Du, entschuldige, aber ich glaub‘ ich hab‘ mich in dich verliebt. Ich weiß nicht ob es richtig ist, oder ob mir nur mal wieder mein Kopf und mein Herz in perfekt zerstörerischer Symbiose brutal in die Magengegend boxen möchten. Aber zumindest fühlt es sich so an, als würde ich etwas mehr für dich empfinden, als mir wahrscheinlich gut täte. Aber das hier soll keine Entschuldigung für meine Gefühle sein. Ich möchte dich einfach nur bitten, mir nicht andauernd von den Liebschaften zu erzählen. Schön, dass du es dir gut gehen lässt. Mich haut‘ sowas nur etwas aus der Bahn. An schönen Abenden und so.
Kategorie: Das Leben
Drogen und Sex.

Drogen. Und Sex. In Wahrheit sind es doch genau diese beide Dinge, die ein Leben hie und da wieder hochleben lassen. Also außersphärisch hoch. Bei Drogen nichts Wildes, bei Sex genau das Perfekte. Alles, was einem in dem Moment eben am Besten erscheint. So einfach ist es, das Leben, wisst ihr?
Kein Richtig/Falsch. Kein Gut/Böse. Nur das, was einem gerade einfach nur gut tut. So zu leben macht Spaß, so zu fühlen ist wunderbar. Ihr solltet das mal ausprobieren. Es ist großartig.
Ein Kompliment.
Auch wenn es jetzt womöglich ein kleines bisschen wie Selbstbeweihräucherung aussieht: Sarah hat mir vor kurzem via Telefon, so weit weg von da wo ich war, ein wirklich nettes Kompliment gemacht. Ich sei so … wunderbar unkompliziert. Ja, das höre ich gerne. Und wenn ich so schön vor mich hinlebe, und trotz all dem Gefühlswirrwarr und der Gedankenachterbahn, im Grunde genommen bin ich wirklich unkompliziert. Vielleicht aber auch vor allem, weil ich ein Chaot der Terminplanung bin, ich mir über wichtige Dinge maximal fünf Minuten davor kurz mal Gedanken mache und sorglos einfach hineinstolpere oder einfach auch nur deshalb, weil ich so dezent verplant bin. Ich weiß es nicht. Aber unkompliziert zu sein ist doch echt etwas Schönes, nicht wahr?
Sonntage.
Sonntage sind furchtbar. Noch dazu sonnige Sonntage, mit Fußball im Fernsehen und dem Gedanken an bevorstehende Prüfungen im Hinterkopf. Da wird man plötzlich so herrlich unproduktiv und wundert sich am Ende des Tages, warum man mit jedem Schluck aus der Energy-Drink-Dose müder und müder wird. Dafür hat man mit Freunden einen schönen Platz am nahegelegenen Fluss, den Pennerplatz und das Kebab-„Restaurant“ unsicher gemacht. Und noch dazu glänzt das Studentenheimzimmer in beinahe ungewohnten Sauberkeit. Irgendwie sind Sonntage auch zu etwas gut. Eigentlich.
Die Wahrheit ist …

… das ich alles in meiner Macht stehende tun würde, um mich zu verändern, nur um irgendwann die Gewissheit zu haben, dass wir beide eine Zukunft hätten.
Komm, sei ehrlich.

