When It All Comes Crashing Down.



Leave the broken hearted with their pain.

Eine Telefonat, mehr nicht. Eines pro Woche. Vielleicht auch zwei. Mehr nicht. Mehr als diesen Kontakt lässt irgendeiner von uns beiden nicht zu. Und jedes Mal, beziehungsweise fast jedes Mal, enden sie so, wie sie nicht enden sollten. Dass irgendjemand wütend den Hörer aufs Telefon schlägt. Das war früher nicht so, und deswegen frage ich mich, was alles anders geworden ist.

Du bist älter geworden, ich auch. Ich habe mit vielen Dingen abgeschlossen, habe einen weitere Tür zum nächsten Abschnitt in meinem Leben geöffnet. Habe maturiert, die Schule somit beendet und bin nun Teil des Zivildienstprogrammes. Irgendwann, im nächsten Oktober, werde ich dann nach Wien ziehen. Nicht mal mehr jedes Wochenende nach Hause kommen. Mein Leben durchläuft einen heftigen Wechsel. Alles wird anders sein, und doch hoffe ich, dass es schön wird. Ich träume von diesem Abschnitt. Träume, wie toll die Zeit als Student sein wird. Ich, in meinem Metier. Von welchem ich schon als Vierzehnjähriger gesprochen habe. Und auf jenem Weg habe ich in den letzten Jahren einige Fortschritte erzielt. Endlich. Meine Träume scheinen sich mit der gehörigen Arbeit zu verwirklichen. Ich könnte nicht glücklicher sein.>

Ich kann nicht glücklicher sein. Mein Neffe ist gestorben. Du weißt das. Warst bei seiner Taufe dabei, warst bei seinem Begräbnis. Du hast ihn von meinen Freunden am öftesten gesehen. Mein Neffe ist tot. Timi, der Sonnenschein, der mich zum Lächeln brachte, als die Welt zu zerbrechen schien. Als du mit mir zum ersten Mal Schluss gemacht hast, Anfang des Jahres. Er war der Erste, nach diesem Gespräch. Der Erste, den ich gesehen habe. Und er machte die Welt irgendwie wieder zu einem schönen lebenswerten Platz. Dass du mir dann, zu meiner Rede, sagtest, sie sei zu bedrückend, hat mich irgendwie geschockt. Okay, man kann nicht überall einer Meinung sein. Man kann nicht überall sagen: Gut gemacht. Aber ich habe diesen Text am Montag, an dem Tag, an welchem Timi gestorben ist, geschrieben. Soll ich da himmelhochjauchzend von seinem Tod und seiner Auferstehung predigen. Du hast es vielleicht schon akzeptiert und realisiert. Aber ich wünsche niemanden, vor einem Meer aus Tränen, bekannten und unbekannten Gesichtern stehen zu müssen, um die innersten Worte, die einem eingefallen sind, vorzutragen. Worte an einen toten Menschen, der für dich der Mittelpunkt des Universums war.

Warum ich dir die vielen Worte schreibe. Weil du mich plagst. Überall verfolgst du mich. Täglich denke ich tausende Male an dich, träume von dir, schreibe über dich. Nein, ich bin noch nicht über dich hinweggekommen. Nein, selbst jetzt nicht, mehr als sieben Monate nach dem Split-Up. Am 4. Mai sagten wir unsere Beziehung Good Bye. Doch ich konnte nie „Leb Wohl“ sagen. Ich konnte nie richtig damit umgehen. Konnte nicht realisieren, konnte nicht akzeptieren. Irgendwann wieder einmal diese Gefühls-Flashbacks. Der Versuch der Ablenkung. Der Frust. Der Kummer. Ich habe jeden einzelnen Tag für dich Liebe empfunden. Habe an dich gedacht, und das Bild von dir, in meinen Gedanken, hat mir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Fühle dich nun betroffen, überrascht und desillusioniert. Schön und gut.

Nein, ich rede hier nicht von Beziehung und alledem. Das hatten wir schon. Schön war es. Jeder einzelne Tag war schön. Hat mich geprägt und mich gelehrt. Und so knapp nach diesem tragischen Todesfall denke ich, dass ich noch nicht dazu in der Lage bin. Du sowieso nicht. Das hast du mir schon so manches Mal erklärt. Du nicht. Mir fehlt einfach so viel, was für mich die schönsten Momente mit dir waren. Das Miteinandereinschlafen und Aufwachen. Wenn du mir Haare aus dem Gesicht strichst. Oder wenn du mit deinem Kopf auf meinem Bauch lagst und einfach nur lachtest. Solche Dinge fehlen mir.

Du bedeutest mir so viel. Frage mich nicht warum. Ich weiß es nicht. Du traust mir Dinge zu, die ich nie tun würde. Ich habe etwas Anstand, und auch Intelligenz habe ich einiges bekommen. Dass du dann irgendwie sekundenlange Stille während des Telefonates aufkommen lässt, nur weil ich ein Späßchen gemacht habe, ist doch schon irgendwie sehr … ähm … kindisch. Ich dachte immer, du kennst mich besser. Und jedes Mal denke ich mir, warum rufe ich dich überhaupt immer wieder an. Und wenn ich das nächste Mal deine Telefonnummer wähle, wünsche ich mir, dass du mich jetzt endlich besser kennst. Und ich werde bitterlich enttäuscht. So oft rufe ich dich an, oder schreibe dir eine SMS, ob du Zeit hättest. Ob du mit mir etwas unternehmen möchtest. Ob du mit mir ins Kino fährst. Es ist das letzte uneingelöste Versprechen, das ich dir je gegeben habe. Und wenn ich dir versprechen müsste, mich nie mehr bei dir zu melden, würde ich es tun, nur um dich nicht zu enttäuschen.

