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Wir dachten, es könnte uns nichts passieren … aber in Sachen Liebe sollte man das Denken wohl lieber lassen.
TEXT: DOMINIK LEITNER, www.neon.de
Einen letzten Kuss möchte ich, nur damit ich weiß, wann ich den vielleicht letzten Kuss von dir bekommen habe. Langsam bewegst du dich auf mich zu. Wir sehen uns in die Augen. In deine so schönen Augen. Glänzend vor lauter Tränen. Du legst langsam deine Hände um mich, ich tue es dir gleich. Unsere Lippen berühren sich, und jede einzelne Träne, die aus deinen wunderschönen Augen gefallen ist, und sich einen Weg auf deinem Gesicht gesucht hat, jede einzelne Träne spüre ich, wenn sich unsere Lippen berühren.
Sie schmecken salzig, warm. Ich spüre es wieder. Die zittrigen Knie, so wie bei unserem ersten Kuss. Ich möchte dein sein, möchte mich fallen lassen, möchte dass dieser Kuss ewig andauert. Ich möchte, dass dieser Tag nicht geschehen ist. Ich möchte versuchen, all das zu vergessen. Doch es geht nicht. Unsere Lippen lösen sich. Ich blicke dir noch einmal in die Augen. Man kann das ganze nicht einfach vergessen. Diese Augen, dieses Gesicht. Ich möchte nicht weg. Ich möchte bei dir bleiben, möchte in deinen Armen einschlafen. Doch ich drehe mich um und gehe. Ohne mich ein einziges Mal umzudrehen. Warum muss ich gehen? Worum ging es in unserem Streit überhaupt? Können wir nicht einfach morgen darüber lachen?
Ich habe vieles erwartet, mit vielem gerechnet, aber ich habe gehofft … gehofft, dass alles gut ausgeht. Dass du auf unsere Beziehung vertraust. Dass du deinen Gefühlen nachgibst. Dass du mich nicht nur als besten Freund haben möchtest. Dein Telefongespräch freute mich. Es ließ einen schrecklichen Tag doch noch gut werden. Deine Stimme zu hören, mit dir eine halbe Stunde zu reden, diesen Ausstoß von Glückshormonen hatte ich bitter nötig.
Den ganzen Tag machte ich mir Gedanken, mein Kopf war immer in Arbeit, ich hatte keine ruhige Minute ohne einen Gedanken an dich. Es ist schon schrecklich genug, wenn man während der Weihnachtsferien in die Schule kommen muss, um die Choreografie für den Abschlussball immer und wieder durchzuüben. Aber mit diesen Gedanken im Hinterkopf war es noch schlimmer.
Ich konnte nicht einmal ruhig schlafen. Es gibt nicht viele Gründe warum ich nicht schlafen kann. Vollmond, zuviel Koffein … dass sind normalerweise die einzigen Gründe. Aber nachdem ich heimgekommen war, versuchte ich zu schlafen, mir war zu kalt … und das Nachdenken ließ mir auch keine Ruhe. Als ich endlich einschlief, wachte ich jede halbe Stunde auf. Immer mit den Gedanken im Kopf.
Der eine Kuss. Von Tränen getränkt.
Wie war es nur so weit gekommen? Warum war überhaupt von Trennung die Rede? Und was war der Ausgangspunkt unseres Streites? Wenn du mich nur als besten Freund haben willst, sage es mir. Dann ist es das Gescheiteste, wenn wir Schluss machen. Oder wollen wir es wieder versuchen, Beziehung und gute Freundschaft? Ich brauche nur Gewissheit. Und die erhielt ich an diesem Abend nicht. Der Streit, so … übertrieben, so … sinnlos. Argumente, die wir uns an den Kopf warfen, von welchen wir heute nur mehr die wenigsten wissen, und diese auch meist nicht vertreten können.
Wie du zu weinen begonnen hattest. Als ich sagte, ich wollte noch nach Hause gehen. Um 2 Uhr morgens. Du hattest Angst um mich. Du begannst zu weinen. So ehrlich, so bitterlich, so sorgend.
