Führe Mich Sanft

Nimm mich an meiner Hand. Führe mich. Führe mich, wohin du willst. Du hast die Macht über mich. Aber pass auf … ich zerbreche viel zu leicht

Hier hast du mich. Ich gebe mich dir hin. Lege mein Leben dir dar. Lege meinen Körper in deine Hände. Ich bin dein. Mache, was auch immer du mit mir machen willst. Führe mich. Wohin du willst.

Du hast die Macht, mein Leben zu bereichern. Hast die Macht, mein Leben zu gestalten. Niemand anderer darf mich an der Hand nehmen. Du führst mich. Führst mich durch mein eigenes Leben.

Führe mich durch mein Leben. Lass jede einzelne Erinnerung die ich habe, eine Erinnerung mit dir sein. Lass es Frösche regnen, und zeige mir, wie hart die Tränen der Sonne auf einen fallen können. Führe mich durch ein Meer aus weißen Margeriten. Durch eine seichten, kalten Bach. Steh mit mir auf dieser einen Brücke. Führe mich zu einem Spiegel, und zeige mir, wer du bist. Zeige mir, wer ich bin.

Los, so nimm mich doch. Ich kann mich alleine kaum mehr selbst bewegen. Ich weiß doch nicht wohin. Und wohin sollte ich auch gehen, ohne dir. Komm, führe mich. Lebe du mein Leben. Du kannst dir aussuchen, wohin ich gehe. Wie dieser Weg, dieses Leben verläuft. Kalte Hände hast du. Komm ich wärm sie dir.

Wieso ziehst du die Hand weg? Was ist los? Möchtest du mich nicht führen? Was soll ich nur ohne dich? Wohin soll es nur gehen, ohne dir?

Du willst es nicht haben. Willst mein Leben nicht haben. Hast Angst. Angst, vor dieser Macht. Der Macht über mein Leben. Ich bin ein eigenständiger Mensch, erklärst du mir. Nicht du solltest mein Leben führen, sondern ich.

Warum plötzlich das? Ich versteh plötzlich kein Wort mehr aus deinem Mund. Wir sind doch ein Paar. Wir haben doch schon so viel erlebt. Wir wissen, wie sehr wir uns lieben. Warum hast du Angst? Ich lege mein Leben aus reinem Vertrauen in deine Hände.

Du lachst. Nein, nicht Vertrauen. Es ist Abhängigkeit, sagst du mir.

Ja, es scheint als wäre ich von dir abhängig. Du bist wie eine Sucht. Eine Sucht, die keine äußeren Spuren hinterlässt. Wenn ich dich sehe, hänge ich an deinen Augen. Wenn du redest, dann höre ich dir gespannt zu. Wenn du schläfst, sehe ich dir stundenlang zu. Wenn ich schlafe, träume ich von dir. Ja, ich bin abhängig. Nun gut, aber soll ich wirklich loskommen von dir? Es das nicht ein Schritt in Richtung Trennung, wenn ich aufhöre, ständig an dich zu denken. Wenn ich aufhöre, mir zu wünschen, dass du mich durch mein Leben führst.

Du schüttelst den Kopf. Ich weiß, du findest mich verrückt. Verstehst nicht meine Liebe zu dir. Ich verstehe sie schon. Du bist der wunderbarste Mensch, dem ich begegnet bin. Niemand ist so wie du. Du bist einzigartig.

Wenn du die Macht hättest, mein Leben zu bereichern, es zu gestalten, so hättest du auch die Macht, mein Leben zu zerstören, es in die völlig falsche Richtung zu ziehen, erklärst du mir. Du hast Recht. Eine solche Verantwortung könnte wohl niemand übernehmen. So lass uns unser Leben eigenständig weiterleben, schlägst du mir vor, und jeder übernimmt einen bestimmten Teil in diesem Leben. Du bekommst hier, hier in mein Herz, und in meinem Leben bekommst du den schönsten Platz. Du sollst nur immer hier sein. Immer. Der Rest meines Lebens soll mit dir sein.

Aber du hast Recht. Es ist eine Sucht.
Ich muss versuchen,
selbst zu leben.

Ein Gedanke zu „Führe Mich Sanft“

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