Keinen blassen Schimmer. [19]

Lichtschwarz. 18122010

„Ich mag deine Texte!“, sagst du und lächelst mich an und hast keinen blassen Schimmer, dass eine Vielzahl von ihnen nur von dir handelt. Von dir und all meinen Gedanken, die du Tag für Tag in mir zu erzeugen weißt. Gedanken, die mich kaum mehr ruhen lassen und mich immer wieder diese Texte schreiben lassen. Und du hast keinen blassen Schimmer.

„Dankeschön.“, sage ich und blicke etwas beschämt zurück. Ich weiß zwar, dass nicht wenige sie lesen, darauf angesprochen zu werden, ist aber doch immer wieder etwas Besonderes. Und etwas Komisches. Ich gebe so viel von mir preis und schicke es an die unbekannte Masse und irgendwann sticht irgendjemand hervor und lobt mich dafür. Da darf man schon etwas zurückzucken, oder nicht?

„Ich erkenne mich so oft in deinen Texten wieder.“, meinst du und meinst es sicherlich anders, als ich es im ersten Moment auffasse. Die Geschichten sind manchmal echt, manchmal erfunden, und doch scheine ich den Nerv der Menschen zu treffen, gefühlvoll auszudrücken, was andere nicht können.

„Das höre ich oft.“, meine ich und will dabei nicht überheblich klingen und tue es wahrscheinlich doch. Ja, ich habe eine Sprache gefunden, mit der sich viele identifizieren können, wo man sich hineinfallen lassen kann und welche Worte erzeugt, die den Menschen auf der Seele brennen.

„Und der eine Text da, der … der hat mich richtig zu Tränen gerührt.“, erklärst du mir und ich habe auch das schon oft genug gehört. Und denke mir, so insgeheim: ‚Ja. Bitte. Weine. Vielleicht verstehst du den Sinn hinter diesem Text, vielleicht auch nicht. Aber weine. Und bemerke, was ich schon in so vielen Texten zu schreiben bereit war, und zum Aussprechen zu feige.

„Das … das ist … schön.“, entgegne ich und möchte noch immer nicht wirklich darüber reden und weiß, dass du nicht damit aufhören wirst. Und ich schreibe auch noch weiter über dich und hoffe auch die kommenden Tage und Wochen, dass du irgendwann einmal verstehen wirst, an wen diese Geschichten gerichtet sind. Nicht für die Allgemeinheit, für das Seelenwohl der Anderen. Einzig und allein für dich. Und ich würde dich jetzt gerne umarmen. Möchte dir all das erklären. Möchte dir zeigen, worum es am Ende doch nur geht. Aber du hast keinen blassen Schimmer.

5 Jahre Neon|Wilderness. [Ein Jubiläum]

Ich weiß nicht mehr ganz genau, wann es denn wirklich los ging. Und wie ich überhaupt auf die Idee kam, so etwas zu starten. Aber mit Dezember 2010 wird mein wohl tiefster Fußabdruck im Internet 5 Jahre alt.

Ist es Zeit mir zu gratulieren? Wofür denn? Ich will hier nicht eine tolle Selbstbeweihräucherung starten. Jetzt will ich erstmal ganz grundsätzlich erklären, warum ich den ganzen Scheiß hier immer noch mache. Was mir dazu verhalf, in meinem Blog eine ganz wichtige Anlaufstelle entstehen zu lassen.

Fortsetzung folgt. 08122010

Das Warum und andere Geschichten.

In Wahrheit kenne ich den Grund nicht mehr wirklich, warum das alles begann. Aber es hat mir von Beginn an Spaß gemacht. Und wie man hier sogar noch nachlesen kann, waren die Einträge meist sogar noch trivialer als sie es heute sind. Kommentare aus meinem Leben, die wohl nur die interessieren (wenn überhaupt), die mich kennen. Das war mein Beginn, damals noch bei Blogger.com. Und warum ich schließlich zu WordPress.com wechselte, weiß ich auch nicht mehr. [Schön langsam glaube ich, diese Geschichte hat wohl keinen sehr großen Nachrichtenwert.] Aber damit begann im Grunde das, worauf auch heute noch dieser Blog aufbaut: Privates, Empfehlungen und literarische Versuche. Und auch wenn „Vom Verlieren und Wiederfinden der Liebe“ das erste halb-literarische Werk von mir ist, liebe ich den Text immer noch. Die verkehrte Erzählweise wurde erst 2010 ein weiteres Mal versucht. Wunderbar.

