem Kopf. Irgendwann hat mich dann mein Herz wieder überwältigt, hat mir gezeigt, dass Gefühle zumindest bei mir nicht so schnell verschwinden. Ich habe gehofft und gewartet und konnte die Gefühle nicht abstellen. Ich habe gehofft, dass du einsiehst, dass du einen großen Fehler gemacht hast. Das alles nach mir nur einen Bruchteil von dem sein kann, was ich dir zu geben bereit war. Doch du warst blind und taub, wolltest dein Leben und dieses sah mich eben nicht mehr vor.

Glaubst du, ich wär jetzt über dich hinweg? Ich weiß es nicht. Ich wünschte es mir, es sei so. Doch jedes Mal, fast täglich, tauchst du wieder auf. In meinen Gedanken, in all den Texten, wenn ich mich mal random durch die Neon Wilderness tauche. Du bist nicht weg. Nicht vollkommen. Irgendwie bist du immer noch. Auch wenn die Schneekugel mit unserem Bild, uns beiden, schon lange nicht mehr geschüttelt wurde. Am Ende der Liebe. Bleibt ein kleines Hoffen. Doch die Hoffnung soll sterben. Sie tut weh. Es kann nicht mehr so werden, wie es war. Und so wie ich dich kenne, und ich wage es kaum, zu behaupten, dass ich dich jemals wirklcih gekannt habe, soll es auch nicht mehr so werden. Nichts soll mehr so sein. Nicht soll für dich sein, wenn ich ein Teil davon bin.

Nach all diesen Tagen und Monaten, nach all diesen Vorkömmnissen und Veränderungen in meinem Leben, habe ich es nicht verlernt, ungerecht zu sein. Doch was ist schon Recht und Unrecht. Warum sollte ich Acht geben auf irgendetwas, was mit dir zu tun hat. Du hast mich beinahe gebrochen, damals, Ende Februar. Hast mir geschworen, alles zu geben, um es nicht mehr so weit kommen zu lassen. Und ließest dich wieder gehen und alles war so, wie ich es schon wieder befürchtete. Du hast uns keine Chance gegeben, und dafür würde ich dich gerne hassen. Wenn ich nur könnte. Schon alleine der Versuch lässt mich wieder ruhig werden und ich bemerke, dass noch nichts vorbei ist. Du glaubst, dass mit dem Kontaktabbruch alles getan ist, aber Herrgott, das ist es nicht. Ich brauche Worte und brauche dein Gesicht. Ich muss dir erzählen, was in meinem Leben vorgeht, und in meinem Kopf. Ich muss dir sagen, dass die Gedanken omnipräsent sind, aber du mich nicht mal mehr als normalen Freund verdient hast. Ich möchte dir so viele Dinge ins Gesicht sagen und irgendwann wird der Tag kommen. Der Moment, an dem meine Welt zusammenbricht, und ich den entscheidenden Ziegel herausziehe. Du entkommst mir nicht. Nicht ewig.

Irgendwann werden wir noch sprechen.