Zu allem bereit. [23]

Und ich frage mich
Frage, was es ist
Was hier bleibt
Frage, wieso wir
Und wieso zu dieser Zeit.

Doch in Gedanken verloren
Hab ich mir geschworen
Nie wieder zu denken
Mich nie wieder zu stören.

Ich verliere
Verliere mich tagein
Tagaus
Höre auf mich zu finden
Gehe nicht mehr
Hinaus.

Fühle es
Wie es brodelt
Wie es nach Atem ringt
Wie es mich hält
Wie es schweigt
Und von Träumen singt.

Doch in Gedanken verloren
Hab ich mir geschworen
Nie wieder zu denken
Mich nie wieder zu stören.

Und du sagst nichts
Sagst mir nicht was du denkst
Schenkst mir Blicke
Die man so
Nur von dir kennt.

Reichst mir die Hand
Dein Leben, dein Herz und die Nacht
Hältst mich fest an jedem
verdammten Tag.

Doch in Gedanken verloren
Hab ich mir geschworen
Nie wieder zu denken
Mich nie wieder zu stören.

Und ich frage dich
Frage, was es ist
Was uns zweit.
Und ich dachte doch,
wir wären zu allem bereit.

Zu allem bereit.

Foto: billaday | flickr

Die wichtigen Dinge im Leben. [21]

Wieso hast du mich einfach so gehen lassen? Wieso hast du mich mich nicht einfach am Arm gepackt, mich zu dir gezogen und mir ins Ohr geflüstert, dass alles gut wird? Wieso hast du mir nie gesagt, dass wir alles schaffen, die Welt erobern? Du und ich? Immer!

Inzwischen weiß ich, wieso du das nie getan hast. Ich habe dich weggeschubst. Wie ein Teller Gemüse, das ich nicht essen wollte. Wie ein T-Shirt, dessen Farbe mir nicht gefällt.

Dabei warst du das Gemüse, dass ich früher immer mochte. Und das T-Shirt, dessen Farbe ich früher nur getragen habe. Mein Ein und Alles.

Ich habe es dich nie spüren lassen, weil mich manchmal einfach so viel gestört hat und du diese Makel ändern solltest. Dabei habe ich nie gemerkt, dass du eigentlich alle Eigenschaften vereinst, die mir so wichtig sind. Damals wichtig waren und heute immer noch wichtig sind. Ich habe nie gemerkt, dass du mich liebst. Dass du alles für mich tust und immer noch tun würdest, aber es mir nicht sagt, weil du eben so bist, wie du bist. Ich habe nie gemerkt, dass du immer hinter mir standest. In schweren, wie in guten Zeiten. Weil du immer bei mir warst, aber mir nie gesagt hast, dass du es bist.

Ich war blind vor Liebe. Und blind vor anderen. Ich wollte immer dich haben, nur ein bisschen anders. Ein bisschen weniger rebellisch, ein bisschen weniger anders. Mit kürzeren Haaren und mit ein bisschen weniger Tattoos. Dabei war ich immer so stolz auf dich. Doch ich konnte es dir nicht sagen. Ich konnte es mir nicht eingestehen, dass du genau das bist, was ein Mädchen braucht. Ein bisschen älter, ein bisschen reifer, ein bisschen mehr Zukunftsperspektive und ein bisschen mehr Liebe für mich.

Irgendwie hat mir das nie gereicht. Nach dir habe ich mich auf die Suche nach dem perfekten Mann gemacht. Der mir genau das gibt, was du mir immer gegeben hast. Und der mir auch noch jeden Tag sagt, wie toll er mich findet. Aber das Leben ist nicht perfekt. Genauso wenig perfekt wie du und ich. Genauso wenig perfekt wie unsere Beziehung.

Aber ich bin es leid, Menschen, wie dich zu suchen. Die mir das geben, was du mir immer gegeben hast. Die mir die Zuflucht und die Geborgenheit geben. Die immer für mich da sind, wenn ich traurig bin, wenn ich kein Selbstbewusstsein mehr habe, wenn ich an mir zweifle und alles nur noch schlecht finde. Wenn ich Wärme und Geborgenheit suche. Wenn ich einfach nur den Alltag brauche.

Das alles fehlt mir. Und ich wollte es mir nie eingestehen. Aber nachdem ich dich verloren habe, wusste ich, was ich wirklich vermisse. Ich wollte es immer verdrängen. Ich habe dich von mir geschoben, weil ich glücklich sein wollte.

Aber im Grunde war ich nie so glücklich, wie mit DIR.