„Komm, sei ehrlich!“, denk‘ ich mir und eigentlich sollte mein Blick dir schon zur Genüge verraten, dass Ehrlichkeit hier eindeutig fehl am Platz ist. Denn würde ich hier mit der Wahrheit rausrücken, würdest du wohl erfahren, dass all das hier schließlich doch nur eine gemeinsame Lüge war. Und dass ich auch nur mit dir rede, weil in meinem Kopf schon viel mehr mit dir geplant ist. Du bist, so kann man sagen, bisher nur eine Vorstellung, nicht mehr. Und solltest du mich enttäuschen oder mir klar machen, dass es für mich doch keinen Sinn machen würde, weiter Anstrengungen hinein zu legen, dann würde ich es auch lassen.
Ich bin nur hier wegen dir, als reiner Vorwand, als der Schutzwall, der mich nicht tagträumend zuhause sitzen lässt. Um die Realität vorbeiziehen zu lassen und in der Hoffnung zu leben, dass Träume Wirklichkeit werden. Und dann stehst du bei diesem Vollpfosten und redest mit ihm, hältst dein Getränk in der Hand, kicherst und siehst ihm in die Augen. Und ich stehe zwei Meter daneben, die Musik in den Ohren, den Bass auf meinen Schultern und sehe ich um und wahrscheinlich denkst du gerade überhaupt nicht an mich.
Rhythmisch beweg‘ ich die Beine zur banalen Tanzmusik und in meiner Hand wird das Bier von Minute zu Minute wärmer und jeder Schluck hält sich nur schwer in meinem Mund. Ich fühl‘ mich fehl am Platz und blicke mich um. Nach anderen Freunden, nach irgendwelchen Bekannten. Nach Anhaltspunkten, die mich jetzt nicht verzweifeln lassen. Und als ich schließlich den letzten Schluck warmen Bieres aus der Flasche trinke und ich mich dabei wie gewöhnlich beinahe ankotze, bemerke ich den Fehler im System.
Ich stelle die Flasche auf irgendeinen umtanzten Stehtisch, zupfe mir mein T-Shirt in Form und mache mich auf den Weg. Auf den Weg zu dir und zur Bar und diesem einen Typen, dem Vollpfosten. Ich sag‘ nur „Entschuldige“ und stell‘ mich zwischen euch. Und dann streich‘ ich dir diese eine Strähne, die dir immer wieder ins Gesicht fällt, hinter dein Ohr und streiche langsam den Kopf entlang und mein Mund kommt dem deinen immer näher.
Unsere Lippen berühren sich und der Bass ist plötzlich weg. Und die Musik. Kein Vollpfosten mehr und kein ekelhafter Biergeschmack im Mund. Dieser Moment und nur wir. Unsere Zungen, deine sanften Küsse auf meine Oberlippe, deine Hände, die du um meine Arme legst. Das ist es. So einfach.
Denn in Wahrheit sind all diese Gedanken doch nur Straßensperren, weil man Angst hat, dahinter könnten sich Schluchten befinden. Diese Gedanken sind nur Steinklötze, die einem an den Füßen hängen. All das ist doch nur entstanden in meinem Kopf. Und in Wahrheit? Ja, in Wahrheit waren wir beide die ganze Zeit nur zwei Meter entfernt.
We looked like giants.

Wir waren wie Helden. Waren Vorlage für schöne Geschichten, Inspiration für die Intros der Anderen. Manche hielten uns für ewig, manche nur für lange. Nur wir, hörten auf. Uns zu halten. Hielten uns nicht mehr und gaben uns auf.
Heute wissen wir es. Die Ewigkeit ist ein Arschloch. Die Inspiration pure Verblendung. Das Heldentum ein Traum. Und das Leben bohrt weiter genüsslich in meiner Nase und spült mir Popel aus den Ohren. Hier sind wir, Leute. Und hier leben/liegen/feiern/kotzen/schlafen wir. Hier küssen wir uns und fühlen rein gar nichts dabei. Hier heulen wir uns aus, weil dieser eine Typ ein Arschloch ist. Das ist es, was das Leben birgt und das war es, was ich so lange Zeit vermisst habe.
Es ist hart und manchmal tut es auch weh. Weil Angst/Wut/Enttäuschung oder manchmal auch eine Riesenpackung Dummheit gegen einen wettlaufen. Und man eben doch meistens verliert. Aber (und das ist vielleicht die Quintessenz des Lebens im Allgemeinen und der Beginn meiner großen philosophischen Karriere): Es ist egal. Man ist nicht aus Zucker und im Regen, nicht aus Porzellan und im Wäschetrockner. Oder was auch immer. Es ist scheißegal, einfach weil es im Paket inklusive ist. Und mit Apfeltasche dazu.
Und deshalb sind auch nicht alle Parties gleich scheiße. Und jeder Regenschauer gleich nass. Manchmal gibt es Sommersturmrabatt, manchmal Spontanitätsbonus. Und manchmal schmeckt sogar die metaphorisch ins Gesicht geschleuderte saure Torte.
Weil die Gespräche wieder da sind. Und die Oberflächlichkeit und die Flüchtigkeit endlich wieder verloren gehen. Weil die Nähe, die mal da war, Heimweh bekommen hat und weil wir uns nicht grundlegend verändert haben. Wir sind immer noch die Gleichen, wir sind immer noch die Vollpfosten und die Zahnstocher-Fechter. Wir sind es geblieben, die Helden.
Die wir zu werden nie geträumt, zu bleiben nie erwartet hätten. Wir atmen tief ein und wir bleiben kurz stehen. Lassen das offene Zigarettenpäkchen auf den Boden fallen, stolpern beim Versuch, es aufzuheben und bleiben sitzen, an die Hauswand gelehnt. Kratzen eine herrenlose Zigarette neben uns auf und entfachen mit einem Zündholz wunderschöne Hundertstel-Erinnerungen. Atmen ein und atmen aus.
Und vielleicht werden wir auch wieder einmal Vorlage sein, für all die anderen. Werden ihnen wieder zeigen, wie Intros auszusehen haben. Vielleicht aber auch nicht. Es reicht schon, wenn man uns so in Erinnerung behält, wie wir sind. Als Giganten. Als Helden. Als uns.
Foto: flickr | creativecommons
Das ist es, und das passt so.

