
Und ich liege wach. Und du siehst mich nicht an. Hast mich schon lange nicht mehr angesehen und angefangen, zu glauben, ich sei Teil des Inventars. Unverzichtbar aber doch absolut unnötig.
Und ich öffne die Augen. Und du atmest durch. Unsere Blicken treffen sich, doch deine Augen sind leer. Alles in dir ist leer. Und während wir uns in die AUgen sehen, saugst auch du ganz langsam alles aus mir raus. Ich spüre es zwar, ich fühle. Doch ich fühle mich leer.
Und ich erhebe mich. Und du stößt mich zurück. Mit einer Wucht und einer Gewalteinwirkung. Du schlägst mir gegen die Schulter und weißt, dass ich da schon lädiert bin. Es ist dir egal. So wie dir alles egal ist.
Und ich blicke mich um. Und du siehst mir entgegen. Stehst unter dieser Schneewolke. Du und ich. Wir beide. Als Einheit in all dem Chaos. Du bist nicht mehr. Und ich schon. Und ich spüre den Schnee kalt auf meinen Schultern.
Und ich verlasse mein Zimmer. Und du bleibst. Ich schließe die Türe. Verliere den Schlüssel. Du bleibst unverschlossen. Und so gerne ich nun gehe, so ist mir doch bewusst, dass ich wiederkommen muss.
Und ich sitze im Zug. Und du mir gegenüber. Du sprichst mich nicht an, und ich höre Musik. Oder lese. Oder schreibe. Versuche auf andere Gedanken zu kommen. Und doch gehört jeder Gedanke einem Menschen.
Und ich beginne zu arbeiten. Und du bist überall. Ob ich denn nun im Internet surfe oder meine E-Mails überwache. So vieles erinnert an dich. Gespeicherte Mailausgänge. Gästebucheinträge oder persönliche Nachrichten. Blogs, Videos. Bilder. Verdammt. Und überall bist du.
Und ich bereite mich auf mein Bett vor. Und du bist bei mir. Ich beginne meistens zu schreiben. Höchstprofessionell, manchmal in ein Büchlein. Manchmal auf einen Block. Und die Worte sammeln sich. Alles wird schon in meinem Kopf konstruiert. Auch du.
Und ich drehe das Licht ab. Und du hältst mich. Es ist viel zu früh zu gehen. Die Gedanken seien noch nicht zu Ende gedacht. Und ich schreibe weiter. Bitte um Erlösung und um künstlerischen Beistand. Ich setze hinter das letzte Wort einen Punkt.
Und ich verlasse diese Welt und schließe die Augen. Und du hauchst mir ins Ohr oder fährst mir mit der sanften Haut deiner Hände um meinen Nacken. Es ist kalt. Ich zittere, doch nicht aus diesem Grund. Ich taste um mich.
Und ich liege wach. In diesem großen Haus mit den alten, dicken Mauern. Und du wirst schlafen. In eurer Wohnung in dieser Siedlung. Du wirst schon tagelang wahrscheinlich nicht mehr an mich gedacht haben. So wie ich. Ich habe schon lange nicht mehr an mich gedacht.
Und dann fragst du mich, warum ich dich nicht aus dem Kopf kriege? Und dann frage ich dich: Wie? Wie verdammt noch mal soll ich das schaffen? Wie nur. Denn überall bist du.
