Liebe. Before Sunset.

Du und ich.  

Erinnerungen sind sowas schönes, wenn sie nicht die Vergangenheit wach rufen würden.

Celine in Before Sunset

Nachdem mich der Film Before Sunrise schon zu meinem letzten Text über die Liebe inspiriert hat, werde ich mich nun mithilfe von Zitaten und den Erinnerungen an die großartige Fortsetzung weiterhangeln. Meine Erinnerungen an die Menschen, die mein Leben so lange begleitet haben, die irgendwann einmal Teil meiner Person waren, die vielleicht auch nur einen kleinen Prozentteil meines Lebens an meiner Seite waren, sie sind allesamt wunderschön. Die hässlichen, ungustiösen, verdammten, schrecklichen Erinnerungen, ich habe stets versucht, sie zu verdrängen. Du und ich, wir beide, wir haben eine Vergangenheit, haben Tage, Monate, die wir gemeinsam verbracht haben. Können es unsere Vergangenheit nennen. Nicht immer ist alles gut gelaufen, nicht immer trennten sich unsere Wege mit einem Lächeln. Wir haben so verdammte Tage miteinander verbracht, an denen jedes weitere Wort pure Verschwendung gewesen wäre, und doch haben wir immer wieder zu uns zurückgefunden. Haben gemerkt, was wir am Anderen lieben, und akzeptiert, was uns am Gegenüber stört. Wir wurden uns unserer eigenen Veränderung bewusst, und haben eingesehen, dass sich alles weiterentwickeln muss. Unsere Liebe, unsere Freundschaft, dieses Wir.

Was uns bleibt, sind die Erinnerungen an einzigartige Momente. Als wir vollkommen betrunken, im zarten Jugendalter, in der Mitte der Pubertät auf Dächern saßen und auf die minimalistische Skyline hinuntersahen. Als wir uns mitten auf die Straße legten, um den Sternen näher zu sein. Als wir in der Schule saßen und unsere Hände sich gegenseitig hielten. Als alles anders wurde, und das Liebgewonnene irgendwie verschwand. Als ich realisierte, dass dieser Mann neben dir, damals noch ein Junge, einen ebenso wichtigen, einen ebenso großen Platz einnehmen würde. Dass von nun an wohl eher er mit dir assoziiert werden würde, als ich. Ich erinnere mich an die eifersüchtigen Blicke von mir, an den Schmerz. Und an die Akzeptanz. Die Akzeptanz, dass etwas vorbei ist. Und immer wieder muss man akzeptieren. Dass man nicht mehr nebeneinander einschlafen kann. Dass sich etwas ändern wird, und es doch alles nur an uns lag. Dass irgendjemand Schuld hatte an dem Ganzen und dem Verlauf, dem Ende und dem Neubeginn. Als wir, du weinend uns gegenseitig Dinge an den Kopf warfen, mitten in der Schule. Als Wochen ohne gesprochene Worte zwischen uns lagen. Das ist sie, unsere Vergangenheit. Mit dir und dir und dir. Es gibt so schöne Erinnerungen. Und ebenso schreckliche. Alle einzigartig in ihrer Begebenheit. Und doch kommt beim Erinnern irgendwie alles wieder hoch. Alles was schief lief und alles was gut.

Kein Mensch ist austauschbar. Jeder besteht aus wunderschönen kleinen Details.

Celine in Before Sunset

Die Einzigartigkeit jedes Einzelnen wird immer und immer wieder gelehrt. Und doch scheint diese Gesellschaft alles daran zu setzen, einen Einheitsbrei zu erzeugen. Keiner von uns, die wir in meiner Vergangenheit vorkommen, hat das Zeug für einen Konformisten. In manchen Dingen kamen wir dem Teufelskreis nicht aus, doch wie Celine so schön sagt, diese kleinen wunderbaren Details machen uns so einzigartig. Kein Gespräch gleicht dem anderen. Kein Lächeln. Wir sind alle unterschiedlich. Ich habe schon oft Liebe verspürt. Zweifelnde Liebe, handfeste Liebe, beschissene Liebe, ängstliche Liebe. Und platonische Liebe. Irgendwann bemerkt man, dass irgendeine Liebe wünschenswert ist, und der letzte gemeinsame Nenner ist möglicherweise noch die platonische Liebe. Käme es da manchmal nicht zu einem Bruch. Dies ist mir glücklicherweise noch nie passiert. Von Verliebtheiten möchte ich nicht sprechen. Sondern von Liebe, ob ausgesprochen oder nicht. Sie ist einfach existent. Verändert ihre Grundform nie, nur ihre Auslebung. Keinen Menschen, den ich jemals geliebt habe, habe ich aus dem Leben verschwinden sehen. Sie sind alle noch irgendwie da. Auch wenn der Kontakt manchmal bröckelt. Irgendwann trifft man wieder aufeinander und alles scheint so wie früher.

Warum ich diese Zeilen schreibe. Um selbst zu sehen, dass ich im Stande bin, zu lieben. Dass alles irgendwie dann doch normal ist. Dass Liebe etwas so Wunderbares, so Großartiges ist. Und dass es nicht komisch sein muss, dass bei Gesprächen, beim Auflebenlassen von Erinnerung plötzlich auch die Gefühle der Vergangenheit wieder da sind. Sie sind nun mal eng verbunden mit den Erinnerungen, sind Teil des Ganzen. Man darf diese Gefühle zwar zulassen, doch dabei muss man schlussendlich die Gegenwart akzeptieren. Die Vergangenheit ist, wie der Name schon so schön sagt, vergangen. Veränderungen fanden statt, wir haben uns verändert. Vielleicht habt ihr es schon vor langer Zeit akzeptiert. Ich brauchte zumindest für den letzten Fall für die letzte Liebe eben etwas länger. Tut mir Leid, Spätzünder eben. Aber vielleicht habe ich es noch geschafft, bevor die Sonne unterging. Vielleicht. Hoffentlich.

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