Ich kann mich noch an den Beitrag von Luca erinnern, als er seine Beweggründe und seine Musen nannte: ich habe so etwas nicht. Ich begann Blogs erst zu lesen, als ich selbst einen schrieb. Aber erst Roman Held war, wie schon einmal erwähnt, eine Inspiration, mich vom rein-trivial-langweiligen Lebensblog etwas abzuwenden, um auch etwas Literatur einzubauen. Und ich denke, das hat dem Blog ganz sicher gut getan.

Und dann schrieb ich vor mich hin und schrieb mehr und wurde häufiger gelesen und kommentierte auf anderen Blogs, und andere kommentierten bei mir. Das Typische eintauchen in die Materie. Es fühlte sich gut an. Die Leute lobten meinen Schreibstil (schon damals), und diese Kommentare waren immer mehr Aufforderung für mich, hier damit weiterzutun. Nicht einfach aufzuhören, wegen „Stammlesern“ und so.

Volle Distanz. 16112009

Meine kleinen feinen Erfolge.

Es klingt wohl reichlich pathetisch, wenn ich behaupte, dass Bloggen mein Leben und mich verändert hat. Wahrscheinlich hat es das auch nicht, aber bei einem hat es mir geholfen. Nach der (mehr oder weniger) überraschenden Trennung im Frühjahr 2007, dem Tod meines Neffen im Herbst desselben Jahres, bei der Begräbnisserie im Sommer 2009. Dieser Blog war immer Anlaufstelle für etwas, worüber ich zu reden nicht im Stande war. Dieser Blog wurde sozusagen ein Sprachrohr für mich, ich konnte meine Gedanken, meine Gefühle ausdrücken, ohne auf Widerstand zu stoßen. Und ich bekam Feedback. Helfende Worte, berührendes Lob. Und wie ich so im Jahresrückblick 2009 las, fällt mir auf, dass ich seit diesem Jahr bei meiner Schreiberei ganz offen von „Kunst“ spreche. Und aus „Minimal Literarisches“ wurde ganz einfach „Literarisches“. Das ist schon gut so. Und nein, ich nehme mich dabei nicht zu Ernst.

Denn wenn Menschen sich in meinen Texten wiederfinden, ich sie zu Tränen rühre, wenn sie durch mich vielleicht auch manchmal neuen Lebensmut oder zumindest frische Denkanstöße erhalten. Wenn meine Worte treffen, ich Menschen sowohl zum Lachen als auch zum Weinen bringe. Wenn ich Literarisches so lebendig und nah erzähle, dass ich oft versichern muss, hier nichts Autobiografisches geschrieben zu haben. Wenn mir von Menschen aller Altersgruppen hier im Internet und auch bei persönlichen Gesprächen Anerkennung für meine Kunst, mit den Worten umzugehen, entgegengebracht wird. Dann … ja dann nenne ich es ganz einfach Kunst.

Aber was sind meine messbaren Erfolge? NEON hat einmal in einer Coverstory zum Thema „Ewiger Geschwisterstreit“ einen meiner Texte, den ich auch auf NEON.de veröffentlicht habe, als einer der drei besten Texte zu diesem Thema ausgewählt und einen kleinen Hinweis abgedruckt. Durch einen anderen Text wurde ich Teil einer durch Deutschland reisenden Ausstellung zum Thema „Vom Tagebuch zum Weblog“. Ich. Provinzmensch auf neuen Wegen. Ich tauche plötzlich in Berlin, Nürnberg und Frankfurt auf. Das hat schon was.

Frühstück. 16112010

Warum das Ende keine Möglichkeit ist.

Es gibt immer wieder Menschen, die sich ganz bewusst aus dem Internet zurückziehen. Ihre Blogs löschen und damit einen großen Haufen Kunst und Erinnerungen einfach aus dem Internet eliminieren. Blogs zu löschen ist wie Digitalfotos von der Karte zu eliminieren. Erinnerungen auf Knopfdruck gelöscht. Wahrscheinlich behalten die Menschen zwar ein Backup des Blogs irgendwo auf der Festplatte, um es womöglich mal ihren Kindern zu zeigen. Aber für mich ist das Ganze kein Thema.

Bis vor kurzem dachte ich: ich kann hier sagen, kann hier sein, wer ich will. Die meisten Leser hier kennen mich nicht, oder wenn nur sehr spärlich oder durch andere Social-Media-Dienste wie Twitter oder so. Niemand, mit dem ich öfter zu tun habe, sieht hier vorbei (fragt mich nicht wieso). Aber plötzlich lesen auch einige Studienkollegen hier mit, oder Arbeitgeber. Ist das jetzt etwa das Ende?