Doch jetzt ist es zu spät. Du hast lange auf mich gewartet, mir war es egal. Im Grunde hast du nur immer darauf gewartet, dass ich endlich so vernünftig werde wie du. Erwachsen. Mit Perspektive. Und die wichtigen Dinge im Leben zu schätzen weiß.

Du hast lange gewartet. Und jetzt hat sie meinen Platz eingenommen. Und ich warte. Bis du die wichtigen Dinge im Leben zu schätzen weißt.

Sandra. Studiert leidenschaftlich faul und wächst jeden Tag an sich selbst. Auf Kaffee ist sie ein hibbeliges Kleinkind, deswegen trinkt sie keinen.

Es scheint, als wäre sie nie offline. Vor allem nicht auf Twitter (@gluecksbeerchen). Schreibt Geschichten nicht, wenn ihr der Sinn danach ist, sondern wenn sich die Geschichte gerade selbst in ihrem Kopf schreibt. Ihren Blog füllt sie daher lieber mit ihrer Lieblingsmusik oder Bildern, die sie bewegen. Zwischendurch gespickt mit einem literarischen Häppchen. Nachzulesen unter sandrasandradee.wordpress.com

Ohne Betreff. [20]

A (Ohne Betreff)
Es wird nicht anders werden. Wir können es nicht verhindern, denkst du nicht? Irgendetwas ist da doch zwischen uns, und dieses Irgendetwas kann man nicht so einfach verleugnen. Oder seh‘ nur ich das so?

B (AW: Ohne Betreff)
Ich weiß es nicht.

A (AW: AW: Ohne Betreff)
Ich doch auch nicht. Aber was sollen wir denn wissen? Was können wir den wissen?

B (AW: AW: AW: Ohne Betreff)
Aber es spricht doch so viel dagegen.

A (AW: AW: AW: AW: Ohne Betreff)
Und so vieles dafür, findest du nicht?

A (AW: AW: AW: AW: AW: Ohne Betreff)
Wir denken zu viel nach. Wir machen es uns doch nur unnötig schwer.

A (AW: AW: AW: AW: AW: AW: Ohne Betreff)
Findest du nicht?

Foto: Jessica Lares | flickr

Ansprüche. [19]

„Du hast zu hohe Ansprüche.“

Du bist nicht die erste Person, die mir das sagt. Ich überlege. Welche Ansprüche habe ich? Ein Mensch muss interessant sein, muss lieben können und gebraucht werden. Ein Mensch muss mir vertrauen können und ich ihm. Sind das denn all zu hohe Ansprüche, die ich an einen Menschen stelle, der nicht nur sein Bett sondern sein Leben mit mir teilen möchte?

„Du erwartest dir zuviel. Du erwartest, dass es wieder so passiert. Dass es wieder so romantisch sein wird, das langsame Heranbahnen, das Herzklopfen beim ersten Nebeneinander einschlafen, die kalten Füße beim ersten Kuss. So wird es nicht wieder. Und das ist einfach deine Wunschvorstellung und daran kann all das nur scheitern.“

Mache ich das wirklich? Erwarte ich zuviel? Ist der Wunsch nach ein bisschen Romantik etwa verboten? Es wird wohl wirklich nicht wieder so sein, weil Menschen anders sind und genau dieser Unterschied so wundervoll ist. Aber kann es nicht anders schön sein? Kann man sich nicht kennenlernen, sich in einem Gespräch verlieren und später in ihren Augen. Kann man nicht einfach einschlafen, neben diesem Menschen, und sich einfach nur wohl fühlen, dass er da ist und hier bei mir ist?

„Es läuft fast nie so ab. Nicht wirklich. Liebe ist kompliziert. Liebe ist jener Teil der Mathematik unserer Leben, den wir wohl nie verstehen werden. Liebe funktioniert nicht sondern sie passiert einfach. Auch wenn es kompliziert ist, und wenn auswegslose Situationen einen fordern. Aber bleibe nicht an dem Damals so hängen, sondern lasse neue Erlebnisse zu. Neue Eindrücke und neue Enttäuschungen. Das gehört dazu. So ist die Liebe.“

Vielleicht hast du ja recht. Vielleicht habe ich, womöglich vollkommen unbewusst, diesem Ideal nachgehangen. Habe die wesentlichen Dinge aus den Augen verloren, habe schablonenartig Erlebnisse verglichen. Ich möchte endlich mal wieder von neuen Eindrücken erdrückt und von Enttäuschungen auf den Boden geworfen werden. Möchte wieder einmal vollkommen glücklich einschlafen. Und endlich mal wieder kompliziert lieben.