Sie haben gesagt, es würde Regen geben,
doch wir sitzen hier seit Stunden, trinken Wein
und sind einfach nur am Leben.
Bis unsre Welt zerbricht, es dunkel ist.
Die Auffahrt zum Haus meiner Eltern, ich seh‘ die Hausnummer und hinein bei den Fenstern, die mein Zimmer umranden und plötzlich fühlt es sich wieder einmal so an. Fühlt es sich so an, als wäre das hier nur nichts. Ein Haus mit Funament, recht hässlich und alt. Ohne Keller, wohlgemerkt. Und nicht mein Zuhause. Hier komm‘ ich immer nur her, alle zwei oder drei Wochen für zwei Tage. Und bin trotzdem immer unterwegs, komme doch nur zum Schlafen hierher.
Und auch diesmal ist es nicht anders. Die Zigarette, die wir vier noch vor dem Haus rauchten, und die Geschichten, die wir uns alle noch erzählten, bis die drei wieder in zwei Autos und ich in das Haus stiegen, um den Tag zu beschließen. Und niemand hat mir erklären können, wieso und weshalb. Und vielleicht zum ersten Mal seit Langem, (oder ist das jetzt nun schon Dauerzustand?) fühle ich mich nicht traurig. Fühle mich nicht traurig, dass das, was ich damals immer als mein Zuhause kannte, nichts mehr für mich ist.
Und dann das Treffen auf diesem einen exorbitant großen Parkplatz des wahrscheinlich doppelt so großen Supermarkts. Für eine Zigarette. Wir lehnen gegen unsere Autos, und planen schon weiter und atmen warme Nachmittagsluft. Um uns herum suchen Gestresste eine freie Parklücke und hupen, steigen auf die Bremse. Vollkommen hilflos.
Am Abend werfen wir schließlich Fleisch auf den Griller. Sitzen zu acht in der Sonne, die gerade dem Untergang zugeneigt ist. Rauchen, trinken Radler, spielen Volleyball, suchen Chuck Norris Witze und erzählen uns Porno-Titel. Warten bis es zu kalt draußen ist, und gehen rein. Nur um später noch auf eine Party am See zu fahren. Wo Leute ohne Shirt bei den knappen Plusgraden abfeiern und alle außer wir wirklich massiv betrunken sind.
Und dann ist da heute und ich gebe freiwillig kostbare Zeit hier her um nicht hier zwangläufig hier zu sein. Und packe mich in Hemd und Sakko und in die neuen Lederschuhe und die Jeans, die eigentlich noch voller Weißwein ist, der am Freitag über sie geschüttet würde. Und fahre irgendwann im Laufe des späten Nachmittag auch wieder weg. Zurück.
Und wisst ihr, was das Besondere daran ist? Es fühlt sich gut an. Schön an. Genau richtig. Ich genieße, und bin wahrscheinlich (selber fällt das einem ja nicht so auf) um einiges ruhiger, stiller, als ich es all die Zeit zuvor war. Das ist es, und das passt so. Weil. Wie lässt es sich denn schöner leben?
Einfach nur da sein und einfach nur ich sein.

Und als wir uns dann gegenüberstanden.
Und was für Tage, und was für Nächte und was für Schlaflosigkeit. Hier bin ich, liebes Leben. Hier bin ich und bereit, einfach mal überall zu sein. Alles zu tun. Und nicht darüber nachzudenken. Einfach nur da sein und ich sein. Ich, so, wie ich kaum sein konnte.
Hier bin ich, sehe mir den Sonnenaufgang an, mit einem meiner großartigen Freunde, der zur Feier des Tages und aufgrund des vorangegangenen Alkoholkonsums noch spazieren ging. Hier reden wir, tanzen mit Wunderkerzen vor der orange leuchtenden Morgensonne. Trinken Radler und Wein, rauchen Zigaretten und Moods. Atmen die feuchte, kalte Frühlingsmorgen-Luft und fühlen uns gut. Genau so, wie wir uns verdammt noch mal immer fühlen sollten.
Und das Lächeln. Einfach nur dieses Lächeln. Auf meinen Lippen. Ein kurzer Moment. Ein kurzes Sein. Und seit alledem ist mir wirklich vieles noch viel scheißegaler als es mir ohnehin sein könnte. Ich mache mir nicht unnötig Sorgen um Unnötiges. Habe nicht banale Ängste vor Banalitäten. Nein. Ich genieße die Zeit und die Sonne. Und die Zugfahrt und die Stille. Ich genieße es, einfach hier zu sein und atme tief und atme ein. Und atme aus.
Das ist es, was ich vermisst habe und das ist, was ich nie wieder vermissen möchte. Ich habe es vergessen, habe es beinahe verlernt. Stelle mich jetzt vielleicht noch furchtbar tollpatschig an. Aber es fühlt sich schön an. Wunderschön. Weißt du?
Foto: GypsyFae | flickr | creativecommons
Hinein in ein Café. [∞]