Nein. Denn immer noch bestimme ich, was ich hier schreibe. Und ich weiß schon, wann genug ist, und was jetzt so raus darf oder nicht. Dadurch, dass ich meine halbwegs anonyme Phase schon vor einiger Zeit aufgab, meine privaten Texte aber eher zunahmen, habe ich einen ganz besonderen Weg gewählt. Ich stelle mich in den Mittelpunkt dieses Blogs. Ein Problem? Für mich zumindest nicht.

Und deshalb gilt das, was ihr auf diesem Bild oben seht: Fortsetzung folgt. Mir fällt bis jetzt kein triftiger Grund ein, hier irgendeinmal Schluss zu machen. Wahrscheinlich kommen mir solche Gedanken zwar später mal unter, aber seid euch gewiss: Ich habe so viel Herzblut, so viel Arbeit, so viel Fürsorge in dieses kleine Ding Kunst gesteckt, dass ich es nicht wagen könnte, es zu löschen. Neon|Wilderness ist vielleicht etwas für die, von mir so verhasste, Ewigkeit. Zumindest für die eine, die meine Ewigkeit.

Nach meinen Spielregeln.

(via  Mon Labiaga Ferrerflickr)

Es ist scheiße, zu bemerken, dass man ganz einfach nur benutzt wurde. Von einer so besonderen Freundin, mit der man schon so viele Scheiße gebaut hat, die einen durch so furchtbare Zeiten einfach mal locker lässig hindurchtrug, und der man in den vergangenen Monaten eben bei ihrer Scheiße beistand. Und dann das.

Ich fühle mich verarscht, aber aufgrund unserer Freundschaft habe ich es nicht nötig, mich darüber lange aufzuregen. Das ist ein Kapitel, über das wir nicht mehr reden sollten, und mir geht es gut und bitte jetzt … umblättern, weiter gehts. Ich bin ein unkomplizierter Typ, in Sachen Beziehung und Freundschaft und so.

Doch dann die SMS eines Freundes. “Fuck. Das gibts nicht. Lass dich halt nicht verarschen, hat auch keinen Sinn”. Das hat mich aufgeweckt, hat mir klar gemacht, dass ich mal eben nicht alles hinunterschlucken muss. Dass ich nicht so tun muss, als wäre das hier eh alles egal und als hätte mich das Ganze nicht irgendwie verletzt. Nein. Das Leben geht nicht so weiter, wie es war, und nein, das hier vergessen wir nicht ganz schnell, denn in Wahrheit ist ja eben doch etwas passiert. Es ist etwas passiert, und ich finde es scheiße.

Aber keine Sorge. Ich werde mich schon melden und es wird alles wieder gut werden. Nur jetzt genehmige ich mir die Zeit, die ich brauche. Das habe ich bisher viel zu selten getan; um das alles sickern zu lassen, um abzuwägen, um nachzudenken. Und um dazuzulernen. Um mir vollen Ernstes bewusst zu werden, wer mich hier verarscht hat, warum, und wie ich mich nur verarschen lassen konnte. Und daraus werde ich meine Konsequenzen ziehen.

Und während ich so über deinen Blog stolpere, jeden Tag einmal, falls der Feedreader etwas Neues herauspresst, muss ich oft lachen. Du hast schon so vieles von einem psychologischen Standpunkt aus betrachtet, hast über Menschen geurteilt, zu diesen Menschen deine Meinung gesagt. Stay calm, und schau‘ mal lieber bei dir selbst. Egoismus tut in gewissen Situationen ganz gut, vor allem, wenn man selbst Scheiße baut, und die Scheiße bevorzugt immer noch bei den anderen sieht.

Und nein. Das bedeutet hier nicht das Ende. Wir sind uns viel zu wichtig (deswegen verstehe ich diese ganze Scheiße auch nicht), wir geben uns nicht auf. Ich gebe unsere Freundschaft ganz sicher nicht auf. Aber vielleicht kommt es dazu, dass manches in unserer Freundschaft auch mal mit meinen Spielregeln geschehen wird. So einfach ist das.

Fly Away.

Langsam, ganz langsam.