Foto: Laura Mary | flickr

Vermissen. [18]

Manchmal, da schreibe ich Briefe. Ohne Empfänger. Ich schreibe sie, und wünsche mir, dass du sie bekommst. Dass du es erfährst. Ich will dich teilhaben lassen, an hier, an all dem, an mir. Will dir zeigen, was aus mir schon geworden ist. Möchte dir erklären, warum all das passieren musste. Aber all die Nachrichten kommen nicht an. Du hast keine Adresse mehr.

Doch manchmal, da falte ich die Zettel zusammen, stecke sie in ein Kuvert und lecke die ekelhafte Klebespur ab. Klebe es zu und werfe es in die alte Schuhschachtel. Dort liegen sie alle, wohlig versammelt, in trauter Einsamkeit. Dein Name ziert jedes Kuvert, aber du liest es nicht. Liest nicht meine Worte. Liest nicht mein Leben.

Und manchmal, da frage ich mich, ob du mich siehst. Ob du sehen kannst, was ich hier so erlebe. Ob du es spürst, wenn es mir mal nicht gut geht. Ob du weinst, wenn ich es tue. Ob du den Schmerz mit mir teilst und lachst, wenn ich schon Tränen der Heiterkeit in den Augen habe. Ob du immer noch da bist, irgendwo in meiner Nähe. Mir unsichtbar folgst, auf all meinen Wegen, durch all meine Träume.

Denn manchmal. Ja, manchmal. Da vermisse ich dich. Vermisse dich so sehr, dass kein Wort es je beschreiben könnte. Wenn der Kloß im Hals immer größer wird, und ich nichts mehr sagen kann, ohne meine weinerliche Stimme preiszugeben. Wenn ich Bilder von dir sehe oder Videos, oder wenn allein schon Gedanken oder Erinnerungen in mir auftauchen. Und die Tränen ihren Weg finden. Dann, ja. Dann vermisse ich dich. Oder wenn ich von dir rede, von unserer gemeinsamen Zeit, vom wundervollen Leben mit dir. Wenn ich lache, weil mir dein Lachen so nahe ist. Dann vermisse ich dich und bin unglaublich froh darüber, dich vermissen zu können.

Foto: j_chapple147, Flickr

Sturmwarnung. [17]

„Es soll Regen geben.“ Doch wir sitzen hier seit Stunden, trinken Wein und sind einfach nur am Leben.1 Der Wind rauscht durch die Bäume, reißt Blätter mit und macht auch vor unseren Haaren nicht Halt. Unaufhaltsam bahnt er sich den Weg, und ich sehe dich an. Es macht dir nichts aus. Du beobachtest die schwarzen Wolken, wie sich uns immer weiter nähern und bist erstaunt. Und vollkommen still. Es würde dir wohl auch nichts ausmachen, wenn es jetzt wild zu regnen beginnen würde. „Wir sollten gehen.“

Doch du bewegst dich nicht. Dieser Sommer, der innerhalb weniger Minute in Richtung Herbst abbog. Du saugst ihn auf, lässt ihn nicht los. Du blickst mich nicht mal an, als ich ein weiteres Mal versuche, dich von hier wegzulocken. Ich lasse mich zu dir nieder.

„Eine Sturmwarnung, siehst du.“, murmle ich noch, aber erwarte schon nicht mehr, dass du mich hörst. Du bist in deiner ganz eigenen Welt und kommst erst wieder zurück, wenn es dir genehm ist. Ich will dich nicht stören, will es aber doch auch spüren. Möchte versuchen, mit dir einzutauchen. Doch es geht nicht. Ganz hinten, am See, kommen schon die ersten Tropfen auf dem Wasser an.

„Komm, gehen wir!“, sagst du. Hüpfst auf, nimmst deine schon gepackte Tasche, drehst dich zu mir um, gibst mir die Hand. „Wir müssen weg hier.“ Und langsam tauchst du auch wieder heraus, aus der Stille. „Wunderschön, oder?“ – „Hm?“ – „Dieser Wechsel. Zuerst die Sonne und plötzlich diese düsterne Welt, diese dunkle Zeit.“ Du hast Recht. „Und der See, der plötzlich vollkommen still wird.“ Ich drehe mich um. Das war mir gar nicht aufgefallen. Aber du sagst die Wahrheit. So ruhig war er den ganzen Tag über nicht.

Die ersten Tropfen erreichen uns. „Komm, beeil dich.“, rufst du mir zu, ein paar Schritte vor mir mit dem Laufen beginnend. Und ich bleibe einfach mal stehen und genieße meinen ersten Sommerregen in diesem Jahr.

