Zweiter Versuch.

Ein weiterer Versuch des heutigen Morgen.

Der Zug rattert bemerkenswert unruhig. Mehrere hundert Menschen werden dadurch aus ihrem minutiös geplanten Koma geweckt. Überall sammeln sich nervöse Blicke, fragend, was da draußen wohl eben passiert ist. Ich war die ganze Zeit munter. Mit Musik habe ich mich wach gehalten. Doch nun vollführte der Zug die erste Notbremsung meines Lebens. Unbeeindruckt fühlte ich die langsame und unscheinbare Geschwindigkeitsreduktion. Kein Spur von „von 100 auf 0 in 3 Sekunden“. Erst nach einer gefühlten Minute steht die Welt der Zug still.

Für wenige Sekunden herrscht hier absolute Stille. Keine kreischenden Jugendliche mit ihren übertollen Musikhandys, keine schnarchende Pensionistin neben mir. Jeder Tag hat wohl so seine Sekunde, seinen Moment der Stille. Der ganze Zug scheint wach. Ein beuunruhigendes Gefühl. Hat sowas von „28 Days Later“. Großstadtzombies auf der Suche nach … Informationen. Eine alte Dame wagte den ersten Schritt.

Das ist einer der Frauen, wo man sofort weiß, wenn man sie das erste Mal sieht, dass sie der Typus Frau ist, die Männer am Wenigsten ausstehen können. Lady Kommunalklatsch. „Weiß irgendjemand, was da passiert ist?“, wirft sie in die gemütliche, aufgeschreckte Runde. Der Zug steht immer noch. Da alle Leute nur Unwissenheit vorschieben, versuche ich einen Vorstoß zu üben. „Ähm. Vielleicht ein-“ „-Selbstmord.“ Eine unbekannte Stimme hat meine Redezeit überraschend verkürzt und das richtige Abschlusswort gefunden. Erschrockene Gesicher blicken uns an. Aber ich sehe mich nach dieser Stimme um.

Heute früh habe ich seit langem wieder einmal meinen Block und meinen Kugelschreiber herausgekramt und unter der Dauer-Rotation von Pachelbels Canon kamen diese Worte aufs Papier. So sieht er vielleicht aus, der Anfang. Gefällt mir besser als die drei Seiten, die ich bisher niedergeschrieben habe. Mal sehen. Aber klassische Musik wirkt scheinbar Wunder.

25 Gedanken zu „Zweiter Versuch.“

  1. Ich habe ja nie gesagt, dass ich jetzt mit den Lorbeeren rumspielen werde. 😀 Natürlich kommt noch so einiges. Aber Lob tut ja bekanntlich gut. Vor allem als Antwort auf einen Text.

  2. also sex war schon die letzten 19 jahre meines lebens out, aber ich hoffe stark auf 2009.
    alle sache werden irgendwann mal wieder in.

  3. Wann Sex wieder in wird, kann ich dir nun leider nicht voraussagen… aber wenn in den 2010er-Jahren die 80er wiederkommen, wandere ich auf den Südpol aus, wo alle aufrechtgehenden Bewohner Frack tragen… *schüttel bei gedankem an schulterposter föhnfrisuren und leggins*

  4. aber die ersten Anzeichen gibt es leider schon. Wenn man so durch die Stadt schlendert sieht man immer öfter Fussballproleten mit vokuhila!!!!!!!! *kreisch*; das ist echt einer der schrecklichsten Frisuren überhaupt

  5. @ mekmek: Da stimme ich Dir inbrünstig zu. Es gibt Bezirke in Berlin (Neukölln, Marzahn, Hohenschönhausen etc.), wo die 80er scheinbar nie verschwunden waren. Dauerwellen, Leggins (mint, türkis, knallpink) — und diese „reinen Baumwollpullover mit einer 80%igen Polyester-Beimischung“.

  6. völlig richtig, neonfarben sieht man immer noch auf den straßen; mit der neuen Neuen Deutschen Welle (die ich übrigens sehr gut gefunden habe –> es lebe juli, karpatenhund, silbermond, revolverhelden, wir sind helden, etc.) bekamen auch die „alten“ Künstler wie Nena eine zweite Chance

  7. Na ja, musikalisch… ich weiss nicht. Ich fand Nenas erste Chance schon eine zuviel. (Zugekokste Billigtussen mit Flokati unter den Achseln und a bissl Pseudoesoterik fand ich immer schon nicht besonders prickelnd.) Klar, da sind ein paar NDW-Perlen, die einen immer mal wieder mitreissen, aber sonst…?

  8. Man kann ja auch den Künstler mal auf das reduzieren, was man wirklich von ihm hat, nämlich seine Lieder, die sie im Radio spielen, die man beim fortgehen hört, die man in der richtigen Stimmung einfach nur genießen und zum chillen verwenden kann.
    Da ist mir manchmal auch die Drogenkarriere des Künstlers der dahintersteht egal, wenn ich 3 mal im Jahr zu 99 Luftaballons Party mache.
    Ausserdem hab ich ja auch nur gemeint dass die jungen bands, die wieder auf deutsch singen (und ich meine nicht die „Neuen Österreicher“ –> halte Ö3 einfach nicht aus) echt eine Bereicherung für die deutschssprachige Musiklandschaft sind. Nena hätte sich ihr comeback auch sparen können, wo sie doch nur ihre eigenen Lieder nochmals in leicht abgewandelter Form aufgenommen und dadurch ein zweites Mal damit Geld verdient hat.

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