Wir sollten reden. Darüber, dass ich es nicht schaffe, auf die Beziehungskiste komplett zu verzichten und nur auf guten Freund zu machen. Ich möchte dich küssen, wann ich will. Ich möchte dich umarmen, wann ich will. Und ich möchte dir in die Augen sehen, ohne das Gefühl zu haben, dass du dich immer weiter, mehr und mehr, von mir wegbewegst. Der Abend bei einer Freundin war eigentlich lustig. Nur all das Rundherum, was in meinem Kopf herumspukte, die Gedanken, der Unmut, der Ärger … ich wusste schon vor diesem gemütlichen Zusammensitzen, dass dieser Abend beschissen enden wird. Ich komme damit einfach nicht zurecht.
Der Weg zu unserer Abendunderhaltung war lang, kalt, dunkel und gruselig. Doch wir waren ja nur Freunde. Kein Händchen halten, keine Küsse während dem gehen, kein gegenseitiges Wärmen. Aber ich wollte dich doch so gern küssen. Mich mit dir in die, fast von der Kälte gefrorene, Wiese fallen lassen. In die Sterne sehen, und mir mit dir eine wunderschöne Zukunft ausmalen.
Vorher war ich mit zwei meiner besten Freunde, einem Paar, im Kino. Mit dem Gedanken im Hinterkopf, wie beschissen all das gelaufen ist, kann man, denke ich, keinen Film wirklich genießen.
Ich hatte nur wenig Zeit darüber nachzudenken, ich kam heim und war auch schon wieder auf dem Weg ins Kino. Ich konnte dir nur schnell meine Gedanken schreiben. Und das auch nur in der Form eines kleinen Gedichts. Ich hätte dir so viel zu sagen. Aber ich wurde noch nicht einmal mit dem Denken fertig.
„Also ich finde es scheiße“ … das war meine erste, und spontane Reaktion, als ich begann, richtig darüber nachdzudenken. Unser Gespräch, in dem du mir erklärtest, dass du mich wahrscheinlich zurzeit mehr als besten Freund beanspruchst, als als Freund. Ich weiß, dass man beides verbinden kann. Aber irgendwie versuchten wir es, einmal nur beste Freunde zu sein. Anfangs dachte ich, dass das ja gut gehen könnte. Aber nachdem ich das erste Mal darüber nachdachte, kam es eben zu dieser Reaktion.
Der Tag hatte ja eigentlich gut begonnen … der Vormittag war so unglaublich. Wir waren frühstücken, erledigten den ersten nachweihnachtlichen Einkauf und saßen am See, an unserem See, dem wunderschönen Traunsee. Doch ich wusste, du wolltest reden. Du hast es ja selbst angekündigt. Aber ich habe es so gut wie möglich hinausgezögert. So wie du.
Wir glaubten, uns könnte eigentlich nichts passieren …
Wir weichen normalerweise unseren Problemen aus. Dieses Mal taten wir das nicht. Daran wäre unsere Beziehung fast zerbrochen. Doch wir vertrauen auf unsere Beziehung. Wir geben unseren Gefühlen nach. Wir lieben uns.
Ich freue mich schon wieder auf dein Gesicht. Deine Augen. Deinen Körper. Auf den nächsten Kuss.
Selbst mit einem, von Tränen befeuchtete, Gesicht sehe ich in dir das wunderschönste Wesen der Welt.

puuuhhh, ein glück eine wunderschöne wendung, herzlichen glückwunsch…so was hätte ich mir auch für mich und uns gewünscht…wer weiß…wunder geschehen immer wieder…
ich merke gerade, dass ich nicht allein bin… und bin regelrecht geschockt, wievielen menschen es so ähnlich ergeht wie mir… wir sollten uns verbünden!! =)
*schnief*
Ich denk auch immer zu viel …
warum ich auf diesen text sehr stolz bin, ist die umgekehrte erzählweise. zuerst das ende. und immer um einige stunden zurück. bis zum anfang. einer meiner ersten texte auf neon. nein, sogar mein erster. und wirklich schön geschrieben. ich weiß, eigenlob stinkt. dann stink ich eben. er gefällt mir.