1 Juli – Tage wie dieser

Glauben. [16]

I

Gott. Pfft. Wie kann man nur an Gott glauben.
Wem sagst du das.
Ist doch vollkommen dumm. Eine schöne Ausrede. Ein feiger Zufluchtsort.
Mhm.
Als wolle man sich nicht wirklich mit dem Leben auseinander setzen. Als wolle man alles vorbestimmt sehen. Als suche man nach einer Unterstützung bei der Akzeptanz des Nicht-Akzeptierbaren.
Mhm.
Man kann doch nicht ernsthaft an einen Gott glauben, oder?
Nicht wirklich, nein.

II

Ich werde da meistens wütend. Wenn mir jemand von seinem Glauben erzählt und dass es so etwas wie einen gütigen Gott gibt.
Ich verstehe dich.
Wie kann man so etwas nur behaupten? Gäbe es so etwas wie einen gütigen Gott, wäre mein Leben anders verlaufen.
Mhm.
Einem unsichtbaren Nichts die Macht über unser Leben zu geben?
Nein.
Gott ist ein Arschloch. Gäbe es ihn.
Ein Arschloch, ja.

III

Glaubst du?
Ja.
Woran?
An die Liebe.
Du bist kitschig.
Nein, nein, du verstehst mich falsch.
Ach?!
Ja, die Liebe.

IV

Die Liebe also?
Mhm. Die Liebe, die jeder Mensch in sich trägt. An diese Liebe, ja, an die glaube ich.
Hm.
Und daraus resultierend an das Gute im Menschen.
Das Gute.
Mhm. Und daran, dass es keinen falschen Weg gibt. Dass wir uns durch unsere Entscheidungen dorthin tragen lassen, wo wir uns wohlfühlen. Wir können alles erreichen.
Ist das nicht naiv?
Glauben ist immer naiv. Aber ich liebe es, naiv zu sein.

V

Ich glaube, du hast recht.
Worin?
Ach, nur so.
Ist das nicht ein kleines bisschen naiv?


Es sind zumindest schöne Gedanken.
Und eine schöne Liebe.
Was?
Die unsere, du und ich. Ich glaube daran.
Für immer?
Nein.
Nicht.
Nur solange es sich gut anfühlt. Der Weg wird sich zeigen.

Foto: Jessica Lares, Flickr

Vernunft. [15]

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Tell you the story of who I am. [14]

„Du kennst mich nicht.“

Ich habe gelogen. In Wahrheit kennst du mich viel besser als alle anderen hier. So viele Zeit hast du mit mir verbracht, hast mir zugehört, als die Welt um mich herum einzustürzen drohte. Du hast mir die Hand gehalten, bist neben mir gesessen, als Tränen der einzige Weg waren, um mich vor dem unbändigen Schmerz zu beschützen. Du hast immer die richtigen Worte gefunden, hast deinen Arm um mich gelegt und unzählige Stunden damit zugebracht, einfach nur für mich da zu sein.

Du hast mich kennengelernt, mit all meinen Träumen. Hast sie niemals belächelt, sondern mich angespornt. Hast mir Mut gemacht und angestupst, wenn ich mich selbst nur zu gerne in Zweifeln zu verlieren sah. Und mit all meinen Makeln, die ich lange Zeit vergeblich vor dir zu verbergen versuchte. Du hast dich mit mir beschäftigt, hast mir gezeigt, dass es so vieles mehr gibt. Und dass niemand perfekt zu sein braucht. Denn erst diese Makel schaffen es, aus mir einen einzigartigen Menschen werden zu lassen.

Du bist mit mir wach geblieben, als mich der Schlaf nicht einholen wollte. Hast mit mir geredet, über Dinge, die ich nur selten als Gesprächsthema wähle. Hast nicht in Wunden gestochert, sondern mir endlich mal die Möglichkeit gegeben, es auszusprechen. Das Furchtbare, das Erdrückende mir von der Seele zu reden. Du hast es geschafft, dass ich mich weiterentwickle, dass ich beginne, mich selbst zu akzeptieren.

Ich habe mich dir geöffnet, habe mich verletzbar gemacht. Habe begonnen, dich zu lieben, dir zu vertrauen, dir nah zu sein. Habe mich schließlich auch abhängig gemacht.

„Du kennst mich nicht.“, wiederhole ich.

Und lüge. Denn in Wahrheit kennt mich niemand so wie du. Und vielleicht macht mir das am meisten Angst. Denn was, wenn du plötzlich nicht mehr da wärst? Wenn unsere Wege sich irgendwann trennen, wenn unsere Liebe sich in entgegengesetzte Richtungen entwickeln? Du kennst mich wie niemand anderer. Und liebst mich trotzdem. Oder vielleicht gerade deshalb. So etwas wie dich gibt es nicht so oft.