
It Won’t Supposed To Be. Easy.
Mein linker Fuß folgt meinem rechten, und der Rechte meinem Linken. Und so bewege ich mich fort. Ziellos, wortlos, ratlos. Die Straßen sind überfüllt von der Leere, die die Dunkelheit in dieser Einöde mit sich zieht. Das Gras ist grau, der Bach rauscht schwarz, der Wind weht dunkelbraun. Ich bleibe stehen. Halte mich am Brückengeländer und spüre den kleinen Bach, der unter meinen Füßen, unter dieser Brücke unter mir hindurchfließt. Setze mich nieder. Der Asphalt ist eisig kalt. So wie die Luft und die Hand, die diese eine Zigarette, die letzte des Tages, hält.
Ich kotze hinein. In dieses fließende Gewässer. Welches scheinbar alles weit weg trägt. Irgendwann in diesen nahegelegenen Fluss mündet, der dann in den nächstgelegenen größeren Strom mündet, um dann irgendwann in dem großen braunen Fluss landet, der all das dann irgendwann einmal ins Schwarze Meer liefert. Kotze meine Gedanken heraus. Mir war schon wieder nach weinen zumute. Als über den letzten gemeinsamen Tag gesprochen wurde. Ich an diese warme, arme, sanfte Umarmung denken musste. Mit all den Schmerzen, die dieser kleine Körper durchstehen musste. Und wir und niemand anderer und die ganze Welt einfach nichts bemerkte. Den Tränen nahe und der Bewältigung doch so fern.
Kotze meine Gefühle hinein. Ich bin auf diesem Weg der Entwicklung, vom Kind zum erwachsenen Kind soweit vorangeschritten, dass ich wieder gelernt habe, Gefühle zu zeigen. Ich zeige sie nicht jedem und doch offenbare ich sie der Welt. Ich weine im Stillen und erzähle hunderten Menschen jeden Tag davon. Ich bin wütend und kann es nur kurz wirklich zeigen, bis die Worte Überhand von mir nehmen. Aber ich kotze diese Gefühle in den Bach um all das Überflüssige herauszulassen. Ich versuche nichts mehr zu unterdrücken. ich denke mir ständig, sollten sie kommen, die Tränen, oder die Wut, oder der Schmerz. Ich würde sie herauslassen. Aber irgendwo in meinem Körper, meinem Gehirn, blocke ich das Ganze ab.
Kotze mein Leben heraus. Um es mit dem nächsten Atemzug wieder einzusagen. Einmal die frische Luft erlebt. Die Realität, die Kälte zu spüren. Um zu fühlen, dass es hier draußen auch nicht viel wärmer ist, als in diesem stämmigen Körper, der mich hüllt. Eiskalt ist es. Kotze all das heraus, und wische mir den ganzen Mist von meinen Mundwinkeln in meine Ärmeln. Stehe auf und rauche diese Zigarette zu Ende. Gehe den Weg weiter. Hin zu ersten Kreuzung. Mich zu entscheiden war noch nie meine Stärke. Gäbe es von allem nur eines, nur eine Richtung, nur eine Wurst, nur ein Getränk, wüsste ich, was ich nehmen müsste. Doch jetzt stehe ich vor einer Entscheidung, die so schwer fällt, dass ich immer das Abwegigste auswähle. Um nicht aufzufallen.
Gehe in diese Richtung los. Beginne zu laufen. Komme aus der Puste. Bis ich irgendwann durch dieses Stechen im Oberkörper zusammenbreche, und einfach nicht mehr kann. Laufe davon, vor allem, und stehe dann an einem Punkt an dem es nur mehr ein Zurück gibt. Um mich der Welt zu stellen. Und irgendwann werde ich vielleicht auch in der Lage sein, dass ich meinen Gefühlen vollkommen freien Lauf lasse. Dass die Tränen einfach kommen. Und irgendwann gehen. „Dry Your Eyes.“, wünscht sich meine innere Stimme. „Bald“, antworte ich, „bald!“
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