
„Aber das wäre ungerecht.“
Überall schon schießen sie. Abermillionen von sinnlos verbrauchtem Schießpulver. Ich liege auf der Couch und sehe mir die frühabendlichen Jahreswechselfilmalbträume an. Die Katze springt hoch, die Katze springt runter. Will raus und will gleichzeitig noch fressen. Fest eingewickelt klammere ich mich an meine warme Decke. Soll es doch kommen. Ich habe keine Angst davor.
Irgendwann richte ich mich auf, strample die Decke von mir und kleide mich an. Es ist defintiv nicht mehr Sommer. Ein dicker Pulli, warme Socken, Schuhe, Jacke, Schal. Alles du, um mir die Wärme zu bieten, die ich jetzt gerade brauche. Das Auto, in der Garage. Und ich. Bald weg.
Einige Stunden. Dreisam-, Viersam-, Achtsamkeit. Gemütliches Zusammensitzen, betrinken. Ich selbst bleibe nüchtern. Will nicht irgendwo schlafen, will nicht mit dem Taxi nach Hause fahren. Der Countdown und der ewig lange Walzer. „Hast du Vorsätze für dieses Jahr?“ – „Es soll besser als das letzte werden.“ „Schlimmer kann es wohl nicht mehr werden.“, meint sie. „Doch. Es könnte noch so viel passieren“, kontere ich. „Aber das wäre ungerecht.“, möchtest du mir sagen. Wir sehen uns an, und lachen. „Weil ja gerade das letzte Jahr so schön gerecht war.“ Wir lachen. Und erfinden Dinge, die nur wir witzig finden. Irgendwann die angestaute Müdigkeit. Der Abschied. Das Ende. Der Feier zumindest.
Heimfahrt, zuhause angekommen. Garagentor geöffnet, Auto abgestellt. Alles ist Dunkel. Nur die zwei Katzen wuseln noch herum und warten, bis ich ihnen die Tür zu ihrem Fressen öffnen. Stille. Vollkommene Stille in diesem Haus. Hier sitze ich und warte. Warte auf mein Bett, auf morgen, auf die nächsten Tage, auf alles. Ich bin allein. Keine Eltern im Haus, kein reger Verkehr von Besuchern. Nur ich. Und diese Katzen, die ich einfach nicht ausstehen kann.
Allein. Einsamkeit. Die ich genießen kann. Manchmal verfluche ich sie, dann suche ich einen Weg, um ihr zu entkommen. Aber an manchen Tagen tut sie einfach nur gut. Dann brauche ich sie, um wieder zu mir zu finden. Jetzt sitze ich hier. Es ist dunkel um mich herum. Eine Woche werde ich hier alleine zuhause sein. Vielleicht kommen manchmal Freunde zu mir. Vielleicht aber auch nicht. Ich werde mich ins Bett legen und nachdenken. Zumindest heute habe ich noch ausgiebig Zeit dafür. Und irgendwann werden auch sie wieder nach Hause kommen, werden das Haus wieder beleben und ich werde dabei sein. Bis dahin ist hier eigentlich fast nichts. Als Dunkelheit.
