Secretly

Wir reden über alles. Scheinen unser Leben gegenseitig in und auswendig zu wissen. Aber es gibt ein Geheimnis, welches du nie erfahren wirst.

Wenn wir in der Schule sitzen, wir sehen uns immer wieder an, während der Stunde. Wenn wir etwas sagen, dann warten wir auf die Reaktion des anderen. Lachst du, dann ist das Experiment geglückt. Du lächelst. Es hat funktioniert. Du siehst mich kurz an. Siehst dann wieder nach vorne. Ich sehe dich noch länger an. Viel zu lange.

Die Pause. Endlich hat es geläutet. Wir wandern durch unsere Schule. Frisch renoviert genießen wir vor allem unseren neuen Pausenhof. Sitzen dort draußen, an dieser einen Glaswand. Du legst dich mit deinem Kopf in meinen Schoß. Du siehst zu mir hoch. Mit deinen schönen Augen. Ich sehe zu dir hinunter. Tief hinein in dieses riesige schwarze Loch, das mich in seinen Bann zu ziehen versucht. Ich schließe kurz die Augen. Blicke auf. Das Loch ist weg. Du bist noch da. Du fängst an zu reden. Ich lausche dir. Werfe auch immer mal wieder ein paar Wortfetzen in die Konversation. Aber ich möchte nicht mich reden hören. Ich lausche deinen Worten. Deiner Stimme. Du sprichst. Und ich höre dir zu. Egal was du sagst, ich höre dir zu.

Noch mal eine Pause. Wir sitzen hinten in unserer Klasse. Auf der Couch. Lauschen der Musik aus dem Radio. Dein Duft. Er … ist so gut. Ich versuche ihn in mich aufzusaugen. Setz dich fest, hier in meinem Nasenflügel. Sodass ich immer eine kleinen Portion persönlichen Duft von dir in meiner Nase mittrage. Du bemerkst es gar nicht, wie ich an deinen Haaren rieche. Und während ich dir diese eine Strähne aus dem Gesicht wische, würde ich der gerne durch dein ganzes Haar fahren.

Wenn wir uns in Stille begegnen, wenn wir beide nichts sagen, dann fühle ich mich dir so nah. Und sobald einer von uns zu sprechen beginnt, fühle ich mich so nutzlos. Du bist so … intelligent. So einzigartig. Und ich? Ich sehe dich einfach nur gerne an. Verliere mich in deinen Augen. Genieße deinen Duft.

Ich schwinge mich auf mein Mofa rauf, fast jeden Nachmittag. Fahre zu dir. Liege bei dir im Bett. Wir reden, über so viel. Lauschen der Musik, die aus deinem CD-Player herauskommt. Chilled In The Sun heißt diese CD. Und so fühle ich mich. Mit dir am Strand. Wir beide in einer Hängematte. In Hawaii. Doch du bist noch hier. Hier in Österreich. Du lebst in der Realität. Im Hier und Jetzt.

Und selbst wenn wir uns vor lauter Träumen vor der Realität zu verstecken versuchen, du holst mich immer wieder zurück. Wenn ich dir schon so nahe bin, dass ich deine Lippen berühren konnte, drehst du dich immer weg von mir. Wahrscheinlich weißt du gar nicht, wie gern ich dich küssen würde. Woher sollst du es denn auch wissen. Ich lasse mir ja nichts anmerken. Nur, wenn wir gemeinsam auf diesen kleinen, geheimnisvollen Berg liegen, ich würde so gerne noch näher zu dir rücken. Würde so gerne deine Hand nehmen, und mit dir liegen bleiben, bis unsere Welt zerbricht. Es dunkel ist. Doch irgendwann sagst du, lass uns gehen. Und manchmal nimmst du auch noch andere Freunde mit. Wir sind eigentlich viel zu oft nicht allein.

Spürst du es denn, dass ich dir so nahe sein möchte? So nahe, wie dein Ex-Freund dir war. Du hast mir so viel über ihn erzählt. Bis vor kurzem wart ihr ja noch zusammen. Ich habe dich in einer Beziehung erlebt, habe deinen Erzählungen eifersüchtig gelauscht. Habe die Trennung mitbekommen, habe dich getröstet. Mit so vielem im Hinterstübchen meines Gehirns. Warum willst du mich nur als besten Freund? Warum wollen mich eigentlich alle nur als besten Freund? Kann ich so gut zuhören? Gebe ich so gute Ratschläge in Beziehungsthemen? Ich, gerade ich, der noch nie eine Beziehung hatte.

Ich mag das nicht. Das Gefühl „best friend for everyone“. Ich fühle mich so sinnlos. Meine beste Freundin, du wirst für mich so viel mehr, als „nur“ beste Freundin. Wenn ich dich sehe, lächle ich. Wenn ich mit dir telefoniere, strahle ich. Wenn ich an dich denke, hüpft mein Herz.

Aber ich bin so unehrlich zu dir. Die ganze Zeit lüge ich dich an. Wenn du mich fragst, wie es mir geht? Gut geht es mir, sage ich dann immer. Mir geht es nicht gut, ohne dir. Du fragst mich, ob ich dich hübsch finde. Ich sage ja. Das stimmt nicht. Du bist wunderschön. Du fragst mich, ob ich gerade verliebt bin. Ich verneine. Ich lüge. Ich liebe dich.

Aber du wirst all das nie erfahren. Viel zu sehr versuche ich, unsere Freundschaft nicht aufs Spiel zu setzen. Uns liegt doch beide etwas daran. Vielleicht sind die Gefühle auch auf beiden Seiten. Aber ich traue mich nicht, dich zu fragen. Bin zu schüchtern. Ich verliere so viel Zeit, dich im Geheimen zu lieben. Ich möchte es dir zeigen. Zeigen, dass es mich gibt. Dass ich als „Beziehungspartner“ ebenfalls zur Auswahl stehe. Doch du siehst mich nicht. Ich bin nur dein bester Freund. Mehr willst du nicht.

Und daran zerbreche ich. Verliere mich an der Sehnsucht, mehr von dir zu bekommen. Mehr Liebe, mehr Nähe, mehr Zuneigung. Und unsere Freundschaft zerbricht daran. So, wie sie vielleicht zerbrochen wäre, wenn ich mich nur getraut hätte. Wenn wir es versucht hätten.

Ich widme diesen Text allen Menschen, allen besten Freundinnen, in die ich verliebt war. Und denen ich es nicht gesagt habe. Wenn du dich jetzt nicht angesprochen fühlst, dann weißt du es einfach bis heute noch nicht. Ich widme es auch jenen, denen ich es gesagt habe, und die mich aber als „nur“ als besten Freund wollten. Und auch dir, mit der ich es versucht habe. Aber selbst nie genau wusste, was mir wichtiger ist. Die Liebe oder die Freundschaft. Ich hätte mich schlussendlich für die Liebe entschieden. Jetzt führen wir eine Freundschaft. Immer noch einzigartig. Toll. Und Hauptsache eins: platonisch. Und jetzt kann ich dir vor allem auch mal etwas aus meinem Beziehungsleben erzählen. Danke du, du, die einzige, bei der es auf beiden Seiten Gefühle gab. Und du, fällt dir eines auf? Niemand andere ist in meinem Kreis der allerbesten Freunde geblieben. Außer du. Dass muss wahre Freundschaft sein, meinst du nicht?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert