Ohne Dich Und Nur Mit Dir

Erwachsen werden
Du ballst die rechte Hand zu einer Faust. Faltest sie wieder aus. Streichst sie glatt. Und lässt sie ganz langsam über die Tasten streichen. Nur mit sanften Berührungen löst du diesen Wasserfall, diesen Wirbelsturm aus Buchstaben, aus Worten. Du spürst den Schweiß, der langsam auf deinem Gesicht entsteht, deine leicht verbogene und etwas verschmutzte Brille bewegt sich nur für wenige Millimeter. Mit der rechten Hand, wieder zu einer Faust geballt streichst du dir den ersten Schwung von Körperflüssigkeit aus dem Gesicht. And So It Is. Damien Rice singt nun schon zum siebenundzwanzigsten Mal. I Can’t Take My Eyes Off From You. Die Handflächenablage deines Notebook ist heiß. Doch draußen ist alles grau. Alles sieht aus wie ein Spiel für den allerersten Game Boy. Du siehst die Welt in 8 Graustufen. Versuchst mit der Select-Taste ein Power-Up freizuschalten. Doch das gelbe Licht, die Stromanzeige, lässt dich feststellen, dass es dem Ende zugeht. Die Graustufen verschwinden in schwarzer Streifen und lassen den gelb-grauen Bildschirm zurück. Das Spiel ist für dich vorbei. Und du legst ihn weg, drehst dich weg vom Fenster. Die Rose neben dir auf dem Tisch überrascht dich durch ihre Größe und ihre Farben. Sie reichen vom dunklen Rot bis hinauf ins orange-lastige Gelb. Langsam streichst du von der F3-Taste bis zum ALT-Button. Die Musik ist fast zu laut, um irgendetwas anderes wahrzunehmen. Du gähnst. Deine Worte scheinen zweckentfremdet und du schaffst es kaum noch, deinen Blick vom Bildschirm abzuwenden. Dein Vater auf der Couch, deine Mutter neben dir, du bemerkst sie nicht. Du bist hier, in deinem Element. Du streichst noch einmal, ganz langsam darüber, die flachen Tasten lassen kaum Fugen entstehen. Und während du deinen Blick senkst, überlegst du dir diesen letzten Satz.

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