Nicht schon immer.

Jetzt fahre ich schon 21 Jahre
in diesem verdammten Kreisverkehr
und finde einfach nicht
diese eine, verschissene, richtige Ausfahrt
.

Ein Drittel des Tages verschlafen, ein Drittel des Tages gedöst, ein Drittel des Tages gesurft. Mein Valentinstag 2010. 2009. 2008. Ich halte mich nicht mehr aus, habe eine solche Wut gegen mich im Bauch. Möchte über allem stehen und weiß es, dass es nicht funktionieren wird und kann und vielleicht auch soll. Wenn man nach 3 Jahren (ungewolltem) [verdammten] Singleleben immer noch einen umgedrehten Magen hat, wenn man von knutschenden Pärchen umgeben ist. Vor lauter Neid. Vor lauter Selbstmitleid.

Ich bin. Und das ist wirklich etwas, was ich einerseits nicht verstehe, und andererseits auch gerne verheimliche, seit 3 Jahren Single. Habe vor zweieinhallb Jahren das letzte Mal eine Frau geküsst. Und das wars. Seither jage ich den falschen Lieben hinterher, werde enttäuscht, enttäuschte selbst. Deshalb suche ich seit Monaten nach einem Buckel, einer Riesenwarze auf meiner Nase, überprüfe ob ich eh kein Holzbein habe, und versuche stets, zu eruieren, ob mein Humor noch gesellschaftsfähig ist. Und nein. Ich habe keinen Buckel, keine Riesenwarze, kein Holzbein und bin lustig. Vielleicht bin ich einfach nur …

… einfach nur in dieser einen beschissenen langandauernden furchtbaren verdammten … ja, nennen wir es … Phase. Und leider habe ich mich zu tief mit dieser Phase eingelassen. Habe vergessen, wieder aufzutauchen, Luft zu holen. Es hat lange gedauert, bis ich mich auch nur wieder irgendwie in Richtung Normal gewendet habe. Und dann wieder das. Die Angst vor allem. Keine Ahnung. Wut gegen sich selbst aufgrund des all zu sehr fehlenden Mutes. Ich denke an Abbruch, weil schon zuviel verloren. Da hat man einmal die Erfahrung und wünscht sich, nun alles besser zu machen. Und macht dieselben und noch viele neue Fehler und möchte aufgeben. Hat es denn Sinn?Und dann denkt man wieder nach, wie einfach all das damals war. Wie perfekt abgestimmt und wie wunderschön. Man denkt daran, obwohl man das eigentlich vor mehr als einem Jahr wirklich aufgehört hat. Und so wird alles größer. Alles. Die Probleme, der Unmut. Ihr wisst schon.

Sehe Bilder von mir. Von früher. Und möchte umkehren. Pause. Rewind. Stop. Play. Und diesmal richtig. Möchte zurück, kann es aber nicht. Fühle mich so von ganzem Herzen außergewöhnlich beschissen. Und kann einfach nicht anders.

Nichts mehr mit Heimweh nach Liebeskummer. Nichts mehr mit ‚glücklicher Single‘. Nichts. Eher das Aufbauen neuer Dinge. Neuer Ziele. Und wie schon wieder so oft angekündigt. Veränderung. Und der Kampf. Das Erreichen dieser Ziele. Weil sie mir wieder Mut geben. Mir die Anerkennung verschaffen, auf die ich schon so lange vergebens hoffe. Meine Anerkennung. Gewicht verlieren, Buch schreiben. Kurz gesagt.

Und ja. Ich packe es professioneller an. Werde in Kürze beginnen, mit einem Freund in St. Pölten ein Fitnessstudio zu besuchen. Stelle die Ernährung um. (Eines hatten wir ja schon des Öfteren. Aber nun … ganz neu: Mit Bewegung!)

Und das Buch? Ja, verdammt. Ich arbeite daran, ihr seht, ich komme weiter. Mache mir ständig Gedanken. Habe mir das Ziel gesteckt: Juni 2010. 30. Juni. Muss es erreichen, weil (wie ich hier schon mehrmals schrieb) Herzblut dranklebt. Weil alles dranhängt. Alles, ohne Übertreibung.

Und vielleicht bin ich erst nach dem Erreichen dieser Ziele wieder bereit, zu mir zu stehen. Mutig zu sein. Über meinen Schatten zu springen.

Vielleicht bin ich erst dann wieder im Stande, frohen Mutes einen Fuß vor den anderen zu setzen. Vielleicht klappt es erst dann wieder, und ist wieder zu spät für das eine, aber eine Möglichkeit für so viel anderes. Vielleicht sollte ich einfach nur Nichts  tun und mich verdammt noch mal diese 4 Monate voll und ganz auf mich konzentrieren. Weil ich muss und es brauche und mir das Resultat schließlich verdient habe.

Alles andere würde – verdammt noch  mal – sowas von weh tun. Und nein. Das will ich. Nicht schon wieder. Nicht schon immer.

Alle Fotos: just4ikarus | flickr | 2008

3 Gedanken zu „Nicht schon immer.“

  1. is eine bemerkenswert gute idee.
    es wird dir am anfang schrecklich schwer fallen, aber mit der zeit wird es viel besser werden. einfach nur auf dich und deine interessen konzentrieren. mal „nein“ sagen und zwar nur deswegen, weil es dich nicht interessiert. schwierig, aber schaffbar.

    ich finde das eine sehr gute idee und es würde mich unglaublich freuen, wenn du deine ziele für dich erreichst.
    hey-ho, let’s go!

    1. Ist es auch eine „bemerkenswert gute Idee“, wenn ich weiß, dass ich dadurch jemand anderen (und vorübergehend auch mir) weh tun werde? Nicht, weil es mich „nicht interessiert“, sondern weil ich mir des kommenden Scheiterns bewusst bin?

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