Weißt du eigentlich, dass Schmetterlinge mit ihren Beinen schmecken?

„Weißt du eigentlich, dass Schmetterlinge mit ihren Beinen schmecken?“

Meine Gedanken tun weh und ich presse mit beiden Händen, ganz fest an meine Schläfen und kämpfe dagegen an. Gegen diese Kopfschmerzen und deine Anwesenheit hier in meinen Strudel aus Gedanken und Erinnerungen und Wortlücken, die du all die Zeit zurückgelassen hast. Dazu die Stille, die ich zu bekämpfen versuche mit dem langsamen Tippen meiner Finger am Boden, auf den ich mich abstütze.

Es werden wohl schon Stunden sein, die ich hier sitze und das Wetter bricht nicht um und der Regen kommt nicht wieder zurück. Freigang hat sie bekommen, die Sonne, ihre monatlichen 2 Stunden. Und ich brüte und brate in ihr und vergesse, dass ich mich hätte melden sollen und will damit aber auch nicht konfrontiert werden. Lasse mich fallen, zurück, ins wuchernde Gras und drehe meinen Kopf und rieche den Duft.

Viel zu selten habe ich dich gesehen und viel zu oft habe ich dich nicht gesehen und immer und immer wieder dasselbe. Und dann schütt‘ ich mir ein Drittel meines Biers hinunter und den Rest auf meine Hose und denke nur ein kurzes Fuck! und schließlich weiter. Und irgendwie führt ja doch nichts weiter und irgendwie fühlt es sich ja immer noch gleich an. Es fühlt sich immer noch so an als wäre das hier doch genau das Gleiche wie schon all die Zeit zuvor und mein Kopf ist schwer und du nicht hier.

Ich vermisse. Deine Schulter, auf die ich meinen Kopf legen konnte, wenn Umarmungen uns weiter führten, als alles andere es je hätte tun können. Deine vorwurfsvolle Stimme, weil ich heute schon wieder ein Päckchen meiner geliebten Zigaretten verschlungen habe. Und deine Blicke, wenn du dir deiner Sache doch so sicher warst und ich es schließlich bemerkte.

Mir fehlen die Heimfahrten, in denen ich alles nicht wahrhaben wollte und das Zuhause-Ankommen, als ich mich noch einmal, für eine oder für zwei Zigaretten in die Hängematte im Garten legte und die Stille in Kombination mit der Nacht als die perfekte Symbiose ansah. Und dann bemerk‘ ich, wie dumm doch all das war und wie verträumt ich damals war und wie viel klüger ich eigentlich jetzt sein sollte. Und es in gewisser Weise vielleicht sogar auch bin.

Und dann sitze ich in meinem Bett, die dünne Decke ganz fest um meine Füße gewickelt und rauche beim geöffneten Fenster raus und bin überrascht, wie hell der Mond heute sein kann. Und kann es kaum glauben und träume weiter. Träume nach vorne und keinen Schritt mehr zurück und schwöre mir hoch und schwöre mir heilig irgendwann wieder einmal Wolkentierchen zu suchen und mir die Sterne anzusehen. Von genau dieser einen Stelle, auf vielleicht sogar genau dieser Decke.

„Nein. Das wusste ich nicht, Darling. Das wusste ich nicht.“

Foto: Vincepal | flickr


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About the author

Sophia Bennett is an art historian and freelance writer with a passion for exploring the intersections between nature, symbolism, and artistic expression. With a background in Renaissance and modern art, Sophia enjoys uncovering the hidden meanings behind iconic works and sharing her insights with art lovers of all levels. When she’s not visiting museums or researching the latest trends in contemporary art, you can find her hiking in the countryside, always chasing the next rainbow.