Ufer.

Und mit dem Kuss verabschiedest du dich.

Gegangen bist du schon vor langer Zeit. Hast mich zurückgelassen in einer Einöde, die irgendwann einmal von einem Himmel erschlagen wurde. Unter den Trümmern der Welt, die mir damals den Schutz des Lebens gab, liege ich. Krame mich hervor und atme aus tiefster Überzeugung die staubige Luft ein. Hast mich zurückgelassen. Vor langer, langer Zeit.

Wolken brachten Regen, und ihr Abschied brachte die Sonne. Ich habe mir ein neues Leben aufgebaut. Neben den Trümmern, die mir zum Wegräumen viel zu schade sind. Sie sollen liegen bleiben. Und mich erinnern. An das was war, und damals kam. Manchmal steige ich noch über sie, blicke hinunter und ein Kloß sammelt sich in meinem Hals. Dann muss ich es hochheben. Und denken. Mich erinnern, an die Zeit, als die Trümmer noch die Welt bedeuteten. Nun sind sie eben Brocken, die nur langsam von mir abfallen.

Immer wieder öffnet sich ein Fenster und der Luftzug lässt meine Stimme heiser werden. Wenn ich dann leise spreche, hört man nur ein Kratzen, kaum einen Laut mehr. Worte zu bilden, sehe ich sowieso als Kunst an. Schwer fällt es, immer die richtigen zu finden. Um niemanden zu enttäuschen oder abzuschrecken.

„Du bist weise.“, ruft mir jemand zu. Ich drehe mich um, und möchte dagegensprechen. Möchte sagen, das Weisheit doch viel tiefer ist, viel voluminöser und größer. Möchte sagen, dass ich doch auch nur ein Mensch bin, der versucht, aus Erfahrungen zu lernen und aus Erlebnissen zu zehren. ‚Du bist weise‘, hallt es nach. Ich setze mich nieder.

Alles Schöne endet meist mit einem Kuss. Oder einer Umarmung. Und dann ist Schluss. Keine Möglichkeit mehr, die Welt beim Alten zu belassen. Das Kartenhaus, meine Welt. Irgendwann kommt schon der Luftzug, der wieder alles über den Haufen wirft. Tonnen von Lebenstrümmern sammeln sich in meiner Einfahrt. Manchmal lege ich mich noch unter diese Brocken, um dieses Gefühl ein weiteres Mal zu spüren. Und doch schwimme ich manchmal durch sie durch. Lasse mich treiben. Mache mich auf. Auf zu neuen Ufern. Auf zu meinem Leben.

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About the author

Sophia Bennett is an art historian and freelance writer with a passion for exploring the intersections between nature, symbolism, and artistic expression. With a background in Renaissance and modern art, Sophia enjoys uncovering the hidden meanings behind iconic works and sharing her insights with art lovers of all levels. When she’s not visiting museums or researching the latest trends in contemporary art, you can find her hiking in the countryside, always chasing the next rainbow.