Neu.

Einfach nur mal feiern. Die Sorglosigkeit genießen. Der letzte Kuss von allen. Und der Beginn des Zivildienstjahres. Das dritte Quartal. 

Es ist schon ein mächtiges Stück, wenn man weiß, dass man die Schule, die neun Jahre so etwas wie ein Zuhause, eine verdammte Hassliebe war, bis auf eine Ausnahme nicht mehr besuchen muss. In dieser Zeit liebte ich es, von Abschnitten zu sprechen. Dieser eine lange Abschnitt war nun vorbei. Jetzt dürfte ich wohl genießen und der Welt den Stinkefinger zeigen. Dass ich den letzten Kuss des Jahres von einem betrunkenen Mädchen bekommen habe, ist mir eigentlich egal. Ich selbst war ja ebenso betrunken. Und schließlich und endlich flogen wir auf die Maturareise. In einen Club in die Türkei. 3000 Gleichgesinnte. Ihr glaubt mir ja gar nicht, welche Träume und Vorstellungen ich von dieser Woche hatte. Eigentlich wurde nichts Realität. Und doch war es für mich eine wunderbare Woche. Vor allem, weil sie mir zeigte, dass unsere Klasse, trotz der unglaublichen Abwechslungsmöglichkeiten doch meistens vereint irgendwo am Strand abchillte.

Als hätte ich nichts anderes zu tun, kam ich von dieser Reise, leicht braungebrannt, etwas rötlich verbrannt nach Hause. Und musste sofort für die theoretische Führerscheinprüfung lernen. Obwohl eigentlich alles so aussah, als würde ich sie nie und nimmer schaffen, habe ich sie eigentlich, mit meiner Übungsvorbereitung doch sehr bravourös geschafft. Und auch die praktische Prüfung schien leichter zu sein, als erwartet. Mit meinem Führerschein, einem schrecklichen Foto bewaffnet, hatte ich endlich das, was ich immer wollte. Freiheit. Ich war nicht mehr auf wenige Kilometer rund um mich herum beschränkt, soweit mich eben mein Moped trug. Jetzt konnten andere Wege betreten werden. Und doch. Dann kam all das, was ich zwar schon wusste, aber doch nicht wahrhaben wollte.

Der Zivildienst. Die ersten drei Tage zur Einschulung in der Landeshauptstadt, und ab dem sechsten August schlussendlich jeden Tag nach Bad Goisern, einem etwas größeren Dorf als meinem Wohnort, ca. 50 Kilometer davon entfernt. Es war schon eine wilde Umstellung, so früh aufzustehen, eine Stunde mit dem Zug zu fahren und mehr und mehr wurde mir bewusst, dass ich nun schon in einem Alter bin, oder eben in einer Phase, an dem Schulkinder nerven. Selbst wenn sie nur drei Jahre jünger waren als ich. Und so führte mich ein gutes Buch und mein Mp3-Player in dieses Käffchen, wo ich meine Zivildiensteinsatzstelle fand. Dass die Tage doch eher langweilig werden würden, das hatte ich fast befürchtet.

Anfang August war übrigens auch die Zeit, als zwei Texte von mir in einer österreichischen Tageszeitung mit einer Auflage von über 100.000 Stück (Platz 3 aller österreichischer Zeitungen) veröffentlicht wurden. Das Gefühl, der Stolz am Anfang, schlug nach das eine Mal auch ein Wut um, weil ich einfach mal nicht genug recherchiert hatte. Und doch war es ein schönes Gefühl, das ich schon in dieser Art und Weise für meinen Berufswunsch trainieren konnte. Und in einer solchen Zeitung veröffentlicht zu werden, konnte ja auch nicht jeder von sich behaupten.

Welche Bekanntschaften ich in diesen Monaten machte? So einige. Hängengeblieben bin ich zum ersten Mal richtig bei diesem einen Mädchen. Anfangs nur Blicke. Dann Worte. Dann Lächeln. Und irgendwann redete ich mir ein, dass ich einfach über sie noch nicht hinweg sei. Und brach den Kontakt zu dem Mädchen für eine beachtlich lange Zeit ab. Jetzt, im Nachhinein, bereue ich es. Denn ich denke, es hätte ehrlich etwas werden können. Jetzt sehe sie zwar öfter, doch es ist nichts mehr. Ich finde sie noch hübsch, sie hat eine wunderbare Ausstrahlung, aber irgendwie habe ich alles durch das Ausweichen zerstört.

In diesen drei Monaten war alles neu für mich. Das Ende der Schule, der Führerschein und der Beginn des Zivildienstes. Dass ich mich schon von Anfang an auf das Ende des Zivildienstes freute, ist ganz logisch, irgendwie. Freue ich mich doch immer auf das Danach. Auf Wien, mein Studium und der erste richtige Ausbruch von Zuhause. Das halbwegs selbstständige Leben. Und doch ist in diesen Monaten relativ wenig geschehen.

Lied des Quartals: Love Hurts von Incubus
Buch des Quartals: Elementarteilchen von Michel Houellebecq

Was von diesen drei Monaten bleibt: Das Gefühl, vor eine komplett neue Aufgabe gestellt zu werden. Und sowieso alles andere. Es waren interessante und doch ruhige und langweilige Tage. Eigentlich die leblosesten des ganzen Jahres. So gesehen. Neu bedeutet nicht immer, dass alles gut ist.

// Jahresrückblick 2007. Teil 3. Juli, August, September.

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