Irgendwas mit Medien.

Wir sind übrigens schnell über die normalen Smalltalkthemen hinausgekommen. Marlene beginnt gerade über das Wetter zu philosophieren. Und entgegen meiner ersten Annahme, sie würde Meteorologie studieren, stellt sich schließlich heraus, dass sie einfach nur vom spätsommerlichen/frühherbstlichen Wärmehoch fasziniert ist.

Meine vier Begleiter, oder nein. Die vier Leute, die ich begleiten durfte, scheinen wirklich nette Menschen zu sein. Sarah nickt mir zufrieden zu, ihr Plan, mich mit dem heutigen Abend „in die Gesellschaft einzuführen“, hat also geklappt. Ich lächle zurück.

Mein Cafe Latte wird serviert, auch die Anderen bekommen ihre Drinks und Kaffees.

»Und was willst du irgendwann einmal werden?«

Nachdem wir unsere Studiengänge untereinander ausgetauscht hatten, ist diese Frage doch nur sehr naheliegend.

»Irgendwas mit Medien.« ist meine Antwort, das folgende Gelächter ist erlaubt. In Wahrheit sehe ich mich ganz woanders. Nein, nicht wirklich. Aber wenn ich jetzt sagen würde, dass ich mich irgendwann einmal in einem Bücherregal sehen möchte, würde ich wohl wahrscheinlich nur ungläubige Blicke ernten. Aber ja, ich möchte gerne einmal Schriftsteller werden. Ich schreibe auch jetzt schon. Geschichten, manchmal fiktional, manchmal autobiografisch. Und die Wenigen, die mal etwas zu Lesen bekamen, lieferten auch immer wieder interessante und anspornende Anregungen. Aber bis heute ist dieser Traum nur ein Fall für die Utopie. Die Verwirklichung steht noch in weiter, weiter Ferne.

Ich lasse meinen Kaffee auskühlen, nehme dann den ersten Schluck und wische mir den Milchschaumbart von meiner Oberlippe weg, als die Anderen schon darüber nachdenken, wohin sie wohl im Anschluss gehen sollen. Ob ich denn Lust hätte, mitzugehen, fragen sie mich und Sarahs Blick zeigt mir, dass ein »Nein, eher nicht.« eindeutig nicht erlaubt ist. Ich nehme mein Päckchen Zigaretten, nehme eine heraus, zünde sie an und meine nur »Zeigt mir, wo man hier in Wien so richtig viel Spaß haben kann.«

»Und? Bist du Single?« Marlene scheint es also wissen zu wollen.
– »Ja.« Ähm.
»Aber du hast doch jemanden kennengelernt.«, unterbricht mich Sarah.
– »Ach, das ist doch nichts. Ich habe mich nur ganz kurz mit ihr unterhalten. Und sie weiß noch nicht mal meinen Namen.«

Die Frauen lachen, zurecht wie ich finde. Es ist nicht mehr und trotzdem kann ich nicht leugnen, dass mir Emily noch immer nicht aus dem Kopf gegangen ist. Und, wie ich im Laufe dieses Gesprächs erfahre, sind Marlene und Kathrin liiert, Stefan und Sarah noch mehr oder weniger glückliche Singles. Irgendwie schade, dass sich alles doch wieder nur am das Eine dreht. Bist du, hast du, seid ihr. Zu recht viel mehr scheint das Gehirn eines jungen Erwachsenen wohl nicht im Stande zu sein. Und selbst wenn sie nach außen hin als sehr intelligente und wirklich rationale Menschen gelten, verlieren sie, im Angesicht der Liebe, so ungefähr alles, was einen Menschen ausmacht.

Nein, ich bin nicht verbittert. Ich halte einfach nur nichts davon, in jedem Kuss die Ewigkeit und in jedem Sex eine Gefühlsbombe zu sehen. Und ja, auch ich war mal so ein Typ, der wohl alles getan hätte, um die Liebe aufrecht zu erhalten. Aber ich habe daraus gelernt. Und habe dabei nicht verlernt zu lieben, nein. Glücklicherweise nicht. Aber ich halte ganz einfach nichts von der Ewigkeit und lebe viel lieber ohne unnötigen Gefühlsballast vor mich hin. Wisst ihr, um wie viel unkomplizierter ein solches Leben ist? Ein „In den Tag hineinleben“, sozusagen?

Die Liebe ist für mich ein Zustand. Liebe mit inbegriffene Gegenliebe, ein wunderschöner Ausdruck der Gegenseitigkeit, läuft vielleicht nur dann ohne gröbere Stolpersteine, wenn man sich bewusst wird, dass dieser Zustand vielleicht nur ein paar Wochen, ein paar Monate anhält. Und manchmal auch ein paar Jahre (und schließlich ganz selten: für immer). Man darf nicht erwarten. Eine Erwartungshaltung wird doch immer enttäuscht, egal, wie niedrig man seine Hoffnungen und Träume setzt. Und irgendwann entwickeln sich die Menschen einfach in ungewohnte Richtungen weiter, manchmal gemeinsam, aber viel zu oft auch einfach in die entgegengesetzte Richtung. Aber wenn man sich dieser Tatsache bewusst ist, dass Liebe eben nur ein Zustand, eine Zeitspanne überdauert, hat man die Möglichkeit, aus vollem Herzen zu lieben und mit großen Gefühlen zu hantieren. Man entdeckt dadurch eine ungewohnt neue Art zu lieben, ohne Träume von einem Haus, einer Familie, einem gemeinsamen Auto, der Zukunft.

2 Gedanken zu „Irgendwas mit Medien.“

  1. Die letzten beiden Absätze finde ich super. Kann mich damit sehr gut identifizieren.
    (Allerdings ist das Ende auf den Fluss der Geschichte bezogen zu abrupt, finde ich; da einfach eine Pause zu machen, ist irgendwie fehlplatziert.)

    1. Dankesehr!

      Zum Ende dieses Teils: Normalerweise haben die einzelnen Forsetzungsgeschichtenteile rund 1.000 Wörter Umfang. Diesmal ging es innerhalb kurzer Zeit gut voran, dann stockte es wieder. Deshalb ist dieser Teil etwas kürzer, und nicht extra aufgebaut wie ein einzelner Teil. Der kommende Teil schließt also vollkommen an diesen Teil an.

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