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Alles und doch so wenig. Nichts und doch so viel.

Ich sitze hier, du mir gegenüber. Der warme Tee in meiner Hand sollte meinen Magen beruhigen, doch dieser rotiert, lässt es grummeln und weiß nicht, was er mit sich selbst tun soll. So wie ich. Ich sitze hier, wie ein vierjähriges kleines Kind, das nichts zu wissen glaubt und ganz erstaunt zur großen Welt aufblickt. Kein Wort verlässt meinen trockenen Mund. Ich warte auf dich. Warte, dass du etwas sagst, dass du erzählst von deinem Leben und dem Sein und der Welt und dir. Doch auch du schweigst.

Haben wir uns denn gar nichts zu sagen. Menschen, die ich weitaus weniger kenne, sind viel einfacher zu handhaben. Mit ihnen kann man Gespräche führen, über Gott, und das Wetter, Sterne und Liebe. Bin ich irgendwann endlich mal bereit, Smalltalk zu führen, bin ich ein König in diesem Genre. Wenn einen nichts verbindet, ist es viel einfacher, eine einmalige Verbindung aufzubauen. Aber bei dir ist alles anders. Du bist anders. Bist doch auch nur ein einzelner Mensch in der unendlichen Hemisphäre. Aber es scheint, als wärst du ein ganz besonderer Stern, ein Komet, ein Meteorit. Schön zu betrachten, mit unvorstellbar zerstörerischer Wirkung.  

„Wie geht es dir?“ Ein möglicher Start für eine Konversation. Jetzt bin ich nur noch gespannt, was du antwortest. „Wie geht es dir wirklich?“ Du sammelst dein Gesicht unter deinen Handflächen, nur mehr ein Schluchzen höre ich von deiner Seite. Verdammt. Fallen mir jetzt auf die Schnelle irgendwelche nützlichen Floskeln ein. Soll ich noch Fragen hinterherwerfen? Ich weiß es nicht. Sitze nur da, und rücke immer näher zu dir. Und als ich neben dir sitze, nehme ich dich in den Arm. Du drehst dich zu mir und vergräbst dein Gesicht an meiner Schulter. Ich spüre den Fall der schweren Tränen auf meinen Körper. Du tust mir weh. Es tut mir weh, dich so zu sehen. Du klammerst dich an mich, möchtest noch minutenlang deinen Tränen freien Lauf lassen, geschützt von mir.

Irgendwann erhebst du deinen Kopf wieder. Setzt dein Kinn auf meine Schulter, und mit leicht verweinter Stimme flüsterst du mir wenige Worte ins Ohr. „Dankeschön.“ Ganz wenige, aber wunderschöne Worte. Uns ist heute nicht nach Reden zumute. Als du dich etwas gefasst hast, nehme ich dich an der Hand. Und ziehe dich hinaus, auf die Straße, auf den Weg, irgendwann setzten wir uns auf eine Parkbank. Der Wind braust durch unsere Haare, geschützt unter einem großen Ast eines Kastanienbaumes trifft uns nicht mal ein Regentropfen. Und während wir hier sitzen, beobachten wir den Sturm am See. Beobachten das Unwetter, die Verwüstung. Und während um uns herum alles übereinander einstürzt, werden wir innerlich immer ruhiger. Wer braucht schon Worte.

Ein Gedanke zu „„““

  1. Da will ich ein Kommentar schreiben..und bin sprachlos,weil der Text einfach so wunderschön ist! ich kann nicht aufhören,es zu lesen..und es wird jedes Mal besser!

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