Am Boden geblieben.

Es ist faszinierend, wie rasant sich alles ändern kann.

Wisst ihr vielleicht noch, wie ich früher war? Damals, als ich in jedes Lächeln, jede Berührung, in alles irgendwie die Welt hineininterpretierte, meine Träume zu rotieren begannen und all das in einem bösartigen Verliebtheitshöhepunkt sein vorübergehendes Ende nahm? Nein?

Okay. Jetzt wisst ihr vielleicht wovon ich rede. Ich war sie jemand. Ich war zwar immer zu feige, um auf Nummer Sicher zu gehen, dass nicht nur ich so fühle. Viel lieber genoss ich die mit der utopisch anmutenden Verliebtheit einhergehenden Schmetterlinge in meinem Bauch und um meinen Kopf. Und dazu passend all die Pläne mit Heirat, Kinder kriegen, wie unser gemeinsames Haus aussehen könne, ob wir im Badezimmer zwei Waschbecken hätte und welche Gardinen im Wohnzimmer besser zur gemütlichen Couch passen könnten.

Wer schon die letzten paar Wochen hier brav mitgelesen hat, weiß, dass viel passiert ist. Das eine lange Zeit vergangen ist. Und dann war da dieser eine Kuss.

Und nichts. Keine Träumerei und keine Utopie. Nichts. Nicht gefühllos, nein. Aber zum ersten Mal in meinem ganzen Leben bin ich wohl am Boden geblieben. Habe die kommenden Tage zwar oft daran gedacht, aber nie, wie es sein könnte, sondern nur, wie schön dieser eine Moment war. Und ich lasse mich darauf ein, und mein einziges Ziel war, einfach mal weiter zu sehen. Was sich eben so ergibt.

Aber wer hätte denn damit rechnen können, dass schließlich doch jemand zuviel und womöglich Unnötiges in diesen einen Kuss hineininterpretiert? Und ich es diesmal nicht bin?

Foto: D’Arcy Norman | flickr | creativecommons

Ein Gedanke zu „Am Boden geblieben.“

  1. Das mit dem Hineininterpretieren kenn ich gut. Ich mach mir zwar nicht derart weitreichende Vorstellungen (Ehe, Haus etc.), aber stell mir auch immer mehr vor, als wahrscheinlich der Realität entspricht, wenn es zu „besonderen“ Begegnungen oder Ereignissen mit dem anderen Geschlecht kommt. Ich denke dabei immer an Joel aus Eternal Sunshine. („Why do I fall in love with every woman I see that shows me the least bit of attention?“)

    Aber ja, irgendwie kommt es mir so vor, je älter man wird, desto weniger bleibt diese „utopische Verliebtheit“ aus. Man beginnt der Erfahrung wegen die Dinge nüchtener zu sehen. Was ich ehrlich gesagt nicht schlecht finde – es erspart einem immerhin Enttäuschung und Niedergeschlagenheit, wenn einen die Realität einholt.

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