Mit einer überaus herausfordernden Handbewegung landet ihr Getränk in meinem Gesicht. Ohne Glas natürlich, das hätte nur unnötige Schnitte und glücksbringende Scherben gebracht. Ihr Baileys, oder White Russian oder was auch immer tropft von Stirn, Nase und Lippe herab. Sie stellt ihr Glas wieder hin, wirft einen Zehner über die Theke und haut ab.
„Und deshalb wäre es das Beste…“ Mein letzter Satz. Lange, lange vorbereitet. Einstudiert, wie die verschiedenen Kontoarten in Rechnungswesen. Und noch bevor ich aussprechen kann, weiß sie schon, an welchem Punkt wir nun angelangt sind. Oder ich. Ihr Mund scheint trocken, ihre Hand macht sich auf den Weg zu ihrem Glas.
Erklärungen folgen, in denen ich mich verheddere und immer wieder ziehe ich mich hoch um fortfahren zu können. Interessiert sieht sie mir in die Augen, wartet auf den Showdown und auf die Pointe, wartet darauf, dass ich sie an der Hand nehme und die alten Erinnerungen völlig real und nicht nur mit Worten wiederbelebe. Aber die meine Hand nimmt nicht die ihre. Und wir sind immer noch hier.
Wir schwelgen in alten Erinnerungen. „Und weißt du, damals, als wir…“ Spazieren waren, einkaufen, oder in diesem einen Café, als wir am See lagen, den Berg bewanderten. Man kann hier eigentlich alles einsetzen. Im Grunde genommen ist es scheiß egal. Hauptsache, man kann sich etwas erzählen. „Ja, natürlich. Wie könnte ich so etwas vergessen.“ Wie könnte ich. Wie hab‘ ich nur?
Das Café ist bekannt. Hier waren wir früher auch immer wieder. Sie hat sich hier mal den halben Café Latte über die Jeans geschüttet und mich, nachdem ich kaum mehr zu lachen aufhören konnte, vollkommen mit Kuchen bekleckert. Aber im Grunde genommen ist hier trotzdem alles neu. Neuer Besitzer und neue Kellner. Und vor allem die ungewohnte neue Einrichtung.
„Und für mich bitte ein Cola!“ Der Kellner wirft uns gekonnt zwei Untersetzer vor unsere Nasen und humpelt hurtig hinter die Bar. Das ist meist einer dieser unangenehmen Momente, zwischen Bestellung und Erhalt des gewünschten Getränkes. Irgendwie kommt es mir ja so vor, als bräuchte man das Glas, die Flasche, den Strohhalm, um sich festzuhalten und so erst dann die Konversation wieder fortzusetzen. Sie blickt mich an, auf der einen Hand sitzend und schenkt mir ein Lächeln. Und ich blicke mich sehnsüchtig nach meiner Coke um.
Galant öffne ich ihr die Tür, lasse sie zuerst eintreten und folge dann nach. Wir sehen uns nach einem Platz um, obwohl das eigentlich blöd aussehen muss. Wir sind nämlich allein hier. Allein, bis auf den Kellner, der gerade mit lethargischem Arbeitsstress wahrscheinlich das dritte Glas in einer Stunde poliert. Ich nehme ihre Jacke ab, schlüpfe aus meiner heraus und hänge sie auf die dafür vorgesehenen Haken gleich neben dem Klo. Schon hüpft der Kellner auf uns zu, beinahe als wären wir die erste Kundschaft seit Tagen.
Ich habe gekonnt auf die Worte „Wir müssen reden.“ verzichtet und auch sonst keine Anzeichen erkennen lassen. Ich möchte es ihr schonend beibringen, damit sie es versteht und wir uns im Guten trennen. Das sind meine Gedanken, als sie in mein Auto einsteigt und wir gemeinsam in die Stadt fahren. Weg von gewohnter Umgebung, in eine neutrale Umwelt. Hinein in ein Café.
Foto: Ben Seidelman | flickr

