
Ich kann nur ahnen wie’s mir geht, wenn man auf einmal nicht mehr drüber steht.
Die ganze Kraft hat mich verlassen. Ich spüre es, den Druck, die Angst. Hier fühle ich mich nicht wohl, hierfür bin ich nicht geboren. Und doch drückt es mich auf den Boden. Mir fehlt die Kraft und der Glaube, um wieder aufzustehen. Nein, reicht mir keine Hände, reicht mir kein Seil. Ich will hier bleiben. Es tut einfach noch viel zu sehr weh, um mich wieder zurückkatapultieren zu lassen. Gebt mir die Zeit, die ich brauche. Gebt mir den Raum, den ich benötige. Bedrängt mich nicht. Ich bin schwach.
Ich bin stark genug, um auch mal schwach zu sein.
Mich trennen Welten. Zwischen dem Wunsch, das Leben nach Plan zu leben, niemanden sterben zu lassen, niemanden zu verlieren, tritt die andere Welt in Kraft. Die Realität. Sie macht mich schwach. Meine Träume stark. Man kann schon manchmal schwach sein. Und es sich auch ankennen lassen. Aber auf Dauer wirkt Schwäche sich auf das Gemüt. Man kommt sich vor wie ein Verlierer. Ein Loser, der mit dem Leben nicht zurecht kommt. Doch eigentlich ist ja das Leben schuld, dass einem immer mal wieder mit voller Wucht ins Gesicht schlägt, das Herz zu verätzen versucht, die Ratio zerstören will.
Ich liege hier am Boden. Die Erde scheint in unschätzbarer Geschwindigkeit zu rotieren. Die Sonne geht unter, lässt mich in der Dunkelheit zurück, der Mond erstrahlt, die Sterne glitzern. Bis die Sonne wieder aufsteht. Blumen beginnen zu sprießen, welken, lösen sich wieder auf. Raupen verpuppen sich, und erscheinen als wunderschöner Schmetterling. Und ich, liege hier. Und irgendwann sind die Wunden im Gesicht geheilt. Das Herz hat sich von der Verätzung erholt und trotz all der widrigen Umstände, trotz all der Probleme und dem Unverständnis schafft man es irgendwann wieder, rational zu denken.
Manchmal liebe ich das Gefühl von Schwäche, liebe das Gefühl, nichts tun zu können, um etwas besser zu machen. Wenn man vollkommen entmachtet ist, spürt man erst wieder wie mickrig und unwichtig man ist. Und wie schön es ist, mit aller Kraft für etwas zu kämpfen arbeiten. Irgendwann wird das Leben immer wieder aus den Fugen geraten. Und ich werde mittendrin stehen und fragend umherblicken. Und erst dann schaffe ich es wieder, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Träume, Vorstellungen umzusetzen.
Inspiriert von Christina Stürmers Lied „Mitten unterm Jahr“. Musikalisch schön, songtexttechnisch mittelmäßig (Lieder ohne Refrain sind großartiger). Aber seit dem ersten Mal in meinem Ohr gefällt es mir so zirka.