Ich habe mich scheinbar gedreht und gewendet. Nach drei oder vier Stunden Schlaf, bis kurz vor zwanzig Uhr fühle ich mich verspannt und müder denn je. Aber das musste jetzt sein. Nachholen, wofür ich die ganze Woche über nicht wirklich Zeit gefunden habe. Und nun sitze ich hier, mit dem Gedanken bei einer wunderbaren Freundin. Wo scheinbar heute mal so richtig alles nicht gut läuft. Wenn du das hier liest: Ich denk an dich. Vielleicht hätte ich noch vorbeikucken sollen. Nach erneutem Telefonat werde ich das nun auch noch tun. Und ja, ich fühle mich verpflichtet. Dir geht es nicht gut, du möchtest reden und ich möchte dir helfen. Gemeinsam können wir in Kürze schließlich über Gott und die Welt reden. 

Die Woche lief um einiges besser, als all die Tage zuvor. Man mag es jetzt als lächerlich ansehen, aber das Wiederauffinden meiner Uhr, nach mehr als fünf Monaten, ist einer der Höhepunkte der letzten Tage. Ich habe sie ernsthaft in meinem gesamten Zimmer gesucht. Habe alle aufgehoben und überall nachgekuckt. Überall? Nein, nicht wirklich. Denn obwohl ich mir ganz sicher war, dass ich die Uhr das letzte Mal bei meinem Nächtkästchen gesehen habe, habe ich nie in der Briefebox nachgesehen. Und vor drei Tagen habe ich wieder einmal zwei Briefe geschrieben (schon angekommen?) und überraschenderweise meine Uhr am Grunde der Box gefunden. Meine Briefebox ist übrigens eine Converse-Schachtel mit Adressen, Kuverts und Briefmarken. Was ganz Tolles. Ehrlich.

Ach ja, und diese Woche habe ich auch durch Zufall erfahren, dass durch den Text „Selbstgespräch. Und So.“ mein Blog der Teil einer eineinhalb Jahre langen Ausstellung in drei Museen in Deutschland sein wird. Es ist ein unglaubliches Gefühl, dass meine Art zu schreiben, und hier geht es wirklich darum, da es sich um einen puren minimal literarischen Text handelt, auch über das Internet hinaus zu betrachten ist. Es ist so etwas wie ein kleiner Traum. Mein Name, mein Blog. Ein kleines bisschen Berühmtheit für etwas, was für mich sehr viel bedeutet. Und ich empfehle wirklich allen, die in der Nähe von Frankfurt, Nürnberg und Berlin wohnen, im Laufe der nächsten Monate diese Ausstellung zu besuchen. Ich werde es wohl erst nächstes Jahr in Berlin.

Ein weiterer Punkt, der diese Woche für schöne Gefühle sorgte, war die Tatsache, dass ich unter Pachelbel-Einfluss die ersten Sätze zu „Volle Distanz. Näher zu dir“ kreiren konnte. Ich persönlich finde den Anfang großartig und scheinbar kommt er auch bei den Lesern, als euch, wirklich gut an. Deshalb werde ich, vielleicht bald mit einem Moleskine-Notizbuch, jetzt nun mal wieder weiterschreiben. Nachdem mein erster Versuch mich bald stocken ließ. Vielleicht werde ich einen kleinen USB-Mp3-Player nur mit klassischer, ruhiger Musik bestücken. Sie ist wunderbar. Ein bisschen Bach hier, ein bisschen Pachelbel da … und möglicherweise auch noch Beethofen oder Chopin. Debussy hingegen wirbelt eher auf, als dass er beruhigt.

In Liebe und so weiter hat sich nichts entwickelt. Ich habe mich erfolgreich entliebt, und freue mich schon auf das nächste Wiedersehen ohne irgendwelche Gefühle. Und auch mit meiner Exfreundin, mit der ich erst vor zwei Monaten wirklich abschließen konnte, habe ich nun wieder Kontakt. Per ICQ wohlgemerkt, aber möglicherweise treffen wir uns in den Osterferien auf einen Kaffee. Wobei ich hinzusagen möchte, dass Ostern für mich nicht unbedingt verpflichtend Ferien bedeutet. Ich werde arbeiten. Aber ich freue mich darauf, dass der Versuch einer Freundschaft zumindest in meinem Kopf schon wieder existiert. Vielleicht auch nicht richtig, aber wie ich schon mehrmals sagte, fällt mir die Vorstellung schwer, dass jemand komplett aus meinem Leben verschwindet. Mal sehen, wie sich alles so weiterentwickelt.

Und so werde ich mich auf den Weg zu dieser einen wundervollen Freundin machen. Wir werden exzessiv rauchen, und reden. Ich habe schon lange nicht mehr mit ihr geredet. Das tut uns wahrscheinlich beide gut. Also dann, bis morgen, liebe Leute. Ich flieg dann mal weg.