Playground. Love.

Single-Leben

Wir gingen nie auf einen. In unserer näheren Umgebung gab es solch eine Einrichtung einfach gar nicht. Aber da wir einen großen Garten hatten, hatten wir auch eine Rutsche und eine Schaukel. Mein Spielplatz. Wie viele Erinnerungen hängen daran. Als ich eine kleine Holzschatulle im Sandkasten vergrub und sie zwei Jahre später wieder, rein zufällig fand. Als ich mitsamt der Rutsche umfiel. Und ich von viel zu weit oben von der Schaukel absprung. Ich erinnere mich auch auf den Holzstoß, der jahrelang bei uns in der Wiese lag. Auf den wir kletterten, so wie auf die vielen Haselnusssträuche. Erinnere mich an den Bach, der neben unserem Haus vorbeifloss, in welchem ich fast zwei Mal im Krabbelalter hineingekrabbelt wäre. Erinnere mich, wie ich hinter dem Haus Sandspielen sollte, plötzlich verschwand, und meine Mutter mich einige viele bange Minuten später in unserem Auto auf der Rückbank schlafend fand, mit dem Radio an. Erinnere mich an den Basketballkorb, wo ich jeden Tag mehrere Bälle versenkte. Erinnere mich an die kleinen aufblasbaren Swimmingpools, denen meist nach dem ersten Kontakt mit einer unserer Katzen oder dem Nachbarshund, die Luft ausging. Meine Kindheitserinnerungen. Mein so called Spielplatz. Mein Playground. Meine Möglichkeit mich zu entfalten. Meine Möglichkeit auf die Nase zu fallen. Ein volles Tagebuch aus bunten Bildern. Hier in meinem Kopf. Ich könnte kein Buch darüber schreiben, denn ich wüsste nicht, was zuerst war. Wann ich was erlebt habe. Hab für diese Zeit eigentlich sowieso kein Zeitempfinden. Erst seit drei Jahren kann ich auf den Tag genau sagen, was ich wann gemacht habe. Ab dem zehnten Lebensjahr kann ich mich ungefähr an den Klassen orientieren. Aber alles vorher. Ich weiß nicht, wann was war. Es ist egal. In meinem Playground Life ist alles egal. Was zählte, war ich. Und die Nachbarskinder, die oft hier waren. Und meine Schwester. Als wir alle noch so klein waren, die Welt so groß, und unser Garten das Zentrum des Universums.

Seit ich meine Naturverbundenheit verloren habe, seit ich Schlangen nicht mehr sanft in die Hand nehmen kann, seit ich nicht mehr jeden Herbst die Haselnüsse sammle, seit ich nicht mehr jede freie Minute an der frischen Luft verbringe, fehlt es mir. Es fehlt mir diese Passion. Wo ich diese Leidenschaft wiederfand. In der Liebe. Ja, man könnte fast sagen: als mir die Natur egal wurde, wurden die Sexualität für mich interessant. Mit dem ersten Samenerguss konnte in unserem Garten sprießen und wachsen was wollte. Es war mir egal. Von dieser Zeit weg habe ich nur ganz wenige Erinnerungen. Ich weiß immer nur, wen ich wann meine Liebe schenken wollte. In wen ich verliebt war. Wann ich unglücklich war. Warum ich unglücklich war. Der Rest ist nur eine Schrift mit durchsichtiger Tinte. Nur sehr schwer lesbar. Und nun habe ich statt der Erinnerungen vom Spielplatz. Statt den Erinnerungen vom Playground Life schwimme ich nun in den Erinnerungen des Playground Love. Es sind schöne Erinnerungen. Wunderschöne. Aber irgendwann bin ich mal von der Rutsche, oder von der Schaukel gefallen. Oder auch in den Bach. Und da liege ich nun. Ich brauche neue Erinnerungen. Neue Momente, die sich in mein Gedächtnis einprägen. Einfach mal etwas Neues.

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