Doch ich scheine dich immer wieder zu enttäuschen. Aus unbegreiflichen Gründen. Dein kindliches Gemüt schlägt schnell um. Du bist manchmal anstandsloser und unintelligenter als du es von mir glaubst. Vielleicht sollte man sich oft an der eigenen Nase packen. Ich habe es schon gemacht, und werde es immer wieder tun. Ich traue mich schon lange nicht mehr, so schnell über jemanden zu urteilen. Nein, ich kenne dich nicht. Kenne keinen einzigen Mikroben deines Wesens. Du bist ein so einzigartiges Wesen. Im positiven, wie im negativen Sinne.

Nie hast du Zeit für mich. Weichst mir aus. Versuchst „realen“ Kontakt zu blockieren. Telefonieren, schön und gut. Aber sich wirklich sehen. Das magst du nicht. Jedes Mal wenn ich zur Rahel, oder zur Sarah, oder zur Elisabeth fahre, fahre ich ganz langsam an deinem Haus vorbei und sehe nach, ob du vielleicht davor stehst. Noch nie bist du davor gestanden, doch ich sehe immer wieder nach.

Was ich dir mit dieser viel zu langen E-Mail sagen möchte. Ich könnte dir zum Beispiel sagen, dass du mir etwas bedeutest, dass ich nicht richtig schlafen kann, weil ich daran denke, ob du überhaupt noch eine Freundschaft oder mehr haben möchtest. Und dass ich lieber in das eisklate Gewässer der Erde springen würde, bevor für mich ein „Was-wäre-wenn“ im Raum unbeantwortet hängen bleiben würde. Und deswegen würde ich einfach noch mal beide Augen zudrücken und in eine ungewisse – gemeinsame – Zukunft springen, um zu wissen, dass es sicher nicht funktioniert. Ich würde einfach lieber zweimal denselben Fehler machen, als mit einem bescheuerten „Was-wäre-Wenn“ zu leben.

Oder ich könnte auch sagen, dass ich dich vermisse. Dein Lachen. Dein Gesicht. Deine Augen. Dass mir so viel an dir liegt. Und ich einfach todtraurig darüber bin, dass es gerade so ist, wie es ist. Du fehlst. Jeder zweite Eintrag auf meinem Blog hat in irgendeiner Art und Weise mit dir zu tun. Oder ich denke zumindest an dich, wenn ich ihn schreibe. All der Kummer und das Leid und alles verschafft mir vielleicht auch die nötige Kreativität, die ich eben jetzt gerade in meinem Blog an den Tag bringe. Alles könnte schön werden. Wenn ich dich aus meinen Gedanken verbannen könnte. Aber ich möchte dich nicht vergessen. Möchte nicht diese eine Seite des Buches schließen und sagen, das war ein schönes Kapitel, aber es ist vorüber. Ich habe mir einmal vorgenommen, dass ich warte. Bis du dich selbst entwickelt hast, oder wie du es eben nanntest. Bis du wieder bereit für eine Beziehung bist. Vielleicht dauert es noch lange. Ich weiß es nicht. Aber ich habe auch nicht die Energie dafür, irgendetwas anderes zu tun. Ich bin viel zu ausgelaugt, psychisch an irgendeinem schwierigen Punkt. Und deswegen ist das Warten die beste Möglichkeit, mit einem Wunschtraum zu leben.

Vielleicht sagst du dir jetzt, fast am Ende dieser E-Mail, dass ich wieder einmal so viel Sinnloses geschrieben habe. Wie ich es auch in meinem Blog mache. Ja, vielleicht ist es sinnlos. Aber es ist für mich ein Versuch, dir vieles klar zu machen. Du brauchst mir nicht zurückschreiben. Brauchst nie mehr mit mir reden. Brauchst mich nie mehr ansehen und mich in deiner Biografie auch nur erwähnen. Aber wenn nur ein Fünkchen Wahrheit in diesem Text steckt, würde ich mich gerne über eine Nachricht freuen. Für mich ist diese Mal eine Art, um dir alles zu sagen, was mir auf dem Herzen liegt. Warum ich nie meine wahren Gefühle und Gedanken nach Timis Tod dir sagen konnte? Weil durch deinen Anblick meine Gefühle und Gedanken für dich sich mehr und mehr nach vorne reihten. Es hätte nicht so enden sollen. Es soll nicht so enden. Und sollte es dennoch so enden, so gib mir bitte Bescheid.

Mit einer festen Umarmung im Gedanken
und Einigem zum Nachdenken

Dominik

//Eine E-Mail. An sie.

6 Gedanken zu „When It All Comes Crashing Down.“

  1. an alle die komments geschrieben haben? kennt ihr die person die dahinter steht? liebeserklärungen müssen nicht immer für jeden wow sein!

  2. schokofee ist die rahel. ja, sie kennt mich. und sie kennt sie.

    ich habe es nicht unbedingt als liebeserklärung gedacht. als aufklärung für viele dinge, die mich noch beschäftigt haben.

    ich erwarte mir jetzt ehrlich keine antwort mehr. kommt eine. nehme ich sie zur kenntnis.

  3. und übrigens. klar müssen liebeserklärungen nicht immer für jeden wow sein. schon klar. aber für meine leser können liebeserklärungen schon wow sein. wobei ich hier doch eigentlich sowieso alles kann und nichts muss.

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