
Zuerst unscheinbar, dann mit Stacheln geschützt. Und schlussendlich aufgebrochen am Boden.
Eine andere Abzweigung nehmen. Vielleicht sollte ich doch wirklich mal neue Wege beschreiten. Mich etwas trauen, mir etwas zutrauen. Ich weiß nicht wohin, weiß nicht, für wie lange. Das sind sie, meine Ängste und Zweifel. Die erscheinen, während man versucht, den ersten Schritt zu machen. Manchmal stampft man umso stärker auf den neu entdeckten Pfad, um sie zu zerstreuen. Das eine Mal gelingt es, viele andere Male nicht.
Doch im Gegensatz zu all den anderen Abkürzungen veränderten Wegen scheint mir dieser beleuchtet. Ich liebe das sanfte und zarte Licht der Straßenlaternen. Aufgestellt, alle zweihundertfünfzig Meter. Tiefe Dunkelheit und die hellen Kreise am Boden. Die so weit strahlen, dass sie ihre Nachbarn beinahe berühren. Ich lehne mich an eine dieser kalten Laternen, ein Bein auf dem Eisengerüst abgewinkelt. Vielleicht sollte es ein kleines bisschen cool wirken. Doch die ganze Szenerie erinnerte mich an die Bilder, die ich von Chicago, in den dreißiger Jahren, im Kopf habe. Während der Prohibition, leere Straßen, wenige Pfützen. Ich bleibe stehen, zünde mir eine Zigarette an, und versuche mit meiner um einige Oktaven nach unten veränderten Stimme sinnvolle Selbstgespräche zu führen. Das Saxophon spielt die bekannten Klänge.
Irgendwann ist auch der letzte Zug in meiner Lunge angekommen, die Zigarette in den Straßengraben geworfen. Der Weg führt mich weiter, und da ich ja nichts von meinem Ziel wusste, hielt ich an einem Schilderwald. In alle möglichen Richtungen zeigen die Pfeile. Doch auf ihnen steht entweder nur Zurück oder einfach gar nichts. Jetzt wäre der Zeitpunkt also noch gut genug, um umzukehren. Doch mich interessiert das Unbeschriebene, das Ungewisse. Ich schreite fort, einen Fuß vor den anderen. Einen Schuh nach dem anderen. Mein Blick ist nach vorne gerichtet.
Und plötzlich ist der Boden mit Kastanien gesäumt. Kastanien, die meist unförmigen Samen der Früchte der mächtigen Bäume. Auf die ich immer zu klettern versuchte, die Schwerkraft mich aber stets nach unten zog. Damals, als ich noch klein war, unbeholfen. Ein Kind eben. Und ich folge den Kastanien. Durch die Faszination, die sie auf mich wirken lassen. Wohin es geht? Es ist doch egal. Diese Abzweigung gefällt mir. Das richtige Flair, die unzähligen Kastanien, und unzählbar viel Zeit. Und irgendwann komme ich zur Quelle. Und klettere hinauf. Diesmal habe ich es geschafft, habe den Kastanienbaum erklettert. Und blicke hinab. Und umher. Was für ein schöner Weg.

Ich wäre bei den Kastanien hängen geblieben. Hätte die zeit vergessen und dass ich weiter wollte und würde die glatte Fläche in den Händen hin- und herschmeicheln.
Viel Glück für weitere Wege.