I Want You To Notice.

… when I’m not around.

Der unerwartete Schuss. Das Zusammenbrechen eines Menschen. Der Schnitt. Und der Krimi ist zu Ende. Obwohl die dicke Frau noch singt. Kurzer, nichts aussagender Abspann. Und die Welt erhebt sich.

„Der Mond.“ Ich lächle. „Siehst du den Mond.“ Mit der Hand streiche ich über den Himmel. „Und all die Sterne.“ Ich lächle weiter. „Unsere Sterne. Der da, siehst du, das ist unser Stern“. Und mit der Spitze des Zeigefingers spiele ich mich mit unserem Stern. Ich spüre die Kälte der Nacht, die eisige Wärme des Asphalts, spüre den kühlen Wind und die sanfte Brise, welche vom kleinen Bächlein heraufweht. Die Nacht über mir. Die Dunkelheit umhüllt meinen bebenden, zitternden Körper.

„Ist dir kalt?“, frage ich dich, während ich mich mit der dicken Decke zudecke und mir einen bequemen Platz in meinem Bett aussuche. „Du könntest ein Stück meiner Decke haben, ich friere nicht so schnell.“ Halb abgedeckt, stelle ich noch den Wecker, schalte das Licht aus. Das Tagebuch lasse ich heute liegen. Nicht alle Tage bist du da. Nicht alle Tage.

„Fahre ich dir zu schnell?“ Langsam reduziere ich meine Geschwindigkeit. Halte mich an die vorgeschriebenen Geschwindigkeitsbeschränkungen. „Aber jetzt fahre ich schon richtig gut, oder?“ Ich lächle. Du warst die erste, die neben mir sitzen durfte, als ich gerade erst den Führerschein geschafft hatte. „Wo willst du hin? So wie immer?“ Ich nicke selbstüberzeugt.

„Was möchtest du heute essen? Ich lade dich ein.“ Du bekommst dasselbe wie ich. „Schmeckt es?“ Ich lache, ich erinnere mich noch an den einen Abend, als ich so grässlich gekocht habe, und du hast lange Zeit gar nichts gesagt. Nur um mich nicht traurig zu machen. Nur um mich nicht. Nur.

„Wie geht es dir?“ Doch du bist nicht da. Warst die ganze Zeit nicht da. Schon lange Zeit warst du nicht mehr da. Hast nicht in die Sterne gesehen. Nicht in meinem Bett geschlafen. Bist nicht mit mir Auto gefahren und hast nicht mit mir gegessen. Du lebst dein eigenes Leben. Weg bist du. Nicht da. Die ganze Zeit schon.

„Ist dir kalt?“ Ich lächle. Ja, mir ist kalt. Schon die ganze Zeit. Seit du nicht mehr da bist, nicht mehr Teil meines Lebens bist, sondern nur mehr Teil meiner Gedanken. Seit du begonnen hast, dein eigenes Leben zu leben, ein Leben, in dem ich scheinbar keinen Platz mehr habe. Oder kaum noch genügend. Ich möchte, dass du endlich mal bemerkst, dass ich nicht mehr da bin. Möchte, dass du mich anrufst, um mich endlich mal wieder zu sehen. Um endlich mal wieder von mir zu hören. Um zu sehen, dass ich lebe. Du musst dich nur einmal melden. Die Fragen habe schon ich.

5 Gedanken zu „I Want You To Notice.“

  1. Ich finde deine Texte ebenfalls LIEBEnswert. Das Dumme ist immer, wenn mir vor lauter Mitgefühl hier in der Firma manchmal die Tränen in den Augen stehen und der Kollege von gegenüber guckt blöd. Notiz an mich selbst: die Ikarus-Geschichten erst _nach_ Feierabend lesen.

  2. radiohead – creep. ein würdiger text zu einem leicht melancholischen, wunderschönen, aussergewöhnlichem liebeslied. mehr als nur irgendwelche schmetterlinge, oder spechte oder habichte, geier oder flugzeuge im bauch oder wie auch immer. diese mischung aus verzweiflung und traum, erinnerung, aufwachen. schmerz, realität. selbstzweifel. ich liebe das lied. und ich mag deinen text. nicht nur wegen des titels 😉

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