We Used To Be Friends

 

Wir waren unzertrennlich, doch du zogst weg. War trafen uns endlich wieder, doch du kanntest mich nicht. Weißt du überhaupt noch wer ich bin?

TEXT: DOMINIK LEITNER, www.neon.de

Seit Jahren gab es 1998 wieder einmal eine reine Jungenklasse in meinem Gymnasium. Ich mittendrin. Und du. Wenn ich dich nach den ersten Wochen unschuldigen Kennenlernens ansah, ich mit dir sprach, dann fühlte ich mich wohl. Du warst mein Freund, mein bester. Wir haben uns zwar nie außerhalb der Schule getroffen. Aber wir haben uns gegenseitig den Schulalltag versüßt. Beide frech, beide unaufmerksam, beide humorvoll. Wir waren sozusagen seelenverwandt … ich weiß, dieser Ausdruck wird viel zu oft benutzt, aber ich glaube dieses Mal trifft er zu … wir waren unzertrennlich. Uns verband eine Art freundschaftlicher Liebe zueinander. Gemeinsam waren wir stark. War einer von uns krank, fehlte dem anderen etwas.

Doch dann zogst du weg, weit weg, viele Kilometer von mir entfernt, deine Mutter holte dich zurück zu sich. Du gabst vielen Leuten deine Telefonnummer, damit wir dich anrufen konnten. Über die Ferien hatte ich sie verloren. Ich habe dich nie angerufen. Nie. Ich bemühte mich selbst zwei Jahre später noch, um an deine Nummer zu bekommen. Aber ich habe dich nie angerufen.

Oft dachte ich an dich, und selbst jetzt, acht Jahre später denke ich immer noch oft an dich, wenn ich über Freundschaft und Freunde nachdenke. Du warst mir so wichtig, in diesem einen Jahr. Wie konnte ich nur alles so leicht aufgeben? Diese Freundschaft hätte sicher viele Jahre, trotz der Entfernung gehalten, wenn ich mir mehr Mühe gegeben hätte. Oder auch wenn du …

Vier Jahre später traf ich dich wieder. Ich erkannte dich sofort, als du vom Steg in den See sprangst. Du hattest noch immer das gleiche oder zumindest die Züge des 10-jährigen Freundes, den ich verloren hatte. Ich wusste deinen Namen, traute mich aber nicht, dich anzureden. Vielleicht würdest du es mir vorwerfen, dass ich mich nicht gemeldet habe. Vielleicht würdest du mir vorwerfen, dass ich daran schuld bin, dass unsere Freundschaft zerbrach.

Unter irgendwelchen Umständen sprachst mich glaube ich dann du an. Meinen Namen wusstest du nicht mehr. Wusstest auch nicht mehr genau, woher du mich kanntest. Wir tauschten wieder Nummern aus. Du wohntest wieder in meiner Umgebung. Und trotzdem meldeten wir uns nie. Trafen uns nie allein.

Die Jahre vergingen wieder, und im Jänner des letzten Jahres begann ich mit meinem Führerschein. Und als ich nach dem dritten Modulvortrag wieder ins Büro, ins Wartezimmer ging, wen sah ich? Dich. Kaum verändert. Gewachsen. Immer noch das gleiche Lächeln. Ich dachte wieder zurück. Ich vermisste die Freundschaft zu dir jeden Tag. Wir redeten, den typischen Smalltalk. Du wusstest immer noch nicht, dass wir einmal beste Freunde waren. Ich war nur einer von denen, mit denen du einmal in die Schule gegangen bist … mehr nicht.

Als ich meiner jetzigen besten Freundin davon erzählte, begann sie mit einer Geschichte, die ich kaum glauben konnte. Sie hatte einmal etwas mit dir. Und sie wisse, dass du viel zu sehr in den Drogensumpf abgedriftet bist. Dass du mehr als nur leichte Drogen konsumierst.

Ich finde es schade, dass wir uns schon so bald kennengelernt haben, denn je älter ich wurde, desto wichtiger wurden mir auch Freunde. Ich hätte dich nicht mehr losgelassen. Ich hätte dich vielleicht davor bewahren können. Wir könnten vielleicht immer noch Freunde sein. Beste Freunde vielleicht. Aber wir sind es nicht.

2 Gedanken zu „We Used To Be Friends“

  1. schöner text, schön geschrieben.
    und so ist das leben…man bemerkt häufig leider erst zu spät was einem wichtig ist….oder eben gewesen wäre..
    rede mit ihm.versuch zu retten was zu retten ist.nur so kannst du dein schlechtes gewissen beruhigen..viel glück 😉

  2. So ein schöner Text.

    Ich kann auch nur sagen: Es ist nie zu spät. Nicht, um Dein schlechtes Gewissen zu beruhigen, sondern um die Zukunft zu nutzen. Die Vergangenheit kann man nicht ändern; und Dinge passieren so, wie sie sollen. Wer weiß, wofür das alles gut war? Das kann man manchmal nie verstehen. Es ist auf jeden Fall eine Chance für Euch, wieder zusammen zu finden. Es gab so viele Begegnungen. . . nutzt die Gelegenheit. Einer muss den ersten Schritt gehen.
    Viel Erfolg!

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